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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-03-31 · 13 (31.3.1893) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
13 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 240 Vesterreichifche Wochenschrift Nr. 13 deshalb: „Wo waren denn die siebzig Aeltesten geblieben?" Und sie antworten: „Sie hatten sich einer nach dem anderen davon geschlichen". So ist es immer gewesen, wenn es sich darum handelte, die Sache der Freiheit zu vertreten. Auch Fischhof hat viele sich davon schleichen gesehen, die in der Zeit des Völkerfrühlings das Panier der Freiheit und Gleichheit hochgeschwungen hatten, jene Kostgänger an der Tafel fremder Ideen, für deren Verwirklichung sie keinen Muth, und fremder Gefühle, für die sie kein Herz haben, die es vielmehr vorziehen, sich immer an die frischgedeckte Tafel zu halten, mag aufgetragen werden, was da wolle. Fisch Hof war kein Schmarotzer an der Tafel der Freiheit und des Rechtes, er hielt nicht die Hände auf, um die Ehren und Auszeichnungen aufzufangen, die etwa herabfielen, und hinterher, wie ernüchtert von einem Rausche, das Geschehene zu verleugnen, und an einer anderen Tafel Platz zu nehmen. Für ihn besaßen Recht und Freiheit die Heiligkeit eines Altars, an welchem er nicht genießen, sondern blos dienen wollte. Deshalb dürfen wir ihn mit dem hohen Priester Aron vergleichen, dem der Herr in dem nächsten Wochenabschnitte seinen Beruf mit den Worten verzeichnet: „Durch die, welche mir nahe sind, will ich geheiligt und vor allem Volke geehrt werden." Auch der Hohepriester der Freiheit darf nicht an sich, an die eigene Ehre und den eigenen Vortheil denken, sondern er soll den Namen -Gottes heiligen und zu Ehren bringen, indem er durch seine Lehre und sein Leben das Volk emporhebe zu geläuterter - Gesinnung, zur Humanität und Menschenliebe, als worin allein die Freiheit innerhalb der Menschheit sich verwirklicht. In diesem Sinne war Fisch H of ein Hohepriester der Freiheit wie wenige. Sein Leben ist seine Lehre, denn nie hat ein Mensch das was er für wahr und recht erkannt, was er gewollt und erstrebt hat, deutlicher, schöner, nachahmungswürdiger in seinem Leben ausgeprägt, als er gethan. Darum sind sie beide, seme Lehre, wie sein Leben, unsterblich. Fischhof ist nicht todt. Die Frühlingszeit, in der wir uns befinden, und die Geschichte der Befreiung Israels aus Egypten, woran das nahe Fest erinnert, sie predigen beide die große Wahrheit von der Auferstehung. So wird auch das Bild Fischhof's auferstehen, wenn nach den Tagen der Verdunkelung, in welcher wir uns jetzt befinden, ein neuer Frühling anbricht für das wofür er gelebt und gestritten hat, für Recht und Freiheit. Hierauf wurde der Sarg*gehobeu und von Professor Dr. Eduard Sueß, Dr. Kronawetter, Baurath Stiaßny und dem Obmann des demokratischen Vereines am Neubau Kreuzig auf der einen, von den andern Obmännern demokratischer Vereine auf der anderen Seite zur letzten Ruhestätte getragen. Diese ist ein provisorisches Ehrengrab in der ersten Hauptallee nächst der Ceremonienhälle in unmittelbarer Nähe der Ehrengräber des Reformators der Synagogalmusik Salamon Sulzer und des Dichters Leopold Kompert. Nachdem der Sarg niedergestellt worden war, trat Professor Eduard Sueft auf eine erhöhte Stelle und sprach folgendes: „Adolf Fischhof! An den Rand deines Grabes tritt ein Student der academifchen Legion, um Dir zu danken. Die Feder wallt nicht mehr vom Hute; meine Haare sind grau und schütter, aber es gibt Erinnerungen, welche verjüngen. An dem Tage, an welchem Tausende die Sprache eines, mündig gewordenen Volkes suchten, da war es Dir vergönnt, jene ersten Worte zu. finden, welche glühend in unsere junge Brust sich ergossen. Du sprachst zu uns von Manneswürde und wir loderten auf. Du sprachst zu uns von Menschenliebe und die Begeisterung trug uns in Sphären, in welchen die letzten Ziele aller Jahrtausende menschlichen Ringens uns greifbar nahe schienen. Dein eigenes Herz aber ist ein Altar dieser Menschenliebe geblieben, bis es brach., Du sprachst zu uns von Freiheit; wir jubelten und wir sahen, wie Du selbst, nur den Kampf der Ideen und nicht den Widerstreit der Interessen. Wie verschiedene Wege auch heute die Vertreter freiheitlicher Gedanken gehen, alle vereinigen sich in der rückhaltlosen Verehrung deines Namens. Du sprachst uns schon damals von der brüderlichen Einigung all' unserer vielartigen Völkerschaften und auch heute glauben wir, daß