Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 16 (21.4.1893)
- Date
- 1893-04-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 300 Oesterreichifchr Wochenschrift Nr. 16 dem vom bürgerrechtlichen Standpunkte aus als Fremde behandelten einheimischen Juden ausgesetzt sind. Vom Avancement selbst zu Unteroffiziersgraden sowie auch vom Re-Engagement vollständig ausgeschlossen, bilden die jüdischen Soldaten trotz des Umstandes, daß ihnen zumeist eine weit bessere Schulbildung als der großen Masse der übrigen Militärdienstpflichtigen zur Verfügung steht, die Parias der runiänischen Armee und zwar lediglich deshalb, weil man ihnen nicht durch Verleihung einer höheren Militär-Charge oder durch einen freiwilligen längeren Dienst unter der Fahne einen Nechtstitel für eine nachdrücklichere Bewerbung um das rumänische Bürgerrecht gewähren will. Darum hat sich denn auch die in Rede stehende Versammlung jüdischer Reservisten nicht auf die Absendung einer Petition an den König beschränkt, in tvelcher derselbe in seiner Eigenschaft als oberster Kriegsherr um Schutz gegen die auch die Kinder ausgedienter rumänischer Soldaten mosaischen Glaubens treffende Beschränkung des unentgeltlichen Volksschulunterrichtes gebeten wird. Es wurde auch über die Unsicherheit und Unklarheit des Rechtsverhältnisses debattirt, in welchem sich die nichtnaturalisinen oder, bester gesagt, von der Naturalisation ausgeschlossenen rumänischen Juden im Allgemeinen befinden. Besonders wurde hervorgehoben, daß man sie dort, wo es die Erfüllung der Militärpflicht gilt, als Einheimische behandle, daß man sie aber bezüglich ihrer Rechte der Oeffentlichkeit gegenüber jederzeit als Fremde betrachte. Die Naturalisations-Frage als derzeit noch nicht lösungsreif ganz beiseite gelassen, liege in dieser Zwitterstellung eine mit den Anschauungen des modernen Rechtsstaates unvereinbare Unbilligkeit, welche nur t urch eine gesetzliche genaue Definirung des Verhältnisses der nicht uaturalisirten einheimischen Juden zum Staate befestigt werden könnte. Zu letzterem Zwecke wurde die Ausarbeitung eines motivirten Memorandums an Kammer und Staat beschlossen, welches den gesetzgebenden Körperschaften noch im Laufe der demnächst wieder zu eröffnenden außerordentlichen Parlaments-Session überreicht werden wird. — Rußland. Dem ausgesprochen antisemitischen „Kijewlianin" schreibt man aus Perejaßlew: „Den hiesigen Juden ergeht es schlimm — sehr schlimm! Hunderte von Familien befinden sich in permanenter Hungersno 1h. Zweifellos haben sie dieselbe schwere Krisis zu bestehen, welche ihre Glaubensgenossen überall im Gebiet der ihnen erlaubten Ansäßigkeit jetzt durchzumachen haben. Doch scheint diese Krise hier eine ganz besonders bösartige Form anzunehmen, Rasch, unerwartet rasch ist die allgemeine Verarmung der Juden in den letzten Jahren fortgeschritten und sie werden, wie auf der schiefen Ebene, immer schneller in den tiefen Abgrund des Elends hinabgeschleudert! Und von diesem sind die geistige Entkräftigung und die sittliche Entnervung unzertrennlich. Die Armuth der jüdischen Massen in dieser Stadt darf wohl als beispiellos gelten. So versicherte mich der Landschaftsarzt, I. S. Smirnow, daß man unter der christlichen Bevölkerung in der Stadt und im ganzen Bezirk vergebens nach dergleichen suchen würde. Ich suchte nun mich selbst davon zu überzeugen; ich durchwanderte die jüdischen Viertel und ich sah . . . Das was ich sah, spottet der Beschreibung und ich will mich damit begnügen, die allgemeine Stadtbevölkerung vor den ernstesten Folgen zu warnen. Es genügt in dieser Beziehung nur an die Wahrscheinlichkeit der Wiederkehr der Cholera im Frühling zu erinnern. Sie wird einen ebenso leicht empfänglichen, wie dankbaren Boden finden und darüber denke ich, sollten doch die Stadtväter und die Vorsteher der jüdischen Gemeinde ein wenig Nachdenken. Das heißt: Hier ist nicht viel zu überlegen und den Armen müssen Brod und Kohlen geliefert werden. Sonst wird die Allgemeinheit schwer büßen müssen ..." London. Das einzige jüdische Ballfest dieser Saison wurde Dienstag im Hotel „Metropole" zu Gunsten des Taubstummeninstitutes abgehalten. Ungefähr 300 Gäste waren anwesend, unter tvelchen sich auch der Lord Mayor mit Gemahlin befanden. Die von dem bekannten Maler S. I. Solomon gezeichnete originelle Ballkarte fand allgemeinen Anklang. Die Einnahme dürfte sich auf L. 800 — L. 900 belaufen. Dieses günstige Resultat ist den eifrigen Bemühungen des Comites, bestehend aus Mr. Henry