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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-21 · 16 (21.4.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
16 (21.4.1893)
Date
1893-04-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 298 Oesterreichische Wochenschrift Nr. 16 es bisher geschah. Jedenfalls wird auch darin ein Ansporn für lässige Vorstände liegen, es mit der Angelegenheit des Religionsunterrichtes ernst zu nehmen, da Pflichtvergefsenheit auf diesem Gebiete eine Einbuße an den Subventionen zur Folge hätte. Dadurch wird die Sache selbst gewinnen und allmählig eine Hebung des Unterrichtswesens eintreten. Brünn, 12. April 1890. O. chon'esVünckenLen. Wie«. (Die Gemeinderathswahlen.) Die Antisemiten jubeln! Bei den Montag stattgehabten Gemeinderathswählen im ersten Wahlkörper hat die liberale Partei sechs Mandate an die Antiliberalen verloren. Das „Deutsche Bolksblatt" erklärt ttiumphirend, daß in die Hochburg des Liberalismus Bresche gelegt sei und daß in zwei Jahren, nach den Wahlen im zweiten Wahlkörper, der Antisemitismus von der Verwaltung der Stadt Besitz ergreifen werde. Diese Vorhersage ist leider keine zu optimistische. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung wächst in erschreckendem Maße und die Hetzer haben leichtes Spiel selbst in jenen Schichten, welche die Intelligenz und den Besitz repräsentiren. Der antilibecale Wahlsieg ist zum großen. Theile eine persönliche Niederlage des Bürgermeisters Dr. Prix und er ist errungen worden, nicht weil der Bürgermeister ein Freund der Juden, sondern obwohl er kein Judenfreund ist. Das ist symptomatisch. Es ist Thatsache, daß schon jetzt, unter der liberalen Parteiherrschaft, kein jüdischer Concepts-Aspirant eine Anstellung beim Magistrate erlangen kann, es wäre denn, daß er sein Gesuch mit dem Taufschein belegt. Die Niederlage der liberalen Partei hat daher mit der Judenfreundlichkeit nichts zu thun, sie ist ausschließlich durch das persönliche Verhalten des Dr. Prix verschuldet; der zwingendste Beweis hiefür liegt auf der Wieden, wo ein Liberaler gegen einen Schützling des Bürgermeisters gewählt wurde. Auch die Meidlinger und die Ottakringer Wahl ist intereffant. In Meidling wurde neben dem langjährigen liberalen Bürgermeister Schneiderhahn der wüthendste antisemittsche Kampshahn Geßmann gewählt. Dieselben Wähler haben also liberal und antisemitisch zugleich gestimmt. In Ottakring gingen zwei Antiliberale aus der Urne hervor, obwohl in diesem Bezirke lange Jahre hindurch ein Jude Bürgermeister war, dem die dortige Bevölkerung die segensreichsten Einrichtungen zu danken hat. Was der jüdische Bürgermeister Kuffner für Kirche und Schule geleistet hat, ist in Aller Erinnerung. Das Alles sind Momente, die zu denken geben. Mit dem Judenhasse allein ist der Mißerfolg der Liberalen bei den diesjährigen Wahlen nicht zu erklären. Der Grund liegt tiefer, er muß in wirthschaftlichen und socialpolittschen Verhältnissen gesucht werden. Jede andere Erklärung wäre eine verhängnißvolle Selbsttäuschung. Zieht man das Facit aus den jüngsten Ereignissen, so muß man sich gestehen, daß von der liberalen Partei die Hausherren, die Lehrer, die Beamten und die Handwerker sich theils schon abgewendet haben, theils abzuwenden beginnen, d. h. der Realbesitz, die Intelligenz und die gewerbliche Production. Was bleibt da noch übrig? — Die Juden sind durch all' das nicht stärker bettoffen, als sie es bisher schon waren — wir wiederholen es: Der Character dieser Wahlen war nicht so sehr ein anttsemitischer, als ein antiliberaler. Wien, den 17. April 1893. Knapp vor dem Ausbruche der Koliner-Exceffe brachte das „Deutsche Volksblatt" als Feuilleton den Bericht eines Budweiser Stadtchronisten, ein angeblich „vollständig glaubwürdiges pietätsvoll gehütetes Manuscript". in dem eine ganze Reihe der haarsträubendsten rituellen Morde aus dem XVI. Jahrhundert mitgetheilt wird und schließt: „So der ehrliche Chronist". Das D. B. unterläßt hiebei jede weitere Bemerkung, wahrscheinlich in der guten Absicht, um seine Leser selbst zum Nachdenken über rituelle Morde „anzuregen". Obwohl des D. B. falls es ein Feuilleton über Hexenprocesse erscheinen läßt, denen zufolge Tausende von Personen den Tod auf dem Scheiterhaufen erleiden mußten — sich ebenfalls ganz einfach auf den „ehrlichen Chronisten" — ohne irgend eine Bemerkung hiezu zu machen, berufen wird? Vielleicht werden dann desien Leser doch darüber