Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-04-07 · 14 (7.4.1893) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
14 (7.4.1893)
Date
1893-04-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3020954-3020968--02295-3026377
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 260 Oesterreichische Wochrnschrifi Nr-. 14 wohl situirte academische Lehrer christlichen Glaubens, und was war das Resultat? 9üir sehr wenige, leider Gottes, waren zu bewegen, armen bedrängten Juden zu helfen, so daß ich mein Vorhaben aus Mangel an Erfolg bald aufgeben mußte. Den zehnten Theil dessen brachte ich zusammen, was ich für die nothleidenden Dorfbewohner erbettelt hatte. Da wundert sich noch die „Volkszeitung", wenn einmal ein Jude, der nichts weniger als „engherzig confessionell" war, nur seinen Glaubensgenossen ein Legat zuwendet! Kein Blatt, nicht bloß ein antisemitisches, bin ich fest überzeugt, wird irgend etwas Bemerkens- oder gar Tadelnswerthes darin finden, wenn ein christlicher Testator sein Vermögen nur zur Unterstützung von Christen vermacht. Meiner Ansicht nach, muß jeder Jude nur dem zustimmen, was die „Allgem. Zeitung des Judenthums'' am Schluffe des Leitartikels vom 7. d. M. „Jüdische Legate" ausführt. Es ist nicht bloß ein Gebot der Selbsterhaltung, sondern auch der Selbstachtung, wenn wohlhabende Juden vor Allem und zuerst ihren Glaubensgenossen Unterstützungen angedeihen lassen. So, wie die Dinge jetzt liegen, würden unsere Armen elend zu Grunde gehen, und der zu seiner Fortbildung mittellose Jude zum Paria der Gesellschaft hinabsinken, wenn dieser und jener nur auf die Hilfe unserer nichtjüdischen Mitbürger angewiesen wären. Lesefrüchte. In der Kunstacademie zu Petersburg ist vor Kurzem ein großes Bild „Das jüdische Passah fe st", vom jüdischen Maler Maimon ausgeführt, zur Ausstellung gelangt. Dasselbe wird als das großartigste Werk ans dem Gebiete der Kunst in der letzten Zeit angesehen und hat fich das allgemein; Lob der Presse und der Kritik erworben. Das Bild stellt das jüdische Osterfest in Spanien zur Zeit der Herrschaft der Inquisition dar und macht einen tiefen Eindruck. Die Väter der Inquisition haben bekanntlich den Juden das Feiern des Passahfestes verboten und wer eines Uebertretens dieses Verbotes überführt worden ist, ist auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Trotzdem aber haben die Maranen im Geheimen dieses alte Fest gefeiert und es spielten sich darum zahlreiche religiöse Dramen in Spanien ab. Der talentvolle Maler stellt in seinem Bilde ein derartiges Drama dar. Eine reiche jüdische Familie wird plötzlich beim Abhalten des Passahfestes von den Agenten der Inquisition ertappt. Ringsum sind kostbare Schmucksachen, seidene Gewebe und Sammet; links ein ehrwürdiger Greis mit zornigem Gesicht ... er will sich von seinem Sitz erheben, seine Hand drückt das heilige Gebetbuch, aus welchem er soeben las. Die Hausgenossen räumen eiligst auf und der Schrecken spricht aus allen ihren Bewegungen. Rechts steht ein junger Mann und blickt traurig in die sich öffnende Thür, ein anderer Hausgenosse mit einer jungen Frau zu seiner Seite schreckt zurück vor der Thür, oie er scheinbar selbst aufmachte. Dort erscheinen die fürchterlichen Diener der Inquisition, hinter welchen der Pöbel einströmt.Der Eindruck dieses Bildes ist ein überwältigender. EorreHonckenren. Wien. (Troppau und Prohnitz.) Mit welch' kopflosem Fanatismus die Deutschnationalen kämpfen, beweist wieder einmal folgende Mittheilung der „Silesia" aus Troppau: „Bicebürgermeister Dr. Krommer hat als Obmann des .^Deutschen Vereines" in der dieser Tage stattgefundenen Generalversammlung dieses Vereines sämmtliche Mitglieder und Parteigenossen aufgefordert, jenen Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden, welche Professor Demel gewählt haben, die Kundschaft zu entziehen, bei keinem Liberalen, namentlich aber bei keinem Juden mehr etwas zu kaufen." Das gleiche Verfahren beobachten die Czechen in Mähren, speciell in Proßnitz. Nicht blos die Deutschen, sondern auch die Juden werden prößcribirt, weil sie mit den Deutschen politisch Zusammengehen. Die Kampfmethode der Troppauer Deutschnationalen dürfte dem Deutschthume in gemischtsprachigen Bezirken namentlich in Mahren, früher oder später eine verhängnißvolle Katastrophe bereiten. Das wissen die Nationalen aus Troppau recht gut, allein der politische Fanatismus steht ihnen höher als die nattonalen Interessen des Deutschthumes. Sie