Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 15 (14.4.1893)
- Date
- 1893-04-14
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 284 Oesterreichische Wochrnschrist Nr. 15 Confession aus Luditz, Buchau. Carlsbad. Lubeuz und sämmtlichen umliegenden Ortschaften. Herr Rabbiner Beinkeles widmete dem Verstorbenen einen sehr warnten Nachruf, in welchem er das thalenreiche und uneigennützige Wirken, den frommen und rechtschaffenen Lebenswandel des Dahiugeschiedenen schilderte. Neu-Raußuitz. (Jubiläum) S!m 3. April feierte Obercantor und Secretär L. S 1 ö s s l e r sein fünfundzwanzigfahriges Amtsjubiläum. CHernowitz. (A u s dem G e m e i n d e r a t h e.) In der letzten vertraulichen Sitzung des Gemeinderathes wurde dem neugewählten Rabbiner der hiesigen Cultusgemeinde, Herrn Dr. Josef Rosenfeld, der ungarischer Staatsbürger ist, die Aufnahme in den Gemeindeverband zugesichert. Brünn. Herr Ignaz Zeisel, Kaufmann und Hausbesitzer in Brünn, erhielt vom dortigen Gemeindexathe die Ehrenstelle eines Armenvaters. Es ist dies der erste Fall in Brünn, da einem Juden dies Ehrenamt übertragen wurde. Herr Zeisel, welcher seit Jahren in selbstlosester Weise Armen ohne Unterschied der Confession mit Rath und Thal zur Seite steht, wirkt auch als Vormund mehrerer Waisenkinder christlicher Confession, die an ihm nicht nur einen nominellen, sondern einen wahren väterlichen Freund besitzen. Krakau, 11. April. Die russische Regierung hat sämmtliche Juden, welche in den Grenzortschaften Congreß-Polens auf bäuerlichem Grunde wohnen, Fabriksbcsitzer mitinbegriffen strenge aufgefordert, binnen vierzehn Tagen ihre Wohnorte zu verlaffen und sich in den inneren Gouvernements anzusiedeln. Dadurch werden viele tausend Familien in Sosnowjce, Benzin, Baran, Maczki und anderen Grenzortschaften plötzlich mit dem Verluste von Hab und Gut bedroht. Es herrscht darüber unbeschreibliche Bestürzung Einem Czas-Berichte aus Kielce zufolge wurde das Priesterseminar für vier Jahre gesperrt. Stauislau, 26. März. Heute fand hier die Trauung des Streckeningenieurs Josef Goldenberg mit Fräulein Eleonore, Tochter des Bahninspectors und Werkstättenchefs P. T. Birnbaum statt. Unter den Gästen bemerkte man zahlreiche christliche Honoratioren, ferner Familien aus Lemberg, Krakau, Brody, Czernowitz und Wien. Zur Vollziehung des Trauungsactes wurde der Kanzelredner Herr Rabbiner Dr. Friedlieber aus Szolnok berufen, dessen zündende Ansprache an das Brautpaar alle Zuhörer enthusiasmirte. Dortmund, 4. April. Hier wurde der practische Arzt und Stadtverordnete Dr. Blankenstein zum königl. Sanitätsrath ernannt. Der Oberbürgermeister überbrachte demselben das Ernennungsdiplom unter ehrender Hervorhebung dessen bedeutender Verdienste um die Mitmenschen. Pisek, 6. April. Bei der am 5. d. M. im hiesigen städtischen Rathhause stattgefundenen Bürgermeisterwahl wurde Herr M. Spitz mit eclatanter Majorität zum Stadtrathe gewählt. Rauduitz au der Elbe, 10. April 1893. Se. Majestät der Kaiser hat mit Allerhöchster Entschließung vom 17. März d. I. dem pensionirten Oberlehrer unserer Gemeinde, Herrn Lazar Reich, das silberne Berdienstkreuz mit der Krone verliehen. Herr L. Reich war über 50 I a h r e als Oberlehrer an der hiesigen deutschen Schule thätig nnd trat erst im vorigen Jahre in den Ruhestand. Paris. M. Rickart-See wurde mit Ministerial-Decret zum Anwalt des Ministeriums des Aeußeren ernannt. Sein unmittelbarer Vorgänger war der verstorbene M. Leonce Lehmann, Ehreu-Secretär der Alliance Jsraelite Universelle. Unter dem Titel „La Vrai Parole" gibt M. Isidor Singer eine Halbmonatsschrift heraus, welche es sich zur Aufgabe macht, den Antisemitismus und insbesondere die Leiter der „Libre Parole" zu bekämpfen. Marquis de Mores wurde wegen Beleidigung des Herrn Nathan, jüd. Fleischer in Verdun, zu einer Geldstrafe verurtheilt. Der „Gil Blas" in Paris, welcher die Beleidigung producirt hatte, wurde gleichfalls mit einer Geldstrafe belegt. Paris, 9. April. Hier ist gestern Bormittags der dortige Correspondent mehrerer österreichischer und ungarischer Zeitungen Bernhard Pataki an Influenza gestorben. Pataki war ein Journalist ebenso sehr aus innerer Neigung als aus Beruf. Der Sohn eines hervorragenden Gelehrten, der in Budapest lange Jahre gewirkt hatte, Simon Bacher, Bruder des