der innere Friede nur auf den Pfaden. des Fortschrittes zu finden ist. Du sprachst uns von wahrer tiefer Vaterlandsliebe, nicht von jener paffiven Hingebung, welche allein wir bis dahin kennen gelernt hatten und eine innigere wärmere Empfindung gegen dieses schöne Oesterreich durchzog uns, inniger und wärmer als je zuvor wir sie geahnt hatten und alle Mitglieder der damaligen academifchen Legion, soweit ich sie gekannt habe, sie sind alle treue Oesterreicher geworden und geblieben, so wie Du selbst. Was uns damals beseelte, war das Gefühl, daß unser Volk in unverdienter Weise zurückgehalten werde hinter den Nachbarvölkern. Wir schämten uns; wir fühlten unsere geistigen Talente unterdrückt und fühlten uns zu gut für solche Knechtschaft. Es war ein stolzer, echt patriotischer Ehrgeiz, der uns, wie mit einem heiligen Feuer vorwärts trieb. Die Bewegung war aber z u neu, zu un erw artet un d ma n verstand sie nich t. Heute trennt uns von jenen Tagen ein Meer von Wechselfällen und von Enttäuschungen. In langen bitteren Jahren mußten wir lernen, wie schwer es ist, dauernde Grundlagen der Frieheit zu legen und wie langsam die Politische Erziehung eines Volkes sich vollbringt. Neben das Streben nach politischer Freiheit ist mächtig das Streben nach Linderung der socialen Gegensätze getreten und eine neue. Generation ist an uns herangewachsen. Möge diele jüngere Generation niemals vergessen, daß ^ein Volk ohne gemeinsame Ziele eines edleren Ehrgeizes ärmer ist, als ein Herz oh ne Liebe und ärmer als ein Garten ohne Sonnenschein. Denn das allein sind die glänzenden, die ehrenvollen Tage in der wogenden Geschichte eines Volkes, in welcher Millionen sich vereinigen zu irgend einer großen und edlen Aufgabe und das sind die Tage der Erniedrigung in welchen das Volk gespalten ist und die Theile ihre besonderen Ziele oder gar ihren besonderen Vortheil verfolgen, das ist der Weg zu neuer Knechtschaft. In solche trübe Zeit leuchte dann wie mildes und entferntes Abendroth das Andenken an Dich Adolf Fischhof, und ein abgeklärtes Andenken an jene weihevolle ersten Stunden des Erwachens. Auf Dir bat die Weihe dieser ersten Stunden geruht bis an Dein Ende und steckenlos hinterließest Duuns den Namen, an welchem so theure Erinnerungen haften. Ueber uns wölbt sich der blaue Himmel, unter uns blicken wir in ein offenes Grab, und an der schmalen Grenze Beider vollzieht sich auf der Oberfläche der Erde aller Kampf menschlicher Leidenschaft, menschlichen Glückes und menschlichen Elends. Und jeder von uns ist ein Kämpfer nach seiner Art. Hier aber sehet her Ihr Alle, das ist der höchste Preis, welcher in diesem Lebenskämpfe zu erlangen ist, das ist der wahre Adel der Menschheit, welch er er rungen wird durch schlichte Treue zu sich selbst. Und nun lasset dem alten Studenten das Abschiedswort Du hast über dieses Feld der Mühsal unsere jungen Herzen emporgehoben in einen Himmel von lichten Idealen und hast unverlöschliche Empfindungen uns eingeprägt. Jetzig wo Du selbst hinabsinkest unter den Boden des Kampfes, beuge ich tiefbewegt mich über Dein Grab. Nimm hin den Dank all' der zerstreut noch überlebenden Reste der academifchen Legion. Er folge Dir in die Zone des ewigen Friedens. Ruhe sauft, Adolf Fischhof, unvergessen und beneidenswerth". * * ' * ' Nun sprach Reichsraths-Abgeordneter Dr. Krouawetter folgende Worte der Erinnerung: „Ties ergriffen stehen wir an der Bahre eines der edelsten unserer Mitbürger, an der Bahre' unseres unvergeßlichen Adolf Fischhof! — Adolf Fischhof — Dein Name ist verknüpft mit der Geschichte Wiens, unabänderlich, Dein Name ist verbunden mit den glorreichsten Tagen, welche die Geschichte Wiens kennt, welche' mit Stolzjeder Wiener die glorreichsten Oesterreichs nennt, dem 13., 14. und 1.5. März! Du warst es, der zuerst in Oesterreich das freie Wort gesprochen, aus Deinem Munde kamen die entflammenden, aufmunternden Worte: „Wer in diesen Tagen keinen Muth hat, der gehört iu die Kinderstube!" Angesichts der dräuenden Gewehre der Soldaten hast Du an der Spitze Deiner Kampfgenossen als der Erste den Sieg erfochten; Du warst es auch, der dem ersten Selbstverwaltungskörper, den Oesterreich aufweisen konnte, im Sicherheitsausschusse präsidirte, Du hast als sein Borstand, in den schweren Zeiten,.wo die Sorge für Ruhe und öffentliche Ordnung ganz allein in Deine und Deines Ausschusses Hände gelegt waren, ewiesen, was ein, wenn auch geknechtetes Volk

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