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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-03-31 · 13 (31.3.1893) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
13 (31.3.1893)
Date
1893-03-31
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 238 OesterreüMche Wochrnfchrist Nr. 13 bezwingen vermochte. Dem Volke war Fischhof kein Jude. — Wir aber wiederholen: „F i s ch h of w a r Iud e" und mit dem Epilog zur Glocke sagen wir: „Mag das stolze Wort den lauten Schmerz gewaltig übertönen". Er > war Jude in seinem Leben und Sterben, Jude in der Fülle seiner edlen Eigenschaften, Jude in der Vollkommenheit seines Charakters, Jude in seinen Handlungen und Bestrebungen. Er hat die Ideen des Judenthums in edelster Form verkörpert. Einen der Letzten und Einen der Edelsten aus einer großen, ideal durchhauchten Zeit, haben ste zu Grabe getragen; er war Jude. — Und so schließen wir mit den Zeilen, die für Fischhof unmittelbar geschrieben sein konnten: Nun glühte seine Wange roch und röiher Bon jener Jugend, die uns nie entfliegt, Bon fenem Muth, der früher oder später Den Widerstand der dumpfen Welt besiegt. Von jenem Glauben, der sich stets erhöhter, Bald kühn hervordrängt, bald geduldig schmiegt Damit das Gute wachse, wirke, fromme Damit der Tag dem Edlen endlich komme. Der siebzigste Geburtstag Fischhos's brachte dem greisen Freiheit-Veteranen von allen Seiten herzliche Ovationen. In der vertraulichen Sitzung des Wiener Gemeinderathes vom 4. Deceniber 1885 brachte Dr. Mandl den Antrag ein, Fischhof, dem gefeiertsten Vorkämpfer für die steiheitliche Gestaltung Oesterreichs, dessen Gesinnungstreue und Selbstlosigkeit selbst seinen politischen Gegnern die größte Hochachtung abzwingt, die Glückwünsche der Stadt Wien darzubringcn. Dagegen fand sich eine Opposition und es entspann sich eine Debatte, in welcher Dr. Lueger betonte, daß sich Niemand im Saale an Integrität des Characters und an Verdiensten um die Stadt Wien mit Fischhof mesien könne. Der Antrag Mandl's wurde schließlich abgelehnt. Seine Biographie erschien damals auch in hebräischer Sprache von dem Schriftsteller Jacob Fischer. Ad. Fischhof bedankte sich bei dem Verfasser in hebräischen Versen. In der stillen Einsamkeit von Emmersdorf hatte Dr. Fischho der in den letzten Jahren politisch nicht mehr hervortrat, öfters Ge legenheit nnd auch das Bedüriniß, seine Angehörigkeit zum Judenthnme zu bekunden. Ein warmer Freund der jungen Cultusgemeinde in Klagenfurt. deren Bestrebungen er stets liebevoll begleitete, war er es, der den Impuls zur Gründung der dortigen Chewra-Kadischa gab, Deren erstes Mitglied er war. Er selbst unterzog sich der Mühe, den Aufruf zu concipiren, der auch in diesen Blättern erschien und zu Beitragsleistungen zum Baue eines jüdischen Friedhofes in Klagensurt aussorderte — ein mariner Appell an die Mlldthäligkeit unserer Glaubensgenossen, der aber leider nur von schwachem Erfolge begleitet war. Als er fühlte, daß ihn die Todessittiche umwehen, gab er — wie schon früher seinem intimen Freunde, Herrn Adolf Freund — seiner treuen Pflegerin, Frau Johanna Wengras gegenüber dem Wunsche Ausdruck, daß seine Einsargung streng nach jüdischem Ritus vor sich gehen möge und als wahrer Jude starb er mit dem Sch'ma auf den Lippen. Als er seine Augen schloß, ertönten die Kirchenglocken von Emmersdorf und den umliegenden Dörfern und in keiner noch so armseligen Bauernhütte gab cs in einem Umkreise von vielen Stunden ein Auge, das bei der Trauerbotschaft thränenleer geblieben