Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 15 (14.4.1893)
- Date
- 1893-04-14
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 286 Oesterretchifitze Wochenschrift Nr. 15 mekntlichen Rechte, das selbst von h öch st Ihrem Standpunkte aus, nur unter gewissen Umständen beansprucht werden könnte, zu verhelfen, müßte ich dieses Ansinnen ganz unterthänigst, aber mit aller Entschiedenheit ablehnen. Abgesehen davon, daß ich nicht die Macht besitze, irgend einen Einfluß in dieser Angelegenheit auszuüben, hielte ich dies für Verrath und Felonie. — Ich habe meinem allergnädigsten Herrn, dem Kaiser Karl VI. den Eid der Treue geschworen und werde denselben unverbrüchlich halten." „Prinz, Sie wiederholen nur theilweise das, was Sie am Abend vor Ihrer Abreise zur Armee, nach Ungarn, der Gräfin Lori Batthiany ausgesprochen. Sie sagten: Kaiser Leopold war mein Vater, Kaiser Josef war mein Bruder, Kaiser Karl ist wein Herr! Und trotzdem mein Vater Ihr bester Freund gewesen,— würden Sie — wenn ich schwaches, verlassenes Mädchen, es versuchen würde, mein — wie sie sich ausdrückten, — v e rmeintliches Recht zur Geltung zu bringen, diesen Versuch mit Ihrem siegreichen Schwerte bekämpfen; — aber Prinz, Kaiser Josefs Tochter, Erzherzogin Maria Josefa, steht zu hoch, denkt zu edel um Sie, Prinz, zu einer — gestatten Sie mir auch den von Ihnen gebrauchten Ausdruck — vermeintlichen Pflichtverletzung anfzufordern. Ich neide meinem Mühmchen, Maria Theresia nicht den Glanz 'der gleißenden Krone, ich will gerne dem Purpur, der Macht, dem Throne entsagen; ich finde das Los eines Fürsten nicht so beneidenswerth! Mein Ohm, Kaiser Karl, hat sich seit seinem Regierungsantritte nicht eines ruhigen Augenblickes zu erfreuen gehabt. Ich wünsche mir nicht die schwindelnde Höhe eines Thrones, ich will, wenn es verlangt wird, allen Ansprüchen auf den Thron entsagen. Aber ich will' für mein Lebensglück, das man mir rauben will, kämpfen und ich werde siegen oder sterben! Ueber den Kaiserthron' mag mein Oheim frei verfügen; aber nicht gegen meinen Willen, über mein Herz und meine Hand! Durchlaucht, ich bitte Sie nur, mich vor Willkür, die erbarmungslos mein Lebensglück zertreten will, zu schi'tzen." Der Prinz athmete beruhigt auf. Er hatte gefürchtet, die Erzherzogin beabsichtige ihre Rechte an den Thron geltend zu machen, ihn aufzufordern, für ihre Sache sein siegreiches Schwert zu ziehen, die Armee, die ihrem berühmten Führer blindlings folgen mochte, für sie zu gewinnen. Einen Moment hatte der furchtbare Gedanke: bei seinen Lebzeiten einen unheilvollen Zwist in dem Kaiserhause, dem er unter drei Herrschern treu gedient, zu erleben, einen Zwist an dem sich voraussichtlich fast alle europäischen Mächte betheiligen würden, der Gedanke an einem Kamvf der-vaterlosen Waisen, seines edelsten, treuesten, brüderlichsten Freundes. Kaiser Josef; gegen Kaiser Karl, an den ihn sein heiliger Eid unlöslich fesselte, — seine starke, edle Seele in ihren Grundfesten erbeben gemacht, jetzt aber war diese Gefahr geschwunden; alles Andere aber, was Maria Josefa auch von ihm verlangen mochte, erschien ihm, seiner ursprünglichen Befürchtung gegenüber, verschwindend klein. Er nahm sich vor, dem holden, anmuthigen Kinde zur Erlangung gerechter Wünsche beizustehen und sprach: „Kaiserliche Hoheit, ich bitte, mir gnädigst-offen zu sagen, um was es sich handelt und überzeugt zu sein, daß ich alles, was in meinen Kräften steht aufbieten werde, höchst Dero Glück zu befördern." „Mein Oheim, der Kaiser, will mich einem Manne, den ich nicht liebe, vermählen. Er ließ mich vor zehn Tagen rufen und theilte mir mit. der Sardenkönig wolle meine Hand für seinen Sohn Carl Emanuel gewinnen und als ich ihn erschrocken anflehte, ihn zurückzuweisen, ward er zornig, schalt mich ein unverständiges, thörichtes Mädchen, das nicht wisse, was zu seinem wahren Glücke führe. . . . . O! Ich erkannte es gleich, daß der Kaiser nur daran denkt, seiner Tochter den Thron zu sichern, mich seinen Zwecken zu opfern. Prinz, bei dem Andenken meines verewigten Vaters, flehe ich Sie an, ersetzen Sie mir diesen, bieten Sie zu meiner Rettung allen ihren Einfluß auf; schützen Sie mich, bissen Sie mich nicht unglücklich werden, lassen Sie mich nicht in meinem Elende untergeben!" Der Prinz blickte bei den Worten der Erzherzogin besremdet auf. „Kaiserliche Hoheit", sprach er, „ich versichere höchst Ihnen, daß Mir der Kaiser von diesem Plane nicht das Geringste mitgetheilt hat — und ich bitte höchst Sie, gnädigst davon überzeugt zu sein, daß ich alles, was in meinen Kräften steht, aufbieten werde, den Kaiser von diesem Projecte abzubringen." „Ich. nehme Ihr Versprechen dankbarst an, Durchlaucht!" rief die Prinzessin, deren jchwermüthige Züge sich r.