Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 17 (28.4.1893)
- Date
- 1893-04-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 17 Oestrrreirtzische WortzenschrM Seite 323 die Langlebigkeit seiner Glaubensgenossen und den Gesundheit»- , zustand der Stadt, die Juden „verantwortlich", resp. sie dafür zum Objecte der gemeinsten Antisemitenhetze zu machen, den Juden die Schuld beizumessen, daß zu wenig Christen begraben werden! Wien. (D e r B l u t s a b e r g l a u b e in China.) Unter dieser Ueberschrist bringt der Globus (Bd. LXII, Nr. 15, Seite 238) Aufklärungen über die jüngste Christenverfolgung in China, die auch für uns nicht ohne Interesse sind. Herr Dr. Repsold schreibt: „Die jüngsten Verfolgungen der Weißen, die Ermordungen der Missionäre und die Zerstörungen christlicher Capellen und Kirchen in China war namentlich auf die Antriebe eines hohen chinesischen Beamten', Tschou Han, zurückzuführen, welcher in Tschaugscha, der Hauptstadt Hunnans, residirte. Auf die Vorstellung der europäischen Gesandten in Peking hin wurde eine Untersuchung gegen Tschou Han eröffnet, die aber so gut wie ergebnislos verlaufen ist. Aus der amtlichen Pekinger Zeitung, welche jetzt die in dieser Sache unternommenen Schritte actenmäßig veröffentlicht, geht hervor: Tschou Han ist verrückt geworden und nicht anfzufinden. — Es erhellt aber aus jenen Actenstücken, daß Millionen von Flugblättern, Pamphleten, Plakaten, Spottliedern unter der abergläubigen Menge verbreitet wurden und ihre Wirkung erzielten. Besonders wurden in geradezu unfläthiger Sprache die Missionäre beschuldigt, „daß sie die Frauen behexten, indem sie ihnen geheime Mittel eingäben, dann sie an verborgene Plätze lockten und sie daselbst tödteten, um ihnen die Herzen und Augen auszureißen." Dr. Repsold schließt diesen Theil seiner Schilderung mit den Worten: „Mit geringen Aenderungen ist das also die nämliche blödsinnige Beschuldigung, die man in Europa den Juden bezüglich des zur Passahseier nöthigen Christenblutes seit Jahrhunderten vorwirft." Wien. (Das Schloß Rothschild bei Reichenau eine klimatische Heilanstalt.) Das Curatorium zur Erj richtung und Erhaltung einer klimatischen Heilanstalt für Brustkranke macht folgende Mittheilung: Nathaniel Freiherr von Rothschild hat derl Präsidentin des Damencomites für den obigen Verein, Prinzessin Rosa Croy-Stern berg, von seiner Entschließung Kenntniß gegeben, den gesammteu ihm geh örigen prachtvollen Besitz bei Reichenau dem Vereine zum Geschenke zu machen. Der Protector des Vereines, Erzherzog Carl Ludwig, nahm Gelegenheit, seine besondere Befriedigung über einen solchen hochherzigen Act zu äußern und gab dem Vereine neuerlich einen Beweis seiner Huld, indem er irr seiner Eigenschaft als Gutsnachbar keinerlei Einwendung gegen die Verwendung des (Rothschild'schen Besitzes für die Zwecke des erwähnten Humanitären Unternehmens erheben zu wollen erklärte. Daß die Besitzung des Freiherrn v. Rothschild, Schloß Hinterleithen, den hygienischen Anforderungen vollkommen entspricht, dafür bürgt seine wunderbare Lage in dem schönsten Waldthal Niederösterreichs, in Reichenau. Baron Rothschild hat große Opfer für diese seine schöne Besitzung gebracht; er hat dieselbe in der letzten Zeit wiederholt umgebaut und die Kosten des Baues werden auf mehrere Millionen geschätzt. Das „Deutsche Volksblatt", das Leiborgan des Prinzen Liechtenstein, beeilt sich deswegen den Baron Rothschild als „Mitausbeuter aller europäischen Staaten" zu beschimpfen und fügt hiezu die niedliche Bemerkung: „Wir glauben kaum, daß dieses Geschenk auf unsere christliche Bevölkerung, die unter dem furchtbaren Drucke des Großkapitals seufzt und die weiß, daß diese geschenkten Millionen aus ihrer Tasche stammen und daß sie auss Neue dafür aufkommen muß, einen großen Eindruck machen wird." „Natürlich ist dies kein Millionengeschenk,' sondern der Werth beträgt wenige Tausende. Uebrigens kommt uns die Nachricht zu, Rothschild habe das Schlößchen deshalb leichten Herzens hingegeben, weil die Bevölkerung Reichenaus und der benachbarten Orte ihm. bei seinen dortigen Aufenthalten keineswegs mit Ehren überschüttet hat." Indessen haben wir noch nicht vernommen, daß Prinz Alois Liechtenstein je ein ähnliches Schloß der öffentlichen Wohlthätigkeit gespendet hätte. Wir unsererseits würden wenigstens wünschen, daß rechtzeitig Vorsorge getroffen würde, daß dieses Institut nicht später einmal eine antisemitische Verwaltung erhielte, welche jüdische Aerzte boykottirt. Man hat in dieser Richtung in Wien manche böse Erfahrung. Das Schloß des Baron Nathaniel Rothschild wurde im Jahre 1884 und in den darauffolgenden Jahren nach