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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-21 · 16 (21.4.1893) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
16 (21.4.1893)
Date
1893-04-21
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 16 Oesterreichifche Wochenschrift Seite 301 Wien. Das am 27. März im Pracht-Saale des Hotel de France von dem bestbekannten Musiklehrer Herrn Max Adler zu Gunsten der unter dem Protectorate Sr. k. u. k. Hoheit des durchl. Herrn Erzherzogs Carl Ludwig stehenden Versorgungs- und Beschäftigungs-Anstalt für erwachsene Blinde veranstaltete Concert, hatte nach jeder Richtung hin einen brillanten Erfolg. Es war aber auch allerliebst zu sehen, mit welchem Feuereifer sich die jugendlichen Schüler des Concertgebers ins Zeug legten, mit welch' feinster Nuancierung und mit welcher Präzision sie ihre Aufgabe lösten. Die ganze Haftung der Ausführenden, unter denen insbesondere die in erster Reihe stehenden Geschwister Ella und Lilli Hirsch hervorleuchteten, bekundete die Ueberlegenheit, mit der Jeder seinen Parc zur Geltung zu bringen suchte. Aber auch die anderen Mitwirkenden haben ihr bestes;um Gelingen des ganzen redlich beigetragen. Die Violin-Borträge der Herren Alfred Weiß und Ernst Specht, die Gesangsnummern der Qpernsängerkn Fräulein Irene Qehler, des Herrn M. Schlesinger haben sich nicht minder ausgezeichnet, als die Cello-Vorträge des Herrn A. Specht, der sich mit seinem seelenvollen Ton in die Herzen aller hineingesungen hat. Als nun den von Herrn G. Haan (Mitglied der k. k. Hofoper) mit feinstem Geschmacke vorgetragenen Liedern von Reißiger und Speyer der Concertgeber sich anreihte und auf allgemeines Verlangen neben Alard's Barcarolle, die reizende Piece „Le Canari" mit zündender Wirkung vortrug, wollte der lebhafteste Beifall schier kein Ende nehmen. Jedenfalls hat der Abend den Anwesenden mehr geboten, als man sich selbst bei hochgespannter Erwartung hoffen konnte. Wir können nicht schließen, ohne der vorzüglichen, sich immer anschmiegenden Clavier-Begleitung von Seite des Herrn Dr. Josef Deutsch rühmend zu erwähnen. Hered a. d. Waag. Am 8. d. M. uach Passah-Ende verschied hier sanft David Magen, 78 Jahre alt. Der Verblichene war 20 Jahre hier Cultusvorstand und wurde unter seiner Leitung ein Gotteshaus und Kinderschule erbaut; das Leichenbegängniß am 10. d. M. gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung der Stadt, wo er vieles wirkte, der kath. Stadtpfarrer war der erste der schriftlich condolierte und war auch persönlich zum Begräbniße erschienen. Die ganze aus 44 Mitgliedern bestehende Stadtrepräsentanz, Honorationen :c. erschienen und drückten persönlich ihr Beileid aus, zur besonderen Characteristik sei hier erwähnt, daß Ivan Simony, der Redacteur des größten Antisemitcn-Blattes „Westung. Grenzbote" einen Artikel am 14 d. M. brachte, worin er die besonderen Vorzüge dieses edlen Wohlthäters erwähnte, unter anderem schrieb er, der „West ung. Grenzbote" lohnt auch die außergewöhnliche Ehrenhaftigkeit und erachtet es zur Pflicht, selbst bei der Tendenz die er verficht, David Magen öffentlich zu ehren. Holteschau. (Gastpredigt.) Herr Rabbiner Dr. Gojtein aus Nachod bat am letzten Samstag eine mit vielem Beifall aufgenommene Gastpredigt in der hiesigen Synagoge gehalten. Unter den Zuhörern bemerkte man unseren verehrten Herrn Bezirkshauptmann. Sonntag besuchte der Herr Rabbiner in Begleitung der Schul- und Cultusvorsteher unsere Schule und er fand Gelegenheit über die Leistungen der Lehrkräfte und Schuljugend sich sehr anerkennend auszusprechen. Triest. (Israelitische Cultusgemeinden im K ü st e n l a n d e.) Mit der Verordnung des Ministeriums für Cultus und Unterricht vom 18. März 1893 wurde in Ausführung des Gesetzes vom 21. März 1890, betrcff.md die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religions- Gesellschaft, angeordnet, daß vom Tage der Kundmachung dieser Verordnung (8. April) an im Küstenlande zwei israelitische Cultusgemeinden, in Triest und Görz, zu bestehen haben. Petersburg. 15. April. Aus Sosnowice in Russisch- Polen wird berichtet, daß dort sämmtliche Juden den Auftrag erhalten haben, binnen sieben Tagen ihren bisherigen Wohnort zu verlassen. — In Folge dessen fand eine Versammlung einer großen Anzahl von Kaufleuten und Fabrikanten statt, in welcher beschlossen wurde, eine Deputation an den General- Gouverneur Gurko mit der Bitte um Aufschiebung der Ausführung der angeordneten Judenausweisung aus den Grenzortschaften zu entsenden. An der Deputation nehmen christliche Fabrikanten theil, da die Ausweisung der Juden allgemeine Handelsinteressen schädigt. Die in Sibirien ansässigen Juden werden ebenso wie die Juden in den anderen Theilen des Reiches seitens der Behörden die Weisung erhalten, ihre bisherigen Wohnorte zu verlassen und nach dem der jüdischen Bevölkerung zugewiesenen Rayon zu übersiedeln! Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". (Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungs» rechte Vorbehalten.) 3) DrittesKapitel. Das Eckhaus der Kärtnerstraße an der Bastei in Wien war das Palais des kaiserlichen Oberhof- und Oberkriegsfactors Samson Wertheimer, der zugleich Reichs- und der kaiserlichen Erblande Oberrabbiner war. — Samson Wertheimer war eine der merkwürdigsten Gestalten des achtzehnten Jahrhunderts und durch die Eigenthümlichkeit seiner einflußreichen Stellung und die geradezu unglaubliche Vielseitigkeit seiner Begabung, einer dcr hervorragendsten Juden des jetzigen Jahrtausends. Er war 1677 als 19jähriger Jüngling mit dem Oberhoffaktor Samuel Oppenheimer, dessen Nachfolger er später geworden, aus Worms nach Wien gekommen und hatte von diesem Zeitpunkte an seine Kräfte und Fähigkeiten ununterbrochen dem Dienste Oesterreichs und des Habsburgischen Hauses in opfervollster Weise gewidmet. Drei Kaiser: Leopold I., Josef I. und Karl Vl., hatten ihn mehrfach ausgezeichnet, ihm ihre höchste Zufriedenheit über seine uneigennützigen, erspießlichen Dienste ausgesprochen, ©eine „unablässigen treuen Dienste" hatte Kaiser Leopold bereits dadurch anerkannt, daß er ihm und seinem damals noch sehr jungem Sohne Wolf sein Bildnis mit der goldenen Gnadenkette verlieh. Gleich groß als Finanzmann, wie als Diplomat, schwang er sich bald zu einem persönlichen Vertrauensmann des Kaisers und der Krone empor und schon 1692 wurde ihm Einfluß auf die Errichtung einer neunten Churwürde für Herzog Ernst August von Braunschweig - Lüneburg zugeschrieben und Kaffer Leopold übertrug ihm, als sein Schwager Herzog Karl Philipp, später Kurfürst von Pfalz-Neubnrg eine zweite Ehe eingehen wollte und um eine polnische Prinzessin warb — die dießbezüglichen Verhandlungen mit den Eltern der hohen Dame. Kaiser Jchef hatte schon als Thronfolger und römischer König, Wertheimer von der besten Seite kennen gelernt und es war einer seiner ersten Regierungsacte, daß er nicht nur Wertheimers alte Rechte und Privilegien bestätigte, sondern seine Ehren und Würden noch vermehrte. Er sollte fortan nicht nur des Kaisers, sondern auch der Kaiserin Wilhelmine Amalia, Hoffactor sein. Durch diese seine Stellung in steter Verbindung mit dem Hofe, war Wertheimer schon frühzeitig mit Kaiser Josefs jüngerem Bruder, dem nachmaligen Kaiser Karl IV. bekannt worden und hatte sich diesem noch als er Erzherzog und später König von Spanien war, durch mannigfache Dienste vielfach verpflichtet und als Wertheimer sich bei der Krönung des nach Kaiser Josefs Tode aus Spanien zurückberufeuen Kaisers Karl unter den Huldigenden in Frankfurt am Main einfand, verlieh der Kaiser ihm in Anerkennung der ihm bewiesenen Treue als erstes Gnadenzeichen seiner unveränderten Huld eine goldene Kette, ja Kaiser Karl wollte, trotz der dringendesten Geschäfte, die ihn fortwährend in Athem hielten, doch Frankfurt nicht eher verlassen, als bis er Wertheimer in seinen Ehren und Würden bestätigt, ihn zu seinem und seiner Gemahlin, der Kaiserin Elisabeth Christine, Oberhoffactor eingesetzt hatte. Er zeichnete ihn auch dadurch aus, daß er ihn zum Oberrabbiner des deutschen Reiches und der kaiserlichen Erblande ernannte und es ihm gestattete, den ihn von seinen Glaubensgenossen im Oriente angebotenen Titel eines Fürsten des heiligen Landes zn führen. Da Samson Wertheimer zur Zeit unserer Erzählung die finanziellen Operationen des kaiserlichen Hauses ausschließlich, jene des österreichischen Staates und des deutschen Reiches zum großen Theile zu besorgen hatte, überdieß auch als königlich polnischer, kurfürstlich bairischer und mehrerer anderer Potentaten Hoffaktor vielfach in Anspruch genommen war, er auch die Agenda des Oberrabbinates zu versehen hatte und zu alledem täglich, nicht nur von seinen Glaubensgenossen aus allen Theilen der Welt, sondern auch von zahllosen anderen Petenten mit Bittgesuchen um Fürsprache und Unterstützung bestürmt wurde, wird man es begreiflich finden, daß er einer der beschäftigsten Menschen seiner Zeit war, und täglich eine große Zahl von

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