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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-07 · 14 (7.4.1893) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
14 (7.4.1893)
Date
1893-04-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 264 Oesterrrichifchr Wochenschrifi Nr. 14 „Gewiß, das Leben unserer Bauern aus dem platten Lande ist nicht zu beneiden; dieses ist ja doch eine wahre Glückseligkeit im Vergleich mit der entsetzlichen Agonie, zu welcher die große Masse der jüdischen Bevölkerung in den überfüllten Städtchen und Fleckcn verurtheilt ist. Keine noch so glühende Phantasie vermag dem Bewohner der Großstadt eine auch nur entfernte Vorstellung von dem unbeschreiblichen Elend zu verschaffen. in welchem neunzehntel der Juden in unserem Orte sich befinden! Dem hungernden Bauer eilt die Regiernng zu Hilfe (in der Regel erst dann, wenn es bereits zu spät ist. Anm. d. Red.), um die Hunderte von jüdischen Familien, welche in Samgorodok und im ganzen Kreise Berditschew seit Monaten buchstäblich am Hungertuche nagen, kümmert sich kein Mensch. Dem Bauer bleiben in der äußersten Noth noch der Zaun um den Hof und das Dach der Hütte übrig, die daun als Brennstoff verbraucht ^werden, die Juden in den Kleinstädten - entbehren auch diese Reserve. Sie erfrieren vor Kälte und vergehen vor Hunger". So die Mittheilungen des Kijewer Jntelligenzblattes und die „Rußkaja Schiza" empfiehlt diese dringend der „geneigten Aufmerksamkeit der Helden der Rassenhatz, welche nicht genug über die in Glückseligkeit schwelgenden Volksausbeuter zetern können." Ob jene „Helden" nur in Rußland zu Hause sind?... * * * Wie sehr die Ausweisung der jüdischen Kaufleute aus Moskau und deren Uebersiedlung nach Lodz zum Nachtheil der großrussischen Industrie ausgeschlagen hat, welcher so jährlich eine große Zahl von bedeutenden Bestellungen entzogen wird, beweist wohl schlagend die jetzt vom „Handels- und Gewerbeblatt" — dem officiellen Organ des russischen Finanzministeriums — offen ein geräumte Thatsache, daß die wichtigsten Moskauer Manusacturen sich inzwischen beeilt haben, Filialen und Niederlagen in Lodz zu eröffnen, um dort Verbindungen mit ihren früheren jüdischen Auftraggebern anknüpfen zu können. Das besagte Blatt constatirt ferner, daß die Spinnereien von Heiuzel und Kunitzer im Dorfe Widzeiv bei Lodz, sowie diejenigen von M. Silberstein in Lodz selbst vom ersten April d. I. ihre Production uni 20 beziehentlich um 7 Tausend Spindeln vergrößern werden, was ebenfalls zu den Folgen der Ausweisung der Juden aus Moskau zu rechnen sein dürfte. Der „Warschawski Dnewnik", bekanntlich ebenfalls ein officielles Regierungsblatt, theilt in dieser Beziehung noch mit, daß einige aus dem Innern des Reiches neuerdings ausgewiesene jüdische Unternehmer eben im Begriffe stehen, in der Jerusalemer Vorstadt und unmittelbaren Nähe der Warschau-Wiener Eisenbahn eine große Manufactur für Sammet, Plüsche und Möbelstoffe zu eröffnen. Rom. Das „Echo" spricht sich in der anerkennendsten Weise über den ehemaligen F inanzminister Luzatti aus. Es sagt: „Luzatti hat mehr als irgend ein Italiener gethan, um die Armen vor Wucher zu schützen und sie durch ihre eigene Kraft zu Wohlstand zu führen. Er hat mehr als irgend ein Italiener gethan, um Italien von dem schweren Druck der Armuth, der so lange auf ihm lastete, zu befreien. Er gründete die erste Sparcaffe und zwar 1866 in Mailand. Das Institut beschäftigt jetzt 100 Beamte. Die Mailänder Sparcaffe ist eines von den Wundern Italiens. Seit ihrer Gründung sind Hunderte von Sparcaffen in Italien nach ihrem Muster entstanden." Florenz. Eine junge jüdische Bildhauerin, Frl. Theodora Cohen, macht gegenwärtig viel von sich reden. Ihre Erzeugnisse erfreuen sich des Beifalls großer Meister. Signor Rivalta, den sie bat, sie als Schülerin annehmen zu wollen, meinte, sie könne bei ihm nichts mehr lernen und stellte sie dem Director der Belli Arti in der schmeichelhaftesten Weise vor. Padua. Die italienischen Juden haben durch den Tod des Baron Giuseppe Treves de Boufili einen schweren Verlust erlitten. Vermöge feines Reichthums, von dem er sehr freigebigen Gebrauch machte, vermöge seiner hohen socialen Stellung, seiner Ergebenheit und Theiluahme, die er den jüdischen Jntereffen überall entgegenbrachte, wie auch der hohen Achtung, in der er bei der Regierung und in der öffentlichen Meinung stand, gehörte Baron de Bonfili zu den bedeutendsten Juden Italiens. Er wurde in Padua im Jahre 1818 geboren. 