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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-28 · 17 (28.4.1893) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
17 (28.4.1893)
Date
1893-04-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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i Nr. 17 Oesterreichisrtze Wochenschrift Seite 325 Drohobitsch und stellte mich dem Mann vor. Er nannte sich mir „Josef Abuhab, Oberrabiner von Athen in Griechenland" und zeigte mir auch seinen Paß, der auf diesen Namen und diese Eigenschaft ausgestellt war. Eine unbestimmte Ahnung sagte mir aber, daß ich in diesem Manne einen Betrüger vor mir habe. Ich machte kein Hehl daraus, daß ich ihn als Berichterstatter besuche und in meinem Blatte an das Rabbinat in Athen die Anfrage stellen werde, ob es ihn wirklich delegirt habe, für den angeblichen Zweck zu sammeln. Aber das verschlug ihm die Rede und er bat mich, seiner nicht in der Oeffentlichkeit zu erwähnen. Jetzt war ich meiner Sache gewiß: Der Mann ist ein Schwindler! Ich versprach ihm 311 schweigen, wenn er sich mir ganz entdeckte. Nach einigem Widerstreben legte er mir Zeugnisse von der „Israelitischen Allianz" vor, das eine ausgestellt vom 17. März 1891 und das andere vom 18. Juli 1891, in welchem aber unverkennbar aus 91 92 gemacht wurde. Auf diesen beiden Schriftstücken ist unterfertigt: Friedrich Kraus, Vorstand, und am Fuße in dem einen „An Herrn Josef Abuhab. Oberrabbiner in Wien", und in dem anderen: „An Herrn Josef Abuhab, Oberrabbiner in Athen". Nach langen Hin- und Widerreden gestand mir der Mann, daß er nie Rabbiner, sondern vor vielen Jahren Schächter und Elementarlehrer in Athen war und seit einigen Jahren in Smyrna wohne. Er zeigte mir auch ein Zeugniß unterschrieben: „Abraham Palatschi, Rabbiner in Smyrna". Gewiß auch eine Fälschung, Nocbmals bat er mich flehentlich, nichts über ihn in die Oeffentlichkeit zu bringen. Er folgte mir in mein Hotel nach weinte bitterlich und drohte, er werde einen Selbstmord begehen wenn ich über ihn etwas schreibe. Der Mann dauerte mich und ich versprach es ihm, wenn er sofort abreise. Da zog er die Schausäden hervor und schwur, er werde noch in der Nacht von Drohobitsch nach Krakau gehen, von dort nach Budapest und über Triest nach Hause reisen. Ich hörte noch über ihn, daß er ein lasterhaftes Leben führe. Meine Geschäfte gestatteten es mir nicht in Drohobitsch über Nacht zu bleiben. Als sich der Mann jedoch frei von mir sah, blieb er in Drohobitsch noch über die zweiten Tage Pessach und samn.elte weiter. Von da ging er dann in andere galizische Gemeinden, fein betrügerisches Treiben fortzusetzen. Auch ich bin daher meines Versprechens enthoben und warne vor diesen Betrüger. Er spricht nur hebräisch und dadurch gibt er sich den Schein großer Frömmigkeit. Auch ist er im Besitze vieler Zeugnisse von galizischen und rumänischen Rabbinern, oie sich eben von ihni täuschen ließen. Er war sogar zu Pessach der Gast des Herrn Schreiber, Führers der „Machsike-Hadath", und dieser hatfür ihn die große Trommel geschlagen. Peti joamin lechol dabar. Und wer weiß, wie lange dieser Betrüger sein Treiben noch fortsetzen wird, wenn ihm nicht durch die „Oesterreichische Wochenschrift" das Handwerk gelegt würde. Prag. In der Plenarsitzung des böhmischen Landtages vom 20. d. M. richtete der Abgeordnete Alexander Richter namens