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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-14 · 15 (14.4.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
15 (14.4.1893)
Date
1893-04-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 15 Oesterreichifüre Wochenschrist Seite 283 Das Leichenbegängiß gab Zeugniß von der Achtung und Beliebtheit, welche die junge Künstlerin genoß, und von der schmerzlichen Antheilnahme, die ihr frühes Hinscheiden hervorgerufen hat. Die Betheiligung war sehr stark» insbesondere hatten sich sehr viele Damen, Freundinnen der Dahingeschiedenen eingefunden, und von allen Selten wurde dem tiefgebeugten Vater Herrn Joses Bindeles das innigste Beileid ausgedrückt. Sarg und Leichenwagen waren Mit Blumen und Kränzen geschmückt; ein Lobeerkranz mit schwarz-roth-goldenen Schleifen trug die Widmung: „Der herzlich betrauerten, kunstbegabten, liebenswürdigen Genossin — der Verein deutscher Schriftsteller und Künstler in Böhmen: Concordia". Im Trauerzuge bemerkte man den Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, den Oberrabbiner- Stellvertreter Dr. Tauber, die Rabbiner Dr. Gelbhaus und Dr. Kisch, den „Concordia"-Obmann Dr. Klaar mit mehren Ausschußmitgliedein, Prof. Mentzel und Maler Kirnig als Vertreter der Section für bildende Kunst, den Dramaturgen des deutschen Landestbeaters Herrn Tewel es. u. a Brody, 3. April 1893 Heute wurde hier der erst vor wenigen Monaten zum zweiten Male gewählte Bürgermeister Herr Dr. Paul Goldhaber zu Grabe getragen. Derselbe starb, wie der Soldat auf dem Schlachtfelde, in der Ausübung seines ärztlichen Berufes, in Folge einer iufectiven Krankheit, die ihn nur wenige Tage auf dem Schmerzenslager hielt. Als Dr. Goldhaber von mehr als 30 Jahren nach beendeten Studien in die hiesige Praxis eintrat, eröffnete sich ihm sofort vermöge seines vertrauenerweckenden Wesens und angenehmen Umgangsformen eine rasche Cariere von Stufe zu Stufe. Er war nach- und nebeneinander Privatarzt des allgemeinen Krankenhauses, des israel. Spitales; in noch ziemlich jungen Jahren Bürgermeister; bei veränderten communalen Verhältnissen Vicebürgermeister und dann abermals Bürgermeister. Wenn man bedenkt, daß in unseren Zeiten des Antisemitismus, von dem auch Brody leider nicht frei ist, es doch möglich wurde, einen Juden auf den Bürgermeisterposten zu berufen und zwar nicht ausschließlich mit den Stimmen der jüdischen Gemeinderäthe allein, so beweist dies ] die allgemeine Anerkennung, die hier dem Verstorbenen zu Theil wurde und gerade in den letzten Wochen seines Lebens entwickelte Dr. Goldhaber in seiner Eigenschaft als Bürgermeister eine vermehrte Thätigkeit. Es galt die Sanirung Brody's durch den Bau einer großen Kaserne, zu welcher Seitens der Regierung ein unverzinsliches Darlehen in der Höhe° von 150.000 fl. bewilligt wurde. Die Angelegenheit stieß auf mehrfache Schwierigkeiten, auch waren die Ansichten im Gemeinderäthe über die Zweckmäßigkeit dieser Sanirungsmaßregel getheilt und Dr. Goldhaber stand zwischen heterogenen Lagern, Anschauungen und Einflüssen, sich seiner schwierigen Ausgabe bewußt, unentwegt da. Diese vermehrte Thätigkeit neben seinen eigentlichen Berufsgeschäften als vielgesuchter Arzt und der Erkenntniß, daß hier Niemand, der das Glück oder Unglück hat, am Steuer zu stehen, mag er noch so ehrenhaft sein, von pöbelhaften Verdächtigungen frei sei, haben den erst im 58. Lebensjahre stehenden Mann tief herabgestimmt und wohl auch zur Jnclination beigetragen, das Gift am Krankenbette eines mit dem Flecktyphus behafteten Patienten aufzunehmen — wenige Tage und der sonst starke Mann starb tief betrauert von seinen unversorgten Kindern und der verwaisten Gemeinde. Wir, die wir ihm seit Deeennien, theils als Freunde, theils als Mitarbeiter zur Seite standen, bewahren dem Hingegangenen eine pietätvolle Erinneruua. L. H. F. Temesvar. Ignaz S. Eisenstädter de Buzias — g est or b en. In T eme s v ar ist der Präsident der dortigen Handels- und Gewerbekammer, der israelitischen Religions-Gemeinde, der Lloydgesellschaft und anderer Körperschaften, Commercienrath Ignaz S. Eisen st ädter de Buzias, nach langem Leiden, 63 Jahre alt, gestorben. Der Tod dieses allgemein verehrten Mannes ruft in der ganzen Stadt aufrichtige Theilnahme hervor. Ohne aus seiner bürgerlichen Lebensstellung herauszutrcten, wußte sich Eisenstädter auch außerhalb seiner Confession eine dominirende Position zu erringen, wie sehr wenige Kaufleute im Lande. Es wird viel Mühe kosten, um Männer zu finden, welche all' die Stellen einzeln würdig ausfüllen, welche Eisenstädter Jahrzehnte lang allein versah. Eisenstädter war Präsident der Handels- und Gewerbekammer, erster Director der Lloyd-Gesellschaft, Präsident der israelitischen Cultusgemeinde, Präsident des 23. israelitischen Gemeindedistricts, sowie zahlreicher