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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-14 · 15 (14.4.1893) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
15 (14.4.1893)
Date
1893-04-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Stt. 15 OLfirrreMzlsÄze Wortiensüzrifl Seite 279 der Nordbahn mit 1500 Gulden jährlich „pauschalirt" wird, mit der Direction in offener Fehde — offenbar umdie „Objectiv ität mit dem Feigenblatte" aä oeulc>8 zu demonstriren. Das Deutsche Volksblatt wird hiebei von der vom Antisemitismus durchseuchten Beamtenschaft der Nordbahn thatkräftigst unterstützt und die Nordbahnverwaltung nimmt mit Schrecken gewahr, welche Natter sie an ihrem Busen pflegt, indem sie den Rassenhaß tolerirt und großzieht. Die einst musterhaft geleirete und administrirte Nordbahn, mit einer wohldisciplinirtcn, hierarchisch gefügten Beamtenschaft, ist nicht mehr zu erkennen. Es gibt kein Amtsgeheimnis mehr, die internsten Angelegenheiten werden an die große Glocke gehängt und Verrath lauert au allen Thüren. Das Denunciantenthum steht in vollster Blüthe und all' dies hat mit seiner Niedertracht der Antisemitismus zuwege gebracht. Ob. man bei der Nordbahn und bei anderen Instituten, wo ähnliche Zustände obwalten, die Moral aus den Affairen ziehen wird, ist fraglich, man wird nicht früher gründliche Einkehr halten, bis es zu einer Katastrophe kommen wird, und daß diese nicht ausbleiben dürfte, ist, wie die Erfahrung lehrt, kaum zu bezweifeln. Wien. (Antisemitische H e l d e n t h a t e n.) Wir lesen in der „Arbeiter-Zeitung" Nr. 14: Es scheint, daß Atzgersdorf dazu ausersehen ist, der nächste Angriffspunkt des antisemitischen Eroberungszuges zu werden. Am Samstag wurde dort eine Versammlung abgehalten, in welcher Lueger und Axmann -sprachen. Natürlich war die Versammlung eine geschloffene und sogar eine Anzahl unserer Genossen, welche Eintrittskarten besaßen, wurden an der Thüre zurückgewiesen. Nur etwa 25 Genossen wurden zugelassen, unter ihnen Gen. Zoppoth und Wels, welche in ausführlicher Rede die Entstellungen und Befchränktheiten Lueger's und Axmann's zurückwiesen. Lueger hatte u., A. wieder einmal behauptet, daß die Socialdemokraten mit den Liberalen Hand in Hand gehen und überdies seien wir nicht international, das habe die Brodvertheilung bewiesen, wo die Parole ausgegeben vwrden sei, nur Oesterreicher sollten Brod bekommen, und was derlei Lächerlichkeiten mehr. Uebrigens hatte das Auftreten unserer Genossen trotz des furchtbaren Spectakels, der von den „Bürgern" erhoben wurde, doch das Gute, daß die Mehrzahl der Arbeiter, die noch indifferent und unentschieden in die Versammlung gekommen waren, unmittelbar darauf Anschluß an uns suchten. Die nicht eingelassenen Arbeiter blieben indessen ruhig unten im Gastzimmer sitzen. Gegen Schluß der Versammlung entfernten sie sich ruhig. Da kamen von oben die Herren Bürger herab. In welcher Stimmung sie sich befanden, nachdem die Reden ihrer Führer in ihnen das „Christenthum" rege gemacht hatten, beweist ein Ausspruch des Wirtes Obrecht, welcher mit Hinweis auf die Arbeiter sagte: „Die notyigen Hund', denen der Hunger aus den Augen heraussieht, die soll man Niederschlagen." Und wirklich verfolgten sie eine Gruppe von Arbeitern, die ruhig ihren Weg gingen, griffen sie an und begannen dreinzuhauen. Einer der Arbeiter wurde schwer am Auge verletzt. Daß die Sache, wenn nicht fest geplant, denn doch in Aussicht genommen war, beweist, daß der Fleischhauer Ditmayer seine Fleischerknechte aufgefordert hatte, die Schlagriemen mitzunehmen. So weit unser Bericht, dem noch hinzugefügt wurde, daß der Bezirkshauptmann selbst Zeuge des Vorfalles war und vergeblich beruhigend einzugreifen suchte. Wir sind die Allerletzten, welche Presse einzelner Personen einer ganzen Partei an die Rockschöße hängen und für die Rohheit oder Gemeinheit von Individuen die Partei verantwortlich machen wollen. Aber man wird zugeben, es ist characteristisch, daß der „geistige Kampf" gegen die Socialdemokratie ebensowohl von dem christlich-socialen und antisemitischen Kleinbürgerthum, als von dem ultramontanen Bauernthum mit Knütteln und Dreschflegeln geführt wird. Im Gegensatz ist es Thatsache, daß, so sehr die ohnehin gedrückten und bei jeder Gelegenheit gedemüthigten Arbeiter von ihren Gegnern gereizt werden, sie sich doch höchst selten zu irgend einer Rohheit Hinreißen lassen, und man wird denn doch daraus den Schluß ziehen müssen, daß die Rohheit, wenn nicht die notwendige Folge, so doch eine ständige Begleiterscheinung der christlich-socialen Agitation sei. Uebrigens meinen wir, daß die Herren denn doch gut thäten, nicht an die Gewalt zu appelliren; denn nicht immer werden sie auf Genossen von solcher Lammsgeduld stoßen, wie in Atzgersdorf. So ein „nothiger" Kerl, dem „der Hunger aus den Augen sieht", könnte doch vielleicht gerade aus seiner