des Clubs der deutschen Landtagsabgeordneten die folgende, die Judenhetze in Kolin betreffende Interpellation an den Statthalter: In der Stadt Kolin ereignete sich vor Kurzem eine Judenverfolgung. Unter dem Einflüsse eines nnsteren, in unserer Zeit kaum noch begreiflichen Aberglaubens und in unmittelbarer Folge einer Verdächtigung, welche durch alle amtlichen Erhebungen als Verleumdung erwiesen ist, wurden die dortselbst ansässigen jüdischen Bewohner beschimpft und auf so gefährliche Art in ihrer persönlichen Sicherheit, wie in ihrem Besitze bedroht und geschädigt, daß das Aufgebot von Militärgewalt zu ihrem Schutze verfügt werden mußte. Aach übereinstimmenden Berichten ist ein vollkommen friedlicher Zustand bis zur Stunde nicht hergestellt und für die Zukunft die weitere Bedrohung der in $olin und Umgebung lebenden Inden nicht ausgeschlossen. In Erwägung, daß dieser Fall einer Judenverfolgung — der erste, der seit langen Jahren das öffentliche Leben in Böhmen befleckt, — das tiefste Bedauern aller Rechtlichfühlenden erweckt und breite Kreise der Bevölkerung, in Unruhe versetzt; in Erwägung, daß dieses traurige Borkommniß notorisch im Zusammenhänge mit einer seit Langem betriebenen Hetze, steht, welche gegen eine gesetzlich anerkannte Religionsgenossenschaft aufreizt; in Erwägung, daß das Wohlergehen und die Ehre des Landes erheischen, der Ausbreitung des. Hebels entgegenzutreten und der Wiederholung eines Rechts und Friedensbruches, wie er sich in Kvlin ereignete, vorzubeugen, stellen die Unterzeichneten an Eure Excellenz die Anfrage: Gedenkt die Regierung im Hinblick auf diesen bedauerlichen Ausbruch künstlich aufgestachelter Leidenschaften, den Ursacken solcher Ausschreitungen fortan die schärfste Aufmerksamkeit zuzuwenden? Gedenkt sie, die ihr zu Gebote stehenden Drachtzmittel auf die zu Tage getretene verwerfliche Bewegung in .vollem Mä^e anzüwenden? Beabsichtigt sie insbesondere, der in Wortnüd'Schrift, in VersämMlüngen, in Zeitungen und an anderen öffentlichen Stellen betriebenen Verhetzung und Aufreizung mit aller Strenge entgegenzutreten und gedenkt sie überhaupt, alle Vorkehrungen zu treffen, um das Land künftighin vor ähnlichen Ausschreitungen zu bewahren und den Mitbürgern jüdischer Confession volle Sicherheit zu gebeny Prag. 24. April. Heute begab sich der Landtagsabgeordnete Herr Dr. Josef Za lud und der Schreiber dieses zu dem Eigenthümer der „Narodni Listy" Herrn Dr. Julius Gregr, um im Namen einiger Gleichgesinnten das Ersuchen zu stellen, es möge in Angelegenheiten, wie die Koliner war, nur über Thatsachen, welche der Wahrheit entsprechen, berichtet werden, so daß Gerüchten, die sich oft als Fälschungen und absichtliche Verdrehungen erweisen, kein Raum geschenkt werden möge. Herr Tr. Gregr erwiderte, daß seines Wissens, und wenn seinen Anordnungenentsprechend gehandelt wurde, den „NarodniListy" in dieser Hinsicht kein Borwurf gemacht werden könne. Er für seine Person sei ein Freund der Inden, was ihm schon oft vorgehalten wurde. Wenn er nur den kleinsten Theil der ihm zuu.ekommenen Zuschriften veröffentlicht hätte, wäre der Antisemitismus in Böhmen schon vor Jahren lichterloh entbrannt. Bei dieser Gelegenheit erklärte Herr Dr. Julius Gregr den Bericht über feine Unterredung mit dem B e r i ch t e r st a t t e r d e s D e n t - scheu V olksblattes, der seinem Aussehen n a ch ein Jude ist, als