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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-03-31 · 13 (31.3.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
13 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 13 Oesterreichifttze Wochenschrift Seite 243 Kinder vielleicht in den Reihen derer kämpfen werden, welche die Glaubensgemeinschaft befehden, der die Elten: angehört haben? Eine schlimme Möglichkeit! — Aber sie fällt noch nicht so.schwer in's Gewicht, als die Schädigung, der ihr die Kindesseele aussetzet. Es ist kein Kleines, das Kind von allen Traditionen loszureißen, ihm zu sagen, du hast einen anderen Glauben als deine Eltern, du betest anders zu deinem Gotte als diese. Und wenn das Kind im Kreise seiner Genossen hört, wie die Religion geschmäht wird, zu der die Eltern sich bekennen, welche seltsame Verwirrung aller moralischen Begriffe, wenn man ihm dann sagen wollte: „das ist zwar die Religion der deinen, aber nicht die deinige, dir selbst ist das Heil geworden, das jenen versagt blieb". Wer kann ermessen, welche Zerstörung in der Kindesseele dieser Zwiespalt bewirken kann, bewirken muß. Oder will man dem Kinde die Lehre geben: das alles sind nur Äußerlichkeiten, die Verschiedenheiten der Religionen bestehen nur in den Köpfen ihrer Priester? Damit würde man den gefährlichen Schritt wagen, in der Kindesseele mit der Religion auch das Gefühl für Religiosität zu zerstören, und welche Bedeutung der einzelne auch immer je nach seiner Denkart der Religion beilegen, mag, in diesem Falle hat er mit der Gefahr zu rechnen, das Moralgefühl im Keime schwer zu beeinträchtigen. Wahrlich, wenn ich vor der Wahl stehe, diese Verantwortlichkeit zu übernehmen, oder meinem Kinde gewisse Lebensbahnen vielleicht nicht zu eröffnen, — ich glaubdie Entscheidung wird in diesem Falle nicht schwer sein." Wien. (Pan Ver g aniw m it seinem neuen Gesund h e i t s b ü ch e l.) Pan V e r g a n i w triumphirt, Herr Alexander Schars und der verantwortliche Redacteur der „Sonn- und Montags-Zeitung" wurden verurtheilt, weil nach Ansic". t der Geschworenen der gerichtsordnungsmäßige Beweist für seine interessanten geschäftlichen Manipulationen nicht vollständig erbracht worden. Der Urgermane aus Solenz fühlt sich plötzlich als Ehrenmann, w.il der gerichtsordnungsmäßige Beweist aus leicht begreiflichen Gründen schwer zu erbringen war. Die Bankvirectoren können sich natürlich nicht leicht dazu entschließen, offen einzubekennen, daß sie Herrn Vergani die Jnseratenpauschalien bewilligten, nur um Ruhe zu haben. Allein mancherlei hat doch der Proceß zu Tage gefördert, was diesem sonderbaren Ehrenmann in electrischer Beleuchtung zeigt. Man denke bloß das Verhalten dieses Ehrenmannes zur Südbahn. Am 15. December 1892 erschien im Deutschen Volksblatt ein Artikel: Die Südbahn im elctrischen Lichte. Da hieß es: „Wenn nun durchaus etwas erspart werden soll, möchten wir uns erlauben, dem Herrn Generaldirectvr und seinem aufstrebenden Neffen einen Vorschlag zu machen: Die Südbahn zahlt an verschiedene Wiener und Provinzblätter für Inserate und unter dem Tilel Pauschal-Subventioneu Schweiggelber, welche in Anbetracht der Nothlage der Südbahn horrend erscheinen. Ja, für Zriiungen hat man Geld, die fürchtet man eben." Dann kamen eine Reihe von Briefkastennotizen des „Deutschen Volksblatt" von November und December zur Verlesung, in denen gegen die Südbahn uuverhüllte Drohungen enthalten sind. In einer dieser Notizen ward mit der Veröffentlichung photographirter Erlässe^ des Handelsministeriums und der k. k. Generaldirect i o n a n den V e r w a l t u n g s r a t h der Südbahn gedroht. Zwei Wochen später erhielt das „Deutsche Volksblatt" eine Subvention von fl. 1500 von dieser selben Südbahn. Aehnlich ergeht es der Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft. . Im Jahre 1889 und 1890 bringt das „Volksblatt" seine Berichte über die Generalversammlungen der Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft ohne jede Bemerkung. In d e n I a h r e n 1891 und 1892 bezahlt die Gesellschaft .nichts mehr an d a s „B o l k s b l a t t", und da erscheint ein Generalversammlungsbericht am 17. Mai 1892 im volkswirthschaftlichen Theil voller Jnvektiven, gegen die Verwaltung. — Einige Monate nach dem Erscheinen dieses Berichtes wendet sich das „Deutsche Volksblatt" an die Direktion der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft mit folgendem Schreiben: „Anläßlich des herannahenden Jahreswechsels gestatten wir uns hiemit, eine löbliche Direktion höfllichst einznladen, sich zur Veröffentlichung Ihrer geschätzten Jnseratenpuvlicationen für das Jahr 1893 des „Deutschen