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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-05 · 18 (5.5.1893) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
18 (5.5.1893)
Date
1893-05-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18 VesterredWche Wochenfttzrist Seite 339 des Bedauerns gegenüber denjenigen nicht haben, welche der antisemitischen Partei angehören. (Beifall bei den Soz.) Abg. Kunert (Soz.): Zur Illustration der Ausführungen der Antisemiten möchte ich doch auch Einiges hinzufügen, da man mich einen verstockten Antisemiten genannt hat. Zunächst möchte ich daraus Hinweisen, daß der Äbg. Ah lw ardt früher nicht zu denen gehört zu haben scheint, die die Juden als besonders geneigt zum Wucher betrachten, wenigstens äußert er sich in einem Schreiben an einen Berliner Herrn folgendermaßen: Ich habe unter den Juden meine besten Freunde, und Diejenigen, die mich ausgew u ch e r t h a b e n, sind Christen. Er schließt mit den Worten, er gebe sein Ehrenwort, daß er sich stets von jeder religiösen Intoleranz fernhaltenwerde. (Hört! hört!) Es ist bekannt wie er sein Ehrenwort gehalten hat. (Heiterkeit.) Ich kann dieser Mitteilung übrigens hinzufügen, daß der Abgeordnete seiner Zeit bereit war, die socialdemokratische Partei zu verstärken, wenn es ihm gelungen wäre, bei unserem Collegen Singer einen Pump anzulegen. (Große Heiterkeit.) Das genirt aber Herrn Ahlwardt nicht, mit seinen Angriffen gegen den angeblichen jüdischen Wucher hervorzutreten. Es wird Ihnen ja auch wohl bekannt sein, daß Derjenige, der einen hiesigen geachteten Rector durch seine Wuchergeschäfte so weit gebracht hat, daß er sich das Leben nahm, der ihm geradezu die Schlinge um den Hals legte, ein C h r i st war, und zwar ein G em e in d e s ch u ll ehrer in Berlin, und nicht nur das, er war ein bekannter antisemitischer Hetzer, ein berüchtigter Ehra bschneider. (Hört! hört! links.) Ich nenne den Mann ausdrücklich, es ist der Gemeindeschullehrer Krüger in der Thaerstraße. Auch mir ist Antisemitismus angedichtet worden. Ich habe allerdings in-- riner- Versammlung --über-den Antisemitismus gesprochen; dabei nannte ich das Vorgehen der Antisemiten eine niederträchtige Gemeinheit (Hört! hört! Heiterkeit) und fuhr dann fort: Ich betrachte den Antisemitismus als eine politische Pest. (Hört! hört! Heiterkeit.) Und schließlich habe ich ausgeführt, daß der größte Theil der antisemitischen Wortführer nicht in den Reichstag gehöre, sondern in ein Correctionshaus für sittlich Verwahrloste. (Stürmische Heiterkeit.) Ich habe die Ausbeutung des Proletariats, ob sie von Christen oder Juden getrieben wird, gleichmäßig gegeißelt. Ich habe in den Zeitungen, die ich redigirt, und in den Volksversammlungen, die ich gehalten, mich auch stets auf das Schärfste gegen, den Antisemitismus ausgesprochen. Ich bin allerdings ebenso wenig Philowie Antisemit. Die Verewigung der gegenwärtigen Productionsweise ist auch die Verewigung des Wuchers. Die Antisemiten, die gegen den Wucher so donnern, sind in Wirklichkeit nur Handlanger der Halsabschneider. (Beifall bei den Socialdemokraten.) Abg. Liebermann v. Sonnenberg (Antis.) gibt zu, daß er vor 20 Jahren als junger unerfahrener Officier Wucherern in die Hände gerathen sei, zum Theil auch durch eigene Schuld. Er gebe zu, vor 20 Jahren habe er gesündigt, das suche er zu sühnen dadurch, daß er Anderen helfe. (Gelächter bei den Socialdemokraten.) Abg. Dr. Böckel (Antis.) erklärt, es gäbe in Frankfurt nur einen Mann, der Böckel heißt, das sei sein eigener Vater. Herr Stadthagen bekämpfte also den Sohn, indem er den Vater beschimpfte. Böckel sagt weiter, er habe von Anfang an zu den Gegnern Ahlwardt's gehört, auch zu der Zeit, als