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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-21 · 16 (21.4.1893) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
16 (21.4.1893)
Date
1893-04-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 308 Oeprrreiltzisrhe Wochrnschrrst ’Jtr. 16 müsse. Unbekümmert nun um sein nahes Lebensende, vielmehr m freudigerer und gehobenerer Stimmung als sonst, faßte er hierauf Josua bei der Hand, führte ihn in die Volksversammlung stnd sprach in aufmunternder Weise zum Volke: „Die Zeit ist gekommen, wo ich aus diesem irdischen Leben scheiden soll, und dieser von Gott Erwählte hier wird mein Amt übernehmen.') So sprechend, theilt er dem Volke die göttliche Entschließung mit, welche auch allenthalben Anklang fand. Hierauf wandte er sich an Josua und ermahnte ihn, eifrig im Amte, behutsam in den das Gemeinwohl betreffenden Entfchlüffen und unerschütterlich an den einmal für gut befundenen festzuhalten. Obgleich es solcher Ermahnungen nicht bedurfte, konnte er sich doch nicht enthalten, dem Freunde die Herrscherpffichten auseinanderzusetzen und zeigte auch hierin, wie groß seine Liebe zu dem Volke war, an dessen Spitze er so lange gestanden, lleberdies konnte auch hier eine aufmunternde Ansprache von doppeltem Nutzen sein: denn einmal konnte ja jener leicht ängstlich zurückschrecken, eine solche verantwortungsschwere Bürde zu übernehmen; dann sollte das von Moses hier gegebene Beispiel allen künftigen Herrschern zur Regel dienen, wie sie bei ihrem Scheiden aus dem Amte den Nachfolgern gute Rathschlage und Verhaltungsmaßregeln ertheilen sollten. Denn eines Mannes Anregung kann leicht den schwankenden Sinn festigen und ihn gegen die Unbilden der Zeiten und Verhältnisse stählen. Nachdem er 'nun das Volk und seinen künftigen Führer ermahnt hatte, stimmte er Gott einen Lobgesang an, in welchem er ihm für die ihm von der Geburt bis zur Lebensneige erwiesenen zahllosen Wohlthaten in beredtesten Worten dankte. Hierauf rief er Himmel und Erde — diese als Wohnsitz der Sterblichen zu Zeugen an und sang ein herrliches, Menschen und Engel gleich entzückendes Lied. Die Menschen sollten daraus lernen, wie man sich dankbar bezeigen müsse; die Engel hingegen sollten erfahren, daß eines Menschen Seele, obgleich mit einem sterblichen Körper behaftet, doch mit dem Sphärensang der von Gott selbst eingesetzten Gestirne im Liede wetteifern könne. Aber mitten in diese himmlischen Gesänge hinein drängten sich immer wieder die schwer zu unterdrückenden Gefühle für sein Volk, welche den Schwung gewissermaßen dämpfen, indem sie theils alter Sünden gedachten, theils den in der Gegenwart zu nehmenden Weg zeigten. Heils wieder Hoffnungen für das Gelingen aller künftigen Unternehmungen spendeten. Kaum aber war dieses von Heiligkeit und Liebe überquillende Lied verklungen, als er schon den Uebergang aus dem Sterblichen zum Unsterblichen, die Auflösung seines Körpers und das Freiwerden der jetzt ihrem höhern Ziele gierig zustrebenden Seele zu empfinden begann. Als er scheiden sollte, segnete er das Volk nach seinen zwölf Stämmen, indem er seine Stammfürsten mit Namen anrief, und sandte für sie Gebete zum Himmel, welche zweffelsohne auch in Erfüllung gehen werden. Denn einmal war der Betende ein Freund Gottes, und dann liebt ja auch Gott selbst die Menschen, und endlich gehören jene, für welche diese Gebete erhoben wurden, einem vorzüglichen Geschlechte an, sind Kinder ruhmreicher Ahnen und standen fortwährend unter der unmittelbaren Leitung des Vaters und Schöpfer des Alls. Was er aber für sie betete, galt aber mehr ihrem seelischen jenseitigen als den körperlichen diesseitigen Leben.-) II. Menschenliebe. Da Moses wie kein anderer mit den himmlischen Dingen vertraut war, so führte er auch sein Volk an die Quelle der höchsten Güter, die. der menschlichen Natur überhaupt zugänglich sind, leistete ihnen, was nur immer in seiner Macht stand und erflehte, was darüber hinausging von Gott, dessen unerschöpflichen Gnadenquellen, wenn auch nicht allen, so doch jenen Bittenden offen stehen, welche die Tugend lieben. Diesen ist gestattet, ihren Durst aus der heiligen Quelle der Weisheit zu stillen. Beispiele von der unerschöpflichen Menschenliebe unseres Gesetzgebers sind in der heiligen Schrift ausbewahrt, von diesen hat er seinem Volke, wenn auch nicht alle — was nicht gut möglich gewesen wäre — so doch die vorzüglichsten, seinen Willen besonders bekundeten zum Darnachhalten empfohlen. Aber nicht blos im Umgänge mit den Menschen verlangte er Milde und Sanftmut, er beansprucht diese auch für das vernunftlose Thier, ja sogar für die Bäume und besonders für die unschädlichen und fruchttragenden. Die diesbezüglichen Gesetze ') Deut. XXXI. 14. Num. XXVII. 