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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-28 · 17 (28.4.1893) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
17 (28.4.1893)
Date
1893-04-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 320 Vesterreichifche Wochenschrift Nr. 17 Gelehrten einen Nachruf, der von der Freundschaft Zengniß l ablegt, die beide Männer miteinander verbunden hat. In wenigem sehen wir ein Lebensbild entwickelt, das uns den echten Philosophen zeigt und den echten Juden. „Im October 1809 in einer kleinen französischen Stadt von armen jüdischen Eltern geboren, erreichte Adolphe Frank ein Alter von 83 Jahren und aus dieser Lebensbahn hat Adolphe Frank sich stets bewährt als treuer wahrheitsvoller Lehrer der Wissenschaft, ein treuer Sohn seines Vaterlandes und ein treuer Sohn des Judenthums. Sein Leben war eine Verkörperung jener moralischen Principien, die er auf der Lehrkanzel zum Bortrage brachte. Jules Simon rühmt die unerschütterliche Consequenz, mit welcher Adolphe Frank an seiner Ueberzengung festhielt. „Er war Jude und als Solcher voller Hingebung für die jüdische Gemeinschaft. Er glaubte an Lothringen, wo er geboren war, er glaubte an die jüdische Religion, an die Philosophie und namentlich an die Philosophie des Cousin'fchen Systems. Niemals hat er sein Ziel gewechselt, niemals ist er von einem Wege ab geirrt. „Das ist ein großes Lob; um so größer, als er allein unter unseren Zeitgenossen deffen würdig erscheint. Diejenigen, welche gleich mir Frank seit sechzig Jahren kannten, werden bezeugen, daß er niemals seine Meinung, niemals seine Lebensführung geändert hat. Sein Körper hatte gealtert, nicht so sein Geist. Er hatte stets dieselbe Aufrichtigkeit, dieselbe Innigkeit, dieselbe Wärme. Eines Tages wurde er von Napoleon III. nach Compiegne berufen. Er gefiel durch die Aufrichtigkeit und Geradheit seines Wesens. Die Kaiserin meinte, daß er seines Gleichen nicht in der ganzen Welt habe. „Auf ihr Andringen stelltefihn Napoleon auf die Senatorenliste, die jedoch in Folge der Ereignisse von 1870 niemals das Licht der Oeffentlichkeit erblicken sollte. Er predigte die heilige Moral, den Glauben an das geistige Wesen der Seele, an ihre Unsterblichkeit und an ein Wiedersehen; den Glauben an Gott und an das Vaterland. Dieser Glaube war der Trost und die Kraft seiner letzten Tage. Würde ich an seinem Grabe sprechen, so hätte ich nur diese zwei Worte: Andere haben mehr von sich reden gemacht, Niemand hat -mehr-Gutesgethan." Im Jahre 1842 erschien das Hauptwerk seines Lebens: „System der Kabbala oder die religiöse Philosophie der Juden" (von Dr. Jellinek in's Deutsche übersetzt). Damit war die Bahn gebrochen, um eine der interessantesten Offenbarungen des menschlichen Geistes dem Verständnisse der Gegenwart näher zu bringen. Mag man die Kabbala als grandiose Verirrung beurtheilen oder als grandiose Vorahnung der Wahrheit — sie ist beides — unter allen Umständen ist die Geschichte der Kabbala eine nothwendige Ergänzung der Geschichte des Denkens und der Geschichte des menschlichen Geistes. Die Kabbala ist dem Judenthum aufgepflanzt, nicht dem Judenthum entsprungen; die Scheidung zwischen Judenthum und Kabbala vollzieht sich ohne jeden Gewaltact. Die Kabbala ist,ein Weib aus fremdem Stamme. Aus der Finsterniß des Mittelalters kam die Eule zugeflogen und sie hatte die doppelte Bedeutung des Vogels der Minerva und des Vogels, an dem der Aberglaube haftet. Ein Weg führt zum Spinozismus und sogar zum modernen Monismus; der andere Weg führt in das phantastische Reich, wo die heiligen Namen regieren und Wunderthaten vollbracht werden. Frank hat aus der Kabbala nicht die unvermeidlichen philosophischen Consequenzen gezogen, sonst wäre er nicht der treue Idealist geblieben, mitten im philosophischen Materialismus der Gegenwart. — Dieser Mann war an den französischen Hochschulen bis zum Jahre 1886 ein Lehrer der Jugend. Wie groß steht er in seiner Charakterfestigkeit und seiner Pflichttreue da, gegenüber den antisemitischen Professoren, welche als die gutbesoldeten Verführer der Jugend erscheinen. , Michael Winkler. Der Vorsteher des Mariahilfer Tempel - Vereines, Haus- und Fabriksbesitzer Michael Winkl er, Chef der Metallgußwaren - Fabrik M. Winkler und Sohn, ist am 20. d. M. im 71. Lebensjahre gestorben. Michael Winkler war der Erfinder des heutigen Systems der Wiener Straßennummerirung, das.seither in alle größeren Slädte Eingang' gefunden hat. Die Idee der heutigen Straßennummerirung besteht bekanntlich in der Anbringung