Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 15 (14.4.1893)
- Date
- 1893-04-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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(Seite 282 Orsterreichisitze Wochrnschrifi Nr. 15 Bereits ist es dem Eifer dieser Herren gelungen, Männer, wie Herrn Cultusvorstand Gustav Kohn nnd die Herren Professoren Benedict, Oser, Pollitzer als Förderer des Vereines zu gewinnen. Die Frage der Unterstützung der namentlich im Sommer massenhaft nach Wien strömenden kranken Israeliten ist eine brennende. Hier muß sich cie altbewährte jüdische Wohühätigkeil von Neuem beweisen und wenn wir zur kräftigen Förderung des Vereines „6emillsL Obesseä" auffordern, io hoffen wir demnach allgemeines Verständnis zu finden und den Verein bald im größten Style Segen verbreitend zu sehen. Wien, 10. April. Samstag, den 9. d. M. fand der programmmäßig festgesetzte literarische N chmit.ag des literarischen Geselligkeitsvereines jüdischer Mädchen Moria statt. Jnstitutsvorstehcrin Fräulein Amalie Thilo besprach in einem längeren Bortrage die sittliche und religiöse Erziehung der Menschheit durch die heilige Schrift. An der Hand von Beispielen und Citaten aus den sünf Büchern Mosis wies Rednerin nach, daß die Bibel eine Fülle von grundlegenden Principien für die Veredlung und Vervollkommnung nicht nur des jüdischen Volkes, sondern auch der anderen Völker enthalte, daß das Judenthum in der Bibel den Grundpfeiler einer moralischen und socialen Wellordnung geschaffen habe. Aber nicht nur auf den Geist, sondern auch auf's Herz der Menschen habe die heilige Schrift, die innigste und Herzlichste der gesammten Weltliteratur, wie Herder sie nennt, veredelnd eingewirkt, wie denn die Juden mit ihrer tiefen Gemiithsstimmung, auf einem Boden, wo Gebirg und Thal, selbst die Wüste des Menschen Herz höher erheben, wo gleichsam der Odem Gottes die Lüste durchweht, Religion und Literatur aus einem inneren Herzensbedürfnisse geschaffen haben. Daran schloß sich ein Vortrag des Fräulein Natalie P o l l a k. Erzählungen aus dem Pentateuch mit Berücksichtigung der Charaktere der handelnden Personen und zum Schluffe eine Declamation von Fräulein Jda Werner. Der nächste Nachmittag findet Sonntag, den 23. April im Vereinslocalc, I., Schottevring 23 statt. Gäste (Damen) herzlich willkommen. Gäste, die geneigt sind, Vorträge zu halten, werden gebeten, die Themen der Präsidentin, Fräulein Bertha Schallt, 9. Bezirk, Rögergasse 3, schriftlich mitzntheilen. Wien, Rudolfsheim, am 5. April. 1803. Die Vereins leitung der Chewra Kadischa in Sechs Haus hat die diesjährige General-Versammlung am Dienstag den 4. d. abgehallen, wobei eine außergewöhnliche Betheiligung von Seile der Mitglieder zu bemerken rvar. Ueber Antrag der Vereinsleitung wurde eine Statutenänderung beschlossen, da durch die Auslösung unserer bestandenen Cultusgemeinde sich verschiedene religiöse Bedürfnisse für unsere Chewra ergeben haben und uniere Chewra als Ersatz der bestandenen Cultusgemeinde in Bezug auf Armen- und Krankenwesen errichtet werden soll. Ferner wurde beantragt, daß kein Bereinsmitglied eine Gratis-Leiche bekommen soll und die Chewra tnöge alles aufbieten, um ihren Mitgliedern eine würdige Lewaya zu veranstalten, da die