den Plänen der Architekten Bauque und Pio von den Baumeistern H. und F. Glaser erbaut. Es ist im französischen Renaissancestyl gehalten und von seiner Anhöhe blickt man nieder auf das freundliche Thal von Reichenau. Dieser herrliche Besitz — wohl einer der schönsten der Monarchie — wird von einem wohlgepflegten Parke umgeben, den eine hohe Mauer umfaßt. Ueber sie hinweg rankt und schlingt sich und grüßt nach außen ein dichtes Gewirr wilder Rosen, der Hecke gleich, die Dornröschens Schoß umwucherte. Und welche Rosen! So groß und voll, so prächtig und lieblich, wie sie wohl nirgends am Feldrain wachsen, wie sie nur selten sonstwo zu sehen sein dürften. An einigen Stellen unterbricht ein massiges geschmiedetes Gitterthor die einförmige Mauer und gewährt dem Neugierigen einen Blick auf all' die Pracht, die dahinter verborgen, lieber faftige Rasenplätze, vorbei an Springbrunnen, Baumgrnppen, herrlichen Blumen schweift das Auge bis an die Pforten des Hauses. Wenn sich dieses nun den Kranken öffnen wird, so mögen ihre Herzen wohl überfließen von Gefühlen des Dankes für jenen Mann, desfen Munifieenz ihnen eine solche Stätte gewidmet hat. Wien. Geehrter Herr Redacteur! Als Communallehrerin, deren Schülerinnen zumeist Kinder von Gewerbetreibenden sind, weiß ich das Handwerk wohl zu schätzen. Bor drei Monaten ließ ich einen Neffen aus Böhmen kommen, damit derselbe die Schlosserei bei Herrn Carl Fromme, IV., Mayerhofgaffe 16, erlerne. Nach 4—5 Tagen entlief; Herr Fromme den Knaben mit der Bemerkung, ihn nicht behalten zu können, da er Jude sei, obwohl er sich geschickt zur Arbeit stellte. Allerdings hatte ich die Confessio» bei der Aufnahme nicht erwähnt, da ich gerade bei Herrn Fromme diesbezüglich eine vorurtheilslose Auffassung voraussetzte. Bon Werkstätte zu Werkstätte wandernd, brachte ich endlich den Knaben bei einem jüdischen Meister unter. Wenn das in der Metropole geschieht, dann ist es begreiflich, daß es auf dein Lande unmöglich ist. ein Handwerk zu erlernen. Auf der einen Seite behauptet der Antisemitismus fortwährend, daß der Jude kein Handwerk lernen j wolle und sich nur dem leichten Verdienste zuwende, auf der anderen Seite verweigern christliche Meister jüdischen Knaben die Ausbildung. Es ist wahrhaft betrübend, daß eine so schmähliche Aussaat durch Generationen wuchernde Frucht trägr. Trotzdem wollen wir nicht verzweifeln und alle besseren Elemente mögen sich vereinigen, um so viel als möglich gegen diestraurigen Auswüchse anzukämpfen. Johanna Stein, IV., Hauptstr. 49. Wien. (Antisemitische Förderung des Börse n s p i e l e s.) Pan B e r g a n i v giebt jetzt bereits Rathschläge für Börsenspeculation. In den Antworten der Schriftleitung vom 23. April 1893 wird öffentlich bekansttgegeben in der Form einer Notiz für „Abonnent Herr C. A. Sie schreiben, daß Sie strtz infolge meiner Börseberirhte W.-Urtirn gekauft haben. Jehl könnten Sie ivohl mit Nutzen abwickeln. Vom Nutzen nehmen ilt noch Niemand arm geworden. Ihre Eile fetze ich nicht recht ein." Die Rathschläge des Herrn Berganew haben somit dem antisemitischen Börsenspeculanten angeblich gute Dienste geleistet. Ein Commentar ist wohl überflüssig. Dagegen in der Nummer vom 21. April erzählt der Urgermane unter der Spitzmarke: „Ä u s st a n d der B ö r I e n j u d e n l n M a d r i d. In der Börse verkörpert sich nach den Anschauungen der Juden der Patriotismus, aber anscheinend nur so lauge, als dieselbe nicht besteuert wird. Das hat man gegenwärtig in Madrid erlebt, als die neue Stempelabgabe von 1 vom Tausend eingeführt wurde. Infolge dessen wurden die spanischen Staatspapiere in den letzten Tagen an der Madrider Börse nicht notirt, beziehungsweise es sanden darin keine Geschäfte statt, weil sie die Judenschaft ablehnte. Die dortigen Börsenblätter hoffen auf diese Weise eine „Verständigung" zwischen dem Finanzminister und der Börse zu erzielen." Pan Verganiv hat vergessen, daß in Madrid überhaupt keine Juden wohnen und die dortigen Börsianer gute Arier sind. Ob sie in Wien für ihre Speculationen bei den Verganiv sich Rathschläge holen würden, können wir nicht beurtheilen. Wien. (Generalconsul der Vereinigten Staaten.) Wie die Blätter melden, hat die niederösterreichische Handels- und Gewerbekammer dem aus Wien scheidenden Generalconsul der Bereinigten Staaten, Herrn Julius G o l d s ch m id t, ein Dankschreiben übersendet, in welchem deffen Verdienste um die commerciellen Beziehungen zwischen Oesterreich-Ungarn und den Vereinigten Staaten dankbarst anerkannt werden. Generalconsul Goldschm i d t hat nun den Dankbrief der Kammer mit einem an den Präsidenten" Reichsrathsabgeordneten Max Mauthner gerichteten