Volksblatt" gütigst bedienen zu wollen." In seiner Rede vor dem Gerichtshöfe hat Pan Verganiw sich entschuldigt, daß er die „Oesterreichische Wochenschrift" und ihren Herausgeber, den R e i ch s r a t h s - Abgeordneten D r. Bloch wegen unserer wiederholten Mittheilungen nicht geklagt hat. Wir hätten unsere Angaben derart verklansirt. daß die Proceßsührung eine sehr umständliche gewesen wäre. Das ist einfach eine Unwahrheit. Unsere Artikel haben an Bündigkeit nie zu wünschen übrig gelassen, allein der Ehrenmann hatte mancherlei Ursachen diesen Tanz — zu dem er wiederholt von nns eingeladen worden — nicht zu wagen. Herr Georg Schönerer aber kann an den Früchten seiner antisemitischen Agitation „zur Bekämpfung einer corrnmpirten Presse" seine Freude haben. Die Anticorruption ist ein Preßrevolver geworden, jüdische Bankdirec^oren und Berwaltungsräthe zahlen unter allen Formen, Pan Berg an iw hat eine große Tasche und ist dabei ein „Ehrenmann", denn „man hat ihm nichts bewiesen". Nächstens erhält er — einen Lorbeerkranz tüte Herr Ahlwardt. Wien. Herrn Fr. Spielhagen empfehlen wir einen Bericht aus Rußland über die dortigen arischen Wucherer, z. B. folgende Notiz in Nr. 24 der „Rnßkaja Schizn" vom 7.: „Wie uns von absolut zuverlässiger Seite mitgetheill wird, sind im Ministerium t es Innern zahlreiche Klagen über den wahrhaft unerhörten und schmulesen Massenwucher eingelaufen, wck.ben die einheimischen Kulaki im Gouvernement Samara mit der Nothlage der Landbevölkerung betreiben. Nicht weniger als 200 verarmte Banernwirthe des Amtsbezirkes Saita im Kreis Rowousseysk haben ihre Parcellen für sage Y„ Pud Noggenmehl pro Dessätine (2400 Ouad ratfaden) den behenden Herrn Kulaki in Pacht übergeben, während andere 2000 Dessätinen des besten Ackers in den verschiedenen Amtsbezirken des Kreises Nikolajew für se ein Pud Mehl pro Dessätine den hungernden Bauern abgeschwindelt worden! Nachdem das Ministerinm sich genügend überzeugt hat, oaß an der berichteten schier unglaublichen Thatsache, leider! nicht mehr gezweifelt werden kann, hat es nunmehr beschlossen, Specialbeamte in die betreffenden Ortschaften zu eommandiren, um die Schändlichkeit in allen ihren Einzelheiten genau zu untersuchen und die Dimensionen des Rentenbetrages festznstellen. Es handelt sich dabei natürlich nicht blos itin die gewissenlosen Blutsauger, welche sich auf Kosten der allgemeinen Nothlage zu bereichern suchen, sondern noch mehr um die Ortsbehöroen, welche solchem Frevel mir ver>chränkten Arm.'N ruhig Zusehen. Wien. Aus den Tages blättern wissen unsere Leser, daß der Bürgermeister von Moskau Alexejew von einem arischen Bürger der Stadt Moskau angeschossen wurde und lvenige Minuten daraus der Verwundung erlegen ist. Der Mörder ist ein Russe; allein der Ermordete ist mit den traurigsten Erinnerungen der Moskauer Judenverfolgungen verknüpft. Er war der Vollzieher der barbarischen Ausweisungsbefehle, welche er absichtlich eine Zeit lang zurückhielt, um die Ausführung — am jüdischen Osterabende zu vollziehen. An diesem Festabende überfiel er die Mischen Familien und das Geschick dieser Unglücklichen, tvelche nach vielen Tausenden zählten, ist \a noch in Aller Erinnerung. Er verbot die Aufnahme jüdischer Kranke in die städtischen Spitäler und nannte sich in vertraulichen Kreisen scherzhaft „den klügerert Haman". Nun hat auch ihn das Geschick ereilt. Wien, 26. März. Löbliche Redaction! Ihrem Gewährsmann in Hut-Angelegenheiten ist ein kleiner, gewiß unbeabsichtigter Jrrthum unterlaufen, indem er an 2 bedeutende jüdische Hutfirmen vergessen hat. Ich meine Brüder Fluß in Freiberg und Brüder Fried in Wien, die gewiß nicht zu den letzten Häusern gehören. Dem Antisemitismus eine Schranke, aber auch der Wahrheit die Ehre. A. F. Wien. Man meldet aus Breslau, 21. März. Bei der Rückkehr des Kardinal-Fürstbischofs Dr. Kopp nach Breslau waren zum Empfange ans dem Centralbahnhose auch beide Rabbiner der hiesigen jüdischen Gemeinde, die Herren Dr. Rosenthal und Dr. Guttmann erschienen. Der Kardinal trat an die Rabbiner mit den Worten heran: „Ich fr me mich, daß auch Sie erschienen. Mein Streben war immer auf den Frieden gerichtet. Seien Sie versichert, in meinem Bezirk wird der consessionelle Frieden gewahrt bleiben, ganz so wie er es bisher gewesen ist." Gras Ballestrem, welcher die Herren Rabbiner vorstellte, sagte zum Kardinal: „Bei der Beerdigung des Fürstbischofs Heinrich in der Zeit des Kulturkampfes hat sich nur ein Einziger, welcher in seinem Titel das Wort „Königlich" führt, betheiligt, und dieser Einzige war der Königliche Landrabbiner Tiktin. Das vergeffen wir nie!"

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