Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- Heft 19 (12.5.1893)
- Date
- 1893-05-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 362 Oesterreichifche Wochrnschrrfl Nr. 19 Sr. Hochw. Herrn Pfarrer Dr. Joseph Deckert, Weinhaus-Wien. Leipzig, 20. April 1893. Adr. Red. d. Anti-Corruption, — Moltkestr. Nr. 44. Ew. Hochwürden dürfte wohl mein Name nicht völlig unbekannt, fei t, da derselbe im letztvergangenen Jahre in der Presse fast ganz Deutschlands die Runde machte. — Als ich durch den noch immer nicht auft geklärten Knabenmord in Xanten veranlaßt in der Oeffentlichkeit auftrat, um zu behaupten, daß es wirklich bei den Juden noch heutzutage einen Ritualmord gebe, das heißt, daß die Juden zu ihren rituellen Zwecken daS,Blut Andersgläubiger gebrauchen und daß dieser Gebrauch besonders unter den streng orthodoxen Juden (Chassidim) noch bestände, da hätten Sie sehen sollen, welch' tödtliche Feinde ich mir zuzog, weil ich die Kühnheit besaß, auf Grund meiner intensiven Kenntniß, der hebräischen Literatur die Wahrheit zu behaupten, von welcher .ich die volle Ueberzeugung habe, indem ich selbst Augenzeuge war, bei der Abschlachtung eines christlichen Kindes, dessen Blut den Juden zu ihren vermeintlichen rituellen Zwecken dienen sollte, lieber diese haarsträubende Scene will ich Ihnen im Weiteren nähere Details mittheilen. Durch mein Auftreten hatte ich mir zu gleicher Zeit die Feindschaft der Berliner Judenschaft und des Oberschimpfboldes der jüdischen Presse, Dr. Hirsch Hildesheimer, Erzfeindes und Verfolgers der christlichen Kirche zugezogen. Dieser Hirsch Hildesheimer ist in Berlin das, was Ihr Rabbi Bloch in Wien, der Sie jetzt, wie ich ersehe, in Nr. 14 (vom 7. April) der „Oesterreichischen Wochenschrift" angreift und auf das Unfläthigste beschimpft, weil Sie es wagten, aus Prozeßacten über eine Greuelthat, von fanatischen Juden im Jahre 1475 zu Trient an dem kleinen Simon Gerber begangen, nachzuweisen, daß^die Juden zu ihren rituellen Zwecken das Blut Andersgläubiger gebrauchten. Nun erftecht sich dieser Jude Rabbi Bloch, auf unver> schämte Weise Ihrer Priester lichen Ehre nahezutreten, wie ich aus seiner Wochenschrift ersehe, eben wie der Berliner Jude Dr. Hirsch Hildesheimer mich verfolgte ... Ich hatte seinerzeit sogar den Versuch gemacht, durch die „StaatsLürger.Ztg." den Tambourmajor der Judenschutztruppe, Professor Strack, zu einer öffentlichen Discussion aufzufordern, da er sich uls Ver-' theidiger dieses.Volkes aufwirft. Dem Manne ist's nicht um Wahrheit zu thun, ihm ist nichts heilig; er besitzt die Stirne, die Wirklichkeit der Blutfacta abzuleugnen, sie auf sophistische zu Weise vertheidigen. Als ich in dem eben erwähnten Blatte Strack zu einer öffentlichen; Discussion unter Sachverständigen aussorderte, um meine Behauptung zu beweisen, empfand er sein Unvermögen auf diesem Gebiete und versteckte sich hinter dem Busche des Hirsch Hildesheimer. Er begann mit diesem einen andern Plan, nämlich, mich aus der Welt zu schaffen, was ihm auch gewissermaßen gelungen ist, Man überhäufte das Berliner Polizeipräsidium mit Denuncmtionen über Denunciationen, bis schließlich das Toben der Juden m d ihrer Zuhälter der 'Behörde zuwider wurde, so daß. dieselbe, um nur Ruhe zu hoben, mich aus Berlin verwies. Nun wohl, die Rabbiner Hildesheimer und Strack sind meine gefährliche Nähe losgeworden; mich ganz mundtodt zn machen, wird ihnen aber wohl niemals gelingen. Ich thue meine Pflicht in Leipzig so gut wie in Berlin. Das war also das Resultat meiner Bemühungen, den Juden und dem zum jüdischen Geldsack übergetreteneu Strack (indirect) nachzuweisen, daß es ein Blutritual gibt. Auf diese Leute paßt so recht der Text des 58. Psalmes V. 5: „Ihr Wüthen ist gleich dem Wüthen einer Schlange, gleich der tauben Natter, die ihre Ohren verstopft." Denn, wenn diese Herren so sicher sind, daß es kein Blutritual bei den Juden gibt und diese Behauptung absolut unwahr ist, warum haben sie die oben erwähnte Aufforderung nicht angenommen? Statt dessen suchten sie mich in Berlin loszuwerden. Aber das habe ich bei Allem, was mir heilig, geschworen, daß ich nicht eher aus der Welt scheiden will, bis ich den Tempel des Herrn, so weit es in meinen Kräften steht, gesäubert und die Wahrheit an das Licht gebracht habe. — Ew. Hochw. haben wohl die angedeutete Mittheilung über die Abschlachtung eines Christenkindes längst vermißt. Nun wohl; die bisherigen Zeilen sollten Ihnen nur einen Einblick in das ganze Getriebe geben; jetzt komme ich auf den Hauptkern meines Schreibens, auf die haarsträubende Geschichte, bei welcher ich, wie schon erwähnt, Augenzeuge