bekennten Orientalisten Prof. Bacher in Pest, wendete sich Pataki frühzettig der literarischen Arbeit zu und trat in noch sehr jungen Jahren in die Redactton des „Pester Lloyd" ein. Die Reportage in ihren so unendlich verschiedenen Zweigen beherrschte Pataki bald mit großer Geschicklichkeit. Dieser Vorzug des jungen, unermüdlich thätigen, mit rascher Auffassung begabten und rasch arbeitenden Journalisten veranlaßte vor ungefähr acht Jahren den Chefredacteur des „Pester Lloyd", Herrn Pataki nach Paris als Cvrrespondenten zu entsenden, da der frühere Correspondent des „Pester Lloyd" sich einem anderen Berufe zugewendet hatte. Sehr bald wurde Pataki, dank seinem offenen, loyalen und dabei bescheidenen Auftreten in den politischen, literarischen und künstlerischen Kreisen von Paris heimisch und man war mit wirklich französischer Liebenswürdigkeit bestrebt, Pataki seine Aufgabe nach Möglichkeit zu erleichtern, die er allerdings mit großem Tacte zu erfüllen wußte. Aus diesem Grunde hatte Pataki niemals von jenem Chauvinismus zu leiden, der so manchen Correspondenten auswärtiger Blätter in Paris in die unangenehmsten Situationen gebracht hat, obgleich Pataki in seinen Telegrammen und Corrcspondenzen niemals die Thatsachen zu Gunsten Frankreichs entstellte und immer, soweit das überhaupt möglich war, der Wahrheit ihr Recht gab. Professor Bacher ans Budapest ist zu dem Leichenbegängniß seines Bruders nach Paris geeilt. Fürstengunst. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel". (Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten.) 2) ZweitesKapitel. Kaum hatten der Secretär und der Kammerdiener das Zimnier verlassen, als der Prinz eilig zur Thüre stürzte, diese hastig öffnete und sich vor der eintretenden verhüllten Gestalt tief verbeugte. Diese warf Kapuze und Schleier ab und vor dem Prinzen stand ein reizendes Mädchen, das, obwohl ihrem Wüchse nach schon zur vollen Blüthe entfaltet, doch durch das rosige, frische Gesicht, den seelenvollen, dunkelblauen Augen, das allerliebste Stumpfnäschen und den Grübchen in den Wangen, immer noch als halbes Kind erschien. „Kaiserliche Hoheit, Frau*) Erzherzogin Maria Josefa!" rief der Prinz. „Wie groß und schön höchst Sie geworden sind!" Und so sprechend rollte er eifrig ein Sammtfauleuil herbei, in das sich die Erzherzogin warf. „Aber so schmerzlich es mir auch fällt, den ersten Moment des Wiedersehens durch Vorwürfe zu trüben, so kann ich doch als höchst Dero ergebenster, väterlicher Freund höchst Ihnen dieselben nicht ersparen! . . . kaiserliche Hoheit! was sind das wieder für Streiche?! Ich bitte unterthänigst, gnädigst bedenken zu wollen, daß höchst Sie nicht mehr das kleine, turbulente Prinzeßchen sind, das allerhöchst Dero in Gott ruhender Herr Vater, Kaiser Josef, seine wrlde Hummel nannte und welches ohne jede Rücksicht, die tollsten Possen, die ihm gerade durch das Köpfchen wirbelten, sofort ausführte. Tempora mutantur, et nos in illis! — Als ich zu Lebzeiten allerhöchst Dero Herren Vaters, einen Flügel des kaiserlichen Schlosses bewohnte, da kamen höchst Sie, trotz strengen Verbotes Ihres Papas, oft aus den Fußspitzen in. mein Arbeitszimmer geschlichen, erkletterten rücklings den Lehnsessel, in welchem ich schreibend oder meditirend saß, überfielen mich meuchlings, drückten mir mit ihren winzigen weichen Händchen die Augen zu und riefen mit Ihrem zarten Silberstimmchen: „Onkerl, rath' mal, wer das ist" und gaben mich nicht eher frei, bis ich mich ' durch ein Versprechen, höchst Ihnen einen Kanarienvogel, einen Ponny oder eine große Puppe zu schenken, loskaufte; aber was an einem vierfünfjährigen Kinde neckisch possierlich erscheint, ist einer erlauchten, erwachsenen hohen Dame nicht gestattet; höchst Sie dürfen nicht verschleiert allein herumfahren und Besuche machen. Je demande tres humblement mille fois pardon — mais ga ne va pas, vraiment!" Wenn der Prinz sich im Gespräch erwärmte, bediente er sich unwillkürlich des Französischen, das ihm, trotzdem er des Deutschen vollkommen mächtig, doch geläufiger als dieses war. Die Erzherzogin erhob sich, stemmte resolut die Arme in die Hüften und rief, während ein zauberisches Lächeln ihre Lippen umspielte, im reinsten Wiener Dialect: *) Auch die uuverheiratheten Prinzessinen regierender Häuser werden „Frau" angesprochen.