Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 15 (14.4.1893)
- Date
- 1893-04-14
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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ülv. is Oesterrrichifchr den bescheidenen Titel „Schibolim" führen müssen, ein Vorwurf, den sich jeder Autor gerne gefallen läßt. Der Name des vorliegenden Werkes ist richtiggewählt, das Buch hält treu und wahr, was der Titel verspricht; „Viele Gedanken". An der bunten Folge der Abhandlungen erkennt man den tagebuchgrtigen Character des Manuscriptes, welches zu ordnen und dem Inhalte nach in ein System zu bringen, die Herausgeber aus pietären Rücksichten keine Neigung empfunden zu haben scheinen. Wir bekommen die Artikel, wie sie aus der Feder geflossen, ohne Feile, ohne Correctur, kry stall hell und klar, wie sie die Natur geschaffen und wie sie die Kunst mit ihrer Destillation nicht schöner und reiner hervorbringen kann. Es sind größere und kleinere Abhandlungen über Moralphilosophie, exegetische Erläuterungen dunkler und nicht leicht verständlicher Bibel- und Talmud-Stellen, historische Themata mit dem überlegenen Geiste eines scharfen Denkers behandelt, Auch auf dem Gebiete der Etymologie ist dem Verfasser mancher glückliche Wurf gelungen. Diese Stellen erinnern an seine treffliche Erklärung von „Mila" (Wort) und „Maschthuka" (Schweigen), griechische Namen für die beiden offieiellen Pflanzen Melia und Mastica, welche die Talmndisten zu Zwecken ihres Sittenspruches hebräisirt haben. Soll hervorgehoben werden, welche Capitel lesenswerth sind, so müßten wir das ganze Inhaltsverzeichnis recapituliren. Da gibt cs kein taubes Gestein, nur blankes, wohltönendes Metall. Das Buch kann gelesen und wieder gelesen werden; der Verfasser versteht es dem sprödesten Stoffe lebendigen Odem einzuhauchen. Ist die Sprache dss Brlches schön, einfach, klar, leicht verständlich, so erhebt sie sich (Seite 61) zu einem Schwung, zu Kraft und Mark im Ausdrucke. Die Worte sind Donnerkeile. Sie enthalten die Klage über das Loos der Autoren und ihrer Schriften, eine ewige, unvergängliche Wahrheit. In allen Jahrhunderten, bei allen Völkern, in allen Welttheilen, in allen Sprachen, seit Menschen denken und dichten, singen und sagen, war es so und wird es so bleiben, wie der Verfasser mit kaustischem Witze in Versen schildert. Noch ehe ein Buch geboren wird, stehen Neider auf mit Schwertern und mit Dolchen und lauern auf das unschuldige Opfer. Dann stürzt ein Herr Soundso, ein Mann, der sich noch gar keinen Namen erworben hat, in den Zeitschriften, wie ein Basilisk hervor, speit Galle und Geifer, versendet giftige Pfeile und die Autoren fallen wie die Erschlagenen und finden ein Grab in dem Bücherkasten. Dort ruhen sie alle zusammen, die guten und die schlechten, die verdienstvollen tind diejenigen, die kein Verdienst besitzen. Und ihr seid der Meinung, daß das Leid ein Ende und die Qual, welche jeder Unschuldige mit zehnfachem Schmerze empfinden muß, eine Grenze gefunden habe? Weit gefehlt! Das Buch wird hervorgeholt, wenn Jemand den Sinn verdrehen und den Gedanken eine andere Meinung unterschieben will. Dann kommen die Spinnen und weben das Todtengewand um das Buch, Würmer und Käfer zerfresien das Innere und es bleibt nur der Deckel zurück, der volle Titel Pleno titulo, oder wie es auf jüdischen Grabsteinen steht. P. T., poj turnen, (hier ruht.) Damit hat er die Leidensgeschichte der Autoren erkannt, mit Freimuth offenbart und den Schriftstellern aus der Seele gesprochen. Die Witwe und die Kinder haben ihm an Friedhofe zu Ung.