verschiedener Tafeln an den Längennnd Quergassen, Beginn mit den Nummern 1 und 2 in jeder Gasse, Unterscheidung der einzelnen Bezirke durch farbige Ränder rc. Im Fabriksviertel auf dem Brillantengrund gehörte Herr Winkler zu den angesehensten und geachtetsten Persönlichkeiten. Trotz seiner hervorragenden industriellen Thätigkeit fand er Gelegenheit, auf humanitärem Gebiete in aufopfernder Weise zu wirken, und drei der schönsten gemeinnützigen Vereine im 7. Bezirke, darunter die Speiseballe für arme Schulkinder, verdanken ihm ihre Entstehung. Er war der Gründer des Humanitäts-Vereines Nachlath-Jeschurun, sowie des Tempel- Vereines für die westlichen Bezirke und er widmete sich der Verwaltung dieser Vereine bis an sein Lebensende. Das Aufblühen dieser Vereine, insbesondere das hohe Ansehen, welches der Vereins-Tempel und sein Gottesdienst sich allmählich erworben, erfüllten ihn mit hohem Stolz und er erzählte gern von den kleinen Anfängen dieser Schöpfungen, an deren Wiege er gestanden, und deren'Entwicklung er fördern half. Aber nicht nur mit seinem edlen Herzen und seiner Thätigkeit, sondern auch mit seinen eigenen Mitteln, war er freigebig, wenn es galt, Gemeinnütziges zu schaffen oder zu fördern und der Verein Nächlath I e s ch u r u n gibt davon lebendiges Zeugniß. Mit vollen Händen und mit goldenem Herzen gab er, und auch in seinen letztwilligen Anordnungen bedachte er noch mit rührender Zärtlichkeit seine geschaffenen Humanitätsvereine in reichlichster Weise. Seine Vorstandscollegen und die zahlreichen Mitglieder der beiden Vereine wußten ihn auch zu schätzen und am deutlichsten documentirte sich dies bei seinem Leichenbegängnisse, das durch die Theilnahme des Gesammtvorstandes, vieler Mitglieder und zahlreicher Freunde und Verehrer des Dahingeschiedenen sich wahrhaft großartig gestaltete. In treffender Weish, würdigte Se. Ehrwürden Herr Dr. Adolf Schmiedl im Trauer-: hause sein Wirken in der Familie, in seinem Berufe und in -der Oeffentlichkeit und tief ergriffen waren -alle-nZichörev uvow den zu Herzen gehenden Worten dieses würdigen Priesters. Fast alle Theilnehmer der Leichenfeier im Hause begleiteten den Verblichenen zu seiner letzten Ruhestätte nnd eine unendliche Wagenreihe folgte dem über und über mit Kränzen beladenenLeichenwagen auf den Central-Friedhof, wo Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann in gewohnt meisterhafter Weise die Leichenrede hielt. Im Namen und Auftrag des Vereines „Nachlath Jeschurun" sprach am Grabe Herr Dr. Schmiedl nochmals ehrende Gedenkworte über seine Wirksamkeit im Vereine. Namens des Vorstandes des Tempelvereines hielt der Präsident desselben Herr Architect Max Fleischer, am Grabe den Nachruf den wir als treffendste Characteristik des Verstorbenen hier wörtlich folgen lassen: „Michael Winkler! Noch einmal haben wir. Deine Collegen vom Vorstande des Tempel-Ve,eines uns um Dich versammelt; leider nur, um Dir am Rande Deines Grabes den letzten Scheidegruß zuzurufen und Dir einige Worte nachzusagen. Es erfüllt mich dies mit unendlichem Schmerze; habe ja ich doch in Dir einen treuen, guten alten Freund und Landsmann verloren! Und wie anders kann mein Ruf wohl sein, als Dir zur Ehre, Dir zum Ruhm! Wir haben Dich als wackeren Freund und Collegen erprobt, wir haben ja erfahren, mit welcher Liebe, mit welcher Begeisterung Du an dem Vereine, zu dessen ältesten und besten Mitgliedern Du gezählt, gehangen; wie Du der heiligen Sache gedient, wie Du unsere Bestrebungen gefördert Haft! Dir galt kein Opfer zu groß, keine Arbeit zu schwer, keine Zeit zu viel, wenn es sich darum handelte, für den Verein, für den Tempel etwas zu thun. Ueberall und immer hast Du Deinen Mann gestellt, überall standest Du im ersten Treffen. Wie hast Du mit Eifer rmd Pünktlichkeit Deines Amtes gewaltet, wie ernst und gewissenhaft hast Du Deine Arbeiten verrichtet. Ein treuer Anhänger unseres Glaubens, ein Freund alles Guten und Edlen hast Du mitgewirkt, um unseren religiösen Verein zu heben, unser Gotteshaus zu errichten, unseren Gottesdienst zu verschönern. Wie in Deinem Berufe, so warst Du auch im Collegium erfinderisch, als es galt, die Mittel aufzubringen zum Bau des Tempels und zu deffen Erhaltung und beglückt fühltest Du Dich, ihn auch' durch Deine eigene Arbeit schmücken helfen zu können! Nicht vergessen soll es sein, welche Genugthunng Du empfunden, als mit dem Tage feiner festlichen Weihe einer Deiner sehnlichsten Wünsche erfüllt ward, und die Thränen, die damals Deinen Augen

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