Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 17 (28.4.1893)
- Date
- 1893-04-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 322 Orsterreichisrhr Wochrnschrist Skr. 17 Am 4. Februar 1693: Herr Vice-Bürgermeister Dr. Raimund Grübl; „lieber Wiener Verhältnisse." Am 18. Februar 1893- Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schmiedl: „ZurjEntstehungs-Geschichte der allerersten Chemra-Kadischa." An demselben Abende als zweiter Redner Herr Dr. Jaques Fischer: „Ueber die Ehre nach jüdischem Rechte." Am 4. März 1893: Herr Reichsraths-Aogeordneter Carl Wrabetz: „Die Reform der Gewerbe-Ordnung." Am 14. März 1893: Herr Director A. S. Fischer: „Geschichtliches über Kleinkinder-Erziehung. Zur Erinnerung an Josef Ritter von Wertheimer." An deinselöen Abende als zweiter Redner Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Tr. D. Feuchtwang: „Babylonische und hebräische Literatur, eine literargeschichtliche Studie". Es sei hiemit allen diesen Herren für die liebenswürdige Bereitwilligkeit, mit welcher sich selbe zur Abhaltung von Vorträgen in unseren! Vereine bereit erklärten, unser wärmster Dank gesagt. Dem Andenken unseres, um das Judenthum hochverdienten Glaubensgenossen, des ungar. Abgeordneten Moriz Wahrmann, haben wir einen besonderen Vereinsabend gewidmet. In dieser Versammlung hielt der ungarische Reichstags-Abgeordnete Professor Dr. Armin Reumann die Gedenkrede und sprechen wir Herrn Professor Neumann, welcher mit seltener Liebenswürdigkeit der an ihn ergangenen Einladung Folge leislete, an dieser Stelle unseren innigsten Dank aus. Möge Ihnen die Thatsache, daß Männer von so großem Ansehen und bedeutender socialer Stellung in unserem Vereine Vorträge hielten, als Beweis dienen, daß sich unser Verein der regsten Sympathien und der Anerkennung aller Gesellschaft- Kreise erfreut. Es obliegt uns noch zum Schlüße die traurige Pflicht, jener Vercinsmitglieder zu gedenken, welche im Laufe des letzten Vereinsjahres mit Tod abgegangen sind. Es sind dies die Herren: Leopold Q ui ttner, David Langer, Eduard Gold mann, Leopold Löw- Beer und Michael Winkler. Insbesondere möge es nun gestattet sein, in dankbarer Erinnerung unseres verstorbenen Vorstands-Mitgliedes Herrn Leop. Ouittn er zu erwähnen, der sich durch außerordentliche Hingebung um den Verein, sowie durch seine besondere Thatkraft um die Entwicklung desselben hervorragend verdient gemacht hat. * Geehrte Versammlung! So haben wir Ihnen in gedrängter Kürze ein kleines Bild unserer, einer ruhigen und nützlichen Arbeit gewidmeten Thätigkeit entworfen. Und wenn sich auch unsere Erwartungen, daß in unsere irregesührte Bevölkerung endlich nüchterne Besinnung einkehren wird, nicht erfüllt haben, vielmehr die Erscheinungen der letzten Zeit daraus hindeuten, daß die verdammenswerthe Bewegung noch nicht zum Stillstände gekommen ist, so wollen wir nicht die Hoffnung aufgeben, daß es uns nach unermüdlichem, unverdrossenem Kampfe dennoch gelingen wird, derselben Herr zu werden. In leidenschaftslosen, sachlichen Debatten wollen wir an die Lösung der uns gestellten Ausgaben schreiten, und in diesem Punkte hoffen wir Sie auch im nächsten Vereinsjahre mit uns an der Arbeit zu finden." Der Rechenschaftsbericht wurde mit lebhaftem Beifalle ausgenommen und über Antrag des Herrn F e i g l st o ck dem Vorstande dieses Vereines, solvie dessen Secretär Jos. F u ch s der Dank der Versammlung einstimmig votirt. Nach Erstattung des Cassaberichtes durch das Vorstandsmitglied B. Kanitz theilte der Vorsitzende mit, daß das bisherige Vorstandsmitglied Herr Wilhelm Frey berg eine Wiederwahl mit Rücksicht auf seine vielseitige'Beschäftigung ablehne, und votirt die Versammlung Herrn Freyberg über Aufforderung des Vorsitzenden den Dank für dessen bisheriges Wirken in dem Vereine. Nachdem Herr Redacteur Fleischer die hervorragenden Verdienste, sowie die hingebungsvolle Thätigkeit des bisherigen Präsidenten Dr. Joses' Grünfeld besprach, wurde derselbe unter stürmischem Beifalle der Versammlung per Acclamation zum Präsioenten, und mittelst Stimmzettel die Herren Gottlieb Bettelheim, Jacob Jaiteles, B. Kanitz, Ignaz Kantor, Dr. I. Kohn, Dr. M. Landesberger, Philip Popper, Adolf Rosenbaum und Dr. Marcus Spitzer zu Vorstands-Mitgliedern wiedergewählt. Eine lebhafte Debatte entspann sich nun über die sich im Schoße des Cultusvorstandes behufs Berathung befindlichen Gemeinde-Statuten. Während Herr Cultusvorsteher Wilhelm Pollak für die Herabminderung der minimalsten Steuer, für die bezirksweise Wahl der Bethaus - Vorstände, für die Creirung eines Amts-Blattes der Verwaltung der Cultusgemeinde plaidirte, sprach sich Herr