- Brod ein schönes Monument errichtet, ein schöneres Denkmal haben sie ihm durch die posthume Drucklegung seines Werkes gesetzt. Maloch. Or chadasch, enthält Commentare zn H. L. Echa, Hosea und ein Essay nher die Zahlwörter. Von B. Goldenberg. Preis 1 fl. ö. W. Selbstverlag des Berfaffers. Wir haben über die erflen Hefte dieses Werkes in diesen Blättern wiederholt reierirt. Das vorliegende Heft reiht sich würdig den früheren an. Wochenkalender. Nissan-Jjar 6653. — April 1893. Freitag 28 14 E. d. N. 7b 26'9n> Samstag 29 15 Sonntag - 30 1 Rosch Chodesch 16 Myntag 1 2 „ 17 Dienstag 2 18 Mittwoch 3 19 Donnerstag 4 20 Freitag 5 21 Briefkasten. Maurice Tautzig. New-Uork. Mittheilungeu über Proceß Reich erhalten, Ehescheibungsprvceß des Dr. S o n n e n s.ch e i n ohne Belang. — Die Verse an der Spitze des Artikels „Zum Possahsest" in Nr. 13 gehören nicht zu diesem Aussatz und sind irrthümlich hieher gelangt. Wochenschrift Seite 287 Herrn Richard P — r, stud. jur., Neu-Bydschow. Sie erzürnen sich darüber, daß ein kleiner Landgeistlicher auf die Lügen eines Rohling schwörte und die Juden des Meineides beschuldigt.Ihr Zorn ist gercchifertigt, aber Sie thnn Unrecht, Ihren priesterlicheu Reisegefährten dafür verantwortlich zu machen, daß er die Lüge von der Wahrheit nicht zu unterscheiden weiß. Das Pfarrhaus von Syrovalba ist sicherlich keine Pflanzstätte moderner Cultur und sein Bewohner betet nur gläubig nach, was ihm von geistig viel höherstehenden in den Hetzblättern und Hetzschriften vorgesungen wird. Wenn die Inden mit Jedem einen Proceß anfangen wollten, der gegen sie den Vorwurf des Meineids und des Blutaberglaubens erhebt, hätten sie viel zu thun. Sie haben Ihre Pflicht erfüllt, iitdem Sie den Mann aufzuklären suchten, Weiteres wäre von Hebel. Immerhin ist Ihr Erlebnitz ein bemerkenswerthes Zeugniß dafür, aus welchem Wege das Gift des Judenhasses in die Bevölkerung gelangt. Herr Pr—r jnn., Agram. Besten Dank für Ihre interesiante Mittheilung, die wir hiemit weiteren Kreisen vermitteln: „Im Jahre 1761 berief die katholische Gemeinde Monfalcone bei Triest, wie der Triestiner Schriftsteller H. ^aprin berichtet, einen Juden, namens Leone Mönch aus Congliano in Italien, damit er eine Psandleihanstalt errichte. Die Gemeindevorstehung erließ das strengste Verbot, dem Juden ein Leid zu thun, sei es moralisch oder physisch. Den Fleischhauern wurde anbefvhlen, die Ochsen nach israelitischen Ritus zu schlachten, damit die Juden Koschersleisch genießen können. Da die Geschäfte Mouch's in erster Zeit schlecht giengen, beschloß die Gemeindevertretung, dem ehrlichen Juden 800 Lire als Aushilfe und zur Förderung seiner Existenz zu geben." — In der Gemeinde Monfalcone saßen aber vor 139 Jahren vernünftige Männer. Die italienische Nation hat sich übrigens bis heute vom Antisemitismus frei zu halten gewußt. Auch in anderen Ländern sah man es in früheren Jahrhunderten nicht ungern, wenn sich Juden als Geldverleiher nieö'erließen, da die katholische Kirche das Ausleihen von Geld gegen Zinsen verbot. Nur hat man, wenn sich die