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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-28 · 17 (28.4.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
17 (28.4.1893)
Date
1893-04-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 17 Orsterreichifttze Wochenschrift Seite 327 den Kindern keine Religion lehren zu lassen; aber ist es nicht schon ein Wunder, wenn sich solche vereinzelt wohnende Juden noch als Juden erhalten? Jeder andere Confessionelle würde sich in solcher Vereinsamung amalgamirt haben. Man darf also von diesem Trotz doch noch nicht auf alles Schwinden des jüdischen Gefühls bei diesen Leuten schließen. Für den Anfang dieses Jahres wurde eine Vorstandssitzung anberaumt, bei welcher die Religionsunterrichtsfrage gelöst werden sollte; aber die von den Bezirken bestimmten Delegirten äußerten sich, daß sie nicht wissen, wie sie dazukommen, einen Tag zu opfern und so blieb es, wie es war. Dem armen Religionslehrer kann es kein Billigdenkender verargen, daß er nicht von selbst diese zerstreut lebenden Familien behufs des Unterrichtes ihrer Kinder wenigstens einmal in der Woche besucht, denn wenn er es schon aus Idealismus thun wollte, kann er es nicht, weil er nicht die Mittel besitzt, um täglich 20—40 kr. Bahnspesen zu machen. Es gibt nur einen Weg, diesem Uebel abzuhelfen und der wäre — eine Subvention von der „Israelitischen Allianz". Diese.Subvention soll zwar auf Ansuchen erfolgen, aber wie man sagt, gelangt sie nur zu Händen des Cultusvorstandes und die Lehrer erhalten wieder nichts davon, denn sie sind das Aschenbrödel in dem Beamtenstatut der Cultusgemeinden, die noch immer in dem alten Glauben leben, der Religionsunterricht sei Sache jedes einzelnen Familienvaters, wie es in früheren Zeiten, wo noch das Herz für die Religion noch warm schlug, wirklich der Fall war. Heute will leider der Jude behördlich zu dieser Psticht gezwungen sein. Aber der Einzelne kann nicht gezwungen werden, weil der eine oder andere wirklich nicht die Mittel besitzt, sich dieses Religionsunterrichtes halber etwas kosten zu lassen: allein die Cultusgemeinde sollte Verhalten sein, kein jüdisches Kind in ihrem Sprengel ohne Religionsunterricht zu lassen. Thatsächlich gehört ja dieses zu den gesetzlichen Bedingungen für die Existenzberechtigung einer Cultusgemeinde; aber es fehlt an der Controle, ob denn diese die Bedingung auch erfüllt. Allerdings dürfte es solche Zustände, wie in den genannten beiden Bezirken, daß von 29 Kindern nur 9 einen Religionsunterricht genießen, nur in wenigen Bezirken mehr geben. Aber auch als Ausnahme ist dies traurig und an wen soll man appelliren, um hier Wandel zu schaffen? Vielleicht, daß die Besprechung der Sache in der Oeffentlichkeit doch in den Eltern das jüdische Bewußtsein weckt und sie drängt, ihrer heiligsten Psticht einige Opfer zu bringen und den Religionslehrer zu sich kommen zu lassen. War ja immer das erste, was jüdische Ansiedler in einem neuen Orte besorgten, die Bestellung des Religionsunterrichtes ihrer Kinder. München. Nicht nur in Wien, sondern auch anderwärts suchen die Gescllschaftshetzer Eingang in die Gemeinde- und Landesstuben zu erhalten, um die Verwirklichung ihrer internationalen Scandalzwecke auf communalem und provinzialem Boden anzustreben. Dieser Tage fand eine große Versammlung der liberalen Wähler in München statt, in welcher anläßlich der bevorstehenden Landtagswahl gegen die Forderungen der Antiliberalen energisch Stellung genommen wurde. Bei dieser Gelegenheit hielt der bekannte Schriftsteller Vecchioni eine bemerkenswerthe Rede, der wir nachstehende Stellen aus dem Grunde entnehmen, um darzuthun, wie scharf und schneidig man anderwärts den Hetzern entgegen tritt. Herr Vecchioni sagt unter brausendem Beifalle der Wählerschaft: „Wir fordern Sie und unsere Gesinnungsgenossen auf, der antisemitischen Hetze mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten. Wie eine Seuche droht die Wiederbelebung des mittelalterlichen Wahnes die Verhältnisse zu vergiften, die in Staat und Gemeinde, in Gesellschaft und Familie, Christen und Juden auf dem Boden der Gleichberechtigung und Toleranz verbunden haben. Fanatismus, Bosheit und die Sucht im öffentlichen Leben eine Rolle zu spielen, haben diese Seuche in neuerer Zeit auch nach München verschleppt; wir wollen ihrer weiteren Verbreitung entgegentreten, damit der öffentliche Friede und die Ehre unserer Vaterstadt gewahrt bleiben. Die Judenhetze ist eine Beleidigung des Christenthums, denn dieses hat seine Wurzel im Judenthum. Noch heute beginnt der erste Leseunterricht unserer.Kinder mit den Erzählungen aus dem Leben der jüdischen Patriarchen. Die Judenhetze ist ein schmähliches Armuthszeugniß, das die Veranstalter den Christen ausstellen. Nach