humanitärer Vereine, Directionsrath der Ersten Sparkasse, Ausschußmitglied und Gründer des Theater-Unterstützungsvereines, des Vereines zur Verbreitung der ungarischen Sprache, Mitglied des Munizipal- Ausschusses und des Verwaltungs-Ausschusses, Obmann der Steuerbemessuugs-Commission u, s. w. Ter schlichte Mann fand nicht nur Zeit, allen diesen Ehrenämtern in der intensivsten Weise nachzukommen., er tvar und blieb außerdem bis an's Lebensende der umsichtige, energische Chef des bon ihm begründeten Großhandlüngshauses. — 1830 ist. Groß-Beeskerek geboren, stellte er sich 1848 in die Reiben der Freiheitskämpfer/ woselbst er binnen weniger Monate zum Oberlieutenant aväneirte: Nach Bilagos wurde er als Gemeiner in die österreichische Armee eingereiht, woselbst er bis 1854 diente. 1855 gründete er in Temesvar das Großhandlungshaus Eisenstädter, welches in der Schnittwarenbranche alsbald eine dominirende Stellung errang. Er betheiligte sich gleich an den Bewegungen des öffentlichen Lebens. Im Jahre 1859 wurde er zum Bicepräsidenten der Handelskammer gewählt; 1868 gehörte er zu den Führern der fortschrittlichen Judenschaft auf dem israelitischen Congresse; 1872 erhielt er, einer der Ersten unter den Angehörigen der israelitischen Confession, den ungarischen Adel, welcher auf seine Fürbitte auch seinem damals noch lebenden Vater, sowie sämmtlichen Brüdern verliehen wurde, mit dem Prädicat de Buzias. 1890 erhielt Eisenstädter vom König den Titel eines Commerzienrathes. 1891 verstarb sein Sohn Arpad im Alter von 22 Jahren. Eisenstädter hatte die Veranstaltung der südungarischen Ausstellung angeregt. Das Familienleben Eisenstädter's war ein ideales und mustergiltiges. Er wetteiferte mit seiner Frau im Wohlthun. Die Summen, welche er Wohlthätigkeitszwecken widmete, mit welchen er fromme Institutionen und gemeinnützige Unternehmungen unterstützte, repräsenliren ein ansehnliches Vermögen. Eisenstädter war seit Jahresfrist krank. Er litt an einer Nierenkrankheit mit Symptomen von Wassersucht. Das Leichenbegängniß hat in Temesvar, unter großartigen j Trauerkundgebui gen der Gesammtbevölkerung von ' Temesvar und Südungarn stattgefunden. Die Handels- und Gewerbekammer, die Lloydgesellschaft, die ifraelttische Religionsgemeinde und die Gemeinde des XXlII. israel. Gemeindedistricts, welche sämmtlich ihren Präsidenten in Eisenstädter verloren haben, waren korporativ, die Stadtrepräsentanz, die Banken und Gesellschaften, die Wohltbätigkeitsvereine, denen d».r Verewigte angehörte, zumeist ebenfalls vollzählig oder doch durch große Deputationen vertreten. Unter den hervorragenden Persönlichkeiten sind insbesonders zu nennen: Corpscommandant FZM. Freiherr v. Waldstätten, Obergespan Dr. Victor v. Molnar, Präsident der königl. Tafel Dr. v. Paiß, Brigadier GM. v. Mussil, Vicegespan Achill v. Deschan. Gerichtspräsident Stefan v. Maly, Bürgermeister kön. Rath Dr. Karl Telbiß, dessen Stellvertreter Ladislaus Nagy, Obernotär Jdsef Geml, Dr. Alexander v. Ullmann, aus Budapest, D:. Jzso v. Rosa aus Szegedin u. A. Die Trauerrede im Sterbehause hielt der Arader Oberrabbiner Dr. Alexander Rosenberg, sodann bewegte sich der imposante Zug inmitten eines Spaliers von vielen Tausenden in die Synagoge, woselbst der Szegediner Oberrabbiner Dr. Immanuel L ö w vor dem Altar dem Verstorbenen einen Nachruf widmete' und ihn als einen Mann pries, der die Tugenden Abraham's, Jacob's, Mosi's und Samuel's des Richters in sich vereinigte. Am Gottesacker, wohin die riesige Menschenmenge dem Sarge gefolgt war, sprach der Oberrabbiner Dr. Szidon aus Werschetz, Rabbinatsverweser Moriz Weil aus Temesvar (der hiesige Oberrabbiner Dr. Moriz L ö w y ist krank). Albert S t r a s f e r für die Handelskammer, Adolf Sch äff er, der Oberbuchhalter des Hauses, für das Personal und Advocat Dr. Ignaz B a r t a namens der Gemeinde-Repräsentanz. Die Trauergesänge absolvirte Obercantor Löwenherz mit großem Chor. Im Trauerhause hatte auch der Philharmonische Verein einen Choral gesungen. Nachdem die Familie Kranzspenden abgelehnt hatte, wird aus den erübrigten Summen eine Eisen st ädter-Stiftung gegründet werden. Luk (Böhmen). Am 1. d. M. ist hier Herr Samuel Zent er im hohen Alter von 93 Jahren verschiede». Derselbe ersreute sich wegen seiner Biederkeit und Rechtschaffenheit während seines ganzen Lebens der allgemeinen Hochachtung der Bevölkerung, war lange Zeit Obmann der. israel. Beerdigungsbrüderschaft, Vorsteher der Cultusgemeinde, Mitglied der Gemeindevertretung, Ehrenmitglied aller in Luk bestehenden Vereine, Mitglied vieler humanitärer Anstalten rc. Kein Wunder, daß die Theilnahme an dessen Leichenbegängnisse eine gar so zahlreiche und ausrichtige war Außer den in Luk bestehenden Vereinen, die in vorxoro erschienen, sah man Theilnehmer ohne Unterschied der

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