Schuldenlast bei den Juden gehäuft harte, daun rasch ein kleines Judenbrennen veranstaltet, um der unbequemen Gläubiger los zu werden. Selbst Fürst und Bischof scheuten sich nicht, 5» diesem Mittel zu greifen. Heute ist übrigens das Zinsverbot der katholischen Kirche vergessen und unter den antisemitischen Führern gibt es die ärgsten Wucherer. Ein classisches Musterderselbenist der antisemitische Reichstagsabgeordnete Pickenbach aus Hessen. Herrn A. Eh., Wien. Die Thatsache, daß der Antisemitismus auch in die löbliche F l e i s ch h a u e r z u n f t Eingang gefunden har, überrascht uns w wenig, wie die Erscheinung, daß just diejenigen Fleischhauer zur Fahne des Judenhasses schwören, welche fast ausschließlich jüdische K u » d s ch a s t e n haben. Das ist überall so — wer von Juden lebt, ist sein größter Feind. Für die Juden liegt darin nur nenervings die Mahnung, sich ans sich selbst zurückzuziehen. Es gibt genug jüdische Handwerker uno Gewerbetreibende, welche schwer zu kämpfen haben, weil ihre Glaubensgenossen trotz aller Demilthignugen noch immer lieber bei den christlichen Gewerbslenten kaufen und arbeiten lassen, als bei den jüdischen. Statt ihr Geld zu den Antisemiten zu tragen urd dafür noch schlecht bedient zu werden, sollten die wohlhabenden Juden eine Ehre darein setzen, das jüdische Gewerbe zu unterstützen. Das rituelle Moment wollen wir dabei gar nicht erst betonen. Besten Gruß? Wiener Versicherungsgesellschaft. Die (!2.) ordentliche Generalversammlung der Wiener Versicherungsgesellschaft wurde gestern unter Vorsitz des Verwaltungsrathspräsidenten Paul E. R. von Schoeller abgehalten. Der pro 1892 vorgelegte Rechenschoftsbericht bezeichnet die für das abgelaufene Jahr erzielten Geschäftsresultate in allen Elementarbrauchen als recht befriedigende. Der Reingewinn beträgt 176.659 fl. nnd wurde beschlossen, von demselben nach Vornahme der statuarischen Abzüge dem allgemeinen Reservecapitalsfonds noch eine außerordentliche Dotation von 14.330 fl. zuzuweisen, 100.000 fl. als fünfpercentige Dividende zu vertheilen, sonach den Actiencoupon mit 10 fl., und zwar von heute ab einzulösen und' die erübrigenden 37.249 fl. auf Rechnung des laufenden Jahres zu übertragen. In den Verwaltungsrath wurde Dr. Johann Georg R. von W 0 e r z neu gewählt. Der Revisionsausschuß, bestehend aus den Herren M. L. R. von Borkenau.L. Gstettner und I. H. L u k a ch, wurde wieder zur Function berufen. Wiener Lebens- und Renten-Berficherungsanstalt. Unter Vorsitz des Berwaltungsrathspräsidenten Paul E. R. von Schoeller und unter Theilnahme von 27 Actionären, welche 1089 Actien mix 80 Stimmen vertraten, fand gestern die (11.) ordentliche Generalversammlung der Wiener Lebens- und Rentenversicherungsonstalt statt. Nach dem pro 1892 vorgelegten Berichte wurden im abgelaufenen Jahre 3164 Polizzen über 7,031 Mill. fl. Capital und 1311 fl. Rente neu ausgefertigt. Mit Jahresschluß betrug der Bersiche rw n g sstand nach Abzug der fälligen Capitalien, Storni rc. 14622 Polizzen über 30,832 Mill. fl. Capital und 20.296 fl. Rente und weist sohin einen Zuwachs von 3,198 Mill. fl. Capital und 311 fl. Rente gegenüber dem Vorjahre aus. Bon den Gewinnfonds der mit garantirtem Gewinnantheil Versicherten per 133.383 fl. gelangt ab 15. Juli d. I. eine Dividende von 43»/, Percent der Jahresprämre