der Volkszählung von 1890 bilden die Juden nur ein Vj7 Percent der ganzen deutschen Bevölkerung urrt> die 99 Percent Christen sollen so arm an Intelligenz und Thatkraft sein, daß nur eine Rechtsloserklärung der Juden sie vor dem Untergänge retten kann?! Die Judenhetze ist das Ergebniß sinnloser aber auch aussichtsloser Scandalsucht. Kein vernünftiger und besonnener Mann wird glauben, daß die Regierung des deutschen Reiches, daß die Regierung eines Einzelnstaates, daß irgend eine anständige politische Partei jemals auch nur den Versuch machen wird, die Forderungen der Antisemiten zu verwirklichen. Die Judenhetze ist endlich ein Flecken auf dem blanken Ehrenschild der deutschen Nation. Der Redner erinnerte hiebei an die Worte Kaiser Friedrichs: „Ich mißbillige die antisemischen Bestrebungen ans das entschiedenste und verwerfe sie. Was mein Gefühl dabei am meisten verletzt, ist die Hineintragung dieser Tendenzen in die Schulen und Hörsäle. Ich vermag es nicht zu fassen, wie Männer, die auf geistiger Höhe stehen sollten, sich zum Träger und Hilfsmittel einer in ihren Voraussetzungen und Zielen gleich verwerflichen Agitation hergeben können." Paris, 10. April. (Ein Brief Jules Ferry's über den Antisemitismus.) Der Präsident des französischen Senates und frühere Minister Jules Ferry, der zu allgemeinem Bedauern kürzlich gestorben, hatte an Herrn Lambert, Advocat im Cassationshof in Paris, aus Veranlassung der von Letzterem verfaßten und ihm zugeschickten Broschüre „Die Juden, der Antisemitismus und die moderne Gesellschaft" folgenden Brief geschrieben: „Mein Herr! Ich habe Ihre Broschüre über die Juden erhalten und danke Ihnen dafür. Schon als Student auf dem Colleg in Straßburg, zu einer Zeit, wo das Dorurlheil in meiner Umgebung noch sehr mächtig war, empfand ich weder Haß noch Antipathie für diese starke lebensfrische Rasse, eine der außerordentlichsten ges.-llschaftlichen Erscheinungen unserer Geschichte. Die Tugend dieses Volkes, seine Fähigkeiten sind zu augenscheinlich. Seine Schwächen uni^Fehler, welche im Verschwinden sind und von Tag zu Tag sich mehr verlieren, sind die Ueberbleibsel einer langen Knechtschaft —, wie auch die Rolle als Vermittler bei den kleinen Zwischenhändeln, nicht geeignet ist, sie bei unserer Landbevölkerung beliebt zu machen, man verleumdet sie, weil man sie nicht entbehren kann. Saint Die, 31. August 1887. Jules Ferry." VermiMes. Wien. (T r a u u n g e n.' Sonntag, den 23. April 1893 wurden getraut: Herr Dr. Markus Koranyi mir Frl. Friederike Hirsch. Herr Victor Monath mit Frl. Elise Pserhofer. Herr Julius Schlick mit Frl. Sophie Groag. Herr Emanuel Steiner mit Frl. Therese Suschitzky. Herr Heinrich Berger mit Frl. Franziska Suschitzky. Wien. lPrediger Mannheimer-Verein.) Am 17. October d. I. gelangen die Zinsen des „Prediger-Mannheimer-Vereines zur Bertheilung. Anspruch auf diese Unterstützung haben Rabbiner, Prediger und Lehrer in Oesterreich- Ungarn, welche dienstunfähig geworden sind, oder deren Witwen und Waisen. Die Bewerber müssen in einer Gemeinde, welche mindestens fünfzig Mitglieder zählt, wenigstens durch zehn Jahre das Amt in würdiger Weise verwaltet haben. Beamte großer notorisch reicher Gemeinden sind ausgeschlossen. Die Würdigkeit der betreffenden Beamten, sowie die Dienstunfähigkeit sind nachzuweisen. Ungestempelte Gesuche sind längstens bis am 30. Juni d. I. an die israelitische Gemeindekanzlei in Wien, unter der Adresse: „Vorstand des Prediger Mannheimer-Vereines" zu übersenden. Wien, 11. April. In der „Allgemeinen Evangelisch- Lutherischen Kirchenzeitung", Nr. 11 vom 17. März, lesen wir: „England nimmt sich der Judmmiffion mehr als andere Länder an. In Galiläa und Nordpalästina sind zur Zeit 35 englische Judenmiffionen thätig. In London ist im November v. I. ein neues Missionshaus eröffnet worden, deffen Kosten im Betrage von 180.000 Mark schon am Einweihungstage gedeckt waren. Dagegen geht die seit fünfzig Jahren bestehende Londoner Judenmissionsgesellschaft zurück; sie hat ihre Stationen Breslau und Frankfurt einziehen müffen, während die Berliner jetzt von Pastor Becker (früher in Breslau) verwaltet wird. In Oesterreich-Ungarn ist Rabbiner (!) Lichten st ein getauft und in den Dienst der englischen Mission getreten. In Rumänien, besonders in Galatz, wirkt die norwegische Judenmission. In Jassy ist unter den- 50.000 Juden gleichfalls ein Missionär thätig. In Jerusalem hat die Londoner Gesellschaft eine Mädchenschule für Juden, in Jaffa die schottische Missionsgesellschaft ein Spital eröffnet. In Kischenew (Bessarabien) scheint die von Rabinowitsch geleitete Bewegung zurückzugehen. In New- Iork entfaltet die christliche Judenmiffion viel Eifer; sie hat ein

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