Nachdenken, ob es denn jemals Hexen gegeben habe und werden vielleicht erfahren, daß die Geständnisse der armen Opfer durch die Tortur erpreßt wurden! So sieht es mit der Berufung auf den „ehrlichen Chronisten" aus, der übrigens ehrlicher vorging, als es bei dem D. V. der Fall ist; doch bei Verganiv ist die Hauptsache die Speculation; er speculirt auf die Dummheit seiner Leser, die doch auch was einträgt und speculirt auf die Pauschalien; ohne diese beiden könnte er sich ja nicht fortbringen. Wenn eine gewisse Bevölkerungsclasse derartige Feuilletons liest, ist es dann zum verwundern, wenn Ereignisse k la Kolin eintreten??? Ist es ferner nicht zu verwundern, wenn geduldet wird, daß Blätter mit solch gräulichen Nachrichten, wie sie das jungczechische brachte, den Eingang in die ungebildeten Volkskreise finden und dort die erhoffte Wirkung erzielen!! man hätte ja Vorbeugen können! man beugt aber nur dann vor, wenn — wie es bei Jglau der Fall war — deutsche Turner durch ein böhmisches Dorf, oder böhmische Turner durch ein deutsches Dorf ziehen wollen; denn dann könnte es ja zu einer Schlägerei kommen! Da erfolgen die Verbote, da wird vorgebeugt! In Fällen aber, die die Sicherheit der jüd. Bevölkerung betreffen, wird erst hinterher vorgebeugt, da muß die Preßfreiheit, auf die man sich beruft, herhallen! A. Wien. (Arischer Blutaberglaube) Ein Beispiel krassen Aberglaubens, das an sich ebenso schrecklich ist wie durch seine Häufigkeit an dem betreffenden Orte, wird aus der griechischen Insel And ros (Cykladen) berichtet. Dort litt ein Landmann an einer Geschwulst auf der Lippe, welche alsdann auch an anderen Theilen des Gesichtes auftrat. Er schrieb die Schuld daran einem verstorbenen Feinde zu und öffnete daher Nachts dessen Grab und durchstach das Herz der Leiche mit einem Messer, indem er noch die Beine und Füße zerhieb. Ein alter Mann wußte davon und erzählte es überall, beabsichtigte auch, eine Anzeige bei der Behörde zu machen. Dies mußte er aber wohl unterlassen, als er gewahr wurde, daß sein eigener Sohn sich ähnlicher Unthaten schuldig machte. Es wäre» Grab und Leichnam der eigenen Mutter, die dieser auf die vorbezeichnete Weise schändete, in der Meinung, dadurch ein Wochenfieber seiner Frau bannen zu können; in diesem Falle wurde sogar der ganze Leichnam zerstückelt und die Reste zerstteut. Nach und nach stellt sich heraus, daß dieser Aberglaube dort viel verbreiteter gewesen ist, als man angenommen, so daß man dort gar nicht weiß, wie viele Leichen sich überhaupt noch an ihrer Ruhestätte befinden. Wien. (Ein arischer Wucherer.) Bor kurzem wurde ein 60 Jahre alter Millionär, Namens Simon Oppasi ch wegen Meineides zu siebenjährigem schweren Kerker verurtheilt. Der Mann ist von Geburt ein Krüppel schrecklichster Art; die Füße fehlen ihm ganz, statt der Arme hat er nur zwei armähnliche Rudimente. Oppasich war in dem letzten Decennium seines Lebens ausschließlich auf das Betteln angewiesen. In Folge seiner Verkrüppelung flössen ihm die Gaben so reichlich zu, ba>; er sich bald ein kleines Vermögen erspart hatte, das er durch Wucher-und Börsengeschäfte bald auf 250.000 fl. brachte. Ueberdies war er Besitzer mehrerer Häuser und Grundstücke in Triest und Parenzo. Je reicher er wurde, desto größer wurde sein Geiz und dieser verleitete ihn zweimal zur falschen Zeugenaussage, derentwegen er einmal zu 18 Monaten und jetzt zu 7 Jahren schweren Kerkers verurtheilt wurde. Den letzten Meineid leistete er gegen eine Frauensperson, der er die Heirath versprochen hatte und die er mit — 10 kr. täglich abfertigte. Simon Oppasich ist ein unverfälschter Arier südslavischer Abstammung. Wien. (Antisemiten unter sich.) Im Briefkasten der deutschnational-antisemitischen „Ostdeutsche Rundschau" vom 16. April 1893 finden wir folgende Antwort: „Herrn Th. St. Die Antwort auf die Frechheiten, wie sie nach Ihrer Mittheilung im Deutschen Bolksblatt zu lesen standen, könnte ich höchstens mit der Hundspeitsche ertheilen; ich halte es aber für gänzlich überflüssig, auf die Schimpfereien eines gerichtlich für satisfactionsunfähig und ehrlos erblickten Individuums irgendwie zu reagiren. Wolf." — Bon den römische» Auguren wird erzählt, daß sie, ob des von ihnen geübten Volksbetruges einander bei jeder Begegnung anlächelten. Die antisemitischen Wortführer schwingen die Hundspeitsche, so oft sie sich begegnen. Auch sie kennen einander ganz genau.

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