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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-07 · 14 (7.4.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
14 (7.4.1893)
Date
1893-04-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 262 Oesterredtzische Wochenfitzrist Nr. 14 in einem Dorfe in der Nähe von Krakau geboren. Sein eigentlicher Name war Judkiewicz, doch änderte er ihn in Judd um, da den Amerikanern der polnische Name nicht geläufig wurde, Judd kam im Jahre 1864 nach den Vereinigten Staaten auf Veranlassung seines älteren Bruders, der in Washington als Juwelier thätig war. Dort besuchte er noch zwei Jahre die Schule und begab sich dann zu einem Onkel nach St. Louis, Dr. I. Horwitz, der ihn in einem Mantelgeschäfte unterbrachte. Nach kurzer Zeit machte er sich selbstständig und steht gegenwärtig einer der erfolgreichsten Firmen seiner Branche im Westen der Vereinigten Staaten vor. Herr Judd hat ein bedeutendes Vermögen erworben, ist einer der angesehensten jüdischen Bürger von St. Louis, besitzt eine vorzügliche Bildung und zeichnet sich durch feine Manieren aus. Er ist allgemein geachtet und von Bürgern aller Confessionen als Geschäfts¬ und Ehrenmann hochgeschätzt. Seine Ernennung verdankt er in erster Linie der Geschäftswelt, denn die Berufspolitiker interesiirten sich nicht besonders warm für ihn, was nicht gegen ihn spricht. Herr Judd ist ferner einer der hervorragendsten Schachspieler der neuen Welt und aus vielen Wettkämpfen mit anderen Meistern als Sieger hervorgegangen. Als Schachspieler ist Max Judd Champion des sehr angesehenen Ohio State Cheß Club und hat in mehreren großen Turnieren Preise davongetragen, so im internationalen Meisterturnier 1871 (zu Cleveland) den vierten, 1874 in Chicago den dritten, 1876 in Philadelphia den zweiten, 1880 in New-Jork den fünften und 1889 beim großen Turnier gleichfalls in New-Jork einen Specialpreis. An einem europäischen Schachwettkampfe hat Judd bisher nicht theilgenommen; dem internationalen Turnier in Wien 1883 wohnte er nur als Zuschauer an. Brünn, 29. März. Ein neuer Stern verspricht am antisemitischen Himmel oufzugehen, und es ist angemessen, daß er in dieser Wochenschrift signalisirt werde. Am 20. März hielt Herr Julius Miklau im Goethe- Zimmer des Deutschen Hauses über das Thema „Sturm und Drang in der neueren deutschen Literatur" einen Vortrag, welcher von den hier erscheinenden Tagesblättern unbesprochen blieb. Nur das zweimal in der Woche erscheinende „Deutsche Blatt", welches in verschämtem Antisemitismus macht — man vergebe den inneren Widerspruch — würdigte diesen Vortrag einer ausführlichen Besprechung, aus welcher hier nur ein einziger Satz interessirt, nämlich, daß der heutige Sturm und Drang nach der Ansicht des Herrn Julius Miklau einen Theil jener internationalen Bestrebungen bildet, welche dem deutschen Volke seine religiös sittliche Grundlage rauben und zerstören wollen. Nähere Erkundigungen, welche Ihr Berichterstatter einzog, haben ergeben, daß Herr Julius Miklau sich diese Gelegenheit nicht entgehen ließ, noch andere antisemitische Tiraden loszulassen und durch seine Aeußerungen einen Theil seiner Zuhörer wissentlich zu verletzen. Herr Julius Miklau und sein Vortrag wären dennoch nicht wichtig genug, um uns mit ihnen zu beschäftigen, wäre dieser Herr nicht k. k. Professor am I. deutschen Gymnasium in Brünn. Dieser würdige Lehrer der Geschichte nimmt seine antisemitische Weltanschauung in den Hörsaal mit, er steht nicht an dem Geiste der Jugend, welche im Gymnasium zur allgemeinen Menschenliebe und Menschenachtung erzogen werden soll, das antisemitische Gift einzuflößen und er wird in diesen Bestrebungen von seinem Collegen, dem Tschechenfteund Professor Jravnicek, :n würdiger Weise unterstützt und theilweise übertroffen. Wie tief die von diesem Prosessorenpaar unterrichtete 8. Classe bereits im Antisemitismus steckt, ist Sache der Vorgesetzten Schulbehörde zu untersuchen. An dieser Stelle dürfte es genügen festzustellen, daß das häufige Uebertreten von israelitischen Studierenden der Oberclassen des I. Gymnasiums in das II. deutsche Gymnasium keine zufällige Erscheinung ist, sowie nachzuweisen, daß die Bestrebungen der beiden Herren ihre Wirkung auf die Frequenzziffern der beiden Lehranstalten in nicht mißzuverstehender Weise ausgeübt haben. Im Jahre 1889—90 besuchten das . Id. Gym. Oberclassen 158 Schüler, darunter Juden 55 35% II. „ „ » 100 „ „ „ 34 34% 1891—92. I. d. Gym. Oberclassen 119 Schüler, darunter Juden 30 25% II. an „ 14 „ „ „ 49 43% Diese Ziffern sprechen so klar und deutlich, daß sie keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Zum Schluffe mögen noch einige Fragen hier Platz finden. 