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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-14 · 15 (14.4.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
15 (14.4.1893)
Date
1893-04-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 278 Oesterrrichischr Wochenschrift Nr. 15 hatte, verübte nach derselben ein ruchloses Mordattentat; das Messer hat das Wort . . . Man weiß, mit welcher Sorte von Leuten jene Versammlungen garnirt werden, die wir erst nicht näher zu bezeichnen brauchin. Der Excedent Seewald hat einmal bessere Tage gesehen. Er besaß, wie man sagt, vor Jahren ein Caffeehaus, aber er gieng mit seinem Geschäfte zu Grunde durch eigenes Verschulden, wie behauptet wird, oder vielleicht auch durch die Ungunst der Verhältnisse. Wie es sich nun damit verhalten mag, die Thatsache ist von Bedeutung bei der Beurtheilung dieses Falles, daß Seewald jener Kategorie von unglücklichen Geschäftsleuten angehört, die mit ihrem Gewerbe Schiffbruch gelitten haben und nun daraus angewiesen sind, sich in kümmerlicher Weise fortzubringen. Aus diesen Elementen schöpft die Partei, zu deren hervorragendsten Führern Herr Dr. Lueger gehört, einen bedeutenden Theil ihrer Kraft, denn sie verspricht ja immer und bei jeder Gelegenheit die Beseitigung des Nothstandes und die Besserung aller Verhältnisse durch ihr Programm, durch ihre Thätigkeit, durch ihre Leistungen. Seewald war Markthelfer und hat in der Versammlung über die Lage seiner Standesgenossen eine Interpellation an Herrn Dr. Lueger gerichtet, welche der Letztere nicht zur Zuftiedenheit des Interpellanten beantwortete. Seewald wurde, als er gegen Dr. Lueger in rohen Ausdrücken zu polemisiren begann, wahrscheinlich in jener unsanften Weise, wie sie bei derartigen Versammlungen gebräuchlich ist, auf die Straße gesetzt. Dort lauerte Seewald, den Schluß der Versammlung abwartend, auf die Leute, welche das Local verließen. Zwei Personen, der Kutscher Jeremias Böhm und der Käsehändler Johann Werner, traten aus dem Wirthshauslocale auf die Straße. Auf diese beiden Personen stürzte sich nun Seewald mit gezücktem Messer. Böhm erhielt eine tödtliche Verwundung in den Unterleib; Werner kam mit schweren Verletzungen des Armes und des Schenkels davon. Dieser traurige Fall aber, in welchem ein verhetztes und wuthentbranntes Jndividium einen Menschen ersticht und einen zweiten Menschen schwer verwundet, zeigt so recht, wohin schließlich die systematisch betriebene Aufreizung gewisser Elemente der Bevölkerung führen kann. Diesmal siud der blutigen That eines Gesinnungsgenossen Gesinnungsgenossen zum Opfer gefallen. Würden von den Seewald's, die in solchen Versammlungen ihren Gefühlen Ausdruck zu geben pflegen, etwa Gegner menschlicher behandelt werden, wenn sie ihnen in den Wurf kämen? — Gewisse Geister, die man heraufbeschworen, lassen sich nicht mehr bändigen! Wien. <Zum Capitel arischer und jüdischer Wohlthätigkeit.) Der Markt Klein-Pöchlarn am linken Donauufer gegenüber der Stadt Groß-Pöchlarn war am Ostermontag das Opfer einer fürchterlichen Brand-Katastrophe, durch welche sechzig Objecte eingeäschert wurden und viel Nutzvieh zu Grunde gieng. Das Unglück hat einen Gesammtschaden von etwa 100.000 Gulden verursacht. Zahlreiche Bewohner sind ihrer Habe und ihres Obdaches beraubt und zu Bettlern gemacht worden. Zwei Tage nach dieser beklagenswerthen Katastrophe erschien im „Deutschen Volksblatt" ein Aufruf, in welchem an die öffentliche Mildthätigkeit appellirt und um schleunige Zuwendung von Unterstützuugen für den heimgesuchten Ort gebeten wurde. Der Aufruf erschien lediglich im hiesigen Antisemitenorgane, denn Klein-Pöchlarn ist durch und durch antisemitisch und das Hilfscomite, an dessen Spitze der dortige Pfarrer steht, wollte von den „Judenblättern" und dem Gelde der Juden nichts wissen. Es sendete spaltenlange Berichte an das Antisemitenblat t während die anderen Blätter nur kurze Telegramme über das Unglück bringen konnten. Im Laufe der vorigen Woche druckte das „Deutsche Volksblatt" den erwähnten Aufruf noch mehrere Male mit dem Vermerke ab, daß seine Verwaltung gerne bereit sei, die einlaufenden Spenden für die verunglückten Abbrändler in Empfang zu nehmen. Allein das eifrige Bemühen des „Deutschen Volksblatt" blieb ohne den geringsten Erfolg. Kein einziger seiner Leser sandte auch nur die kleinste Gabe, und von all' den Größen der antisemitischen Partei öffnete Keiner, selbst nicht der Prinz Lichten stein, die Hand, um den Verunglückten zu helfen. Als endlich volle acht Tage vergangen waren, ohne daß das „Deutsche Volksblatt" in der Lage gewesen wäre, einen blanken Heller für die Kleiu-Pöchlarneranszuweiien, erinnerten sich die