Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 17 (28.4.1893)
- Date
- 1893-04-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 326 Vesterreichischr Wochenschrift Nr. 17 Heim für bedrängte Israeliten gegründet, nnd das Gerücht spricht von einer beabsichtigten „Christus-Synagoge" mit 3000 Sitzplätzen. Die Londoner Gesellschaft hat im letzten Jahre 180 getauft, die Ncw-Iorker 35, die Brittische 25, die Berliner 12. Wieu. (Lei ch en b eg än g n i ß.) Am Sonntag den 23. d. M. wurde unter großer Th Mitnahme, der Privatier Herr- Moritz Kaßow itz, welcher gleich seinem Schwager, dem ihm um einige Tage im Tode vorausgegangenen Herrn Arthur K ohnra d, einer Lungenentzündung erlag, zu Grabe getragen. Im Trauerhause hatte sich, um den Todten die letzte Ehre zu erweisen, nahezu die gesammte Kaufmannschaft des Franz-Josefs- Quai eingefunden. Nach Absingung eines Chorales unter der Leitung des Ober-Cantors Goldstein, wurde die Leiche nach dem Centralsriedhofe gebracht. Die vielfachen Condolenzen welche der Familie Kohnr a d und Kaßowitz aus Anlaß des Ablebens ihres Angehörigen zugekommen, geben ein deutliches Zeugnis;, für das große Mitgefühl welches diese bei den Trauerfällen finden. Gwozdriee im April 1893. Einen glänzenden Beweis, daß die fortwährenden Klagen über Apathie und hartnäckige Scheu vor Civilisation seitens der galizischen Juden nicht immer wahr sind, daß Männer mit wahrer Liebe für has Judenthum einerseits und fachmännischer Tüchtigkeit andererseits ausgerüstet, viel, ja sehr viel auch hier wirken können, beweist unser kleines und armes Städtchen. Dank den Bestrebungen des Herrn Dr. F riedlander, Seeretär des Curatorinms und des Herrn Dr. Milgrom, Präses des Kolomear Localcomites entstand hier im September verflossenen Jahres eine Baron.Hirsch- Schule. Wie anders sehenjetzt die hiesigen Kinder aus wie früher \ Die erste Elaste dieser Schule besuchen jetzt über 60 Kinder und melden sich fortwährend noch Andere, die aber leider nicht mehr angenommen werden können. Die Kinder besuchen die von Herrn Marian Taubeles geleitete Schule so gerne, daß -sie in den größten Frösten und in Krankheitsfällen nur mit Gewalt vom Gange zur Schule abgehalten werden können. Und die Eltern? Die Liebe der Kinder für ihren Schulleiter übergeht auf die Väter, sie sehen mit Bewunderung die Fortschritte ihrer Kleinen im Unterrichte und in der Sittsamkeit und zollen der Schule und dem Leiter die verdiente Achtung, dem edelmüthigen Stifter unbegrenzte Dankbarkeit.Die Schule erntet aber nicht nur seitens der hiesigen Bevölkerung allgemeine Anerkennung, aber auch bei den sie sehr oft hospitirenden Comitemitgliedcrn, wie aus der Herrn Taubeles vom Comite ertheilten schriftlichen Belobung sich ergibt. Gwodrice ist das erbärmlichste und verbauerteste Nest auf Gottes Erdboden. Dem guten Willen des Herrn Schulleiters Taubeles ist es gelungen, hrer einen wohlthätig n Verein zur Unterstützung der hiesigen Kmder zu gründen und ergiengen schon die Statuten an die hohe k. k. Statthalterei behufs behördlicher Genehmigung. Möge der Verein glücklich prosperiren! Das Gründungscomite, bestehend aus den Herren: Vorsteher der Cuttusgemeinde und Gemeinderath Bergmann, der Matrikenführer und Genieinderath ®rimberg, Bicebürgermeister Thau, Gemeinderath Lg. Jt. Rosenkranz, I. S. Rosenkranz, Fruchtermann und Schulleiter Taubeles, hat beschlossen, auf der ersten allgemeinen Versammlung dem Herrn Baron Hirsch durch Ernennung zum Cyrenmrtglleoe die ihm gebührende Dankbarkeit an den Tag zu legen. Außerdem faßten die Gründer den Entschluß, dieselbe Ehre 'P^fllioenten und Seeretär des Curatoriums der Baron HMch-iStlftung und dem Herrn Dr. Milgrom, Präses des Localcomites in Kolomea theilhaft werden zu lasten. Salamon Grünberg, Genieinderath und israelit. Matrikenführer. . (Hauptmann Perl.) Jüngst wurde der 7LLandwehrhauptmann a. D. Albert Perl, Besitzer der großen Lapferkeitsmedaille und anderer Auszeichnungen, welcher nach kurzem Krankenlager im 59. Lebensjahre an Herzfehler verlchied, am israelitischen Friedhose bestattet. Außer seinen L?.