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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-05 · 18 (5.5.1893) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
18 (5.5.1893)
Date
1893-05-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 18 VesterrrMrischr WochrnphrM Seite 543 Wien. (D e r Schwidernoch dcr „Eq uila b l e"). Es ist unseren Lesern noch erinnerlich, daß anläßlich der jüngsten Reichsrathswahl in der Inneren Stadt, die damals in der Teinfallstraße etablirte Bnchhandlungsfirnia Lesk und Sch widern och durch die Ausstellung der gemeinsten antisemitischen Schandbilder und Hetzschriften die Aufmerksamkeit der Polizei erregte. Die Vorführung weiterer gemalter Pamphlete wurde der Firma behördlich verboten und dieser vom Eigenthümer des Hauses das Local gekündigt. Seltsamerweise war es eine ausländische Versicherungsgesellschaft, die „Equitable", welche hierauf di: obdachlosen Hetzer in ihr Palais am Graben ausnahm. Die Herren Lest und Schwidernoch betreiben ihre antisemitischen Stänkereien als Commis voyageurs wie die aus Troppau vom 1. d. M. datirten Berichte lehren, dort war der Herr Schwidernoch Gast eines antisemitischen Festes und attaquirte in brutalster, gemeinster Art harmlose jüdische Passanten und beschimpfte sie wie es nur ehrlose antisemitische Gesellen vermögen. Damit nicht genug überfiel er in Gemeinschaft mit anderen Genossen aus der antisemitischen Lumpenbande einen. Fabriksbeamten Namens B e l la k und mißhandelte den Annen mit den Fäusten, daß er aus Mund und Nase heftig blutete. Der Herr Schwidernoch beeilte sich das Weite zu suchen und mit der Bahn sich zu fiüchten. Die feige Rasse hat es immer so gehalten. Wir empfehlen dieses Geschehniß der sorgsamen Beachtung unserer Glaubensgenossen. Die „Equitable" hat auf alle öffentlichen Recriminationen, die wegen der Vermiethung eines ihrer Locale an die Firma „Lesk und Schwidernoch" erhoben wurden, mit souveräner Geringschätzung der öffentlichen Meinung beharrlich geschwiegen. Die Zuden werden sich u dieij^Eguitablel(«wohl-merken. - - - - - Wien. Herr Steinwender und die Corruption. Zwischen den Deutschnationalen in Kärnten ist heftige Fehde entbrannt und die Autorität des Herrn S 1 e i n w e n d e r ist auf seiner eigensten Domäne arg gefährdet. Vor wenigen Tagen erschien der deutschnationalantisemitische Caesar vor seinen Villacher Wählern, um gegen den verderblichen Einfluß der „jüsischen Presse" zu donnern und gleichzeitig die Villacher „Deutsche allgemeine Zeitung", die ihn seit geraumer Zeit auf das Heftigste angreif', in Grund und Boden zu bohren. Er warf dem Blatt vor, daß sich dasselbe von seinen Gegnern „kaufen lasse", daß es bestochen und corrupt sei, und forderleseine Anhänger auf, dem Zeitungskriege gegen ihn ein Ende zu mache i oder sich einen anderen Abgeordneten zu wählen. Der Zorn Steinwender's kehrte sich insbesondere gegen einen einzigen Mann, den Fabrikanten Karl v. Pacher, einen waschechten Schöuerianer, der die hauptsächlichste Geldquelle der „Deutschen allgemeinen Zeitung" fein soll. Die Herren Nationalen sind einmal alle ganz unter sich, die Opposition Steinwender's ist eine rein arische und doch erscheinen da die interessantesten „Corruptionsgeschichten" an der Oberfläche. Herr Steinwender muß es zu seinem Leidwesen erfahren, daß die Preß- und sonstige Corruption' keine specifisch jüdische Eigenschaft ist, da er aber seit Jahren mit unumschränkter Machtvollkommenheit in Villach herrscht, so ist wohl die Frage berechtigt, wer die Corruption in diese „judenreine" Stadt getragen hat? Wien. (Von denPlagendes modernen Egypten.) Nachrichten, die in Warschau aus den ruffischen Gouvernements Astrachan, Tobolsk und dem Uralgebiet eingetroffen sind, enthalten bestürzende Details über die Fortschritte einer neuen epidemischen Krankheit, über deren Art man in ärztlichen Kreisen noch, nicht einig ist. Die Zahl der während der letzten vier Wochen in den gedachten Landestheilen weggerafften Menschenleben soll über 12v vvv betragen. In der Bevölkerung herrscht Panik. Dieser Tage wird aus Warschau eine weitere Anzahl von Aerzten zur Hilfeleistung nach den verseuchten Gegenden abgehen. Wien. Der Ritter Stampiglius hat in der abgelaufenen Woche viel zu thun gehabt. Wtheilte seine menschenfteundliche Thätigkeit zwischen Kolin, Kuttenberg, Prag und dem niederösterreichischen Landtag. In Kolin hältRitterStampigliusfleißig Umfrage nach den Details des angeblichen Ritualmordes, und es soll uns nicht Wunder nehmen, wenn in der zu trauriger Berühmtheit gelangten böhmischen Stadt demnächst dieselben lithographischen Hetzbilder in Umlauf gelangen, welche in Corfu und Tanten zur Fanatisirung der Menge vertheilt wurden und deren Ursprung auf Wien zurückdeutet. Zur Erholung von der anstrengenden Reise brachte Ritter Stampiglius im niederösterreichischen Landtage zu wiederholten Malen den Antrag ein, es sei der Landesbibliothek eine gute Uebersetzung des Talmud einzuverleiben, für welche der Landtag 1000 fl. votiren solle, damit die Bevölkerung aus authentischer Quelle erfahre, wie die sogenannte Moral des Judenthnms beschaffen sei. Der Landtag hat, wie schon früher, diesen Antrag abgelehnt — zu unserem aufrichtigen Bedauern, denn die Juden haben eine „gute" Talmud-Uebersetzung nicht zu scheuen. Allerdings dürfte die Meinung des Ritter Stampiglius, was in diesem Fall „gut" sei, von jener aller ehrlichen Leute genau so abweichen, wie seine Begriffe über Mein und Dein, und über die Heiligkeit des Zeugeneides. Ein weiterer Vorschlag des Biedermannes, auf welchem noch immer der nngesühnte Vorwurf lastet, daß er in's Zuchthaus gehöre, ging dahin, es möge ermittelt werden, in welchem Maße der Grundbesitz seit den letzten 40 Jahren, seitdem die Juden das Recht haben, Grund und Boden zu erwerben, gewechselt habe. Auch dagegen hätten wir nichts einzuwenden, nur müßte gleichzeitig auch erhoben werden, wie viele bäuerlichen Grundstücke in derselben Zeit vom großen Latifundienbefitz aufgesogen worden sind, wie viele arische Bauernschinder und Grundschlächter in dieser Periode sich bereichert haben und in welchem Maße der Grundbesitz der Jesuiten in Oesterreich zugenommcn hat. Als Pendant zur Talmud-Uebersetzung empfehlen wir überdieß noch dem hohen Landtag eine öffentliche Uebersetzung sämmtlicher Schriften der Jesuiten, aus denen sich Ritter Stampiglius seine Moral geholt hat. L.V. Wien. (Der Papst und die Bischofswahl in Olmütz.) Es dürste noch erinnerlich sein, daß Erzbischof Dr. Kohn von Olmütz seine Wahl ausschließlich dem Votum der bürgerlichen Domherren, dem sich im entscheidende» Momente die Stimmen zweier adeliger Capitelherren zugesellten, zu verdanken hat. Der Papst hat nun die Domcapitulare, welche für Dr. Kohn als Erzbischof votirten, mit hohen Auszeichnungen bedacht. Dieselben bestehen darin, daß Herr Prälat Dr. H a n e l und Herr Domcapitular Doctor Klug zu apostolischen Protonotaren, und die Domcapitulare Prälat Ritter-v. Holle, Graf d'Orsai, Knapp und Weinlich zu päpstlichen Hausprälaten, ferner der in der Eonsistorialkanzlei fungirende Rechnungsrevisor und Assessor Josef Pa wl ik zum päpstlichen Ehrencaplan ernannt worden. Anläßlich der jüngsten Anwesenheit in Rom wurde Erzbischof Dr. Kohn vom Papste in ganz besonderer Weise ausgezeichnet und dieser Kirchenfürst mit Aufmerksamkeiten bedacht, welche nur den intimsten päpstlichen Würdenträgern erwiesen werden. Was sagt jdazu der Freund des Meister Stampiglius? Wien. Einer der „besten, verläßlichsten und ehrenhaftesten Freunde Bergani's" war ein gewisser Franz Meleg, 9. Bez., Brünnlgaffe 3, Besitzer eines kleinen Cafehauses, welcher für das „Deutsche Bolksblatt" eifrigste Propoganda gemacht hat. Herr Bergani muß jetzt den Verlust dieses Freundes betrauern, der ihm durchging, weil — eine strafgerichtliche Untersuchung wegen unsittlicher Angriffe auf Schulmädchen gegen ihn eingeleitet worden sein soll. Und der Mann war doch ein „braver verläßlicher Antisemit." Demzufolge wurde er auch nebst dem Schuster Franz Anger, Alserstraße 32 und weiteren 4 Parteigenossen, als „die besten, verläßlichsten und ehrenhaftesten Bürger" des 9. Bezirkes anläßlich der letzten Wahl vom 3. Wahlkörper in den Bezirks-' a u s s ch u ß gewählt. Wien. (Die reichsdeutschen Antisemiten gegen den deutschen Kaiser.) Die „Antisemitischen Parteinachrichten" ddo. Leipzig. 30. April 1893, bringen nachstehende Mittheilung: „Koscheren Kuchen vom „Hof-Bäckermeister" Siegfried Friedländer aus Breslau hat die Deutsche Botschaft in Rom für die kaiserliche Tafel telegraphisch beordert. Ob auch koscheres Fleisch aufgetragen zu werden pflegt, haben wir noch nicht erfahren können. Daß ober die Wein-Marke „Rothschild" eine wichtige Rolle spielt, ersahen wir ein andermal aus dem kaiserlichen Speisezettel. — Es muß ein Glück für Fürsten sein, von der Tafel der Juden zu speisen! — Bei dem kaiserlichen Aufenthalte in Breslau hatten ebenfalls jüdische Firmen das Glück, von den hohen Herrschaften bevorzugt zu werden. Wir verstehen überhaupt nicht, wozu es im deutschen Reiche noch deutsche Geschäftsleute gibt; die Juden besorgen, doch Alle so etwas viel besser."

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