Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-12 · Heft 19 (12.5.1893) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
Heft 19 (12.5.1893)
Date
1893-05-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3020954-3020972-3020973--02403-3026490
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

MrsterrelrhilchL WortzrnfrtzrtN Seite 363 Nr. 19 einem kleinen Tische, neben dem das blank gescheuerte Becken stand. Durch einen Schnitt in den Hals mit dem Schlachtmesser, welches unter dem Tuche verborgen auf dem Stuhle gelegen war, wurde das Kind getödtet und das Blut in dem Becken aufgefangen. Ich hörte nur einen wimmernden Laut, bemerkte auch nicht, welcher von den Schames den mörderischen Schnitt ausgeführt halte, da wir während des Actes die Augen andächtig gesenkt hielten. Als die Äbschlachtung beendet war, ertönte laut die Stimme des Zaddiks: „Masseltow“. Mit diesem Worte pflegt man bei den Juden zu gratuliren; es heißt: „Gut Glück!" Damit war unsere Andacht beendet. Unterdessen wurde der kleine Leichnam entfernt und das im Becken aufgefangene Blut in die oben erwähnten Fläschchen gefüllt. Die Aufschriften auf diesen Fläschchen enthalten die Namen der Städte und des Vorstandes der dortigen Gemeinden, die Anhänger des Zaddick's sind. An diese werden die Fläschchen vertheilt. Ein größeres Quantum Blut wurde in einem silbernen Becher aufgehoben, um in den nächsten Tagen zu der Mazza Schmurra^) verwendet zu werden. Dieses traurige Ereigniß theile ich Ihnen, hochw. Herr Pfarrer hier mit, wie es noch in meiner Erinnerung lebt, der Wahrheit gemäß, für die ich leben und sterben will. Ich rufe Gott, den Allmächtigen, zum Zeugen an und bin bereit, dies bei allen Behörden eidlich zu erhärten. Bei Ihrem heiligen Seelsorgeamte verpflichte ich Sie, diese meine Mittheilung, die ich in chronologischer Reihenfolge aufzeichnete, in Ihren Kreisen öffentlich bekannt zu machen, um weiteren Schaden zu verhüten, damit nicht noch mehr Christenkinder (solchen) in wahnsinnig religiösem Fanatismus verharrenden jüdischen Meuchelmördern zum Opfer fallen. Auf diese Leute paßt die Stimme des Propheten Micha, welcher im dritten Capitel, V. 9 bis 10 ausruft: „Höret dies, Fürsten des Hauses Jacob, Richter des Hauses Israel! die Ihr Abscheu habet vor dem Rechte und Alles verdrehet, was Recht ist, die Ihr Sion bauet mit Blutschuld und Jerusalem mit Unrecht." Ich wiederhole nochmals meine Bitte an Sie, Herr Pfarrer, nicht zu ruhen und als katholischer Geistlicher, wie ich als Protestant, tapfer ans Werk zu gehen, unitis viribus, zum Wohle der Menschheit; denn wir bekennen uns zu „einem" Herrn und Heiland. Das walte Gott der Herr in Gnaden. Amen. Indessen zeichne ich mit christlichem Gruße Ihr im Herrn verbundener Paulus Meyer. P. 8. Ich will noch bemerken, daß das Opfer diesmals. aus Levertof, etwa drei Meilen von Ostrowo, stammte. Der Vermittler war ein jüdischer Grundbesitzer Schmiel Tarier, so genannt nach dem gleichnamigen Dorfe, zu welchem sein Gut gehört. D. O. Am heutigen Tage ist der Redaction des „Vaterland" . nachstehendes Schreiben zugemittelt worden; „Seiner Wohlgeboren Herrn Franz Doll, verantwortlicher Rehacteur des ,Vaterland^ Wien. Die Zuschrift des D r. D e ck e r t in Nr. 138 vom 10. Mai 1893 nöthigt mich zu meinem großen Bedauern Sie neuerdings auf Grund des § 19 des Preßgesetzes aufzufordern, nachstehende Berichtigung in der gesetzlichen Form und Frist in Ihrem Blatte zum Abdruck zu bringen: Es ist unwahr, daß ich zugegeben habe, daß der Doge Herzog Pietro Moncenigo von Venedig die Vorkomnisse in Trient nur gerüchtweise (per rumorem) kannte; wahr ist vielmehr, daß der Doge von Venedig die Thatsache des Mordes und dieBetheiligungder Juden an demselben als „Gerücht" bezeichnet, an welches er auf Grund der gepflogenen Erhebungen, welche nachweislich stattgefunden, nicht glaubte. Es ist unwahr, daß ich die Thatsache anführte, daß Sixtus IV. den Cult des heiligen Simon in der den Proccßacten vorangestellten