^^bll°Augehörigen, folgten seinem Sarge die hier weilende Astentlrungs-Commission, die Osficiere des Ruhestandes, zahlreiche Beamte, Mitglieder der Gemeindevertretung, viele Bürger u. s. w. Albert Perl hatte seinerzeit den Tabak-Districtsverlag hier mne und war dem k. k. 15. Landwehr-Bataillon zugetheilt. Zittau. Bon den wenigen jüdischen Familien gehören schon durch viele Jahre stets 2 bis 3 Glaubensgenossen hiesigen städtischen Gemeindevertretung als Ausschußmitglieder an. Bei der am 18. d. M. stattgefundenen Ergänzungswahl wurde das'Ausschußmitglied, Herr Michael Skopall zum Gemeinderathe gewählt und bekleidet Genannter durch eine Reihe von Jahren viele Ehrenstellen in der Gemeinde. Prag. (D e c o r i r u n g.) Dem in commerciellen Kreisen bekannten Großindustriellen, Herrn Seligman El b o g e n, wurde von Seiner Majestät dem Kaiser der Franz Joseph-Orden verliehen. Schlau. In Folge des in Nr. 14 veröffentlichten Ausrufes haben für den kranken Lehrer an milden Beiträgen eingesendct. Löbl. isr. Wohlthätigkeitsverein „Union" B. B. Pilsen - fl. 15.— „ Ciiltusgeniciiidc LischwiN. zu Züran.. 4.80 Lehrkörper der deutsche» Volksschule und eine Ccisino- Tischgi-sellschaft, Boskorvitz . . -.. 11.— Sammlung in der lvbl.Culiusgemeinde Reichenau a. d. K. durch ehriv. Rabbiner Lengsfeld : Herr Rabbiner Lengsfeld, Frari Amalie Munk, Herr S. Fleischer, je fl. 5 . . -.. 15.— Herr Goldmann...... . . .„ 3.— Löbl. Frauen verein, Fr. Wertheuner, Herren A. Lauerbach, M. Dentschmann, M. Lederer, je fl. 2.„ 10 — Herren B. Rosenbuch, I. Fischer, A. Fischer, je fl. 1 . . „ 3.— Die Herren L. Wintcrberg, Prag.„ 20.— Herr Heinr. Pollak, Brünn (Sammlung).„ 8.50 Herrn en: Heim. Löwy, Wien M. N. Lehrer, Wien, A. B. 100, Wien, - Rabbiner Ein. Elscak in L. Nozsahcgh je fl. 5 .. . . „ 20.- Herren: B. A. Wien, Horvivitz & Witrvfskh, Brünn, 3 Fabriksbeamte, Königinhvs, L Schick, Trautenau, je fl. 3 ..... „ 12.— Ein Jude, Wien, I. A. Goldstein, Zlabings, Ein. Salus, Ebrndim, Dr. S. Wien, S. Singer, Neuhaus, G. Scraff, Rokitzan, die Frauen: D. A. Kohms Witwe in Scbmarzbuch, Marie Großmann, Trautenau, Josefine Gei:nschek, Wien, je fl. 2.—.• „ IS.— Die Herren: Freiinuth, Westes;, S. Pollack, Friedeck, Hugo Abelis, Alfred Abelis, Nasfiu Hahn, Karbiy, je fl 1-— „ 5. — Summa fl. 145.30 Hiezu die in Folge unseres Aufrufes in der „Bohemia" und dem „Prager Tagblatt" eingcgangenen ■ . „ 830.64 Gesammtsumme ö. W. fl. '.>75.94 Der Unterzeichnete beehrt sich hiemit, der geehrten Redaction und allen edlen Spendern den t'cfgeiühlren Dank auszusprechen. Mögen Sie den verdicnteu Lohn finden in dem erbebenden Bewußtsein einen kranken Lehrer und Familienvater seinem Berufe und seiner Familie mit Gottes Hilfe erhalten zu haben. Schlau, am 20. April 1893. # L. Thors ch, Rabbiner Obmann des isr. Lehrervereines. Wodnian. o. G. (Jubiläumsfeier.) Samstag. den 22. d. M. begieng unser allverehrter greiser Rabbiner Herr Josef Schüller das 25-jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit als Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde Wodnian. — . Der Vorsteher der Cultusgemeinde und Chewra Kudischa holten den Jubilar zu dem Feste ab, dessen gesanglichen Theil der Cantor A. Stein leitete. Derselbe richtete auch eine erhebende Ansprache au den Gefeierten nnd schilderte in beredten Worten seine Wirksamkeit. Der Jubilar dankte gerührt dem Redner und sämmtlichen Veranstaltern des Festes. Nach dem Gottesdienste empfing der greise Rabbiner zahlreiche Deputationen. — Rabbiner Josef Schüller ist gebürtig aus Schaffa in Mähren, steht gegenwärtig im 70. Lebensjahre, er bat seine theologischen Studien in Ungarn und die philosohhischen Studien in Wien unter dem sel. I. N. Manheimer absolvirt und erlangte die Rabbinatsbefähiguiig von dem vest. Landesrabbiner Dr. Platschek. Zahllose Glückwünsche sind aus der Ferne telegraphisch und brieflich eingelangt. Berlin. (Rentier A hl war dt.) Der curiose Versuch des Ahlwardt-Moniteurs, die von den hochmögenden adeligen und sonstigen Freunden und Hintermännern des Rectors erlegte Caution von 50.000 Mark dem „gefeierten" Manne als „National-Dotation" ins Portemonnaie zu lanciren, ist kläglich mißglückt. Die antisemitischen Mammonisten haben ihr Geld zum größten Theil vergnügt wieder eingestrichen. Nur ein Theil ist noch nicht zurückerhoben worden, so daß der Ahlwardt- Moniteur jetzt die „geehrten Geber" bittet, ihm mitzutheilen, ob die Beträge im Interesse der Familie Ahlwardt verwandt werden sollen: andernfalls sollen sie gegen Rückgabe der darüber ertheilten Quittung wieder in Empfang genommen werden. Mit