Wiener Cultusgemeinde die Chewrä Kadischa im Bezirke Sechshaus damit betraute, bei allen vorkommenden Leichen im 12., 13., 14. und 15. Bezirke die rituellen Functionen sowohl bei der Thaira als auch bei der Lewaya so wie früher auszuüben. Gewählt wurden Herr D. S. Bars als Präses, Herr Heinrich Neufeld als Präses- Stellvertreter, Leopold Weinberger als Cassier, als Ausschüsse die Herren Moriz Weiß, Jacob Duschinski, David Kohn, Alois Schick, Ignaz Zwicker, Adolf Schwürz, Gabriel Stern, Moriz Blödy, Bernhard Grünfeld und Max Haas. Neugewählt unter den Chai Anoschim, welche mit der Ausarbeitung der neuen Statuten betraut wurden, ist Herr Göttlich Taußig, Adolf Grünspann, Emanuel Königstein rc. rc. Graz. (Professor Leopold Beer.) Die „Tagespost" schreibt: Hier ist der Professor an der Staatsgewerbeschule, Herr Architect Leopold Beer, nach langem, schwerem Leiden im 46. Lebensjahre verschieden. Der Verstorbene, der sich als Lehrer und Architect großer ^Beliebtheit erfreute, und als tüchtiger Fachmann galt, wurde im Jahre 1848 zu Holleschau in Mähren geboren. Er absolvirte die Technik in Brünn und die Architecturschule der Akademie der bildenden Künste in Wien und war ein Schüler des Oberbaurathes Th. v. Hansen. Nachdem er durch mehrere Jahre im Atelier der Wiener Architecten Thienemann und Krakowitzer bedienstet war, kam er am 1. October 1876, als die Steirische Gewerbeschule in eine Staatsgewerbeschule umgewandelt wurde, als Assistent au diese Anstalt, an welcher er bis zu seinem Tode in der ersprießlichsten Weise wirkte. Im April 1882 wurde er zum Assistenten, im September 1884 zum wirklichen Lehrer und im September 1887 zum Professor ernannnt. Professor Leopold Beer übte in unserer Stadt eine ziemlich umfangreiche Praxis aus: Die Pläne und Skizzen zu zahlreichen eleganten Villen und Häusern, welche unserer Stadt zur Zierde gereichen, verdanken ihr Entstehen der sachkundigen Hand des verstorbenen Architekten, der zu den eifrigsten Mitgliedern des Polytechnischen Clubs zählte. Professor Beer fungirte. auch als Sachverständiger in Bauangelegenheiten beim hiesigen Landesgericht. Vom Gebäude der Staatsgewerbeschule weht die Trauerflagge. Am Donnerstag, der 6. d. hat das Leichenbegängniß stattgefunden. Die rituellen Ceremonien vollzog in den Trauergemächern des Sterbehauses in der Albertstraße Herr Rabbiner Dr. Mühsam, worauf der schmucklose Sarg in den Leichenwagen gehoben wurde. Vor dem Sterbehause hatten sich eingefunden der Direktor der Staatsgewerbeschule, Architekt Lanzil, nnt den Fachvorständen, Professoren und Lehrern der Anstalt, der Präsident des Vereines zur Förderung der Kunstindustrie, Heinrich Graf Attems, mit Vorstandsmitgliedern dieses Vereines, die Herren Hofrath Zeidler und Bezirkshauptmann Dr. K. Ruß, der Obmann des polytechnischen Clubs, Professor Bartl, mit Mitgliedern dieses Clubs, Bauamtsleiter Oberingenieux Putschar. die Directoren Dr. Steinwender und Lacher, zahlreiche Ingenieure und Architecten, Vorstandsmitglieder der israelitischen Cultusgemeinde, Schüler der Staatsgewerbeschule u. s. f. Ten Leichenwagen schmückte nebst anderen Kränzen eine Blumenspende des Professorenkörpers der Staatsgewerbeschule. Die Beerdigung erfolgte auf dem israelitischen Friedhof. Prag. Die Synagogen-G