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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-03-31 · 13 (31.3.1893) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
13 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 24S Oesterreichifche Wochenschrift Nr. 13 Verdienste erwarb, überreichte nach längerer Ansprache, in würdiger Form dem Herrn Bürgermeister den Schlüssel zum Tempel mit der Bitte, dieses Gotteshaus gleich allen öffentlichen Anstalten und Gebäuden in Schutz nehmen zu wollen, was derselbe denn auch in schwungvoller Rede mit Hinweis auf den Spruch „Liebe deinen Nächsten, wie Dich selbst" zusicherie, wobei er auch seinem heißersehnten Wunsche, die Bevölkerung ohne Unterschied der Confession friedlich neben- und untereinander streben und wirken zu sehen, Ausdruck gab. Hierauf begaben sich sämmtliche Fcstgäste auf die für sie reservirten Plätze und hörten den wirkungsvoll executirten Choral mit Andacht an. Nunmehr zündete Herr Rabbiner Dr. Diamant das ewige Licht an, wobei er des feierlichen Momentes beredten Ausdruck gab und auch des im Vorjahre verschiedenen Dr. Simon Sidon, gewes. Ober- Rabbiner zu Tyrnau gedachte, welcher eigentlich derjenige war, der den Bau eines den damaligen Zeitverhältnissen entsprechenden Gotteshauses anregte und diese Idee auch lancirte. Darauf entnahmen die anwesenden Rabbinen aus Werschetz, Trencsin und Schattmannsdorf der Bundeslade die Gesetzesrollen, welche nach feierlichem Umzug wieder derselben zuzeführt wurden. Die Festreden wurden in ideenreicher Ausführung vo n Dr. Szidon in deutscher und Dr. Diamant in ungarischer Sprache gehalten Die erhebende Feier wurde mit Gesängen vom Chor, welchen der dortige Ober-Cantor dirigirte und der ungarischen Hymne geschlossen. Sämmtliche Honorationen haben diesem schönen Feste bis zum Schluffe nahezu 3 Stunden angewohut und sich in der lobendsten Weise darüber geäußert. A. E> Wuag-Neustadtl, im März 1893. Die „Oesterreichische Wochenschrift" möge Act von einer in unserer Gemeinde stattgehabten Feier nehmen, die ebenso selten, als culturell bedeutsam ist. Der Realschulprofessor, Herr Ludwig Davidson, ein allgemein geachteter und geschätzter, berufstüchtiger und berufseifriger in Berlin herangebildeter Schulmann, der an den hies. israel. Bildungsanstalten durch 38 Jahre segensreich gewirkt, trat in diesem Schuljahre nach einer 40jährigen Lehrtätigkeit aus dem Verbände der hies. Real- und Bürgerschule in den wohlverdienten Ruhestand. Aus diesem Anlasse veranstaltete zu Ehren des Professors L. Davidson die hies. israel. Cultusgemeinde im Vereine mit dem Professorenkörper und seinen zahlreichen Schülern und Freunden in den Localitäten der Realschule am 3. März eine solenne vierzigjährige Jubiläums- und Abschiedsfeier. Herr Oberrabbiner Josef Weiße hielt als früherer Direktor eine sehr warme Festrede, in der er den Jubilar als würdigen Schüler Diesterwegs und Zunz's feierte und dessen Verdienste auf dem Felde der Jugendbildung beleuchtete. Nachdem auch Fräulein Tauber und Realschüler Ansprachen an den Jubilar gerichtet, nahm dieser in einer tiefempfundenen, zu Herzen dringenden Rede feierlichen Abschied. Am 4. März, Abends, fand ein stark besuchtes Bankett statt, bei dem der Gemeinde - Präses. Dr. Sonnenfeld, der Realschul - Director Dr. Mahler, Professor Frankl, Herr Herzog auf den Jubilar, worauf dieser auf die Gemeinde, die Professoren, die einstigen Schüler und die Gäste toastirte. Hierauf toastirten noch auf den Jubilar die Fräuleins Engelsmann, Fuchs und mehrere Herren. Das Banket endete mit einem sehr animirten Tanz- Känzchen. Kojetein. Am Sonntag, den 19. März, fand die Verlobung des Herrn Med. Dr. Moritz Löw in Brünn, Sohn des Herrn Simon Löw, Brauereibesitzer und Malzfabrikant in Czernahora, mit Fräulein Hedwig Rosenfeld. Tochter des Herrn Simon Rosenfeld, Brauereibesitzer und Malzfabrikant, Cultusvorstand in Kojetein, statt. Kolomea. Am 18. März l. I. veranstaltete der Commis- und Buchhalter-Verein in Kolomea in seinen Localitäten ein Tanzkränzchen, dessen Reinerträgniß den hiesigen