Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 14 (7.4.1893)
- Date
- 1893-04-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 266 Vrflerreichische Wochenschrift Nr. 14 Nach abgelaufener Theatersaison schreibt die Temesvarer Zeitung in einem Rückblicke: „Der Baritonist Szengery könnte der männliche Star des Opernensembles genannt werden. Er überragte nicht nur vermöge seiner imponirenden Stimmittel, sondern auch durch die Schulung, das Feuer und öie Sicherheit seines Vortrages, wie nicht minder durch sein-abgerundetes, ausdrucksvolles Spiel beiweitem die meisten Mitglieder des Ensembles. — Sein Luna, Germont, Don Juan und hauptsächlich Rigoletto waren glänzende Leistungen. (Rudolfsbund). Dieser humanitäre Verein veranstaltet am 9. April a. c. in Schneidens 2. Cafehaus im k. k. Prater e»n Frühlingsfest verbunden mit musikalischen Deklamationen, Soiree und Ball und werden in Ersteren hervorragende Kräfte Mitwirken. Budapest. (Ludwig Kossuth üb er die Juden. Einer ungarischen Deputation gegenüber, die Ludwig Koffuth kürzlich empfing, äußerte er sich in sehr sympathischer Weise über die Juden. Koffuth erzählte u. A., er habe einmal eine überaus wichtige Botschaft an Klapka zu senden gehabt. Ein Jude habe die Mission übernommen, sei drei Tage und Nächte durch Gräben und Moräste gekrochen, bis es ihm gelang, nach Komorn zu gelangen. Und als er nach glücklich beendeter Mission zurückkehrte, habe er sich geweigert, irgend einen Ersatz seiner Auslagen anzunehmen. Das sei wieder ein Beispiel dafür, daß in dieser Raffe Character und Vaterlandsliebe lebe. Raub. Vorige Woche fand die Generalversammlung des Raaber und Raab-Szigeter israel. Wohlthätigkeits - Frauenvereines statt, bei welcher Gelegenheit der Bereinsausschuß gewählt wurde. Der neue Bereinsausschuß wählte sodann in seiner Ausschußsitzung zur Präsidentin mit Acclamation Frau Siegmund H er zl, und mittelst Scrutiniums zur Vicepräsidentin Frau Dr. Salamon Rauschburg und zur Cassierin Frau Dr. Emerich Leszlenyi. Ferner zur Ehrenpräsidentin Frau Simon Lederer, welche nach der Feier ihres 25-jährigen Jubiläums nach Wien überfiedelte. Graz. Unsere Gemeinde hat am Rüsttage des Festes einen schweren Verlust erlitten durch den Tod. des Herrn Benedict Biller, des langjährigen Vorstandsmitgliedes und Begründers und Leiters der hiesigen Chewra Kadischa. Welche Achtung und ivelches Ansehen der Heimgegangene sich erworben, zeigte das imposante Leichenbegängniß, an welchem auch zahlreiche christliche Honomtioren, sowie die Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma neben den Vorstehern der Cultusgemeinde und der Chewra Kadischa, d-r Repräsentanz der Judenschaft, theilgenommen. Herr Rabbiner Dr. Mühsam widmete dem Heimgegangenen einen ehrenden tiefdurchdachten Nachruf. Am offenen Grade richtete an den Verblichenen der Vorsteher der Chewra Kadischa Herr Bernhard Grünhut Worte herzlichen Abschiedes, welche einen tiefen Eindruck zurückließen. Mit dem Verstorbenen verliert unsere Gemeinde eine mächtige Stütze, eine opferwillige Thatkraft, eine Autorität, deren Einfluß es stets gelang, alle Disharmonien auszugleichen. Olmütz. (A b s ch i e d s f e i e r.) Der k. k. Rathssecretär des Olmützer Kreisgerichtes, Herr Dr. Alois Feigel, der sich am 31. v. M. nach seinem neuen Bestimmungsort Brünn begab, feierte am 27. März d. I. im Kreise von Berufs- und Amtsgenoffen im „Hotel Goliath" seinen Abschied von Olmütz. Bei dieser Gelegenheit wurde er insbesondere durch Reden des Herrn Hoftathes Sch wetz, des Herrn Staatsanwaltsubstituten Dr. Matyas, des Herrn Dr. B. Gams und des Herrn D. Trappt gefeiert. Sniuty«, am 2. April 1893. Behufs Errichtung einer Baron Hirsch Schule in der großen Stadtgemeinde Sniathn (Galizien), hielt Herr Pinkas Eisenstein, unter einer zahlreichen Versammlung in der hiesigen Synagoge eine Rede, in der er namentlich das Wirken nnd Schaffen des unermüdlichen Wohlthätcrs des Herrn Baron Hirsch betont, seine Liebe zum Judenthum hervorgehoben und den Zweck einer solchen Schule in klaren Worten geschildert hat. Berlin. Der Michael Beer-Preis, der diesmal von der Berliner Akademie für Bildhauer jüdischer Confession ausgeschrieben war, ist soeben zur Vertheilung gekommen. Verlangt