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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-07 · 14 (7.4.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
14 (7.4.1893)
Date
1893-04-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 13 Vesterreichiptze Worlzenfitzrist Seüe 267 „Seine Heiligkeit, der Papst, läßt mich durch den Cardinal- Secretär zu dem über die Ungläubigen erfochtenen Siege beglückwünschen, er ertheilt mir seinen apostolischen Segen und setzt mich davon in Kenntniß, daß mir der hiesige Nuntius einen von seiner Heiligkeit selbst geweihten Hut und Degen überreichen wird." „Das ist die höchste Auszeichnung, die Seine Heiligkeit zu Verleihen vermag", warf der Secretär in bescheidenem Tone dazwischen. „Ich werde in einem eigenhändigen Schreiben für die hohe Gnade unterthänigst danken .... weiter." Der Secretär überreichte einen zweitem geöffneten Brief. „Ah! von Seiner Majestät dem König Friedrich Wilhelm von Preußen", meinte der Prinz. „Er beglückwünscht mich zu meinen jüngsten Erfolgen, schreibt mir die größten Flatterten, würde sich sehr , freuen seine Truppen bald wieder unter meinem Obercommando kämpfen zu sehen, durch seine Actiones zu beweisen, daß er des Kaisers Majestät devoriret und mich estimirt, daß seine Gesinnung für das allerhöchste Erzhaus und die geheiligte Person des Kaisers unverändert geblieben.Der König ist ein sehr werthvoller Bundesgenosse, nur schade, daß er sich seine Bundesgenossenschaft stets sehr theuer bezahlen läßt . . . weiter s’il vous plait!“ „Ein Brief Seiner Durchlaucht des Fürsten Leopold von Dessau". Als der Prinz einen Blick auf denselben warf, rief er fast erschrocken. „Ich habe mir, während meiner langen Anwesenheit in Oesterreich, die deutsche Sprache vollkommen angeeignet und kann auch Geschriebenes ziemlich gut lesen, aber diese SHrift — wenn man diesen wirren, unzusammenhängenden Strichen diese schmeichelhafte Bezeichnung beilegen darf — vermag ich nicht zu entziffern." „Es ist bekannt" erwiderte der Secretär, „daß der Fürst seine Beamtengeradezu zur Verzweiflung bringt, wenn er sie mit einem eigenhändigen Rescripte bedenkt, aber ich habe es durch große Uebung dazu gebracht, jede Chifferschrift auch ohne deren Schlüssel zü besitzen, zu entziffern; — überdies ist mir die Schrift des Fürsten nicht fremd, ich hoffe den Brief lesen zu können." „Versuchen Sie Ihr Glück!" meinte der Prinz lachend, dem Secretär das Blatt reichend. Langelot überflog dasselbe erst mit den Blicken, dann las er geläufig, nur mühsam sein Lachen unterdrückend: Euer hochfürstliche Durchlaucht! Ich freue mich, daß'Ew. Liebden die Täusend-Millionen-Schockschwere-Noth-Höllen-Türkenhunde mit blutigen Köpfen heimgeschickt haben. Nur Eines crepirt mich, daß ich glaub, tausend Schock rother Teufel könnten mich auf der Stelle hundert Millionen Klafter tief in die Erde hineinschlagen, nämlich: daß ich nit Hab' dabei sein können. Das war für mich ein Tausend-Mohren-Höllen-Element- Gaudium gewesen. Ihr bis in den Tod treu ergebener Leopold. „Er schreibt genau so wie er redet", sprach der Prinz, „er meint es aufrichtig. Ich muß es gestehen, seine außerordentliche Liebe zu mir ist mir unbegreiflich; wir sind in unserem Wesen und in unseren Anschauungen grundverschieden. was giebt es noch?" Der Secretär überreichte ein geöffnetes Schreiben. „Ah! siehe da! Eine Beglückwünschung von meinem berühmten ehemaligen Gegner Herzog von Billars!" rief Eugen. „Diese freut mich herzlich, Billars ist ein großer Feldherr und vermag es meine letzte Leistung richtig zu beurtheilen .... er thüt dies allerdings etwas allzugütig, sein Lob ist wahrhaft enthusiastisch, er ,behauptet." Der Prinz wurde unterbrochen, es wurde leicht an die Thüre geklopft und auf des Prinzen „Entrez" überschritt der Kammerdiener Pasquin die Schwelle. „Monseigneur", meldete er, „eine tiefverschleierte Dame wünscht Euer Durchlaucht dringend, sofort und allein zu sprechen." „Ich habe Ihnen ja aufgetragen, heute Niemanden, wer es auch sein mag, zu melden. Sagen Sie der Dame, daß ich heute von der Reise zu ermüdet, überdies auch zu beschäftigt bin, um Jemanden empfangen zu können. Sie möge morgen zur gewöhnlichen Audienzstunde wiederkommen." Der Kammerdiener' verschwand, aber schon nach wenigen Minuten erschien er von Neuem. „Ich bitte unterthänigst um gnädigste