er auf der Höhe stand; aber er müsse sagen, sein Vorgehen war nicht schlechter als das des Abg. Stadthagen. Ahlwardt habe wenigstens nicht den Vater eines Abgeordneten um des Sohnes willen beschimpft. Abg. Stadthagen kommt noch einmal auf die Wechseldocumenle des Abg. Liebermann v. Sonnenberg zurmck. Der Abg. v. Liebermann brüste sich seiner Thätigkeit als Offizier, er hätte einfach seine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit gethan. Redner macht auch einige Ausführungen gegen den Abg. Böckel. Es sei verächtlich, wenn die Antisemiten gegen das donnerten, was ihre Väter und Großväter selbst getrieben hätten. Persönlich bemerkt Abg. Liebermann v. Sonnenberg: Dem Abg. Stadthagen will ich bemerken, daß ich auf dem Schlachtfelde nicht nur meine verfluchte Pflicht und Schuldigkeit gethan habe, sondern ich habe mit Auszeichnung gekämpft; dafür bin ich decorirt worden. (Ruf bei den Socialdemocraten: Wer's glaubt!) Dann sindSie ein unver schämter Patron! (Stürmische Unruhe.) Präsident v. Levetzow: Ich kann derartige Ausdrücke nicht zulassen. Ich rufe Sie zur Ordnung. (Andauernde Unruhe.) Abg. Liebermaun v. Sounenberg (sehr erregt zu den Socialdemocraten): Kommen Sie vor meine Pistole, wenn Sie wollen. (Stürmisches Gelächter bei den Socialdemocraten. Große Unruhe.) Dem Abg. Stadthagen kann ich im Allgemeinen nur sagen — Präsident v Levetzow: Allgemeine Bemerkungen können Sie jetzt nicht machen. Abg. Dr. Böckel: Der Abg. Stadthagen hat seinen Angriff auf meinen Vater nicht bereut, sondern sich herumzudrücken gesucht. Ich muß das bedauern. Ein Ehrenmann, wenn er etwas Unrichtiges gethan hat, hat den Muth, das einzugestehen. Den Abg. Stadthagen erkläre ich hier öffentlich als einen Feigling! (Stürmische Unruhe.) Abg. Richter: Herr Präsident! Es sind hier wiederholt die gröbsten Schimpfworte gefallen, ohne daß eine Rüge von Seiten des Präsidenten stattgefunden hätte. (Beifall links.) Präsident v. Levetzow: Ich kann nur das rügen, was ich gehört habe. (Unruhe.) Abg. Stadthagen: Ich will nur dem Abg. Lieberniann erwidern: Eigenlob mag sehr viele gute Eigenschaften haben, aber beweiskräftig ist es nicht. Hierauf folgt die Specialberathung. Gin fechshundrrtjähriger Gedenklag. Am 19. Jjar (diesmal entsprechend dem 5. Mai) werden es 600 Jahre, daß Rabbi Meir ben Baruch aus Rothenburg seinen Geist im „Thurm zu Ensisheim" nach siebenjähriger Haft ausgehauchi hat. Eine historisch wie literarisch merkwürdige und hochinteressante Persönlichkeit, deren Leben und Wirken noch heute einer ausführlichen und eingehenden Darstellung entbehren. Der Abtragung dieser alten, bisher nicht getilgten Ehrenschuld unserer Literatur habe ich jahrelange eingehende Studien gewidmet und die wichtigen Resultate derselben in eine umfangreiche Schrift niedergelegt, die in kürzester Frist unter Gottes Beistand im Druck erscheinen soll. Die durch mancherlei Hindernisse verzögerte Ausgabe dieser Denkschrift veranlaßt mich, dieses kurze Gedenkblatt dem großen Manne zu seinem sechshundertsten Todestage zu widmen, damit dieser Tag wenigstens in der jüdischen Publicistik nicht ganz unbeachtet vorübergehe. R. Meir gehörte noch zu dem Gelehrtenkreise derThossasisten. Er war der angesehenste Gesetzeslehrer unter seinm Zeitgenossen. Er war der glänzendste Stern, der vor Beginn des sechsten Jahrtausends unserer Zeitrechnung am Himmel der jüdischen Literatur in Deutschland aufgegangen ist und in finsterer Zeit helles Licht in die Hallen der jüdischen Lehrhäuser Demschlands und weit darüber hinaus ausgestrahlt hat. Von den Zeitgenossen wie in der ganzen Folgezeit wird sein Name mit der höchsten Verehrung genannt und seit mehr als

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