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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-07 · 14 (7.4.1893) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
14 (7.4.1893)
Date
1893-04-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14 Oesterrrichischr Wochenschrift Seite 261 „Schweiggelder" — (hier nennt Bergan! die Gelder, welche die Südbahn anderen Zeitungen zahlt, Pauschalien, und Schweiggelder), welche in Anbetracht dessen, daß die Südbahn sehr nothleidend ist, horrend erscheinen. Ja, für Zeitungen habe man Geld, die fürchtet man eben, für die armen Witwen und Waisen ist kein Geld da." Wenige Wochen nach diesem Artikel schloß Herr Bergani mit der Südbahn einen Pauschalv ertrag auf 1500 fl. ab, und der Bertheidiger bemerkt zn dieser Thatsache sehr treffend: „Wenn der Ausdruck „Pauschalien" und „Schweiggelder" einen Schandlo h n bedeutet, dann ist es gewiß kein Ehrensold, wenn ihn Herr Bergani bezieht." Das sind thatsächliche Beweise, welche Ehren-Bergani nicht mehr wegleugnen wird. Wir schließen aü dieselben das Urtheil eines antisemitischen Blattes, der „Ostdeutschen Rundschau" von K. H. Wolff, über die Geschäftsüasis Bergani's. Die „Ostdeutsche Rundschau" sagt: -- „Die Pauschalien sind gerettet! Denn höre. Du gutmüthlger und in Deiner ehrlichen antisemitischen Ueberzengung von dem schlauen Herausgeber, zum Narren gehaltener Leser des „Deutschen Volksblattes": die Pauschaliengelder werden für die Inserate bezahlt, sogar wie sich in dem Processe ergeben hat, im vorhinein. Nun das Inserat erscheint, und in der gleichen Nummer, um die wirthschaftliche „Ehrlichkeit" und antisemitische „Ueberzengung" herauszukehren und den Lesern die Unbestechlichkeit und Freiheit des Urtheils zn zeigen, wird das im Inserat Augepriesene abfällig kritisirt und als jüdische Spekulation, zur Warnung für die Leser, gekennzeichnet. Wenn das Inserat a u f g e z w u u g e u wäre, so ließe sich gegen ein solches Vorgehen nichts einwenden; wenn es freiwillig an geboten worden wäre — na, schön und edel wäre das Vorgehen daun auch noch lange nicht, aber ein weites Gewissen könnte es vielleicht verdauen; so aber g i n g en d i e A g e n t e n B e rg a n i's in seinem Aufträge z u d e n G e s e l l s ch a f t e u, Banken und Bahne n, um Emission s a n küudigunge n, G e n e r a l - B e r s a m m l u u g s b e r i ch t e :c. a l s Inserate z u erbitten, und dann wurden dieselben von der N e ch t e n,. d i e n a t ü r l i ch w i e d e r v o n der hohl a u s g est r e ck t e u oder eigentlich bereits ü b e r d e m empfangenen Betrage' zur F a u st geballten Linken nichts w u ß t e, t e n d e u z g e m ä ß g l o s s i e r t. Wie nennt man das, wenn man noch Sinn für Anstand, Ehre und Treue hat? Wie nennt nun einen Me usche n, d e r d a s Geld für B e s o r g u n g eines Aufträge s, für L ei st n n g e i u e s D i e n st e s e i n st e ck t und gleich, zeitig dahin arbeitet, seinem Auftraggeber z u s ch a d e n?" So weit Herr K. H. Wolf. An die Inden tritt indessen die Frage heran, ob sie auch in Zukunft diefl journalistische Metze ärgster Sorte mit Pauschalien und Inseraten unterstützen wollen! Mit welcher abgefeimten Verlogenheit diese Preßbestie aber ihr Handwerk treibt, zeigt der Artikel vom 4. April, in welcher unter Anderem dem „Publicum" vorgeredet wird, daß das große Ostrauer Kohlenrevier unter drei Besitzer — Baron Rothschild, Kaiser Ferdinands-Nordbahn und Ritter von Guttmann — getheilt ist; natürlich wird verschwiegen, daß außer den Genannten noch Seme kaiserliche Hoheit Herr Erzherzog Albrecht, Fürst Salm, Graf Wilczek, Graf Larisch-Mönnich und andere bedeutende Grubencomplexe in dem bezeichueten Reviere besitzen. ‘ Allein es gilt diesmal von der Nordbahn, der Kreditanstalt— fette „Jnseratenpauschalien" zu erwischen, und dafür ist eine solche Jntroduction recht gut. Wien, 4. Ilpril. In den antiliberalen Arbeitervereinen ist ein heftiger Z w i st ausgebrochen, welcher dadurch Interesse gewinnt, daß man hinter den beiden gegnerischen Gruppen als Souffleure Führer der christlich-socialen Partei wahrnehmen kann. Während die eine Gruppe unter derAegide Schneidens und des Deutschen Bolksblatt für den Antisemitismus ficht, will die andere vom Antisemitismus nichts wissen und vindicirt sich die Bezeichnung „christlich-social". Ihr Führer ist Dr. Lueger. Georg Schönerer, der im December d. I. wieder das active und passive Wahlrecht erlangen wird, erklärte in einer kürzlich in Grasenberg bei Krems stattgefundenen Conferenz der Sprecher der deutschnationalen Turnvereine des niederösterreichischen Turngaues, „daß er im Hinblicke auf die zahlreichen Mißerfolge und Abfälle der letzten Zeit einer politisch ^parlamentarischen Thätigkeit entsagen und sich nur der rein nationalen Erziehung Deutschösterreichs widmen