Wuth der Verzweiflung heraus die Kraft gewinnen, einen Bürger so schwer er ist, niederzufchlagen, wie einen tollen Hund. Wien. (Bcrgani und Schönerer.» Der ganzen Auslage der „Ostdeutschen Rundschau" Nr. 15 ist ein Abdruck der von Georg S chön erer am 1. März 1891 herausgegebenen Flugschrift: „Wie sich Vergani mit seinen Theilhabern auseinandersetzte" beigelegt. Die Redaction empfiehlt ihren „Lesern das Studium und die Verbreitung derselben; sie ist geeignet, einen tiefen Einblick in die „Biederkeit" und „Ehrenhaftigkeit" Bergani's zu vermitteln und läßt den Werth des Glorienscheines erkennen, mit dem sich dieser „Anticorruptionist" nunmehr nach dem Ausgange seines letzten Preßprocesses schmückt". Pan V er g an iw antwortet im Briefkasten des „Deutschen Bolksblattes" vom 9. April mit vorstehenden Verganismen : „Hans B. Nein, lieber Freund, wir werden uns nie mit diesem unverfälschten Rev o lverbl ättchen herumbalgen. Einfür allemal sei hiermit erklärt, daß wir Jedermann, der uns die Annahme von Schweig- oder Bestechungsgeldcrn, ob direct oder indirect, vorwirst, als einen ehrlosen Verleumder und nich tswüroig en Schuft bezeichnen. — Gro ß-Si eg Harts. Du hast Recht. Das Blatt, bei dem dieser Lump Chesredacteur war, hat sowohl Bankinserate als Jahrespauschalien für Inserate bezogen, ohne daß er etwas dagegen einzuwenden hatte. Was seine Aussprüche in unserer Schristleitung anbelangt, so können dies mit Dir noch Andere eidlich bezeugen und werde ich selbe in der bewußten Geschichte veröffentlichen. Kommt Zeit, kommt Rath. Grüße von Haus zu Hans. V. — L. M. X. Feige, unverfälschte Verdächtigung. — K. H. Ist auch eppes ä Geschäft! Infolge des Artikels soll die o stafrikanische Schundschau um 4-0 Nummern mehr — selbstverständlich an Jude u — verkauft haben. Gönnen Sie doch diesem Herausgeber die paar Kreuzer.' — W. W. Der blasse Neid und Hunger". Budapest. „Magyar Ujsag" veröffentlicht über die „Reception der Juden" einen Artikel, dessen Inhalt wir in Folgendem skizziren: Es ist bekannt, daß unsere Gesetze gegenüber den Kirchen auch heute noch auf dem Standpunkte der Reeeption der Religions-Genossenschaften stehen. Vom Gesichtspunkte unserer Gesetze kann daher in Ungarn nur jene Consession Rechte genießen — auch das Recht der freien Hebung der Rcligion — die in die Reihe der gesetzlich recipirten Religionen ausgenommen wurde. Die israelitische Religion jedoch übt schon seit langer Zeit den größten Tbeil aller jener Rechte, und zwar unter behördlicher, theilweise sogar unter legislativer Autorität aus, welche einer gesetzlich recipirten Religions-Genossenschaft zusteheu. Sie besitzt ihre Autonomie, und das durch den jüdischen Congreß ansgearbeitete Organisationsstatut hat Se. Majestät im Jahre 1859, das Organisationsstatut der orthodoxen Gemeinde aber im Jahre 1871 sanctionirt. Die israelitischen Gemeinden sind mit gesellschaftlichen Rechten ausgestattete Körperschaften, die mit den staatlichen Behörden verkehren, sie genießen das ius advocatiae. Ihre Matriken werden im Sinne des G.-A IX, 1840, durch ihre Seelsorger geführt und diese Matriken werden auch vorn Staate als öffentliche Urkunden betrachtet. Ja. für jüdische Cultuszwecke werden von Jahr zu Jahr von der Legislative gewisse Summen votier:, womit der Staat die israelitische Confeffion unmittelbar unterstützt. Dieser factische Zustand ist aber auch heute noch nicht durch ein Gesetz gesichert, denn G.-A. XVH, 1876, hat die Israeliten blos in Betreff der bürgerlichen und polnischen Rechte -mit den übrigen Bürgern des Landes gleichgestellt; die israelitische Religions-Genossenschaft als solche steht auch heute noch außerhalb des Gesetzes. Bei der Reception der israelitischen Religion handelt es sich mithin um die Ausfiillung dieser Lücke. Es ist jedoch unbedingt nothwendig, bei Aufnahme der israelitischen Religion unter die gesetzlich recipirten Confessionen, daß auch die übrigen Consequenzen aus dieser Thatsache abgeleitet werden, insbesondere, daß das Berhältniß der israelitischen Religion zu den übrigen gesetzlich recipirten Religions - Genossenschaften geregelt werde. Am wichtigsten ist die Frage der Eheschließung und des Uebertrittes zu einer anderen Confeffion. Jnsolange das Eherecht auf rein confesfioneller Grundlage beruht, kann die Ehe zwischen Christen und Juden auch durch die Reception nicht ermöglicht werden; denn es ist nicht zu bestreiten, daß eine Mischehe zwischen Christen und Juden mit den eherechtlichen Verfügungen sowohl der christlichen, als auch der israelitischen Religion im Widerspruche steht, und es fände sich auch kein Geistlicher, der bereit wäre, bei einer solchen Mischehe zu interveniren. Die Frage der Eheschließung kann daher nicht durch die Reception, sondern nur durch die Einführung der Civilehe gründlich gelöst werden. Was aber die Frage des

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