1. Welches ist die sittliche Grundlage des Herrn Julius Miklau, welcher im Deutschen Hause einen Vortrag hält und diese Gelegenheit benützt, um einen Theil der Mitbegründer und Mitbesitzer dieses Hauses zu verhöhnen? 2. ' Welches ist die sittliche Grundlage des Herrn Julius Miklau, der es zuläßt, daß Eintrittskarten zu seinem Vortrage um 50 Kreuzer per Stück auch an Juden verkauft werden, obgleich er die Absicht hat, sie in diesem Vortrag zu verletzen? 3. Welches ist die sittliche Grundlage des Herrn Miklau, der sich durch seinen Amtseid verpflichtet hat, alle seine Schüler ohne Unterschied der Confesiion gleichmäßig zu behandeln und der es dennoch duldet, daß die kleine Minderzahl seiner israelitischen Schüler von der Mehrzahl verhöhnt wird, die darin seinem Beispiele folgt? Prag, am 30. März 1893. (Jüd. Feriencolonie) Wie Sie in Wien Ihre Frau Sophie Grünfeld haben, welche für die schwächlichen Kinder armer Leute frische Luft und gute Verpflegung durch Schaffung einer israelitischen Feriencolonie versorgt, ebenso haben wir hier in Prag eine edle, begeisterte und emsige Freundin der unbemittelten Kleinen, nämlich : Frau Betty Lasch. Es könnte vielleicht als Lobhudelei ausgelegt werden, wenn ich die Wirksamkeit dieser von edler Gesinnung und unermüdlichem Eifer begeisterten Dame schildern wollte, ich werde mich daher auf den einzigen Ausspruch beschränken: Ihr gebührt das Verdienst, daß in Prag ein Verein für israelitische Ferien-Colonien gegründet und derselbe behördlich genehmigt wurde. Die Wahrnehmung, daß israelitische Kinder, wenn sie der Wohlthat der Ferien-Colonien theilhaftig werden wollten, auf rituelle Verpflegung verzichten, ja sogar den christlichen Gottesdienst beiwohnen und an demselben theilnehmen mußten, veranlaßte Frau Betty Lasch, Abhilfe zu verlangen, und als diese nicht gewährt wurde, zu dem äußersten, jedoch erprobten Mittel der Selbsthilfe zu greifen. Unverdrossen, trotz Jndifferentismus und Indolenz so mancher Glaubensgenossen, sammelte sie Beiträge, acquirirte Bedarfsartikel und versorgte mit Beihilfe einiger Menschenfreunde den bedürftigen israelitischen Kindern o hne Unt e rsch ied der Nationalität den Aufenthalt in frischer Landlust bei ritueller Verpflegung und religiöser Aussicht durch volle zwei Jahre. Sie begriff jedoch ganz richtig, daß diese Einrichtung nur dann eine längere Dauer verspricht, wenn sie auf die breite Basis eines hiezu eigens geschaffenen Vereines gestellt wird, und bemühte sich um dessen Zustandekommen, damit, wenn auch die Personen wechseln, die Idee propagirt und gefördert werde. Der Bereinsausschuß besteht jetzt aus folgenden Mitgliedern: Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld Obm., Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. M. Tauber Obmannstellvertreter, David I. Jciteles erster Geschäftsleiter, S. Grünhut zweiter Geschäftsleiter, Dr. Josef Zalud erster Schriftführer, Jonas Frank zweiter Schriffführer, Samuel Lieben Caffier, Elkan Fischl und Moritz Sauer Rechnnngsrevisoren; ferner S, Angel, Jakob B. Brandeis, Simon Dewidels, J.-Dr. M. Fischer, M. Hahn, Rafael Kauders, Gottlieb Lasch, M. Orlik, Ignaz Robitschek, Herrn. Schütz, Sigmund Springer, D. Troller. Ueberdies wurden folgende Herren mit berathender Stimme in den Ausschuß cooptirt: S. Bloch, Dr. S. Back, L. Buchbinder, S. Angel, Dr. A. Gelbhaus, Ignaz Kallberg, Dr. Al. Kisch, Jakob Reimann, I. Schönberger und Rabbiner M. Stark. Das Beth. Jakow: das Co mite von Ehrendamen: Charl. Angel, Dr. Emma Back in Smichov, Clara Deutsch, Dr. Jda Ehrenfeld, Marie Eisler in Karolinenthal, Professors- Witwe Dr. A. Fischl, Dr. Philippine Gelbhaus, Fanny Kauders, Julie Kohn, Betty Lasch, Amalie Lederer. Josefine Perutz, Louise Pick, Cäcilie Plohn, Regine Reach, Therese Sohr, Dr. Fanny Tauber, Caroline Weiner und Dr. Mathilde Zalud. Als gründende Mitglieder traten bei mit dem Beitrage von je 100 fl. die Frauen Betty Lasch und Marie Bloch und die Herren: Robert Fuchs, Moritz Hahn, Gustav Jrtznenbach und Moritz Orlik. % Das Damencomite hat Fr. Louise Pick zur Präsidentin, Fr. Dr. Fanny Tauber zu deren Siellvertreterin, Fr. Regine Reach zur ersten und Frau Fanny Kauders zur zweiten Schriftführerin gewählt. Die gesetzliche Grundlage, auf der nunmehr die israel. Ferien-Colonien in Prag gestellt sind, der edle Zweck, die Fürsorge des Ausschusses und der Ehrendamen berechtigen zur Hoffnung, daß dieses humane Unternehmen die bisherigen Leistungen übertreffen wird und mit diesem Wunsche schließen wir für heute unseren gedrängten Bericht. Dr. Josef Zalud.

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