18—23. 2) Deut. XXXin. mögen hier flüchtig berührt werden und zwar zunächst die den Menschen betreffenden: So verbietet er, von einem Bruder Wucher zu nehmen.') Wenn er aber sagt, „von einem Bruder" so meint er damit nicht einen „leiblichen", sondern jeden beliebigen Mitbürger oder Tribusgenossen. Er hält es nämlich für sündhaft in derselben Weise, wie man aus dem Vieh den Nachwuchs erzielt, aus dem Gelde wieder Geld zu erzeugen. Dagegen lehrt er uns, um uns zu bestimmen, den Dürftigen freudig beizuspringen, daß auch das Wohlthun eine Art Zins sei, welcher dem Wohlthäter zur glücklichen Stunde wieder heimkommt. '-) Wenn aber einer nicht schenken will, so mag er wenigstens bereitwillig leihen und nichts weiter als die ausgeliehene Summe zurückfordern. Auf diese Weise gewinnen beide, der Schuldner und der Gläubiger. Der erste wird dadurch, daß er nur das entlehnte Geld zurückzuerstatten braucht, vor dem gänzlichen Ruin bewahrt; der letztere aber erwirbt sich einen guten Ruf und übt eine hochherzige That, welche ungleich höher anzuschlagen ist, als alle Schätze des großen (persischen) Königsi Denn diese leblosen Schätze sind nur Eigenthum des verborgensten Erdwinkels, während die Tugend der ureigenste Schatz der reinen Seele ist, sie ist ein Kind des Himmels, des reinsten Theiles der Welt, erzeugt von Gott, dem Schöpfer der Welt. Man betrachte doch nur jene schmutzigen, mitten in ihren Reichthümern lechzenden und verschmachtenden Obolussammler, welche man Goldkönige nennen könnte. Diese Erbärmlichsten aller Menschen, die selbst im Schlafe von nichts als ihren todten Schätzen träumen, die selbst mit den Nahrungsmitteln wuchern, als ob sie durch Noth darauf angewiesen wären. Diese erzeugen selbst in fruchtbckren Jahren eine künstliche Hungersnoth, beugen jedem Ueberflusse dadurch vor, daß sie das Getreide so zuwägen, als ob sie es in kärglichen Almosen an Arme vertheilten und bereichern sich also auf Unkosten der hungernden Classen. Solch gemeinen, von verwahrlosten, schmutzigen Seelen betriebenen Wucher wollte unser Gesetzgeber aus seinem heiligen Staate verbannt wissen.* * 3 4) Ein weiteres, Menschenliebe athmendes Gesetz ist jenes, das da verordnet, daß dem Taglöhner sein Lohn allabendlich ausgezahlt werdet) nicht blos deßhalb, weil es billig ist, daß der Arbeiter nach verrichteter Arbeit seinen vollen Lohn erhalte, sondern auch weit,' wie auch Eingeweihte versichern, die Handwerker oder Lastträger, welche von dem leben, was sie tagsüber verdienen, angespornt von dem ihnen entgegenwinkenden Solde, wie die Lastthiere mit allen Organen arbeiten. Wird dieser ihnen nun zur Zeit ausgezahlt, so erzeugt dieses nicht blos eine augenblickliche Freude bei den Empfängern, es macht sie auch arbeitsfcoher für den kommenden Tag; im anderem Falle werden sie verstimmt und untauglich für die Arbeit, so daß sie in der Folge kaum mehr den an sie gestellten Anforderungen zu entsprechen vermögen. Weiter verbietet die Schrift dem Gläubiger, in des Schuldners Haus einzudringen, um sich mit Gewalt ein Pfand dort zu holen, 5) er soll vielmehr vor der Thür warten müssen, bis ihm ein solches herausgebracht wird. Der Schuldner aber wird angehalten, ein Pfand zu geben, damit er dadurch erinnert werde, seine Schuld abzutragen, wird jedoch durch das Gesetz vor der Willkür des Gläubigers geschützt. Wem wird ferner das Erntegesetz nicht gefallen? Da ist nämlich verboten, die von den Garben abfallenden Aehren auf¬ 's Exod. XXII 25. Levit. XXVI 35—38. Deut. XXIII 19. -) Deut. XXVI 10. 3) In ähnlicher Weise, und wo möglich noch schärfer, spricht sich der Verfasser anderwärts über Wucher und Wucherer aus und hebt dte wohlthätigen Schranken hervor, welche das mos. Gesetz diesem Uebel setzt. Selbstverständlich sind alle die Angriffe gegen nichtjüdische Wucherer im römischen Reiche gerichtet. So sagt auch Midrasch Rabba d. 31 zu Exod. daß unter den in der Schrift gerügten Wucherern dieRömer gemeint seien. „Die Wucherer werden einst in der Hölle mit ihren Zähnen im eigenen Fleische wühlen und sprechen : O, daß wir doch lieber, anstatt zu wuchern, Lasten im Leben getragen und im Schweiße unseres Angesichts gearbeitet hätten"! Ferner: „Wer mit seinem Gelde wuchert, ist in eine Categorie mit jenen zu stellen, der alle möglichen Frevelthaten übt; dagegen wird es demjenigen, der ohne Zins leiht, so hoch ungerechnet als ob er hiemit alle vorgeschriebenen Gesetze beobachtet hätte . . - . . Während ferner bei jedem andern Sünder sich Engel finden werden, die zu seinen Gunsten ein Wort bei Gott einlegen weroen, wird für den Wucherer kein einziger als Fürsprecher auftreten wollen" rc. Der Nebcrsetzer. 41 Deut. XXIV. 14, 15. Levit XIX 14. , s) Deut. XXIV 10—14.

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