Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 17 (28.4.1893)
- Date
- 1893-04-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 324 Oesterreirtzisüre WortzensllrrM Nr. 17 Schreiben erwidert, in welchem derselbe seinem Dank mit dem Bemerken Ausdruck gibt, daß ihn kein Zeugniß seiner Thätigkeit mehr geehrr und erfreut habe, als die Anerkennung der Wiener Handels- und Gewerbekammer. Was den Nachfolger des Herrn Goldschmidt ans dem Wiener Posten betrifft, so verlautet in diplomatischen Kreisen, daß die österreichische Regierung nicht entschlossen ist,, dem neuernannten Generalconsul Mr. Judd das Exequatur zu ertheilen. Es wurde von maßgebender Seite gegenüber dem amerikanischen Gesandten ausdrücklich betont, daß nicht die jüdische Confession des Herrn Judd die Ursache seiner Nichtzulassung sei, sondern daß man die frühere österreichische Staatsangehörigkeit des Herrn Judd, welcher Judkiewicz hieß, als entscheidend betrachte, weil man principiell nicht Persönlichkeiten aus diplomatischen Posten sehen will, welche sich expatriirt haben. Man habe hier gar keinen Grund, jenen Personen entgegenzukommen, welche ihr Vaterland verlassen haben und Dienste in anderen Staaten nahmen. Es ist erinnerlich, daß auch Herr Jonas, welcher zum amerikanischen Consul in Prag ernannt war und der ebenfalls österreichischer Unterthan gewesen ist, lange Zeit um das Exequatur kämpfen mußte. Auch Herrn Jonas gegenüber wurden dieselben Bedenken geltend gemacht. Ein anderer Fall, daß ein amerikanischer Vertreter in Oesterreich nicht zugelaffen wurde, betras den zum Gesandten der Union ernannten O'Keilly. Damals war der Grund ein politischer. O'Keilly war ein Feind Italiens und halte Meetings für die Wiederherstellung der. weltlichen Macht des Papstes veranstaltet. Er hatte König Viktor Emanuel wiederholt einen Räuber genannt und inan wollte es dem hiesigen Botschafter ersparen, mit einer so prononzirten Persönlichkeit in jenen Verkehr zu treten, welchen Diplomaten untereinander pstegen müssen. Nebenbei war allerdings O'Keilly auch mit einer Jüdin verheirathet; damals wurde ebenfalls ausdrücklich betont, daß nur O'Keilly's Haltung gegenüber König Victor Emanuel und nicht feine Vermählung mit einer israelitischen Dame der Grund seiner Nichtzulassung, sei. Fast zwei Jahre lang war in Folge dieses Conflicts Amerika hier nur durch einen Geschäftsträger vertreten. Wien. (Die P rocesfi o n der Schmuggler.) Aus Genf wird berichtet: „Die französischen Zollbehörden an der Grenze von Frankreich und der Schweiz am Genfer See sahen erstaunt die stets wachsende Zahl von Todesfällen französischer Landesangehöriger, welche in einem schweizerischen Grenzbezirke starben und von ihren Angehörigen nach Frankreich zurückgebracht wurden, um auf einem Friedhofe des Heimatsortes beerdigt zu werden. Langsam und feierlich näherte sich der Trauerzug mit dem Sacristan an der Spitze, gefolgt vom Kreuzträger, dem Pfarrer, dem auf einem Karren befindlichen Sarge mit der Leiche und den untröstlichen Verwandten. Der dienstthuende Zollbeamte salutirte. Aber der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht. Eines schönen Tages sah der an der Spitze eines Trauerzuges gehende Sacristan, daß nicht nur ein Zollsoldat, sondern eine ganze Abtheilung von Grenzwächtern ausgestellt war. Ohne ein Wort zu sagen, riß er die Soutane vom Leibe und lief davon. Der Krenzträger warf sein Kreuz zur Erde und riß ebenfalls aus, so schnell er konnte. Der Geistliche und die nachfolgenden „untröstlichen" Verwandten folgten ihnen und die herbeieilenden Zöllner fanden den Todten verlassen mitten auf der Straße. Der Sarg war voll Tabak. Von jenem Tage an nahm die Sterblichkeit von Franzosen an der schweizerischen Grenze bedeutend ab . . ." (In dankbarer Erinnerung.) Der bekannte Librettist Mascagni's, Guido Menasei, hat im Laufe des vergangenen Winters einige Wochen in Wien geweilt und unsere Stadt hat ihm so außerordentlich gefallen, daß er seiner Dankbarkeit gegen die alte Kaiserstadt in einigen reizvollen Gedichten Ausdruck gegeben. Der römische „Fanfulla" bringt in einer seiner letzten Nummern drei dieser Dichtungen: „Prater im Winter", .