1866, nach der Einverleibung der Provinz Venedig in das Königreich Italien, hatte der Baron die Ehre, den König Victor Emanuel in seinem Palaste in Venedig zu empfangen. Unter den vielen Instituten, die er in's Leben rief, ist das wichtigste das Rabbiner- Seminar. Genua. Die hier erscheinende Zeitung „Caffaro" bringt einen Artikel über Ahlwardt, welcher wenig schmeichelhaft als catilinarische Gestalt bezeichnet wird, die ans demselben rauhen Gestein der Deroulede und Lueger gehauen ist. Weiterhin wird bemerkt: „Der Antisemitismus sagte der-Deputirte Jaques im österr. Parlamente, ist keine politische Partei, sondern ein Geschäft" und in der That hat Ahlwardt, wie alle Dickköpfe sich des Antisemitismus als Hebel bedient, um schließlich in's Parlament zu kommen." Nach einer Darstellung der rigenthümlichen Parteiverhältnisse in Deutschland, welche das Auftauchen Ahlwardt's erklärlich inachten, schließt der Artikel mit folgenden Bemerkungen: „Ahlwardt ist demnach das Product dieser Bewegung, welche eben noch im schärferen reactwnären Sinne sich in der conser vativen Partei vollzieht. Wir finden, daß sich in viel kleinerer Dimension bei'ber Wahl Ahlwardt's das Phänomen Boulangers in Frankreich-wiederholte, welchen' alle reactionären Parteien unterstützten, weil sie in ihm irgend eine Strahlenbrechung aus ihrem Prisma dunkler Farben vorfanden und daraus entstand eine unförmige Gestalt, welche die Uebertreibungen aller reactiouäreu Parteien in sich vereinigte. Wien. (Rabbinerwahl.) Für den neuen israel. Tempel im IX. Wiener Stadtbezirke wurde der Prediger Dr. Gelbhaus aus Prag zum Rabbiner gewählt. Herr Dr. Gelb haus ist Oesterreicher von Geburt, fungirte längere Zeit in größeren Gemeinden Deutschlands Nach dem Rücktritte des Regierungsrathes Prof. Kämpf von seinem Amte als Prediger wurde Gelb Haus an dessen Stelle nach Prag berufen. Wien. (Eine Stiftung des Barons Albert Rothschild.) Barou Albert Rothschild hat am Todestage seiner Gemahlin. Baronin Bettina, die Summe von sünfmalhunderttausend Gulden zur Gründung eines Spitals für Krebskranke gespendet. Im Stadttempel wurde die Jahrzeit der sel. Frau Baronin Bettina von Rothschild begangen. Anwesend waren Herr Baron Albert Rothschild und die drei ältesten Söhne der Verewigten. Außerdem hatten sich zahlreiche Anhänger des Rothschild'schen Hauses eingefnnden, so daß die Räume des Tempels fast ganz gefüllt waren. Dr. Jellinek recitirte das Gebet für das Seelenheil und das Kadisch Gebet. Wien. (Richard Mandl.) Von dem Compositeur Richard Mandl in Paris, einem Sohne des Großindustriellen Herrn Ignaz Mandl in Wien, wurden bei der letzten Soiree der Frau Kronprinzessin-Witwe Erzherzogin Stephanie auch mehrere Lieder vorgetragen, welche, wie einstimmig berichtet wird, ungetheilten Beifall fanden. Wien. (Po l iz e i - A ssiste nz ä rz te.) Der Statthalter hat zu Polizei-Assistenzärzten bei der Polizeidirection in Wien den supplireudeu Abtheilungsvorstand des Allgemeinen Krankenhauses in Wien Dr. Julius H ö n i g s s e l d, den Privatarzt Dr. Alfred Po llak, der Privatarzt Dr. Samuel Weihrau ch, den Privatarzt und den vormaligen Secundararzt im Allgemeinen Krankenhause Dr. Berthold Reisch er, den Assistenzarzt im Wiedener Krankenhause Dr. Karl Prag er, den Privatarzt und Landwehr-Regimentsarzt Dr. Josef Doch, den Privatarzt Dr. Siegfried Kolben, den Secundararzt im Allgemeinen Krankenhause Dr. Julius Rechuitzer und. den Privatarzt Dr. Friedrich Fuhrmann ernannt. Wien. (Austritt aus dem Judenthum.) Man schreibt uns aus Graz: Diese Woche haben zwei hiesige Gemeinde-Mitglieder ihren Austritt aus dem Judenthum vollzogen. Der Eine, Professor L. Stein grab er, der Gesellschafter des hiesigen Ritter von Gutman, nachdem er die Gemeinde-Vorstehung wegen Heranziehung zur Cultussteuerleistung mit Briefen der heftigsten Schmähungen belästigt hatte, der Andere ein Herr Philipp Sonnenberg, ein reicher Fabrikant aus gut jüdischer Familie, weil er nicht länger übersehen werden konnte und auch zur Stenerleistung herangezogen wurde." Wien. (Zum Leichenbegängnisse Fisch ho f's). Wir werden um Aufnahme nachstehender Berichtigung ersucht: „In Klagenfurt und Emmersdorf bestehen keine Cnltusgemeinden, sondern nur ein Cultnsverein in Klagenfurt".

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