Verzeihung, daß ich nochmals zu stören wage; aber die Dame befahl mir in heftigster und gebieterischester Weise. Euer Durchlaucht wörtlich zu vermelden: Sie ließe sich in keinerlei Art abweisen. Höchst Sie hätten die Pflicht sie zu empfangen, Höchst Sie hätten es am Abende vor höchst Ihrer letzten Abreise nach dem Kriegsschauplätze, im engsten Freundeskreise ausgesprochen: Der Großvater der Dame, die höchst Sie zu sprechen wünscht, wäre Ihnen ein Vater, deren Vater ein Bruder gewesen." Der Prinz zuckte betroffen zusammen, aber trotzdem sprach er äußerlich ruhig: „Wenn sich die Dame durchaus nicht abweisen läßt, so muß es sich wohl um etwas Wichtiges und Dringendes handeln; — lassen Sie sie eintreten." (Fortsetzung folgt. Literatur. Arber den Einstutz der Psalmen aus die christliche Liturgie und Hymnologie. Von Dr. M. G r ü n w a l d , Rabbiner in Jungbunzlau. 5 Hefte, 151 Octavseiten. Eine ebenso interessante, als von reichem Quellenstudium zeugende, zugleich aber auch eminent zeitgemäße Publication ist es, die wir hier zur Anzeige bringen. Wie weitherzig hat sich doch die Kirche immer da gezeigt, wo es galt, Schätze — selbst solche geistiger Natur — dem Judenthume zu entnehmen und in ihr eigenstes Besitzthum zu umwandeln! Aber, wenn doch zugleich auch etwas von dem Geiste der Duldung, liebevoller Gesinnung gegen die Quelle, aus der so viel Herrliches geschöpft ward, mit hinüber genommen worden wäre! Nun eines der kostbarsten geistigen Güter, die den eisernen Fond und das unveräußerliche Erbgut der Gemeinde Jacob's bilden, ist unser großes Psalmenbuch — das Psalterium. wie es die Kirche nennt und von dem Franz Delitzsch sagte: „Es gibt kein alttestamentliches Buch, welches sich so ganz und gar aus Herz und Mund Israels in Herz und Mund der Kirche übererbt hätte, wie dieses alttestamentliche Gesangbuch ohne Gleichen."*, Wohl hatte auch schon die vielverbreitete Tendenzschrist: „Der Antisemitismus vom katholischen Standpunkt" (Wien, 1890, S. 35 ff.) die Behauptung hingestellt, daß die ganze kath. Liturgie ohne Kenntniß des alten Testamentes etwas gayz Unverständliches bliebe und daß ferners der kath. Priester ebenso auch durch seine tägliche Privatandacht, zu de»- er kanonisch verpflichtet ist, nämlich durch sein Brevier, auf Schritt und Tritt, Seite auf Seite ins Alte Testament zurückgeführt werde — und auch der einzelnen, freilich nur sporadischen Belegen für diese Behauptung hat es jene Schrift nicht fehlen lassen. Allein, erst das hier angezeigte Buch hat an der Hand eingehendster liturgischer Studien ein zusammenhängendes Ganzes, ein wissenschaftliches Gesamnttbild über diesen Gegenstand zu entwerfen gewußt. Doch eben der erschöpfenden Gründlichkeit wegen wurden vorerst nur die Psalmen in ihren Beziehungen zur kirchlichen Liturgie in's Auge gefaßt, die übrigen Quellen des heiligen Zchriftthum's einer späteren Arbeit verlassend. Was das Breviarium betrifft, so wird hier nachgewiesen, daß in demselben die 150 Capitel des Psalmbuches — ganz so wie dies auch in unserer Liturgie der Fall ist — auf die siebe u Wochentage derart vertheilt wurden, daß innerhalb jeder Woche das ganze Psalterimn durchgenommen werden kann. — Sowie w i r serners die fünf Halleluja-Psalmen in dentäglichen Morgengottesdienst ausgenommen, so wollte auch die kirchliche Liturgie die täglichen Alleluja's nicht vermissen und ebenso hatten auch die Alphabet-Psalmen zu eifriger Nachahmung angeregt, so daß mehrfache A-B-C-Hymnen entstanden, die jedoch — an das hebräische Alphabet sich rege anschmiegend — schon mit dem Buchstaben T die Reihe der Verse abschließen. — Das Kyrie eleison, als vorherrschender Bittruf in den Litanaien, ist nach dem Vers, nichts anderes, als das in den Psalmen *) Gelegentlich können wir bier die Bemerkung nicht unterlassen, daß in der „Antigone" des Sophokles — odschon natürlich von einer Nachdichtung da keine Rede sein kann — die berühmte Chor- Strophe, beginnend mit den Versen: „Vieles Gewaltige, lebt, doch Nichts, Was gewaltiger, als der Mensch U. s. w." an dir unvergleichliche Schilderung des Menschen in Psalm 8 unwillkürlich erinnert — und namentlich wenn man im griechischen Texte die Hoheit und Kraft der Schilderung mit der sprachlichen Schönheit und Kraft im biblischen Texte Zusammenhalt.

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