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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-21 · 16 (21.4.1893) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
16 (21.4.1893)
Date
1893-04-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 312 Oesterrrichische WochenschrM Nr. 16 Auf diese Weise wird allen aus voreiligen und leichtfer-! tigen Freundschaftsbündn'ffen entspringenden schlimmen Folgen vorgebeugt. Besonders aber sollen die Staaten den Grundsatz beherzigen, daß man im Frieden stets die Möglichkeit eines Krieges, uud im Kriege wieder jene eines Friedens im Auge behalten möge, daß man sich also nicht allzuvertrauenselig den Bundesgenoffeu überlaffe, als ob sie nie auf Seiten der Feino'e stehen könnten, und andererseits nicht vollends an dem Feinde verzweifle, als ob er niemals zum Bundesgenoffen umgewandelt werden könnte. Aber selbst für den Fall, daß dem Feinde kein Friede abzuringen sein sollte, warum sollte man dies die unschuldigen Pflanzen entgelten lassen, zumal sie Niemanden schaden und allen von großen Nutzen sind, besonders die fruchttragenden, die theils durch Nahrungsmittel, theils durch andere nicht minder wichtige Vortheile das Leben fördern? Da sie also Keinem im Wege stehen, so dürfen ste auch nicht angefeindet, noch gefällt, noch niedergebrannt, noch entwurzelt werden, zumal die Natur selbst durch warme Lüfte und Regen ihren Wachsthum fördert, damit es ihnen möglich wird, ihren jährlichen Tribut den Menschen, als ihren Gebietern entrichten zu können. Also wacht der vorsorgliche Gesetzgeber nicht blos über die Erhaltung des Viehes, sondern auch der Bäume, besonders aber der zarten, welche einer besseren Pflege würdig sind und nicht wie die Waldbäume der Sorgfalt des Landmannes entbehren können. Daher befiehlt er auch, die jungen Bäumchen drei Jahre hindurch sorgfältig zu pflegen, die überflüssigen Zweiglein wegzuschneiden, damit diese einerseits durch ihre Last dem Wachsthume nicht hinderlich werden und andererseits dem Stamme die nöthigen Lebenssäfte nicht entziehen. Ferner soll der Boden ringsumher umgegraben werden, damit nichts in unmittelbarer Nähe nachwachsen und ihre Entfaltung verhindern könne. Was nun die Früchte selbst anbelangt, so dürfen auch diese nicht nach eines jeden Belieben gepflückt werden, und dies nicht nur deshalb, weil sie, als von Unvollkommenen stammend, unvollkommen sind — find doch auch die belebten Wesen vor der Reife nicht zeugungsfähig — sondern weil es die zarten Bäumchen schädigt und sie verhindert, sich über die Höhe eines Strauches emporzuschwingen. — Es gibt sogar Menschen, welche im Frühlinge die jungen Bäumchen untersuchen, um ihre Flüchte, wenn etwa welche zum Vorschein kommen sollten — abzuschneiden, bevor sie auswachsen, weil sie befürchten, die jungen Pflänzlein könnten sonst vor der Zeit geschwächt und ^erschöpft, und für alle Zukunft der Fruchtbarkeit beraubt werden, was sich auch bei alten Weinstöcken zeigt, deren Säfte bis in die Wurzel hinunter vertrocknet sind. Im vierten Jahre jedoch, wenn der Baum bereits in die Höhe geschossen und feste Wurzel im Boden gefaßt hat, kann er schon reife Früchte hervorbringen und diese endlich dürfen gepflückt werden, freilich nicht für den eigenen Gebrauch, sondern für den göttlichen Altar, dem sie unter dem Namen Erstlinge in Dankbarkeit und Erwartung künftiger Fülle geweiht werden. Die späteren Jahre jedoch gehören dem Eigentümer. — Du siehst also, wie diese wunderbare Güte des Gesetzgebers zunächst alle Arten von Menschen — gleichviel, ob es ein Fremder oder ein Feind — umfaßt, sodann sich auf die Thiere ausdehnt ohne die unreinen auszuschließen, und endlich auf alle Gattungen von Pflanzen und Bäumen sich erstreckt. Denn wer an leblosen Wesen Milde übt, wird sich schwerlich jemals gegen belebte Wesen vergehen. Wer ferner gegen Thiere nicht hart zu handeln wagt, wird selbstverständlich daraus folgern, daß er beiweitem größere Rücksichten noch den Menschen schuldig ist. Durch solche Gesetze veredelte er den Geist seines Volkes, und befreite es auf diese Weise von der Anmaßung und dem Hochmuthe, den größten. Lastern, an welche sich gleichwohl viele, als ob sie die größten Vorzüge wären, mit allen Organen klammern, und zwar zumeist jene, welche durch Macht und Ansehen glänzen. Freilich herrscht auch unter den niedrigen und unbekannten Menschen unter andern Lastern auch die Anmaßung; allein sie kann hier nicht recht zum Durchbruch kommen, weil sie wie das Feuer ohne Nahrung zusammenschrumpft und deshalb zu den Vornehmen hinstrebt, bei welchen sie, wie bereits bemerkt, in der Macht und Würde Nahrung im Ueberfluffe vorfindet. Hier wüthet sie, in berauschendem Glücke schwelgend, gegen Freie nicht minder als gegen Sclaven, Mitunter sogar gegen ganze Staaten. Denn Ueber fluß erzeugt, wie daS Sprichwort sagt, Wildheit, darum lehrt auch Moses in vortrefflicher Weise, man müsse sich aller Sünden, am