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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-28 · 17 (28.4.1893) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
17 (28.4.1893)
Date
1893-04-28
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 330 Oesterreichische WoürenfchrM Nr. 17 habener Czar, der höchstselige Peter der Große verkleidete sich als Zimmermann im Dienste seines Reiches und da durfte der unterthänigste Pristaw die Bauernmaske im Dienste seines Polkownik nehmen. Der Meister wird seinen Diener loben. „Laß' hören." „Es mußte rasch gehandelt werden! Ich ging in das Gkfängniß, ließ einen eingesperrten Bauernkerl entkleiden, seine Gewänder sorgfältig ausklopfen und zog sie an. In der Nikolaigasse gibt es Schenken, wo Taglühner. Fuhrleute, entlassene Dienstboten, vacirende Gesellen und sonstiges Gelichter bei der Schnapsflasche zusammenkommen. Ich ging hin, versuchte in dem einen Locale vergebens, hatte aber im anderen sofort besseren Erfolg. Drei Spitzbuben saßen abseits an einem Tische, ich setzte mich als vierte^ hin. Wir tranken und wurden vertraut. Es war erhebend, wie mich die Kerls dutzten und zärtlich küßten. „Kinder, sagte ich dann, indem ich vier Stück Silberrubel klingen ließ, diest Geld habe ich mir in wenigen Minuten verdient?" Allgemeine Ungläubigkeit. „Ich war mit von der Partie beim Juden in der Armeniergaffe, fuhr ich leiser fort, steckte bei dieser Gelegenheit ein schönes Salzfaß in die Tasche, in der nächsten Vierrelstunde hatte ich es verkauft und dieß Geld ist der Erlös, denn solche Sachen soll der Mensch nie lange bewahren, hat mich meine Erfahrung gelehrt. Kauni gesprochen, zupfte mich mein Nachbar links und zeigte mir unter dem Tische Messer, Löffel und Gabel, die er ans seinen Stiefeln zog. „Was glaubst Du, ftug er, wäre dafür zu erreichen?" „Ich wog die drei silbernen Stücke ebenfalls unter dem Tische bedächtig in der Hand und sagte ihm, ich denke mindestens sechs Rubel." „Auch vom Juden! schmunzelte er, und wirst Du mich zu Deinem Käufer führen?" „Wenn Du Schnaps zahlst", versetzte ich. So hätte ich Einen schon, Waffil Wassilowitsch. Die Anderen schwiegen. Wieder kamen die gefüllten Becher. „Wir Beide, Hub nun der zweite Genosse an, haben auch was von diesem verfluchten Juden, wir wollen auch verkaufen". „Gut, versetzte ich, Ihr sollt auch Geld bekommen, aber Schnaps mäße Ihr zahlen, und immer wieder Schnaps! Und Kinder vorsichtig sein. Dieser Polrzeimeister, Kinder! -Das ist ein Lump! riefen sie Alle, der läßt keinen leben, vor dem muß man sich in Acht nehmen". „Sehr vorsichtig! fügte ich hinzu und behutsam präsentirten sich mir, gleichfalls aus den Stiefeln kommend, abermals Zwei silberne Löffel. Ist dien Eure ganze Beute zu zwei Ihr armen Schlucker? ries ich, das ist ja keine vier Rubel werth? Der Mann mir gegenüber lächelte überlegen. „Wir haben noch etwas großes." „Was ist es?" frug ich. „Wir wiffen es nicht; es ist groß, wie ein kleiner Tisch, hat aber keine Füße, sondern zwei Griffe und schöne Verzierungen, darauf standen Flaschen und Gläser. „Also eine Platte? Groß und schwer?" „Sehr groß und sehr schwer. Du — kicherte der Mann, wenn die von Silber ist, werden wir doch ein schönes Stück Geld dafür bekommen? He?" „Gewiß, sagte ich, so eine Platte ist viel Werth, muß aber schnell verkauft werden, nach so etwas wird eifrig gesucht und es versteckt sich schwer. Das darf auch nicht zum Käufer getragen werden, der Käufer muß sie an Ort und Stelle bezahlen und abholen, bis dahin heißt es, gut verstecken". ..»O, erwiderte mein guter Freund, wo wir sie versteckten, sucht sie 'kein Polizeimcister, aber wir möchten sie lieber heute als morgen verkaufen, für so was ist nur die Nacht. Gehen wir?" „Halt, sagte ich, nur keine Unbesonnenheit. Wenn wir Zusammengehen, kann es Verdacht erwecken, man könnte uns auflauern. . Wir sind viere, zwei gehen zum Silberhändler und verkaufen ihm diese Messer, Löffel und Gabel, zwei andere warten zu Hause, bis wir mit dem Käufer hinkommen, der die Platte sehen, kaufen und mitnehmen soll, dann theilen wir Alles." „Einverstanden." „Also wer gebt mit?" frug ich. „Der Mikol, versetzte einer der Gauner, und ich mit dem Franek erwarten Euch in der Astrachangaffe im Hause des Bäckers Grekow, hinten im Hofe, bei der Witwe Lukewicz, das ist die Mutter des Knaben, den die Juden heute abschlachten wollten, zu