nennen sich „deutschnational", aber der Name ist. eine Lüge. — Wien. (Niedergang des Antisemitismus.) Herr Georg Schönerer antwortet im Briefkasten der ^Unverfälschten deutschen Worte" Nr. 7 einem Herrn Stud. O. K. Graz: „Ihr Schreiben richtig erhallen; Sie sind über die Stärke unserer Partei, was die Anzahl, der th. Genossen betrifft. vollständig im Jrrthum; Sie sprechen von der Gründung eines Tageblattes und wissen wohl nicht, daß unser deutschnational-antisemitisches Halbmonatsblatt und das denselben Standpunkt vertretende Wochenblatt nicht einmal so viel Abnehmer haben, daß die Ausgaben durch die Einnahmen bisher gedeckt werden könnten." Gelegentlich des Prozesses Scharf-Bergani hat der Letztere vor Gericht betheuert, daß das „Deutsche Volksblatt" ohne die Inserate und Pauschalien der Actien-Gesellschaften und Banken aufhören müßte zu existiren. In verschiedenen an uns gerichteten Zuschriften, wird die Frage angeregt: „Ob es denn in der Ordnung ist, dieses Blatt, das nur Zwietracht und Haß stiftet und die Verleumdung auf seine Fahne geschrieben hat, noch weiter zu unterstützen und ob^es nicht eher angezeigt wäre, demselben die Mittel dadurch äbzuschneiden, daß die Banken und Actiengesellschaften ein Uebereinkommen treffen, demzufolge sie sich verpflichten, dem „Deutschen Volksblatte" für die Zukunft weder Pauschalien noch Inserate mehr zukommen zu lassen!" Der eigene Administrator Vergani's hat constatirt, daß das „Deutsche Volksblatt" von den „Judenbanken" alljährlich 22:000 fl. sage zweiundzwanzig tausend Gulden an Inseraten- und Pauschaliengelder bezieht, und Bergani selbst hat diese Mittheilung durch das werthvolle Geständniß ergänzt, daß das zur Bekämpfung der jüdischen Corruption gegründete „Deutsche Volksblatt" ohne diese Subventionen von Seite der „Judenba nk^n" gar nicht existiren könnte. Herr Bergani betreibt also die Judenhetze mit jüdischem Gelde. Es mag nun Leute geben, die vielleicht glauben, daß der Sollenzer Urgermane den Teufel mit Beelzebub austreibe, daß er mit diesen „Corruptionsgeldern" wirklich die Corruption bekämpfe. Diesbezüglich hat die Verhandlung folgende interessante Ergebnisse geliefert: Herr Bergani hat den Prospect der croatischen Hypothekenbank in seinem Jnseratentheil für den Betrag von 100 fl. veröffentlicht, zugleich aber im redactionellen Theile in wiederholter empfehlender Notiz zur Subscription dieser Actien aufgefordert. Er hat ferner den Bericht der Riunione adriatica für 200 fl. ausgenommen genau in dem Wortlaute wie ihm derselbe von dem Institute zugekommeu war. Die Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft zahlte in den Jahren 1889 und 1890 an das „D. V." Beträge von über 1100 fl. Damals brachte das „D. V." die Generalversammlungsberichte, so wie sie dem Blatte von der Gesellschaft zukamen, damals trat das Blatt für eine Staatssubvention an die Gesellschaft ein. Das Verhältniß bekam eine Wendung. In den Jahren 1891 und 1892 zahlte die Gesellschaft nicht mehr, da trat das „D. B." in der Nummer, die vorgelesen wurde, (vom 31. October 1891) gegen die Subvention auf, es erklärte, daß es mit aller Macht gegen die Staatssubvention kämpfen müsse, gegen die Subvention für eine Gesellschaft, deren Hauptactionäre Wodianer u. s. w. seien, welche ja in den Jahren 1889 und 1890 ebenfalls schon Hauptactionäre waren. Weiter brachte jetzt das „D. B." einen Bericht über die Gesellschaft, in welcher es heißt: „Gestern ist der Geschäftsbericht der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft erschienen. Wir werden ihn vielleicht noch ausführlicher besprechen." Dieses Wörtchen „vielleicht" spricht Bände! Weiter spricht das „D. B." in dieser Notiz von „verlorenen famosen Posten" die in der Bilanz Vorkommen. Aber -einige Monate, nachdem diese Notiz erschienen war, wendete sich Bergani an die Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft mit einem Schreiben, in welchem er endlich die löbliche Direction ersucht, daß „die löbliche Direction dem „D. V." die geschätzten Publicationen zuwenden und sich des „D. V." bedienen möge." In einem Artikel: „Die Südbahn im elektrischen Lichte" griff das „D. V." die Südbahn heftig an. Es hieß in denselben: „Wenn nun durchaus etwas erspart werden soll, so möchten wir uns erlauben, dem Generakdirector einen Vorschlag zu machen. Die Südbahn zahlt an verschiedene Blätter für Inserate u. dgl. Pauschal-Subventionen, beziehungsweise

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.