war und welche in mir eine traurige Reminiscenz wachruft, obgleich es schon geraume Zeit ist, daß ich zum letzten Male einer solchen Scene beiwohnte.Jch war damals kaum 14 Jahre alt, aber diese Greuelthat ist mir in meinem Innern haften geblieben und wird hasten, bleiben, bis man mich in's düstere Grab hinävsenken wird. Es war im Jahre 1875, als ich "nach Ostrowo, Gouver- -nement Lublin (Russisch-Polen), gebracht wurde zudem chassidischen Rabbi (Zaddick, Wunderrabbi) Jehoschaa Ben h’Raw Scklohme Leb m’ Lentschna (Sohn des Rabbi Schlome Leb in Lentsclna). Daselbst sollte ich ein beschauliches, streng heiliges, ftommes Leben führen, mich Kasteiungen und der Ascese unterwerfen, um mich auf Wunsch meines Vaters als Zaddick auszubilden. Ich sollte eingeweiht werden in die ganze Geheimlehre, das heißt nicht nur in die Bibel und Talmud, was man hier zu lehren pflegt, sondern in alle „himmlischen" Geheimnisse. Dies kann man nur erlangen, wenn man in der Nähe eines solchen heiligen Zaddick's lebt und Kabale») und Sohar studirt, wodurch man congenialer Schüler desselben wird. Die Tage der jüdischen Ostern nahten. Da wurde ich eines Tages durch seinen ersten Schames (Leibdiener) zum Zaddick bestellt. Mit aller Ehrfurcht und reuevoll nachdendend, begab ich mich zu ihm. Bei meinem Erscheinen sprach er mich mit den Worten an: «Uenaedem",* 2 3 4) bereite Dich vor zu aboäatü b'sebeem jisbaraeb (zum Dienste des gebenedeiten Namens); Du wirst zu dem heiligen Acte gerufen werden. In jenem Augenblicke wußte ich noch nicht, welchem heiligen Acte ich beiwohnen sollte; so begab ich mich denn blindlings an meine Vorbereitung, das heißt Heiligung und Kasteiung durch einige Tage. Nach Verlauf von fünf Tagen wurde ich in der Frühe geweckt. Bor meinen Lager stand der Schames des Zaddicks: Maische Berriches, der mich mit den Worten -anredete: „Menachem, kleide dich schnell an und komm mit ins Wasser."^) Mit besonderem Eifer kleidete ich mich an und stand bald bereit da. Nun gingen wir, unser Zehn,^) in-das sogenannte Mikwa-Haus (Badehaus nach ritueller Vorschrift), von wo wir uns auf Weisung des Schames in das Gemach des Zaddiks begaben. Dieser saß schon in weiß-seidenen Kleidern, wie es bei den Zaddikim üblich ist, ans seinem Stuhle. Auf einem anderen Stuhle bemerkte ich ein Etwas, mit 'blendend weißem Tuche bedeckt. An einer Stelle befanoen sich kupferne, innen glänzend verzinnte Becken, während in der Ecke unzählige kleine Fläschchen standen, mit Zetteln darauf. Bei unserem Eintritte begann der Zaddik das Gebet; soweit ich mich erinnere: Psalm: 47 — 64 — 65 — 79 —.107 — 116 u. s. w. Hierauf trat tiefe Stille ein. Der Zaddik erhob sich von seinem Stuhle; die Augen gegen Himmel gerichtet, die Lippen etwas bewegend, stand er etwa 20 Minuten, während sein Gesicht abwechselnd erröthete und erblaßte. Wir, .seine Jünger, standen daneben, ebenso andächtig Nachdem der Zaddik diese stille Andacht verrichtet hatte, rief er mit sanfter gebrochener Stimme: „Bringet das Korban" (Opfer)! Sofort begab sich der obenerwähnte Schames Moische Berriches mit dem zweiten Schames Israel (alias Srul Partzewar^) in das anstoßende Zimmer, von wo er. einen sechs- bis siebenjährigen, blondhaarigen Knaben in den Armen, zurückkehrte. Das nur mit einekn schneeweißen Hemde bekleidete -Kind schien erschrocken zu sein; aber keine Secunde verging, da lag es auf J) Kabbala bedeutet lleberlieferung. So heißt die in engerem Kreise foitgepflanzte Geheimlehre über das Leben der Gottheit, die Entstehung der Welt, die Prinzip en des- Guten und Bösen und den Weg zur Vereinigung mit der himmlischen Welt und dem Unendlichen. Was' wir in der christlichen Literatur Theosophie nennen, ist in der jüdischen Literatur Kabbala, eine nicht in reinen Denksormen, sondern in visionären Bildern und phantastischen Deutungen biblischer Worte sich bewegende Metaphysik über die letzten Gründe, die jenseitigen Wurzeln der uns umgebenden Welt, die aus Gutem und Bösen gemischt ist und über den Sinn und Zweck der Offenbamng Gottes in Gesetz und Propheten. Ach aber wie vermengen sie die himmlische Lehre mit der dämonischen! Wehe mir, wenn ich das noch weiter in meinem Innern verbergen sollte! 2) Das heißt Trost — so nannte er mich, seinen Verwandten, denn er sagte: Du wirst ein Trost für unser Volk sein! 3) Bei den Juden pflegt man nämlich vor einem heiligen Acte durch Untertaucheu im Wasser den Körper zu reinigen. 4) Bei jeder heiligen Handlung, wie auch beim Gebeje in der Synagoge, müssen zehn Personen zugegen sein. ^) Eine Stadt, zwei Meilen von Ostrowo, von weicher er stammt und nach welcher er benannt ward.