der in den Strohsack haben wir dieß Ding da gesteckt und die hat auch einige hübsche Sachen erwischt. Sag' nur Deinem Manne, daß er recht viel Geld mitnehme." „Gut, sagte ich, doch darf dem Manne dort nichts böses geschehen, wir könnten ihn wieder einmal brauchen". „Gott bewahre, wir sind ja keine Räuber oder Mörder, erwiderte der Halunke abwehrend, er bringt das Geld zur Wittwe Lukewicz. nimmt sich die sieben Sachen und verschwindet, wir kennen ihn nicht und er kennt uns nicht." „Wir verließen alle vier die Spelunke, draußen theilten wir uns, ■ zwei gingen links, um in die Astrachangasse einzubiegen, ich mit dem Dritten und dem Bündel Eßbesteck rechts, die lange Nikolaigasse hinunter, an deren Ende meine beiden Gensdarmen warteten, denen ich meinen Mann übergab und sofort hereilte." „Bravo, Pristaw! rief jetzt der Polizeimeister, dem Beamten auf die Schulter klopfend, bravo Gregor Jwanowitsch, ich bin mit Dir zufrieden und der General-Gouverneur wird es auch sein. Nun muß man die Polizei in das Haus der Wittwe Lukewicz schicken, diese ist selbst bereits unter Schloß." „Gestatten Sie mir, daß ick vorerst dieses Bauerncostüm, welches, wie ich fühle, denn doch nicht ganz sorgfältig ausgeklopft worden zu sein scheint, ablege und mich dann mit gehöriger Assistenz in die Astrachangasse begebe, um Leute und Gegenstände aufzubeben. Morgen Früh bringeich meinen Rapport." „Uebergib diese Arbeit einem Quartalne (Viertelmeister), der wird genügen, da die Mäuse bereits in der Falle und blos oie Klappe zu schließen ist. Für Dich habe ich eine andere Aufgabe. Höre mir aufmerksam zu Gregor Jwanowitsch. Du hast Dich mit dem Raube beschäftigt, mich beschäftigte mehr die Entführung des Knaben aus der Familie Eisenstock, der Menschenraub. Ich habe allen Grund zu vermuthen, daß sich derselbe im Kloster Swianty Iur befindet. Ich könnte wohl an der Spitze einer Patrouille in das Kloster einbrechen und dasselbe durchstöbern; nun aber, wenn der Junge doch nicht darin wäre, oder wir ihn nicht fänden? Ich würde mich lächerlich und gleichzeitig mißliebig machen; überdies sieht der Pförtner von seinem Fenster, wer zum Kloster hinaufsteigt und wird ohne Benachrichtigung des Priors nicht öffnen; mittlerweile kann der Knabe verborgen oder durch irgend eine Hinterthür in Sicherheit gebracht werden." „Ganz richtig". „Jetzt laß hören, was Du an meiner Stelle thätest? Der Pristaw dachte eine Weile, nach. „Ich würde, sagte er dann, eine vertraute Person in's Kloster schicken, die sich umsehen und uns Bericht erstatten würde". „Bist ein Narr, Gregor, versetzte der Polizeimeister. Glaubst Du, die Mönche werden fremden Leuten den Knaben vorftlhren und mit dem begangenen Verbrechen Parade machen? Das Kloster muß belagert werden. Der Pristaw blickte erstaunt zu seinem Meister auf. Dieser fuhr fort: Das Kloster muß belagert werden! Niemand darf hinein und wer herauskommt, wird hieher gebracht; die Leute da oben dürfen nicht von dem wissen, was außerhalb vorgeht, weßhalb Niemand hinaufkommt und Jene ausbleiben, die hinausgeschickt wurden. So werde ich mir den Jungen erobern, der sich unzweifelhaft dort befindet und an dem mir übrigens viel weniger gelegen ist, als an dem Falle selbst. Mau darf mir nicht nachsagen, daß in meinem Bereiche Raub und Entführung vorgekommen, ohne daß sie entdeckt und bestraft worden wären. Also oben, wo auf halbem Wege an der Biegung der Straße die Kapelle an einer Baumgruppe lehnt, stellst Du Dich mit Deinen Leuten auf; dort könnt Ihr vom Kloster nicht gesehen und betrachtet werden, dort weisest Du Alle zurück, die hinauf-, und empfängst Jene, die herunlerwollen. Ich verlasse nicht das Bureau, um sofort die Personen vornehmen zu können, die Du mir zuschickst. Nun gehe schlafen, bestelle Dir Deine Leute auf eine frühe Stunde, ohne ihnen zu sagen, wozu und wohin; sei klug und wachsam." _ (Fortsetzung folgt.) Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". lIeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten.) „Darf ich unterthäuigst fragen" begann Wertheimer endlich, „welchem Umstande ich die hohe Ehre eines so illustren Besuches zu verdanken habe?" „Ich komme, mein lieber Oberkriegsfactor" sprach Eugen, sich von seinem Sitze erhebend und Wertheimer freundschaftlich die Hand reichend, „Ihnen meinen herzlichsten, innigsten

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