Letzteren der vorher so mißachteten „Judenblätter" und der Pfarrer von Klein-Pöchlarn ersuchte dieselben nachträglich um die Veröffentlichung eines neuen Aufrufes. Nachdem also die gepriesene arische Wohlthätigkeit und Nächstenliebe versagt hat, wendet man sich an die Juden und voraussichtlich wird die,er Appell auch, nicht ohne Wirkung bleiben. Die Juden werden in den Bewohnern von Klein-Pöchlarn nur arme, bedürftige Mitmenschen sehen und nicht nach ihrer politischen Gesinnung fragen. Ob auch die Letzteren aus diesen Thatsachen die entsprechende Lehre ziehen werden, muß gezweifelt werden. Denn die Antisemiten nehmen wohl das Judengeld, um dann destomehr auf die Juden schimpfen zu können. U. v. Wien. (Wie uns die Juoen aus jedem Erwerbe vertreiben.) Zu den ständigen Gravamina der Antisemiten gegen die Juden zählt der an dieser Stelle so oft widerlegte Vorwurf, daß sich die Juden den Handwerken nicht zuwenden, manuelle Arbeit scheuen und nur consumiren, nicht produciren. Nun bringt das antisemilische Organ des berüchtigten Dr. Psenner unter der Spitzmarke „Wie uns die Juden verdrängen" einen blutrünstigen Artikel, der an Niedertracht alle bisherigen Leistungen Psenner's weit in den Schatten stellt. Da heißt es unter Anderem: „Immer größere Dimensionen nimmt die Zuweisung jüdischer Lehrjungen zum Handwerke an. So hat der.Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten' gegenwärtig circa 2500 jüdische Lehrjungen, die von ihm bei Handwerkern untergebracht wurden und von ihm bekleidet, und, soweit nöthig. in jeder Richtung unterstützt werden, in Evidenz: In seinem Geschäftsberichte für. 1890 wies dieser Verein nur eine Zahl von 750 Pflegebefohlenen auf. Man sieht daraus, wie sehr seitdem der Andrang der Juden zum Gewerbe zugenommen hat. Außer diesem Vereine existiren in Oesterreich-Ungarn und speciell in Wien noch viele andere jüdische Gesellschaften, deren Hauptzweck ebenfalls die Berjudung des Handwerkes ist. So z. B. der.Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender', der .Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender', der .Unterstützungsverein für arme jüdische Zugereiste', viele jüdische Frauen- und allgemeine .israelitische Wohlthätigkeitsvereine' und in erster Linie die .Israelitische Allianz' mit ihren Filialen, die in Polen sogar Handwerkerschulen errichtet, weil sich sehr häufig die galizischen christlichen Handwerksmeister weigern, jüdische Lehrjungen aufzunehmen. Reichliche Unterstützung finden alle diese Vereine von Seite der Baron Hirsch-Stiftung. Um so bedauerlicher ist es natürlich für das christliche Volk, daß auch noch der unter christlicher Firma segelnde.Verein für Lehrlingsunterbringung' in Wien mit Stolz darauf hinweist, welch' erkleckliche Zahl - jüdischer Lehrjungen er dem Handwerke zuführt." Psenner gönnt also den Juden auch das sauere Brod, den schweren Verdienst des Handwerkes nicht. Aerzte, Advocaten sollen die Juden nicht sein, Richter. Hoftäthe und Generale können sie nicht werden. Als Kaufleute werden sie proscribirt und boykottirt, nun macht man ihnen auch das Handwerk streitig. Womit sollen sich die Juden denn eigentlich dann ernähren, da sie doch keine Latifundien und Fideicomisse besitzen? Psenner schwebt zweifelsohne die Procedur vor, welche Pharao mit den Juden vornahm. Allein er scheint vergessen zu haben, welches Schicksal diesen egyptischen Herrscher ereilte. Auch Psenner wird, wie alle Diejenigen, welche sich an Juden versündigen und sie drangsaliren, der strafenden Gerechtigkeit nicht entgehen. Lehrreich hiefür ist die „H a gada",mit welcher wir uns die jüngsten Passahfeiertage beschäftigten und der Refrain „Odaä ju4' ist eine unendliche Formel für das ewige Recht und die Nemesis, die alle Antisemiten, ob in Blouse, Frack oder Hermelin, früher oder später ereilen wird. Wien. (Die judenreine Nordbahn und ihre antisemitischen Beamten.) Das antisemitische Hetzorgan „Deutsches Volksblatt" brachte jüngst eine mystische Notiz des Inhalts, ein hoher Beamter einer nach Norden gehenden Bahn, kaiserlicher Rath, Ordensbesitzer u. s. w. habe sich in Gefällssachen vergangen und sei in Untersuchung gezogen worden. Die Notiz ist derart construirt, daß vermuthet werden könnte, es handle sich um einen jüdischen Beamten einer Judenbahn. Thatsächlich ist der erwähnte Beamte allerdings ein hoher Functionär der „Judenreinen Nordbahn" und soll bisher als eine Säule der in derselben bestehenden antisemitischen Strömung richtiger Brandung betrachtet worden sein. Das „Deutsche „Volksblatt" befindet sich überhaupt, seit dem es im Proceffe Scharf-Bolksblatt constatirt worden, daß es von

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