Bulle verboten habe. Wahr ist vielmehr, «) Mazza Schmurra heißt die Mazza, die in dem Hause drs Zaddicks unter besonderer Aufsicht gebacken wird; nur bei den Chaffidim. daß ich Clemens XIV. als Zeugen dafür citirt habe, daß sein Vorgänger Sixtus IV. dieses Verbot erlassen habe und daß dieses Verbot ein ganzes Jahrhundert in Geltung blieb. Die Entschließungen des Papstes Sixtus IV. ergaben sich aus dem Berichte des pästlichen Legaten,' dessen Bestechung durch die Juden weder die Proceßacten, noch sonst irgend eine Geschichtsquelle zu melden wußte und dessen Verunglimpfung dem Herrn Dr. Deckert Vorbehalten blieb. Es ist unwahr, daß ich behauptet habe, daß sich die Bulle des Papstes Jnnoncen; IV. vom 28. Mai 1247 auf die Vorkommnisse in Trient im Jahre 1475 bezieht. Wahr ist vielmehr, daß ich diese Bulle als Beweis für eine ähnliche Justiztragödie aus dem 13. Jahrhundert vorbrachte, wo gleichfalls durch den Mißbrauch der Tortur erpreßte Geständnisse Vorlagen, und die angeklagten Juden Opfer eines Justizmordes geworden sind. Es ist unwahr, daß ich in meiner letzten Berichtigung gesagt habe, „daß kein Convertit Augenzeuge einer solche gräulichen That gewesen" und „ein Anderer vielleicht"; wahr ist vielmehr, daß die Berichtigung erklärt, daß „der Convertit", d. h. jener von Deckert in seiner Wohnung beherbergte, von dem er sich den „Leipziger" Brief gegen 100 fl. monatlich schreiben ließ, jene undenkbare Mordgeschichte, welche das Schreiben erzählt, unmöglich gesehen haben kann. Es ist unwahr, daß meine Berichtigungen „nichts weiter bezwecken", als den Abdruck eines Mordbriefcs herbeizuführen; wahr ist vielmehr, daß meine Berichtigungen den Zweck haben, vor der öffentlichen Meinung zu zeigen, daß nicht blos die Erzählungen Deckerts von der Theilnahme der Juden an der angeblichen Ermordung des Simon von Trient in Allem und Jedem mit der historischen Wahrheit im unlöslichem Widerspruche stehen, sondern auch die von ihm zur Zeugenschaft angeführten Briefe eines Menschen, der sich mir angeboten, gegen die Antisemiten zu schreiben und ihre Schanbthaten zu „enthüllen", wenn ich ihn aus den Händen Deckerts (wörtlich: „Ten Klaren dieser Leute") retten helfe, zu demaskiren. Dr. Bloch, Reichsrachsabgeordneter. Wir stehen vor einer der seltsamsten Episoden in der Wiener Antisemitenbewegung. Das „Vaterland" und der würdige Dr. Deckert haben sich gemeinsam ein längst öffentlich gebrandmarktes Jndividium gegen gute Bezahlung in ihren Dienst genommen, um falsche Zeugnisse zu fabriziren. Eine Schurkerei in dieser Niedertracht ist beispiellos in der Geschichte. Das „Vaterland erklärt einen päpstlichen Legaten als von den Juden bestochen, der Paulus Meyer dagegen, der von Deckert und dem „Vaterland" mit monatlich fl. 100.— bezahlt wird, ist ein tadelloser Zeuge. Damit endet das erste Capitel. Ueber das zweite werden wir in der nächsten Nummer berichten. Corresponäensm. Wien, am 8. Mai 1893. Löbliche Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift". Mit Bezugnahme auf die in Nummer 18 Ihres geschätzten Blattes enthaltene Notiz über die Bermiethuug eines Locales an die Firma Lesk und Schwidernoch ersuchen wir auf Grund des § 19 des Preßgesetzes die folgende Berichtigung in Ihre nächste Nummer aufnehmen zu wollen. Bei der Equitable bestehen für das Verficherungsgeschäst und die Verwaltung der Fonds ganz getrennte Abtheilungen und wird daher in allen Städten, wo die Equitable Häuser besitzt, die Administration derselben durch selbständige, nur der Centrale in New-Aork unterstehende Organe — die Administration des Hauses in Wien durch den k. k. Baurath Andreas Streit — besorgt; der Unterzeichnete Generalrepräsentant der Equitable ist demgemäß gar nicht in der Lage, in Bermiethungsfragen zu interveniren, da er weder von einem bevorstehenden, noch von einem bereits erfolgten Abschluß irgendwie verständigt wird und auch von der in'Rede stehenden Bermiechung erst viele Wochen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.