„Den Quai entlang" und „Schönbrunn"'. Jedenfalls eine erfreuliche Ausnahme von so vielen Ariern, die in unserer Mitte die Gastfreundschaft genießen und die dann, kaum daß sie Wien den Rücken gekehrt, wacker auf uns losschimpfen, weil sie einmal das Sperrsechserl zahlen mußten oder mit dem Fiaker nicht sofort ins Reine kommen konnten. Wie». (Wie Juden Hetzen entstehen können.) Aus Kolin wird gemeldet : In-einem tschechischen Städtchen existirt eine Zeitung, die wir Prodani revolvernennen wollen, und deren Redacteur konnte'die Juden nicht leiden Er Hütte drei Gründe dafür: erstens verstanden sie deutsch und lasen verrathecischerweife.Bücher und Zeitungen in diesek Sprache l der Nationalfeinde, zweitens abonnirten sie nicht seine Zeitung, sondern, wenn sie schon tschechisch lesen wollten, die seiner gegnerischen Partei, und drittens . . . Dem Prodani revolver beliebte es eines Tages, den geachteten Kaufmann T. persönlich anzugreifen. Sein Vater sei wie so viele Juden vom Wucher reich geworden, und der Sohn bedrücke jetzt mit diesem Gelde die echten Kinder des ausgesogenen Vaterlandes. („Echt" sind nur seine eigenen Parteigenossen.) Herr T. eilt zu dem Schreiber der Notiz, beweist ihm, daß sein Vater nie gewuchert habe, und schließt dies Beweisverfahren mit folgendem Satze: „Wenn die Sache geordnet ist, dann gebe ich gerne „vier Zehner" her." Lttes schien von durchschlagender Beweiskraft, denn die nächste Nummer des Prodani revolver rehabilitirte den todten nnd den lebendigen Herrn T. vollständig. Nun war's an letzterem, sein Versprechen zu halten, und er sandte dem Herrn „Reditel“ in einem Briefe, der vor Zeugen gefüllt und versiegelt wurde, „vier Zehner", und zwar den „Treff-, Pique-, Carreau- und Herzzehner". Bedarfs eines größeren Beweises für die Schlechtigkeit der Juden? Seit jener Zeit hetzte der Prodani revolver heftig gegen alles Jüdische im 'Allgemeinen, und als ein Mädchen in's Wasser sprang, gegen seine israelitischen Mitbürger im Besonderen; er bewies, daß dies kein Selbstmord, sondern ein Ritualmord sei, und die Folge war . . . Wer das genau wissen will, lese die Berichte über die Judenhetze in Kolin — es ist fast dasselbe. (Noch ein R i t u a l m o r d in Böhmen.) Einer der Correspondenten der angeblich freisinnigen Narodni Listy, die in der jüngsten Zeit die häßlichste Abart des Antisemitismus propagiren, hat wieder einen Ritualmord nach Art der Koliner entdeckt. Am letzten Samstag wurde nämlich die Leiche des Dienstmädchens Josefa Urban aus Neu-Benatek in der Jser bei Skorkow ausgefischt. Die Unglückliche wurde seit dem 3. November 1892 vermißt. Sie war, wie der Correspondent erzählt, an jenem Tage zeitlich Früh aufgestanden, um ein anderes Mädchen zu holen, das ihr bei der Wäsche Helsen sollte, und von da ab war ihre Spnr verloren —„als ob sie in die Erde eingesunken wäre". Schon damals waren die merkwürdigsten Gerüchte aufgetaucht. Als aber Samstag ihre Leiche aus dem Flusse gezogen wurde, war man in Neu-Benatek, besonders unter der weiblichen Bevölkerung, sofort überzeugt, daß ein Ritualmord vorliege. Wohl mit Rücksicht aus die Koliner Vorfälle wurden von der Behörde sofort 20 Gendarmen nach Neu- Benatek geschickt, welche, wie der Berichterstatter des Jungtschechenblattes mit leisem Tadel hervorhebt, keine Ansammlung von Leuten duldeten, trotzdem sich die Bevölkerung noch keine Ungehörigkeiten gegen die Juden erlaubt hatte. Eine gerichtsärztliche Commission, welche die Leiche obducirte, constatirte, daß ein Selbstmord vorliege. Das Volk — und wie uns scheint auch der Berichterstatter der Narodni Listy — glaubt aber nicht, daß die Leiche seit dem 3. November im Wasser gelegen sei, und einige Leute wollen an der Leiche die für den Ritualmord unentbehrliche tiefe Wunde gesehen haben. Wien. Warnung vor" einem Schwindel. Man schreibt uns aus Boryslaw: Löbliche Redaction! Ich bitte um Raum für einige Zeilen in Ihrem unter allen jüdischen Blättern verbreitetsten Blatt, um unsere Glaubensgenossen, Gemeinden wie Private, vor einem Betrüger zu warnen, der auf das jüdische Solidarttätsgesühl speculirt und unter Angabe für eine allgemeine jüdische Angelegenheit Geld zu sammeln, Städte und Länder durchzieht und sich bereichert, mehr aber noch als durch diesen materiellen Schwindel durch sein Leben dem Judenthume schadet, denn er gibt sich für eine durch Amt und Stellung ehrwürdige Persönlichkeit aus, ist aber ein gemeiner Urkundenfälscher und besucht die verrufensten Locale, es könnte also kommen, daß wenn er einmal von der Polizei aufgegriffen wird, Judenfeinde ihn wirklich dafür halten, wofür er sich gibt und den ganzen Stand, dessen Maske er trägt, mit ihm identificirt. Der Mann treibt gegenwärtig sein Unwesen'in Galizien. In den Halbfeiertagen des verfloffenen Päffahfestes ging hier das Gerücht, daß sich sin Drohobitsch ehr vornehmer Gast, der O b e r r a b b i n e r von Athen und ganz, Griechenland' äufhalte, der die Gemeinden Galiziens) durchreist, um Geld zu dem Zwecke zu sammeln, der Blütbeschuldigung, welche jetzt in . Griechenland graffirt, dmch' Berbreitüüg) vön Broschüren, Originale- und ÜeberMungen, unter das Volk eutgegeüzüärbeiten. :-Alls ständiger Correspondent einer ausländischen'' hebrqischen Zeitung liegt es mir ob) .über jedejüdffche AnßdlegeNMt'von einiger Bedeutung in Galizien zil referiren. Ich reffte nach