emeind e der großen Hof-Synagoge hielt am 3. April unter Vorsitz des Obmannes B. S. Bondy ihre ordentliche Generalversammlung ab, in welcher derselbe für die anläßlich seines 25jährigen Jubiläums ihm zu Theil gewordene Auszeichnung in warmen Worten seinem Danke Ausdruck gab und knüpfte hieran den Vergleich der Schlußrechnung des Jahres 1867 mit jener des Jahres 1892, um an der Hand derselben nachzuweisen, wie sich in dieser 25jährigen Periode trotz der circa 25.000 fl. betragenden Baukosten die Verhältnisse der Synagoge consolidirt haben und die vor zwei Jahren angekauften Nachbarhäuser bis aus einen restlichen Posten bereits bezahlt sind. Dem vom Prof. W. Wertheimer als Rechnungsführer vorgetragenen Rechenschafts- und Cassaberichte ist zu entnehmen, daß die Einnahmen während der vier Jahre zwischen 2232 fl. 41 kr, und 4071 fl. 74 kr., die Ausgaben zwischen 2429 fl. 30 kr. und 3544 fl.49 kr. variirten, so daß der Ueberschuß in dieser Periode 3253 fl. 53 kr. beträgt. Der Bericht erwähnt ferner der durch die Assanirung der Josephstadt bevorstehenden Veränderung, welche gerade für die große Hof-Synagoge mit Rücksicht auf deren Lage sehr günstig zu werden verspricht und eine Erweiterung der Synagoge ermöglichen wird. In den Vorstand wurden wieder gewählt die ausscheidenden Herren: V. S. Bondy, Dr. Gustav Freund, Dr. Moritz Gläßner, Adolf Hahn, Jacob Kohn, Professor W. Wertheimer und A. Winternitz; neu gewählt Leopold Spatz und Josef Weiß; zu Revisoren August Herz und Wilh. Ka r p el es und zu Ordnern Rich. Brand ei s, S. Lissau, Ed. Radnitz und Josef Urbach. Prag. (Todesfall.) Ein tückisches Geschick hat wieder einmal ein schönes Talent und ein anmuthig entfaltetes jugendliches Leben in der Blüthe zerstört; die vortheilhaft bekannte Malerin Frl. Adele Bindeles, ein Mädchen von zwanzig Jahren, ist einem kurzen, jähen Leiden erlegen. Die Künstlerin, eine Tochter des tüchtigen, auch in der Malerei gewandten Kalligraphen Josef B l n d e le s, hatte in den letzten Jahren durch ihre gelungenen, geschmackvollen Arbeiten, Genreskizzen und prächtige Stilleben die Aufmerksamkeit der kunstfreundlichen Kreise auf sich gezogen, und ihre gewinnende Erscheinung, ihr echt mädchenhaftes, liebenswerthes Wesen waren ganz darnach augethan, die Sympathien für das kräftig emporstrebende Talent zu befestigen. Im Vorjahre wurde Frl. Bindeles auf Grund ihrer Arbeiten durch das Künstlerstipendium der „Concordia" ausgezeichnet und für den Herbst dieses Jahres war die Reise nach München geplant, wo die junge Dame bedeutende künstlerische Anregungen zu empfangen hoffte. In der letzten Ausstellung des genannten Künstlernnd Schriftstellervereines that sich Frl. Bindeles durch ein ausgezeichnetes Fruchtstück hervor, das in der Behandlung der Trauben an Meister Monteverde erinnert und dessen Tüchtigkeit durch Ankauf von Seiten der „Concordia" anerkannt wurde. Für kunstgewerbliche Arbeiten hatte die talentvolle Malerin vor Kurzem ein neues technisches Verfahren erfunden, von dem sie die besten Erfolge erhoffte. Ihr Tod, der vollberechtigte Hoffnungen zunichte macht, erregt die schmerzlichste Theilnahme; ihrem Talente und ihrer anziehenden Persönlichkeit bleibt die treue, ehrenvolle Erinnerung der hiesigen Künstlerkreise gewahrt.