A. Cohen, Capitän H. B. Lewis-Barnen und Mr. Gerald E. Beddington zu verdanken. New-Iork. (EinUngar in Amerika zum Tode v e r u r t h e i l t.) In Angelegenheit des wegen angeblicher Ermordung zum Tode verurtheilten, ungarischen Staatsangehörigen Adolf Reich, für welchen der Abgeordnete Dr. Bloch bei dem amerikanischen Gesandten in Wien, Oberst Fred Grant und dem ungarischen Minister am Allerhöchsten Hoflager, Grafen Ludwig Tisza, intervenirt hatte, hat nun die Oesterreichisch-. ungarische Regierung in Washington Schritte unternommen und um nähere Untersuchung des Falles, respective um Revision der Acten ersucht. _ VermiMes. Wien. Die Generalversammlung der „Jsr. Allianz" findet Sonntag den 30. April 1893, um 10 Uhr Vormittags, im Saale der Israel. Cultusgemeinde, 1. Bezirk, Seitenstettengasse 4, im 2. Stock, statt, mit nachstehender Tagesordnung: 1. Bericht über die Thätigkeit des Vereines im Jahre 1892. 2. Bericht über die finanzielle Gebahrung im Jahre 1892. 3. Wahl von 5 Mitgliedern des Bereinsvorstandes für eine 4jährige Functionsdauer nach §. 6 der Statuten. Die Reihe zum Austritte trifft die Herren: Emanuel Baumgarten, Moritz Dub, Dr. Arthur K u r a n d a, Julius R e i t l i n g e r, Ignaz Weiß. Die Wiederwahl ist zulässig. 4. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder (§. 8 der Statuten). Wien. (Oesterreichisch israelitische Union Wien, 1., Schotten ring- 23.) Samstag den 22. April 1893 Abends halb 8 Uhr, findet im Restaurant Khuner, I., Schottenring 19 die VH. Generalversammlung der Oest. isr. Union statt. Tagesordnung: 1.) Mitcheilungen des Vorstandes. 2.) Rerbenschaftsbericht. 3.) Cassabericht. 4.) Neuwahl des Vorstandes. 5. ) Anträge und Interpellationen. Der Vorstand der Oesterreichisch-israelitischen Union in Wien. Wien. (Trauungen.) Sonntag, den 16. April 1863wurden getraut: Herr Dr. Arens mit Frl. Frieda Mendl. Herr Bernhard Wottitz mit Frl. Paula Fanto. Herr Sigmund Altschul mit Frl. Emilie Bley. Herr Georg Cohn mit Frl. Corina Baum. Herr Dr. Philipp Kohn mit Frl. Rosa Kohn. Herr Dr. Carl Berdach mit Frl. Julie Reik. Dienstag, den 18. April 1893: Herr Isidor Schultheiß mit Frl. Alice Taub. Wien. (Personal nachrichte n). In der letzten Plenarsitzung der Börfekammer erfolgte mittels Abgabe von Stimmzetteln die Ernennung von sieben Effectensensalen. Es wurden gewählt die Herren: Wilhelm Fischer, Sigmund G e i d u s ch e k, Isidor Graf, Friedrich Links, Emil L ö w y, Wilhelm Mayer und Felix Ritter v. Sonnenthal. In die Direction der Sparkasse des 14. Bezirkes wurde der renomirte Weingroßhändler Herr Wilhelm P o l l a k gewählt. (D e c o r i r u n g.) Seine Majestät der Kaiser hat den in der Zündwaaren - Fabrik des Herrn Daniel Fürth in Schüttenhofen bediensteten Arbeiter Martin Nemetz in Anerkennung seiner vieljährigen einen und demselben Fabriks-Unternehmen zugewendeten treuen und belobten Berufsthätigkeit das silberne Verdienstkreuz zu verleihen geruht. Wien. (Berichtigung.) Mit den Jnstallationsarbeiten im israel. Tempel der Leopoldstadt bei Einrichtung der elektrischen Beleuchtung war die renomirte Firma I. A. Haymann 7. Bez., Seidengasse 26 betraut und der Cultusvorstand war überaus befriedigt von den Leistungen dieser Firma. Wien. 6. Verzeichniß von Bücherspenden für die Bibliothek des Rabbinerseminars in Wien: Von Herrn Ignaz Schwarz, Privatier, I., Reichsrathsstraße 19: Talmud Babli Warschau, neu in 15 Bänden mit mehreren Peruschim. Von Herrn Dr. Friedrich Hecht VI., Esterhazygasse 15: Tnach von Mendelson complet in 19 Bänden. Von Herrn Salo Cohn, Cultusvorsteher: Talmud Babli, Wilna, neueste und beste Ausgabe mit 120 Peruschim in 15 Bänden. Aruch Completum, Lexicon zum Talmud Midrasch und Targum von Dr. Alexander Kohut, Rabbiner in New-Aork 9 Bände sammt Index und Supplement. Dikduke Sofrim, Erläuterungen über Mischna und Talmud von dem rabbinischen Gelehrten Rafael Nathan Rabbinowitz aus München, 10 Bände, sämmtliche Werke neu. Von Herrn Er. Adlerberg II., Herminengasse 19: En Jakor in Kosnath-Or, Schulchan Aruch Magen-Awruhom. Herr S. Reicher II., Kaiser Josefstraße 30 . Die Bibel von Philippson mit Commentar und Holzschnitten. Von Herrn Jsack D. Pick, Privatier 1., Augustengasse 4, Talmud Babli mit mehreren Peruschim complett in 15 Bänden. Rambams Berliner Ausgabe in 4 Bänden. Von Herrn David Landau IX., Grüne Thorgasse 31; Die Bibel von Philippson mit Commentar und Holzschnitten. Aus Humpoletz durch Herrn M. Weil von der Frau C. Löwy, 3 Theile Thalmud Babli.