wurden eine Composition, ein Relief „Empfang heimkehrender Sieger" und Studien nach der Natur. Es bewarben sich nur drei Bildhauer. Der Senat der Academie hat den Preis, der in der Höhe von 2250 Mark zu einer Studienreise nach Italien bestimmt ist, dem Bildhauer Max Levi aus Stuttgart, einem Schüler von Profefför Schaper, zuerkannt. London. Aus Queensland wird gemeldet, daßdas neue Ministerium definitiv gebildet ist. Das Amt eines Secretärs der Minen und Secretärs der öffentlichen Arbeiten wurde dem Mr. Isidor Lissner übertragen. Nunmehr bekleiden zwei Juden hohe Aemter in Australischen Staaten, da Mr. A. de Jsaacs vor Kurzem zum General-Anwalt für Victoria ernannt wurde. London. Letzten Montag Nachmittag fand in der Berkley Street-Synagoge die feierliche Vermählung des Baron Wilhelm von Königswarter, dritten Sohn des Baron Moritz von Königswarter aus Wien mit Miß Roste Goldschmidt, ältesten Tochter von Mr. M. A. Goldschmidt von Mont Street Grosvenor Square, statt. Die in allen Theilen mit Blumen reich und festlich geschmückte Synagoge war von elegantem Publicum zum Erdrücken gefüllt, so daß viele Gäste keinen Platz finden konnten. Das prächtige Frühjahrswetter war der Entfaltung der prächtigen Toiletten der Damen besonders günstig. Die Trauungs-Ceremonie wurde von Rev. Professor Marks unter Assistenz von Rev. D. Harris und des ganzen Chores vollzogen. Nach der Trauung fand ein Empfang in Mont-Street statt. Roman von S. Kohn. Verfasser von „Gabriel"^ Order unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten.) Erste s Kapi tel. Es war ein Augusttag des Jahres 1718. Prinz Eugen von Savoyen, Generalissimus des Kaisers und des deutschen Reiches, erster Minister, Präsident des Hofkriegsrathes, Statthalter der Niederlande, General-Bicarius in Italien, Ritter des goldenen Vließes, war erst am Morgen von seinem siegreichen Feldzuge gegen die Türken, durch welchen er sich neue Lorbeeren errungen und die Hobe Pforte zu dem, für Oesterreich höchst günstigen Friedenstractate von Passarowitz gezwungen, nach Wien-zurückgekehrt und war von der jubelnden Bevölkerung mit frenetischem Enthusiasmus empfangen worden.' - Obwohl von der langen, beschwerlichen Reise ermüdet, fuhr er doch sofort nach seiner Ankunft, nachdem er die Kleider gewechselt, zum Kaiser. Als er von der Audienz heimkehrte, fand er in seinem Kabinet seinen Secretär Langelot. Prinz Eugen — einer der berühmtesten Feldherrn, der größten Diplomaten, der treuesten Staatsdiener, der edelsten Menschen, die je gelebt — stand in seinem sechsundfünfzigsten Lebensjahre. Seine kleine, schwächliche Gestalt, seine dunkle Hautfarbe, die etwas aufgestülpte Nase, insbesonders aber die kurze Oberlippe, welche die Borderzähne sehen ließ, machten bei dem ersten Anblicke keinen gewinnenden Eindruck; allein seine großen, leuchtenden, geistesblitzenden Augen verschönten seine Züge in fast wunderbarer Weise und ein menschenkennender Beobachter mußte bald inne werden, daß in dieser unscheinbaren Hülle ein Riesengeist wohne. Er trug eine lange Allongeperrücke, welche seinen Teint noch dunkler erscheinen lreß, über dem Brustharnisch hing die Ordenskette des goldenen Vließes. Der Secretär, ein hochgewachsener Mann, am Ende der dreißig erhob sich beim Eintritte des Prinzen ehrfurchtsvoll und sprach, auf einen großen Stoß Papiere, der auf dem Tische lag, deutend: „Es ist eine große Zahl von Briefen eingelaufen. Ich habe dieselben, so weit dies äußerlich erkennbar, nach dem Range der Absender und deren voraussichtlicher Wichtigkeit geordnet." Mea! . . . . Warum haben Sie die Briese nicht wie gewöhnlich geöffnet? Sie wissen es ja, daß ich unbeschränktes Vertrauen in Sie setze. Sie chiffriren ja den abgehenden und dechiffriren ja die anlangenden Staatsdepeschen". „Durchlaucht, es befinden sich unter den Briefen solche von höchsten und allerhöchsten Personen. Ich glaube es ist — wo dies in keinem Falle Schaden verursachen kann — bester etwas zu unterlassen, als einen Fehler zu riskiren." „Das ist wahr", erwiderte der Prinz, sich auf einen Lehnstuhl niederlaffend, „also öffnen Sie jetzt die Briefe und legen Sie mir sie vor." Langelot überreichte ein Schreiben. . Der Prinz las es aufmerksam nnd sprach dann: