Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-12 · Heft 19 (12.5.1893) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
Heft 19 (12.5.1893)
Date
1893-05-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3020954-3020972-3020973--02397-3026484
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 19 Vrsterreichlptzr Wochenschrift Seite 357 statirten Thatsachen wird widerlegt, sondern brav losgeschimpft und schier das ganze zu Gebote stehende Schimpflezikon aufgebraucht. Dem Verfasser der Broschüre wird vorgeworfen, er habe seine Schrift „mit absichtlicher oder unabsichtlicher Verleugnung der Urtheilsschrift" geschrieben. — Wie heißt? Verleugnung der Ürtheilsschrift? Mag jüdischer Jargon sein, deutsch ist es nicht. Aber welch' geringes Maß von Urtbeils„krast" dem Rabbi Bloch bei 'der Lectüre der erwähnten Broschüre zur Verfügung stand, das zeigt die ganze Besprechung .derselben. Seine Einwürfe gegen die Tortur, die in bekannter orientalischer Manier übertrieben wird, ^sind wohl aus tendenziösen Romanen, und nicht aus der Geschichte geschöpft; aber mit solchen Uebertreibungen kann man doch die Thatsache nicht widerlegen, daß den peinlich Verhörten keine Frage in den Mund gelegt wurde, daß an diesem Monstreprocesse neunzehn einzeln verhörte jüdische Verbrecher ihren Antheil am Morde des Christenkindes einstimmig bekannten und ihre Geständnisse eidlich wiederholten. Mit hochtrabenden verleumderischen Phrasen von grausamer Willkür, Blutdurst und Raubgier- Werden Thatsachen nicht widerlegt und eidliche Geständnisse nicht werthlos gemacht - das kann ernste Männer nicht blenden. Daß es zu allen Zeiten, auch zur Zeit des Trientinerprocesses, Philosemiten auch in. hohen Kreisen gab, die jüdischer Bestechung zugänglich waren, und Processe, welche jüdische Verbrecher der irdischen Gerechtigkeit überliefern sollten, zu hindern suchten, ehrliche Richter aber nachträglich in der Weise Bloch's der Ungerechtigkeit anklagen und beschimpfen, das hat ja die erwähnte Broschüre klargelegt; damit hat Rabbi Bloch nichts Neues gesagt; das macht eben den Fall Simon von Trient so überaus interessant, daß er ein Spiegelbild ähnlicher Processe in neuerer Zeit ist und daß dabei alle einzelnen Thatsachen geschichtlich und gerichtlich constatirt sind. Dieser Umstand mag einen Vertheidiger der jüdischen Interessen ärgern, aber mit solchem Geseires kann man die Geschichte nicht widerlegen. In den Augen eines Juden, auch eines Reformjuden, ist dieser merkwürdige Proceß allerdings ein „Schandfleck", ist ja auch der Antisemitismus heutzutage in seinen Augen rin „Schandfleck des neunzehnten Jahrhunderts". Den ganzen vierspaltigen Artikel der „österreichischen Wochenschrift" Bloch's in allen seinen Einzelheiten zu verfolgen, hält der Verfasser dieser Zeilen für überflüssig; diese Ungeheuerlichkeiten an Unwahrheit und Frechheit richten sich selbst. Der jüdische Kritikaster scheint gar nicht übel Lust zu haben, alle Grausamkeiten und alle Blutthaten, die je in der Geschichte sich ereigneten, dem Christenthume in die Schuhe zu schieben,, selbst den noch unaufgeklärten Mord eines Dieners im Chürhause im'vorigen Jahre. Die Juden, sagt er, sind es allein, die von.Grausamkeit sich frei hielten, deren Hänoe von Blut rein geblieben sind. Ei, ei, Herr Rabbi Bloch, kennen Sie die Geschichte Ihres eigenen Volkes so schlecht? Von dem Blutdurste des alten Volkes Israel, von welchem uns die Bibel des alten Bundes so unwiderlegliche Beweise gibt, wissen Sie nichts? Haben Sie noch nichts vernommen von dem frevelhaften Worte: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder"?— Von der blutdürstiger! Grausamkeit, mit welcher die Juden die ersten Christen verfolgten, haben Sie noch nichts gehört? Von den bei.den zahlreichen Aufständen der Juden vorgekommenen unmenschlichen von Juden geübten Grausamkeiten ist Ihnen nichts bekannt? Soll man Ihnen darüber ein Privatissimum lesen? Und die Juden hätten sich allein von" allen Völkern aller . Grausamkeit enthalten, selbst „im Herzen"! Die Juden hätten allein sich von allem Blutvergießen enthalten? Eine frechere Geschichtsfälschung ist wohl noch nicht vorgekommen und verdient dieselbe wohl öffentlich an den Pranger gestellt zu werden. Der Verfasser der Brochüre, der von dem hochnäsigen Rabbi Skribler wie Air dummer Junge herabgekanzelt wird, wird unter anderem auch gefragt, ob er denn in seinem Leben nie mit Juden verkehrt habe und ob er denn nicht durch diesen.Verkehr die Sitten und Gebräuche und Anschauungen sdiner lieben jüdischen Mitbürger kennen gelernt habe? Darauf kann derselbe antworten: Ja „hochwürdiger" Heu Rabbi, ich habe in meinem Leben seit meiner Studentenzeit viele Juden kennen gelernt, habe aber, aufrichtig gestanden, nicht das Glück gehabt, unter denselben edle Charactere zu finden. Im Gegentheile, meine Lebenserfahrung hat mich zum Antisemiten gemacht, nicht zum Rassenantisemiten; ich habe sogar, ohne Ruhm zu melden, schon öfters arme Juden unterstützt Die Wahrheit zu gestehen, ich habe nur fchlintme Erfahrungen gemacht mit den Kindern Israels, die'meinem Leben nahe kamen; selbst mit manchen getauften Juden habe ich Trauriges erlebt und ich stehe hierin nicht allein. Aber einen getauften Juden habe ich kennen gelernt, der mirvon achtungswürdiger Seite als einer der ausgezeichnetsten lebenden Hebraisten und Talmudkenner geschildert wird und der mir auf Ihre Angriffe hin schriftlich und unter eidlicher Bekräftigung der Wahrheit die Versicherung gab, daß sich das Blutritual nicht blos aus Talmud und Kabbala wissenschaftlich Nachweisen lasse, sondern daß er auch selbst Augenzeuge bei der Schlichtung mehrerer "christlicher Kinder war. Einen Fall, der sich im Jahre 1875 in einer russischen Stadt vor den jüdischen Ostern zutrug, und bei dem er als Zaddikschüler gegenwärtig war, erzählt er mit allen einzelnen Details, gibt Ort, Zeit und anwesende Personen an und sogar den Mann, der das Christenkind, einen sechsjährigen blonden Knaben, ans Messer lieferte. Wenn ich durch das Studium der Proceßacte vom heil. Simon von Trient der festen Ueberzeügüng geworden bin, daß es jüdische Ritualmorde gegeben habe und nur die Möglichkeit aussprach, daß es auch heutzutage unter de" Chassidim solche Blutfacten geben könne, so bin ich durch diesen Brief vollkommen überzeugt worden, daß es auch heutzutage noch solche Ritualmorde gebe und daß das Blutritual auf einer unter den Chassidim als Geheimlehre fortgepflanzten mündlichen Ueberlieserung begründet ist, die auch in der Kabbala sich findet. Sollte Reb Bloch, der sich für einen gelehrten Talmudkenner ausgibt, von dieser Lehre keine Kenntniß. haben? Dann müßte man wohl an seiner Talmud- und Kabbalakenntniß ernstlich zweifeln. Das freilich begreife ich vollständig, daß ein Vercheidiger des Judenthums in seiner Verlegenheit mit dem Mache der Verzweiflung die Aufdeckung dieses scheußlichen jüdischen Fanatismus zn verhindern sucht, gelingt es nicht mit Gründen, so vielleicht durch Schimpfen, Uebrigens hat mich der erwähnte getaufte Jude ermächtigt, seinen an mich gerichteten B r i e f zu veröffentlichen. Reb Bloch hat wohl auch in der erst