Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 16 (21.4.1893)
- Date
- 1893-04-21
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Str. 16 Oestrrrrirtzisrhr Wochensrtzrifk Seite 313 kommen lassest, wie Du durch dieselbe beglückt würdest.') Denn dem allgemeinen Wähle gelten die Gnade und die Wohltaten Gottes, und sie sind nicht einzelnen Bevorzugten nur zu dem Ende zu Theil geworden, damit sie dieselben eigennützig verbergen, oder sie gar zum Nachtyeile anderer verwenden, sondern daß sie sie freigeben und sie gleichsam zu einem öffentlichen Mahle machen, an welchem alle gleichen Antheil haben sollen. Es werden somit bie Reichen, Be rühmten. Mächtigen und Gelehrten aufgefordert, ihre Nächsten reich, kräftig, gelehrt und überhaupt gut zu machen, und die ihnen verliehenen schönen Gaben ohne Mißgunst und Engherzigkeit zum Heile der Gesammtheit zu verwerthen. Jene hingegen, welche verstockt in ihrem übermüthigen Wesen verharren, stellt das Gesetz wie billig, nicht dem menschlichen, sondern dem göttlichen Strafgerichte anheim. Denn es sagt: „Wer in Hochmuth zu freveln wagt, erzürnt Gott."* 2 3) Warum? Nun, vor Allem deßhalb, weil die Anmaßung ein Laster der Seele ist, daher sie auch nur von ihm zur Rechenschaft gezogen werden darf. Ferner, weil der Hochmüthige von einem wahnsinnigen Eigendünkel beherrscht ist und sich — wie Pindar sagt — nicht selten für weit mehr als einen Menschen oder Halbgott, für eine Gottheit hält und so alle Grenzen der menschlichen Natur überschreitet. Bei einem solchen sind Geist und Körper in gleicher Weise krank, was sich denn auch in allen seinen Bewegungen kundgibt. Er geht nicht sondern tänzelt, wirft wie das Pferd den Kopf in die Höhe und erhebt sich über alles natürliche Maß. Er scheint zu übersehen, wenn er sieht, zu überhören, wenn er hört. Seine Bediensteten hält er für Lastthiere, die Freien für Srlaven, die Verwandten für Fremde, die Freunde für Schmeichler, die Mitbürger für Auswärtige. Sich hält er für den Reichsten, Vornehmsten, Schönsten, Tapfersten, Klügsten, Mäßigsten, Gerechtesten und Tüchtigsten von allen; andere hingegen für arm, unbekannt, verächtlich, unvernünftig, ungerecht, thöricht, sündhaft, kurz für nichts. Mit vollem Rechte also muß ein solcher, wie der heil. Prophet es lehrt, dem göttlichen Strafgerichte überlassen weroen. Da nun dieser göttliche Moses das Schöne und Gute und ganz besonders die Menschen über alle Maßen liebt, ruft er die nach Frömmigkeit und Gerechtigkeit Strebenden, wo sie auch immer sein mögen, herbei, legt ihnen gleichfalls zur Aneiferung viel verheißende Belohnungen vor, indem er ihnen die besten staatlichen Gesetze und eine alle möglichen Borheile gewährende Gemeinschaft anbietet.— Gehören aber zu den Gütern ersten Ranges eine körperliche Gesundheit, eine gefahrlose und glückliche Seefahrt, ein gutes, wichtige Dinge behaltendes Gedächtnis; zu jenen zweiten Ranges hingegen solche, welche eine Wiederherstellung bedeuten, als da sind: Wiedergenesnng nach einer Krankheit, Rettung aus einer gefahrvollen Schifffahrt und Wiedergewinnung des verlorenen Gedächtnisses, was stets ein Bestreben nach einer Bekehrung im Gefolge hat; dann ist dieses letztere jedenfalls jenen vorzüglichsten Gütern beizuzählen. Denn ganz und gar nicht sündigen, ist nicht Sache eines Sterblichen, -sondern Gottes und höchstens noch eines gottähnlichen Menschen; dagegen zeigt eine Bekehrung von einem lasterhaften zu einem reinen und tugendhaften Leben von einem besonnenen den wahren Vortheil erfassenden Character. An solche nun wendet sich unser Gesetzgeber, weiht sie ein und belehrt sie in liebevoller Weise, sich der Wahrheit zu befleißen,Lug und Trug zu fliehen. Denn sie könnten nur dann zur wahren Glückseeligkeit gelangen, wenn sie den erlogenen Fabeln, welche ihnen ihre Ammen, Hofmeister und lausend andere Hausleute schon in zartester Kindheit eingeprägt, den Rücken kehren, da diese zu endlosen Verirrungen führen und den Weg zum wirklich Guten versperren. Und gibt es denn noch ein anderes höchstes Gut außer Gott? Jene erbärmlichen und aberwitzigen Menschen aber zollen die dem einzigen Gotte gebührende Verehrung ihren sogenannten Göttern, die sie über alles Maß erheben. Es sollen also alle, welche, wenn auch spät, zur Erkenntnis des einzigen Gottes, des Schöpfers und Vaters des Weltalls gelangt sind, und den Entschluß gefaßt haben, lieber diesen einen als mehrere Götter ') Ganz so erklärt auch Siphre zur Stelle die Worte vsut X. 12. Wir können — heißt es daselbst — nur insofern Gott nachahmen, als wir uns bestreben, seine erhabenen Eigenschaften uns zum Muster zu nehmen. Seien mir also barmherzig, gerecht u. s. w.. soüvie Gott es ist. Der Hebers. 