Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-05-05 · 18 (5.5.1893) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
18 (5.5.1893)
Date
1893-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3020954-3020972--02376-3026462
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 18 Oesterreichifche Wochenschrift Seite 337 Listen derselben nebst ansehnlichen Spenden-Ziffern an. In hervorragender Weise betheiligten sich hier aber die Herren Wilhelm und David von Gutmann mit einer, großartigen Spende, dem Betrage von 155.000 fl. zum Baue eines Kinderspitals. Das Häuflein der Gründer schmilzt immer mehr zusammen. Und die Epigonen, die hier Ausnahme fanden? Es ist ein Verdienst Schnitzler's, daß er in völlig objectiver Weise bloß die Leistungen berücksichtigte und nur das Lustre im Auge hatte, das bei jeder Neuwahl dem Institute zugute kommen sollte. Hier trat bei ihm das persönliche Moment in den Hintergrund, die Sache der Wissenschaft war ihm das Wichtigste. Ach wenn es nur immer so bliebe! Regierungsrath Prof. Schnitzler stammt aus einer armen Handwerkerfamilie in Ungarn, war ein vortrefflicher Sohn und eine Stütze seiner Angehörigen, für die er oft mit Aufopferung eintrat. An feiner Bahre trauert eine treue, liebevolle Gattin, zwei hochbegabte Söhne, beide Med.-Doctoren und eine Tochter, die gleichfalls an einen Arzt, an Dr. Hajek, verheiratet ist. An einem schönen Maienmorgen werden sie die sterbliche Hülle eines wackeren Mannes, eines biederen Characters, eines aufopferungsfähigen Freundes hinaustragcn. Ein Leben reich an bitteren Erfahrungen, aber auch an schönen Erfolgen, gelangt nun zum Abschluß. Die ärztliche Welt verliert einen würdigen und verdienstvollen Vertreter, die Gesellschaft in Wien ein gerne gesehenes Mitglied, die Familie das theuere unersetzliche Haupt, unsere Glaubensgenossen einen eifrigen Anhänger und ich einen aufrichtigen wahren Freund. Die Erde sei ihm leicht! Wien, 2. Mai 1893. Dr. Jos. Grünseld. Generalversammlung der „Israel. Allianz" in Wieg. Die Generalversammlung der „Israel. Allianz" in Wien fand Sonntag am 30. April im Berathungssaale der Wiener israel. Cultusgemeinde statt. Der Präsident Herr David Ritter von Gutmann eröffnete die Versammlung, begrüßte in herzlichen Worten die erschienenen Vereinsmitglieder und ertheilte das Wort dem Bereinssecretär zur Verlesung des Rechenschaftsberichtes. Mit Rücksicht darauf, daß der Rechenschaftsbericht bereits 14 Tage vorher gedruckt sämmtlichen Bereinsmitgliedern vorlag, beantragte Abgeordneter Dr. Bloch von der Verlesung Abstand zu nehmen und dem Vorstand das Absolutorium zu ertbeilen. Nach Annahme dieses Antrages erbat sich der Abgeordnete D r. B l o ch das Wort, um im Namen der galizischen Judenschaft dem Präsidenten der „Israel. Allianz" den Dank dafür auszusprechen, daß er neben den mühevollen Pflichten, welche die Angelegenheiten der „Allianz" ihm bereiten, auch die vielverzweigte, opfervolle Thätigkeit eines Präsidenten der Baron Hirsch-Stiftung auf sich genommen. Die galizische Judenschaft hat diesen Entschluß des Herrn David Ritter von Gutmann mit Freude begrüßt, man sieht in der Person des Präsidenten die Bürgschaft einer unparteiischen, von jüdischem Geiste getragenen Leitung. Die „Israel. Allianz" ist durch die Baron Hirsch-Stiftung, welche ihr die galizischen Juden abgenommen, theilweise entlastet worden; der Präsident aber hat nicht blos diese Schulen sondern auch die Schulen der Baron Hirsch-Stiftung, die bereits gegründeten und die neuzugründendeu unter seinem fürsorglichen Schutz und die Aufgabe ist wahrlich keine leichte. Aber die Judenschaft Galiziens hegt zu Herrn David Ritter v. Gutmann ein unbegrenztes Vertrauen und ist ihm dankbar, daß er der großen Aufgabe sich gewidmet hat. Redner beantragt, die General-Versammlung möge dem Präsidenten für diese mühevolle Thätigkeit im Dienste der heiligen Sache den Dank votiren. Der Präsident Herr David Ritter von Gutmann dankt dem Redner für die anerkennenden Worte. Allerdings begegnet ihm die galizische Judenschaft mit vollem Vertrauen, aber es sei nicht, so bemerkt Herr von Gutmann, sein persönliches Verdienst, sondern es ist das Vertrauen, welches man dem Namen der „Allianz", ihren Traditionen, nach der Erfahrung jahrelanger Wirksamkeit für die Verbreitung der Cultur in Galizien überall willig entgegenbringt. Das kommt ihm bei der Leitung der Baron Hirsch-Stiftung zu Gute und wenn es ihm möglich geworden, auch die Pflichten eines Stistungspräsidenten zu übernehmen, so dankt er dies der hohen