^sch aufheiterten, „aber", fuhr sie zögernd und verlegen zu Boden blickend fort, „damit allein wäre ich noch immer nicht an das letzte Ziel meiner Wünsche gelangt. . . . . Prinz, Sie müssen mir auch versprechen, den Kaiser zu bestimmen, die Werbung des Mannes, den ich liebe, ohne den. ich nicht leben kann, des Mannes, der mich heiß liebt, der ohne mich nicht leben kann und leben will, nicht zurückzuweisen." Der Prinz runzelte die Stirne, er schien, zu der Wahl der Prinzessin, des halben Kindes, nicht unbeschränktes Vertrauen zu besitzen und nach kurzem Bedenken erwiderte er: „Kaiserliche Hoheit, dieses Versprechen könnte ich nur dann geben, wenn ich überzeugt wäre, daß höchst Ihre Wahl auf einen Mann gefallen, der es in der That würdig ist die schönste, geistreichste Prinzessin Europas, die Kaiserstochter Maria Josefa, als hohes Gemahl heimzusühren. Darf-ich bitten, mir gnädigst den Namen des Beneidenswerthen, Glücklichen zu nennen?" „Durchlaucht", erwiderte die Erzherzogin, ihr schönes Köpfen hoheitsvoll zurückwerfend. „Ich bin des allgeliebten, unvergeßlichen Kaisers Josef des Ersten Tochter und bin seiner nicht unwürdig, Mon prince, ich habe noch nie Grund zM der Vermuthung gegeben, daß meine Wahl einen Unwürdigen treffen könnte. Ich bin überzeugt, daß sie sich auch Ihres Beifalles erfreuen wird.Prinz August, der Sohn des Ehürfürsten von Sachsen und Königs von Polen, August des Stärkest hat mich bei seiner letzten Anwesenheit in Wien kennen gelernt und hat mich um die Erlaubnis gebeten, bei meinem Ohm, seiner Majestät dem Kaiser, um meine Hand werben zu dürfen." „Ah, tres bien!" rief Eugen befriedigt, während sich seine sorgenvollen Züge entdüsterten, „Prinz Friedrich ist zwar ein noch sehr junger, aber ein liebenswürdiger, gebildeter Prinz.. Kaiserliche Hoheit können überzeugt sein, ich werde alle meine Kräfte, meinen vollen Einfluß aufbieten, höchst Sie an das gewünschte Ziel zu bringen." „Gott vergelte es Jhna viel tausendmal!" rief die Prinzessin — die mit ihrer rasch wieder gewonnenen Heiterkeit auch wieder den Wiener Dialect annahm, vor Entzücken die Hände zusammenschlagend. „Wenn Sie nur wollen, dann ist es schon gut! Gräfin Batthiany sagt immer: In. Oesterreich geschieht Alles, was; der Prinz Eugen will; der ist in Oesterreich allmächtig — wenn der 'wos verspricht, do hot mon's schön in der Loschen!" ' „Kaiserliche Hoheit", erwiderte Prinz Eugen, der ein gläubiges, frommes Gemüth besaß, „allmächtig ist kein Mensch, allmächtig ist nur Gott. Ich kann nur versichern, daß höchst Sie in dieser Angelegenheit, wie auch überhaupt auf meine treue Ergebenheit rechnen können." „Ich dank' Ihnen viel tausendmal, mein lieber Prinz", rief Maria Josefa entzückt und reichte ihm 'beide Hände. „Gott segne Sie.für diese Gutthat." Sie griff nun schnell nach Kapuze und Schleier und eilte so rasch fort, daß es dem Prinzen unmöglich wurde, ihr, . wie er es beabsichtigte, das Geleite zu geben. _ (Fortsetzung folgt. Literatur. Sxfer Radaus Machschuwaus (I. Band.) Von M. D. H o f f m a n n, gewesenen'Rabbiner zu Ung.-Brod in Mähren. Ein Knabe trieb Kurzweil am Gestade des Meeres. Einem Grübchen im Sande trug er Wasser aus dem Meere zu. Was machst Du. mein liebes Kind, frug ein Mann, welcher des Weges daherkam. Das Meer in das Grübchen füllen, lautete die Antwort. Ein Weiser verglich das Grübchen mit der menschlichen Hirnschale und das Meer mit dem unermeßlichen Meere der Forschung. Des Menschen Forschergeist sucht das Unendliche zu umfassen die Vorgänge in den Tiefen der Erde, auf dem Antlitze der Erde, in den Regionen der Wolken und in oen Höhen der Gestirne. Für die Kritik hat dos Gleichnis eine andere Bedeutung, in der Recension engbegrenzten Rahmen des Buches reichen Inhalt zu bringen. ' Gegen den Titel „Schibolim", des Verfassers erstem Werke, (sein allererstes Manuscript wurde in Rajetz ein Raub der Flammen) I wurde der Vorwurf erhoben, es hätte eher „Alumaus" (Garben), als