meisten jedoch des Hochmuthes enthalten, bei welcher Gelegenheit er auf den Ueber fluß als die Quelle dieses Lasters hinweist. Denn die in Hülle und Fülle schwelgenden Menschen verlieren oft bald die Herrschaft über sich selbst, werden hochmüthig und aufgeblasen, und nur ein einziges Mittel, nämlich die Rückkehr zu Gott, vermag sie noch dem sicheren Verderben zu entreißen. Denn sowie vor der hervorbrechenden Sonne die Finsterniß entfleucht, so verschwindet auch aus der Seele, wenn die göttliche Sonne in ihr aufgeht, die schwarze Schaar der Laster und Leidenschaften, und die glänzende und erhabene Tugend kommt wieder zum Vorschein. Um aber desto sicherer unseren Hochmuth zügeln zu können, empfiehlt uns der Gesetzgeber, uns stets vor Augen zu halten, daß Gott allein der Schöpfer und Urheber aller unserer Wohlthaten und Macht ist. Denn wer einmal einsehen gelernt, daß seine Kraft nur ein Geschenk Gottes sei, indem er erwägt, daß cs eine Zeit gegeben, wo er ohnmächtig war*), der wird jede Selbstüberhebung oblegen und sich dankbar gegen den Spender so holder Gaben bezeigen. Ein dankbares Gemüth aber ist der Anmaßung ebenso feindlich, als ein undankbares ihr nahe verwandt ist. Bist Du also vom Glück so sehr begünstigt, daß Du — vielleicht gar unvermuthet — zu Macht gelangst, dann verwerte auch diese. Wie dies jedoch zu verstehen ist, will ich, um jedem Mißverständnisse vorzubeugen, hier erklären: Viele nämlich mißbrauchen die ihnen gewordenen Wohlthaten dermaßen, daß sie, wenn sie reich sind, die andern zum Mangel drängen; wenn sie hinwiederum die Andern durch Glanz und Ruhm überstrahlen, dieselben durch eine demüthigende und und schimpfliche Behandlung ihre Ueberlegenheit fühlen lassen. Und doch sollte der vernünftige und tüchtige Mann dahin streben, seine Umgebung zu sich emporzuheben. Der Tapfere sollte sie tapfer, der Gerechte gerecht und der Gute überhaupt sie gut machen. So will ich die Macht aufgefaßt wissen, nach welcher der Rechtschaffene streben soll. Die Macht aber ist das Gegentheil von Ohnmacht,welche letztere mit einem guten Character nicht verträglich ist. — Eine weitere, dem Menschen höchst nützliche Vorschrift lautet: daß wir nach Kräften Gott nachahmen und keine Gelegenheit, Gott ähnlich zu werden, fahren lassen mögen?) Du kannst aber Gott nur insofern ähnlich werden, als Du die Dir von dem Mächtigeren zu Theil gewordene Stärke in derselben Weise ander:: zu gute *) Auf dieses erprobte Mittel gegen Hochmuth und Anmaßung wird auch anderweitig von unserem Verfasser großes Gewicht gelegt. So sagt er an anderer Stelle: „Der erste Schritt zur Weiskieit ist die Elkenntniß seiner selbst, will sagen, sich stets seine Abkunft vor Augen zu halten, nur so kann der Hochmuth, jenes gottverhaßieste aller Laster unterdrückt werden. Denn wer wird sich aufblähen tmd hochmüthig geberden wollen, wenn er bedenkt, daß er von SMub und Wasser abstamme." Bemerkenswerth ist, daß unser Verfasser oft und sehr heftig gegen den Hochmuth zu Felde zieht, und ihn mit den Waffen, welche das mosaische Gesetz ihm liefert, zu bekämpfen sucht. Sehr schön veröe»breitet er sich über dieses Thema in folgender Stelle. „Auf mehrfache Weise" — sagt er — „wird hierin gesündigt. Die einen weil sie vergessen, was sie Gutes empfangen haben, berauben sich der herrlichsten Pflicht zu danken. Die Anderen halten sich in ihrer übergroßen Anmaßung. als die Schöpf r aller ihrer Güter uud nicht den Weltschöpfer, der es doch eigentlich ist. Die Dritten endlich vergehen sich zwar nicht so schwer als die Zweiten, schwerer jedoch als die Ersteren. Sie nennen allerdings Gott als den Urheber ihres Glückes, behaupten jedoch, dieses vollkommen verdient zu haben, da sie weise, männlich, mäßig und gerecht seien, weshalb sie der Gnade Gottes würdig geworden seien. Gegen alle diese nun wendet sich die Schrift, indem sie de» Ersteren, welcher die Erinnerung an empfangene Wohlthaten verwischt, also ansprichti „Höre und hüte Dich, daß Du nicht issest und voll werdest und schöne Häuser bauest und bewohnest, und wenn Deine Schafe und Rinder sich vermehren und Dein Gold und Silber und alt' das De ne sich häufet, Dich in Deinem Herzen übelhebest und Deinen Gott vergessest. Wann aber wirst Du seiner nicht vergessen? Wenn Du Deiner selbst nicht vergissest, wenn Du Dir Deine eigene vollkommene Nichtigkeit und die unerschöpfliche göttliche Fülle vor Augen hältst." Denjenigen ober, der sich selbst für den Schöpfer seiner Güter hält, geißelt die Schrift so. „Sage nicht, meine Hand hat mir allen diesen Ueberfluß erworben, sondern erinnere Dich, daß der Herr Dein Gott Dir Kräfte verliehen hat, um Dir diesen Ueberfluß zu verschaffen." Den Dritten endlich belehrt die Schrift mit den Worten: „Nicht wegen Deiner Gerechtigkeit, noch Heiligkeit des Herzens wirft Du eingehen in das Land und es besitzen." Der Uebers. Deut. X, 12.

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