kürzlich erschienenen Brochüre: „Wölfe im Schafsfelle", erfahren, daß sich der gelehrte Talmudkenner Paulus M e y e r in Leipzig gegen Strack erbötig gezeigt hat, den jüdischen Ritualmord aus Talmud nnd Kabbala wissenschaftlich nachz u w e i s e n. Warten wir also das Erscheinen dieses Buches ab, Herr. Dr. Bloch — dann heraus mit dem Flederwisch! — aber nicht schimpfen, sondern widerlegen. Oder soll ich Ihnen schon früher mit der Veröffentlichung des erwähnten Briefes dienen? Dr. Deckert. („Vaterland" Nr. 125 vom 7. Mai 1893.) Eine Controverse. In der gestrigen Nummer haben wir einer Abwehr des hochw. Herrn Pfarrers Dr. Deckert von Weinhaus gegen die Angriffe der Wochenschrift des Herrn Dr. Bloch Raum gegeben. Wir fanden uns dazu veranlaßt erstens aus dem Grunde, weil es sich um eine kirchlich sestgestellte Angelegenheit handelt, denn Simon von Trient wie Andreas von Rinn werden in Tirol kirchlich verehrt. Zweitens mußten wir dem so maßlos und übermüthig angegriffenen Herrn Pfarrer von Weinhaus die Möglichkeit einer sachlichen Abwehr und Bertheidigung bieten. Herr Dr. Bloch hat uns darauf mit einer langathmigen Berichtigung heimgesucht und begehrt die Aufnahme derselben gemäß § 19 des Preßgesetzes. Die Zuschrift des Dr. Bloch greift zwar über den genannten § 19 weit hinaus. Dr. Bloch tritt darin förmlich als bestellter Generalanwalt aller Juden auf, — eine Anmaßung und Ueberhebung, welche zweifellos auch viele Inden ganz energisch zurückweisen. Da wir aber trotz des hohen Interesses des Gegenstandes ein politisches Blatt nicht für den geeigneten Ort zur Austragung derartiger Fragen halten können, so bringen wir nachstehend die Zuschrift des Dr. Bloch unverkürzt und gleichzeitig auch die Erwiderung des hochw. Herrn Pfarrers Dr. Deckert und schließen hiermit die D i s c u s s i o n, so interessant sie auch ist, ab. An die löbliche Redaction des „Vaterland" Wien. In Nr. 123 Ihres gesch. Blattes vom 5. Mai bringen Sie betreffend den Trientiner Proceß vom Jahre 1475 einen gegen mich gerichteten Artikel: „Rabbi Bloch und der Ritualmord" von Dr. Deckert, welcher wegen mehrfacher thatsächlicher Entstellung mich nöthigt, Sie auf Grund § 19 des Preßgesetzes aufzufordern, nachstehende Berichtigung in der gesetzlichen Form und Frist abzudrucken. Es ist unwahr, daß in dem Artikel der „Oest. Wochenschrift" „keine einzige der historisch und gerichtlich constatirten Thatsachen widerlegt, sondern brav losgeschimpft und schier das ganze zu Gebote stehende Schimpflexikon aufgebraucht wird"; wahr ist vielmehr, daß ich auf die Acten verwiesen habe u. zw. auf das Edict des Dogen von Venedig, Herzog Pietro Moncenigo, vom 22. April 1475, welcher im Einverständnisse mit dem Rathe an den Podesta von Padua das Resultat seiner Erhebungen mit folgenden Worten mittheilt: „Credrams certe, rumorem ipsam, de puero, necato, commentum esse et artem: ad quem finem, viderint et interpretentur alii.“ (Wir sind fest überzeugt, daß dieses Gerücht von der Ermordung des Knaben — Simon — eine Lüge und ein Kniff sei; zu welchem Zwecke, das werden Andere einsehen und erklären);" sowie auf das Buch, welches der Gelehrte Professor J o h. Christoph Wagenseil über diesen Proceß publicirt hat, welches sämmtliche Acten zusammenstellt und das schließliche Resultat in nachstehenden Worten zusammensaßt: „Es braucht aber keines Nachsinnens / die Sach ligt am Hellen Tag. Außer / daß man die reichen Juden ihres Gelds und Guts berauben wollen / war damals / als dieses fürgieng / eine Zeit.da Mönche

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.