verschämten Armen israel. Confession zur Anschaffung von „Mazoth" für die herannahenden Pefsachseiertage gewidmet war. — Dank der entfalteten rührigen Thätigkeit des hiezu eingesetzten Festcomites, konnte ein Reinerträgniß von 107 fl. 57 kr. erzielt werden,' welcher namhafte Betrag dem gedachten Zwecke zugeführt wurde. — Neubidschow. Eine ähnliche Grabschändung, wie die unlängst aus Tyrnau gemeldete, wurde auch auf dem hiesigen israel..Friedhof vor Kurzem verübt. Doch gelang es den Bemühungen der Ortspolizei, den Thäter zu eruiren; gleich nach Bekanntwerden des Vorfalles hatten zwei angesehene Gemeinde- Mitglieder eine bedeutende Belohnung für denjenigen ausgesetzt, der dem seinen Haß bis auf die Todten erstreckenden Individuum auf die Spur kommt. Floft in Baiern. (Jubiläum.) Die seltene Feier des 50jährigen Amtsjubiläums verbunden mit der goldenen Hochzeit, welche der hiesige verdienstvolle Rabbiner Wittelshöfer begierig, gestaltete sich zu einer hochehrenden Ovation für den Jubilar, an welcher sich die ganze Cultusgemeinde mit dem Vorstande, die katholische Ortsgeistlichkeit und die Nachbargemeinden, die königl. Behörden und die Ortshonoratioren lebhaft betheiligten. Der Verlauf der Feier gab ein erhebendes Bild der Eintracht, in welcher die beiden Confessionen hier leben und verkehren, im Gegensätze zu der beschämenden Rassenhetze im Reiche. Nürnberg, 20. März. Die Frau des hiesigen antisemitischen Agitators Commissionär Retterspitz wurde wegen Betruges verhaftet. — Das Reichsgericht verwarf die Revision des antisemitischen Redacteurs Weber aus Fürth, welche dieser gegen das wegen Beleidigung aus vier Monate lautende Urtheil des Schwurgerichts eingeleitet hatte. Baden, 10. März. Seine königl. Hoheit der Großherzog hat de - Privatdocenten für orientalische Philologie an der Universität Freiburg Herrn Dr. Salomon Reckendorf den Character als außerordentlicher Professor verliehen. Dr. Reckendorf ist der Sohn des früheren Leiters des Reckendorf'schen Pensionats zu Heidelberg und hat eine Zeitlang das Hildelsheimer'sche Rabbiner-Seminar, besucht. Oels, 20. März. An Stelle des'nach Neisse versetzten Landgerichtsraths Dr. Borchert ist Herr Regierungs-Landmesser Mendelssohn zum ersten Vorsteher der hiesigen Synagogen- Gemeinde einstimmig gewählt worden. London. Sowohl in Lew’s Free School als auch in . Stepni Jewish School wurden während des Winters wiederholt Frei-Concerte mit größtentheils classischem Programm veranstaltet, welche seitens der jüd. armen Arbeiter-Bevölkerung lebhaften Zuspruch fanden. Die Veranstalter und Mitwirkenden — letztere zumeist kunstsinnige Dilettanten — haben sich den Dank des Publicnms redlich verdient. Feuilleton. Der Sr der. (Line Iugenderiunerung aus Galizien.) Er saß im frohen Kreis der Seinen, Der hochbejahrte Scknmin Leib, Um ihr^die Schaar der Kinder, Enkel, Und ihm zunächst das treue Weib. So schwebt sein Bild mir klar und lebhaft In der Erinnerung buntem Spiel; Den Alten seh' ich sonnig milde, Er saß gelehnt auf weichem Pfühl. Es war der erste Seder-Abend Und Festesweihe zieht durch's Haus, Und Eltern, Kinder, Diener, Mägde' Versammelt sind zum Pessachschmaus. Die Stube füllt gar heimlich, traulich Der Misrachlampe Feuerschein, Die Strahlen goldig hell beleuchten Im Kelch den küßen Pessachwein. Vom Kelchs sie fallen reich sich, spiegelnd V Und bunt gebrochen tausendmal, Wohl schöner war noch nie erleuchtet Des größten Königs Krönungssaal. Das Licht es strahlt so friedlich, innig, Sein Glanz er schimmert schön und rein, Als war die alte Misrachlampe Ein märchenhafter Zauberschein. Und auf dem Tisch das weiße Linnen Und Messingleuchter hell und blank, Die schönsten Teller, die sonst oben Verwahrt sind stets im Eichenschrank. Und Alles glänzt und Alles schimmert Und Frühlingslust das Haus durchzieht» Denn Pessach ist hereingezogen Mit ihm ein frohes Jahr erblüht. , Am Tisch Agadas-Büchlein liegen Und jeder eifrig blickt hinein, Der Vater ließt gar laut den Seder, Prägt Allen tief in's Herz ihn ein.

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