einen denThatsachen nicht entsprechenden. Herr Tr. Gregr hatte gesagt: Unsere Partei (die Zungczechen) hat mehr Berührungspunkte mit den Deutschnationalen als mit den Deutschliberalen". Das „Deutsche Volksblatt" verdrehte diese Aeußerung dahin, Herr Dr. Gregr habe gesagt: „Die Jungczechen haben mehr Berührungspunkte mit den Antisemiten" trotzdem Herr Dr. Gregr im weiteren Verlause des Gespräches zu dem Berichterstatter des „Deutschen Volksblaltes" ausdrücklich gesagt hatte: „Lassen Sie uns mit dem Antisemitismus in Ruh! Ich persönlich bin kein Antisemit, eher ein Judenfreund. Auch unsere Partei ist keine antisemitische Partei, wenn auch einzelne Mitglieder sich zum Antisemitismus hinneigen". Als ihn Dr. Gregr nach Kolin verwies, da sagte der Berichterstatter des Deutschen Volksblattes, daß ihm dort sein jüdisches Aussehen gefährlich werden könnte. Trotzdem der Bericht des Deutschen Volksblattes über diese Unterredung in der „Narodni Listy" dementirt wurde, wird derselbe doch von der 9!. Fr. Presse zur Grundlage von verletzenden Glossen gemacht. — Aus den Zweck unseres Besuches zurückkommend, machten wir aufmerksam, daß die Berichte aus Kolin vielleicht den Unvoreingenommenen von keiner Bedeutung schienen, daß sie aber uns Juden sowie vom Vorurtheilen befangenen Christen tendenziös erscheinen mußten. Als Beweis verwiesen wir aus den Bericht der N. L. aus Neubenatek, der von einem großen Auflaus zu erzählen wußte, den 20 Gendarmen schwer steuern konnten, während laut Bericht des Jnngbunzlaner „Zizeran" an diesem Tage in Neubenatek blos 5 Gendarmen lvaren, ohne Veranlassung zu Haben, ihre Casernen zu verlassen. NurNachmittags begab sich ein Gendarm in der Kappen durch den Ort, ohne irgendwo einschreiten zu müssen. Abends wurden freilich von einer bei der That verhafteten Person bei 3 Juden die Fenster eingeschlagen. Herr Dr. Gregr wies daraus hin, daß ihm schon vor drei Monaten ein angebliches schriftliches Bekenntniß unterbreitet wurde, aus welchem Hervorgeyen sollte, daß ein Christ das damals vermißte Dienstmädchen den Juden ausgeantwortet hätte. Er habe aber diesen Bericht als eine plumpe Mystification zurückgewiesen. Im Verlaufe des Gespräches hatte Herr Dr. Gregr darauf hingewrefen, daß der „Polaban" oft Veranlassung bot, daß die Nar. Lisch mit ihm polemischen mußten. Am Schluffe unserer Unterredung versicherte Herr Dr. Julius Gregr, daß er die von uns geäußerten Wünsche berücksichtigen werde, forderte uns aber auf dahin zu wirken, daß auch unsere Glaubensgenossen ihre Pflichten zu dem Lande, in welchem — und zu dem Volke, unter welchem sie leben, erfüllen sollen. I. S. Kraus. Prag, 25. April. Seit Decennien wüthet der Antisemitismus an unseren Grenzen. Die Koliner Exceffe zeigen, daß auch czechische Kreise von dieser Erfindung der Deutschen inficirt find. Aus socialen und politischen Gründen wird dem Volke religiöser Fanatismus und fanatischer Aberglaube eingeim'pft. Die christlichen, meist erst zugezogenen Kaufleute glaubten ihre jüdischen Concurrenten am besten dadurch zu verdrängen, wenn das von ihnen subventionirte Localblättchen dem Antisemitismus vergiftete Pfeile entleiht. Diesen rein egoistischen Zielen socialen Genres gab man noch ein natidnäles und' politisches Mäntelchen, um aus den so präpotrirlert Boden die Fabel' vbn der Mutlüge zu'säen.

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