Gemeinderath und Cultusvorsteher Dr. Alfred Stern für die weitestgehende Centralisation aus. An der Debatte selbst, die stellenweise einen erregten Chararter annahm, und deren Tenor in dem Vorwurfe gipfelte, daß die Statuten bis nun noch keiner Körperschaft behufs Begutachtung vorgelegt wurden, betheiligten sich die Herren Wilh. Pollak, Dr. Marcus Spitzer, Bielitz, Dr. Alfred Stern, Dr. Breitenstein, Siegfried Fleischer, Brod, Waldstein, Director Marek und Abg. Bloch. Wiederholt mußte der Referent der Statuten im Cultusvorstande Herr Dr. Alfred Stern in die Debatte eingreifen und versicherte schließlich die Versammlung, daß der Vorstand die Statuten, sobald selbe ein fertig gestelltes Elaborat repräsentiren werden, allen jüdischen Körperschaften behufs Begutachtung vorlegen wird. Schließlich gelangten zwei Anträge, nämlich der des Herrn Dr. Breiten stein dahin gehend, daß der Cultusvorstand nochmals ersucht werde, den Wünschen der jüdischen Bevölkerung bezüglich rechtzeitiger Veröffentlichung der Statuten zu entsprechen, sowie der des Herrn Director Marek, welcher darin gipfelte, daß der Verein Union an den Cultusvorstand das Ansuchen stelle, eine Notablen-Bersammlung entweder aus allen Cultusvorständen Oesterreichs oder wenigstens eine größere Bersanlmlung Wiener Juden einzuberusen, um derselben das in Berathung. befindliche Statut behufs Begutachtung und Meinungsäußerung vorzulegen, zur einstimmigen Annahme. Die Versammlung schloß um Mitternacht. GorrLüponäenLen Wien. E Aus Prag-Smichov, 24. April 1893 erhalten wir nachfolgende Zuschrift: „Unser wackerer Mitbürger, der Landtagsabgeordnete Herr Alexander Richter, dessen, wohlthätiges und gemeinnütziges öffentliches Wirken weit über die Grenzen unseres Landes hinaus bekannt ist, hat. mit der von ihm in der'Landtagssitzung vom 20. d. M. an den Statthalter gerichteten Interpellation wegen der antisemitischen Ausschreitungen in Kolin sich ein neues Ehrenblatt in unserer an Ehrenblättern nicht allzureichen Zeitgeschichte erworben, und unsere Stadtgemeinde, in deren Vertretung er jahrzehntelang als Stadtrath segensreich wirkt, darf mit Stolz auf diesen überall mit unermüdlicher Thatkraft für Recht und Freiheit unerschrocken eintretendeu Bürger blicken. Die Interpellation ist kräftig ge-, halten, und die Negierung muß nun in ihrer Antwort ihren Standpunkt gegenüber der antisemitischen Verhetzung, die sich immer leidenschaftlicher geberdet und immer gefährlicher, gestaltet, endlich klar, ohne jede Berklausulirung, darlegen. Hoffentlich wird die Antwort bald erfolgen. Doch es wäre höchste Zeit, daß von allerberufenster Seite ein klares, kräftiges Wort gegen das menschen- und glaubensfeindliche Treiben dieser gewissenlosen Volksverhetzer gesprochen werden möchte, daß man endlich sagen könnte: Uoma locuta est, Rom hat sein verdammendes und vernichtendes Wort gegen den Antisemitismus gesprochen. Jetzt wäre die passendste Gelegenheit hiezu, jetzt, wo Pilger aus aller Welt nach Rom kommen, wie edel und wirksam wäre es, wenn da der erste Priester der katholischen Christenheit zu den Pilgern sprechen möchte: Kehret heim und saget Euern Völkern, daß nur Lüge und finsterer Aberglaube das Märchen vom Blutrituale der Juden erzeugt habe, daß die Religion, in ver unser Erlöser geboren war, nirgend solches gebietet oder auch nur gestattet. Dieß wäre ein erlösendes Wort für die vom häßlichsten religiösen Unfrieden zerwühlte Menschheit; dieß wäre ein Wort, würdig der Jubelfeier des ersten Priesters der' katholischen Christenheit. Zeichnet ja der letzte Prophet den Beruf des Priesters mit den Worten: „Die Lehre der Wahrheit war in seinem Munde, und Unrecht ward nicht gefunden auf seinen Lippen. In Frieden und Rechtschaffenheit wandelte er mit mir, und viele brachte er zurück von der Sünde. Denn die Lrppen des Priesters sollen bewahren Erkenntniß, und Belehrung sollen sie suchen aus seinem Munde, denn ein Bote, ein Engel des Herrn der Heerscharen ist er." (Mal. II, 6—7.) Dr. Samuel Ba ck. Wien. 8.L.(D ie innere Stadt— christenleer.) Das Organ des berüchtigten Judenfressers Dr. Psenner bringt, einen Stoßseufzer, die innere Stadt sei christenleer und seine Klage klingt in dem Bedauern aus, daß in den Parochien am Hof und bei St.-Peter im heurigen Jahre noch nicht ein einziger Todesfall eines Christen vorgekommen ist. Zufällig wohnen in den bezeichneten Stadtvicrteln nahezu gar keine Juden. Es dürfte sich daher Psenner ausschließlich um die Stolagebühren handeln und müssen wir nur bedauern, daß' die Pfarrkinder Herrn Psenner nicht den Gefallen erweisen, zahlreicher zu sterben. Es gehört jedoch die größte Niedertracht dazu, für