Tüchtigkeit, dem unermüdeten Pflichteifer der Borstandscollegen in der Leitung der „Allianz", welche ihm alle Arbeiten abnehmen, um ihn für die Stiftungsangelegenheiten freizumachen. Der Präsident schildert hierauf ausführlich die einzelnen Agenden des Vereines, die stundenlangen täglichen Arbeiten der einzelnen Vorsteher der „Allianz" und freut sich Gelegenheit zu haben, denselben in der Generalversammlung seinen persönlichen Dank auszusprechen. (Lebhafter Beifall.) Bei dem nächsten Gegenstand der Tagesordnung (Wahlen), beantragt Vereinsmitglied Herr Hermann Liebermann, die austretenden Bereinsmitglieder mit Acclamation wiederzuwählen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Herr Hermann Liebermann beantragt ferner, dem Gesammtvorstand der „Israel. Allianz" den Dank der Generalversammlung zu votiren. Nach Annahme dieses Antrages richtet Herr Alexander Scharf an den Vorstand das Ersuchen, den jährlichen Cassebericht und den Gebahrungausweis auch in den politischen Blättern zur Publication zu bringen. Angesichts der Vorstellungen, welche selbst in wohlwollenden christlichen Kreisen über die angeblich geheimnißvolle Wirksamkeit der „Israel. Allianz" verbreitet sind, wird es gut sein, daß die Oeffentlichkeit erfährt, über welch' bescheidene Mittel die Allianz verfügt und für welche Zwecke und Aufgaben das Geld verwendet wird. Der Präsident Herr David Ritter von Gutmann verspricht dieser dankenswerthen Anregung Folge zu geben und erklärt die 20. ordentliche Generalversammlung für geschlossen. Ahlwardks Ehrenwort. Die „Freis. Ztg." ist in der Lage, einen Auszug aus einem Brief Ahlwardt's ä. d. Berlin, den 25, Jänner 1885, zu veröffentlichen. Der Brief, welcher der Redaction im Original vorliegt und nicht durch Diebstahl, sondern durch den rechtmäßigen Eigenthümer in deren Besitz gelangt ist, ist gerichtet an den Oberinspector Crohn. Er knüpft an ein Gespräch an, welches Ahlwardt mit demselbe^-geführt hat, untr verbreitet sich im Eingang über die sociaHÄitischen Ansichten Ahlwardt's. Ahlwardt ist danach ein Anhänger des Professor Wagner, macht demselben aber zum Vorwurf, daß er, „anstatt sich durch Ueberzeugung allmählig seine Partei zu bilden, sich an andere Elemente anschloß, und damit alles verdarb. Es war die antisemitische Bewegung, die er als Piedestal benutzen wollte." Der Brief fährt alsdann wörtlich fort wie folgt: Die antisemitische Bewegung habeich von Anfang an verdammt, weil cs ein unerhörter Unsinn ist, einen Menschen seiner Religion wegen zu loben oder zu tadeln. Das metaphysische Bedürfnis hat überall Religionen geschaffen, die schließlich für die gegebenen Verhältnisse überall die besten sind. Im Grunde ist es überall dieselbe geheimnisvolle Macht, zu der wir unseren Blick erheben. Mag diese Macht nun Gott oder Allah oder Brahma heißen. Wir alle können unsere Religion nicht wählen, wenigstens eine bestimmte Form nicht, da sie uns in der Jugend von den Eltern gegeben wird. Weichen wir auch später in unseren Anschauungen von denen der Eltern ab, so ist es doch wohl unsere Pflicht, die Form beizubehalten, bei welcher diese sich glücklich fühlten. Ich verdamme es daher, und habe es von jeher verdammt einen Menschen seines religiösen Bekenntnisses halber anzufechten. Damit ist seine Stellung.zur antisemitischen Bewegung gegeben, und gerade, um zu zeigen, daß die Politik mit der Religion nichts zu schaffen hat. habe ich in der Zeit der Wahlbewegung 1882 eine christlich-jüdische Begräbnisfeier des Fräulein Zucker veranlaßt, die noch nach vielen Jahren den Betheiligten eine erhebende Erinnerung sein wird." Ahlwardt schildert alsdann, daß ihn seitdem die conservative Partei habe fallen lassen. Er hoffe aber, daß ein Theil der liberalen Partei sich allmählig zu Grundsätzen bekehren werde, die es ihm möglich machen würden, sich ihr anzuschließen. Der Brief fährt alsdann wörtlich fort wie folgt: „Wer mich aber einen Antisemiten nennt, spricht aus Unkenntnis oder mit der Absicht, mich zu verleUPden. Gerade unter Juden habe ich seit Jahren meine besten freunde. Auch die Wucherer, die mich ruinirt habep, sind nur zum kleinsten Theil Juden. 2, Herr W. (im Original sind die Namen ausgeschrieben) und Herr P. sind katholisch, K. war ein evangelischer Lehrer, M. ist Schwiegervater eines evangelischen Pastors und schreibt selbst theologische Bücher, H., R., E.» H., B. sind evangelisch. P., H. sind jüdisch. Wohl kenne ich unter jüdischen Leuten große Hallunken, ebenso wie unter christlichen, und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.