wolle". — Als ob Dentschösterreich auf die „Erziehung" durch Herrn Schönerer nur warten würde! Wien. Herzog August Christian Friedrich von Anhalt- Köthen bat sich, wie wir in Nummer 12 der „Oesterr. Wochenschrift" mittheilten, im Jahre 1811 in einem Reskript dahin geäußert, daß es dem Geiste des Zeitalters durchaus widerspreche, Jemand von Seiten der Religion characterisiren zu wollen, und verboten, von einem „jüdischen" Kaufmann 3t‘. oder L). zu sprechen. Dazu schreibt man aus Köthen: 'Auch für den jetzt regierenden Herzog Friedrich von Anhalt giebt es in Bezug auf treue Uuterthanen keinen Unterschied der Religion. Als am 7. Januar 1891 die jüdische Gemeinde zu Köthen ihre neue Synagoge einweihte, da ließ der Landesherr dem Vorsteher der Gemeinde sein Bedauern darüber" ansdrücken, daß er nicht selbst habe zur Feier nach Köthen kommen können: zugleich sprach er seine Freude darüber aus. daß das Gotteshaus glücklich fertig gestellt sei. Mit seiner Vertretung bei der Feier hatte der Landesherr den Geh. Ober-Regiernngsrath und Vortragenden Rath im anhaltischeu Staatsmiuisterium Rindfleisch betraut. Nach dem Bericht des Anhaltischeu Staats-Anzeigers Nr. 9, Jahrgang 128. betonte dieser Herr in eiriem Toaste auf den Herzog und sein Haus ganz besonders: „Se. Hoheit lege besonderen Werth auf seine jüdischen Uuterthanen. sie hätten infolge ihrer Religion bei allen Gelegenheiten sich auf das Edelste erwiesen und ihre Treue zum Herrscherhanse bethätigt." Redner hob „die Tradition des askanischen Hauses, allen Uuterthanen des Landes ohne Unterschied des Glaubens gleiches Recht an, gedeihen zu lassen," hervor und versickerte, „Se. Hoheit halte fest an dieser Tradition." Die Juden Anhalts sind überzeugt, daß auch heute ihr Herzog es nie dulden wird, daß man sie wegen ihres religiösen Bekenntnisses angreift. Wien. (Das Haus des Antisemiten.) Die officiöse Gemeiuderathscorrespondenz meldet: „Herr W. Ph. Hauck, der Besitzer des Rothenhofes im 10. Bezirk, einer sehr umfangreichen, einerseits von der Buchen- und Rothenhofgasse, andererseits von der Leibnitzgasse und dem Bürgerplatz begrenzten Realität, ist beim Gemeinderath um die Aufnahme dieses Objectes in die Liste jener Häuser eingeschritten, denen im Falle des Umbaues die 18jährige Steuerfreiheit gewährt wird. Der Magistrat hat sich gegen die Gesuchsgewährung ausgesprochen. Der Stadtrath hat jedoch beschlossen, dem Einschreiter die Aufnahme des Rothenhofs in die Ergänzungsliste in Aussicht zu stellen. Bemerkenswerth ist, daß für einen Theil der in Rede stehenden Realität bereits die Parzellirungsbewillignng ertheilt worden ist." Wir möchten, anknüpfend an diese Mittheilung in Erinnerung bringen, daß im Stadtrathe das Haus des Herrn Rothberger, Goldschmiedgasse Nr. 2, aus der Liste der Häuser, für welche im Falle des Umbaues die Steuerbegünstigung gewährt werden soll, gestrichen wurde, obwohl durch den Umbau dieses Hauses die Regulirung der Goldschmiedgasse und des Stefansplatzes wesentlich gefördert würde. Wien. (Huß, ein jüdischer Sspeculant.) Die antisemitische Hetze wirkt in ihrer Blmdwüthigkeit manchmal sehr komisch. Wir erhalten die Zuschrift eines Nachkommen des in Cvastanz auf dem Scheiterhaufen verbrannten Reformators Johannes Hnß, der sich auf seinen Stammbaum beruft, um nachzuweisen, daß er ein directer Abkömmling des Vaters des Reformators ist. Er klagt über Verfolgungen, welche er als Insasse von Gersthof von den Wählern des Prinzen Liechtenstein im benachbarten Währing zu erdulden hat. Von seinem berühmten Ahnen, der den Streit wider beu Papst und die Kirche mit dem Tode büßte, hat der Nachkomme in Gersthof, wie es scheint, nicht das kriegerische Handwerk geerbt; sein Streben geht nur dahin, in Gersthof Nürnberger Lebkuchen „fabriksmäßig" zu erzeugen. Dieser Plan wird aber von einzelnen Wäbringern auf das heftigste bekämpft. Sie machen allerdings nicht Miene, den modernen Huß zu verbrennen, aber er ist vorläufig einem antisemitischen Borvrteblättchen zur Justification übergeben worden. Dieses Blättchen erklärte ihn sohin für einen — man bewundere die zarte Unterscheidung — in Gersthof ansässigen Jndenstämmling „evangelischer Confession" und forderte die Behörden auf, ihm das Handwerk zu legen. Herr Huß hat nun jenem Bezirksorgan eine Richtigstellung zugehen lassen, in welcher er erklärt, daß er voll gut christlichen Eltern stammt und auch gar nicht gewillt ist, die Luft von Gersthof durch ein schlotreiches Fabriksgebäude zu verunreinigen, da sein Kuchen- Backofen nach Nürnberger System nur mit Cokes geheizt wird. Die ganze Geschichte bringt den Ausruf des Reformators in Erinnerung: 0 sancta simplicitas! Wien. (Der neue amerikanische Generalconsu l in Wien.) Herr Judd wurde am27.December 1852

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