2) Scheint sich ans IV 8. LI. 6. 15. V. 30 zu beziehen. Der Hebers. anzubeten,so behandelt werden, als ob sie die wärmsten Freunde und nächsten Verwandten wären, denn nichts vermag mehr das gegenseitige Wohlwollen zu fördern, als der gemeinschaftliche Glaube. Mg.-; : -sj Die Neubekehrten aber sind nicht minder zu beglückwünschen, als wenn sie nach einer Blindheit das Augenlicht erhalten hätten, als ob sie aus der tiefsten Nacht au's herrlichste Licht gebracht worden wären. Und das ist das Werk der Bekehrung. Es verlangt' aber die Bekehrung nicht blos eine vollständige Umwandlung der bislang betreff der Gottheit gehegten irrigen Vorstellung, welche anstatt den Schöpfer das Geschöpf verehrte, sondern auch in der ganzen Lebensweise in allen Bestrebungen eine gründliche Besserung: Es soll nämlich der Uebertretende die zügellosen Sitten seines Volkes aufgeben, wenn er in dieses wohlgeordnete, mit den vorzüglichsten Gesetzen ausgerüstete Gemeinwesen ausgenommen werden will, d. h. er soll von der Unwissenheit zur Kenntnis wiffenswerther Dinge, von der Unbesonnenheit zur Besonnenheit, von der Ungerechtigkeit zur Gerechtigkeit, von der Feigheit zur Tapferkeit vorschreiten?) Wahrlich schön und von großer Bedeutung wird ein solcher Uebergang von der Schlechtigkeit und Bosheit zur Tugend sein? Der Frömmigkeit aber folgen natürlich sowie dem der Sonne ausgesetzten Körper der Schatten, alle anderen Tugenden. Ferner ist zu bemerken, daß alle, welche zu unserem Glauben übertreten, sofort auch nüchtern, enthaliam, bescheiden, sanft, edel, human, hochherzig, wahrheitsliebend, Verächter der Lüste und des Geldes werden: während man hinwiederum sehen kann, daß jene, welche von unserem heil. Glauben abfallen, unmäßig, unbesonnen, ungerecht, leichtsinnig, kleinmütbig, reizbar, lügenhaft, meineidig, der Leckerhafligkeit, dem Trünke und der Schwelgerei ergeben sind und blindlings auf den Ruin des Körpers und der Seele hinarbeiten. — Wie schön also sind die Ermahnungen, die unser Gesetzgeber an uns richtet, daß wir lernen sollen. Ordnung und gnle Sitte in unser Leben zu bringen, es sei dies — meint er — für uns nicht unerreichbar, nicht von weit her zu holen, weder vom Himmel herab, noch von jenseits des Oceans, sondern es liege ganz nahe, nämlich in unserem Munde, in unserem Herzen und in unseren Händen?') Mit anderen Worten: In unseren Reden, Entschlüssen und Thaten. Denn durch den Mund wird die Rede, durch das Herz der Entschluß, durch die Hand die That versinnbildlicht und von diesen drei Dingen hängt unsere Glückseeligkeit ab. Denn da, wo Wort und Gedanke. Gedanke und That in vollem Einklänge sind, muß sich das Leben harmonisch und tadellos gestalten, wo hingegen in diesen Dmzen keine Uebereinstimmung herrscht, ist das Leben unvollständig und tadelnswerth, eine solche Zerfahrenheit muß auch jedes Bestreben des Bestreben des Menschen, Gott zn lieben und von ihm wieder geliebt zu werden, lähmen. Wie schön und erhebend klingt doch das Wort der Schrift: „Du hast heute mit Gott einen Bund geschloffen, daß er Dein Gott sei, und der Herr hat beute mit Dir einen Bund geschlossen, daß Du sein Volk seiest?") Wahrlich eine herrliche Wechselbeziehung das, wenn einerseits der Mensch eifrig zur Gottesverehrung hinstrebt, und andererseits wieder Gott ihn nicht nur unverzüglich aufnimmt, ja sogar dem mit ganzen Herzen sich ihm Nahenden entgegenkommt! Ein solcher frommer und gottessürchtiger Mann, obgleich ein einzelner, wird doch selbst von Gott nicht minder geschätzt als ein ganzes Volk. Mit vollem Rechte. Denn sowie im Schiffe der Steuermann mit allen Passagieren, wie im Lager der Feldherr mit seinem Heer identificirt wird, so daß der Untergang dieses einen mit dem des Heeres gleichbedeutend ist; ebenso darf der weise Mann die Verdienste des ganzen Volkes beanspruchen — die Frömmigkeit macht ihn zu einer unbezwinglichen Burg. ') Wie man sieht, legt der Verfasser bei der Bekehrung zum Judenthum nicht den Schwerpunkt in den Monatheismus, sondern in die Umgestaltung der ganzen sittlichen Lebensweise. Der Uebers. 2) venl. XXX. 11. 12. 13, 14. 3) Deut. XXVI. 17, 18.