wäre. War er doch stets ein treuer Freund und Berather allen denen, die bei ihm Hilfe suchten, dem Arzte und dem Menschen. Nie nahm er auch nur einen Heller für seinen ärztlichen Beistand, vielmehr erschien er oft in der ärmlichen Bauernstube mit Labung und Trostesworten für seine Patienten. Als seine Leiche in der Abenddämmerung in das jüdische Bethaus nach Klagenfurt überführt wurde, standen auf allen Wegen die Landleute, die ihrem treuen Freunde weinend und schluchzend ihr letztes Lebewohl zuriefen. Bei der imposanten Trauerfeier, die Sonntag in Klagenfurt stattfand, sah man erst recht, wie beliebt und verehrt der volksfreundliche Arzt bei der Land- und Stadtbevölkerung war. Keine Behörde, kein Verein fehlte da, der den Manen des Verblichenen nicht den Tribut der letzten Ehre gezollt hätte. Der Platz vor dem jüdischen Bethaus-' war von vielen Tausenden von Menschen besetzt. Die Landesregierung war durch den Landespräsidenten Baron Schmidt- Zabierow vertreten, der Landes-Ausschuß durch den Landeshauptmann Dr. Erwein, dessen Stellvertreter Herrn Dr. Hillinger und mehreren Beisitzern, die Gemeinde Klagenfurt durch den Bürgermeister Herrn Dr. Posch mit vielen Gemeinderäthen; die Gemeindevorstehungen von Emmersdors und Umgebung erschienen corporativ, die ärztlichen Corporationen waren durch den Chef des Sanitäts-Departements, Regierungsrath Dr. Meusburger vertreten, wie überhaupt die ärztlichen Kreise vollzählig erschienen waren. Der Sarg wurde auf die Straße gebracht, da das israelitische Bethaus und der Hof vor demselben die Zahl der zugeströmten Menge nicht zu fassen vermochte. Daselbst verrichtete der aus Graz mit einer Deputation der dortigen israelitischen Cultusgemeinde, vertreten durch Herrn Max Reisuer und der „Chewra Kadischa", vertreten durch Herrn Heinrich Spieler, herbeigeeilte Rabbiner Dr. Mühsam im festlichen Ornate die rituellen Gebete und hielt in Gebetsform eine Leichenrede, in welcher er hervorhob, daß der Verblichene stets für die Gleichheit aller Menschen gekämpft und gestritten habe und daß gerade die imposante Theilnahme an der Leichenfeier am klarsten beweise, daß seine Bemühungen nicht ohne Erfolg geblieben seien. Namens der israelitischen Cultusgemeinde in Klagenfurt, hielt Herr Adolf Freund eine licsergreifende Äbschiedsrede. in der er insbesonders darauf himvics, wie hilfsbereit der edle Verblichene Allen gegenüber gewesen, wte er keinen Unterschied machte zwischen Arm und Reich, zwischen Glaubensgenossen und Andersgläubigen und daß an der Bahre des Juden, der seinem Glauben bis zum letzten Athemzuge treu geblieben war, im jüdischen Betlocale viele Hunderte nach ihrer Weise zum Vater aller Wesen beteten und zur Leiche dieses Edlen wallfahrteten. — Nachdem der Kantor der israel. Cultusgemeinde in Klagenfurt im Festvrnate das „El mole rachamim" executirt hatte, wurde der Sarg in den Leichenwagen gehoben und von einer unübersehbaren Menschenmenge zum Bahnhofe geleitet. Voran schritten in einer Zahl von vielen Hunderten, die Arbeitervereine mit ihren Emblemen und flatternder rothcr Fahne, der Arbeiter-Gesangsverein von Klagenfurt und die Deputationen der Gemeindevorstehungen. Als der Zug auf dem Bahnhose anlangte, trat der Arbeiter-G^sangsvercin vor und sang einen Trauerchorat. Sodann trat der Arbeiterführer Preschern vor die Bahre, entblößte das Haupt und hielt eine zündende, ergreifende Trauerrede, in welcher er betonte, daß Dr. Fischhof immer der Freund und Vater der armen Bevölkerung nnd der Arbeiter gewesen sei, der er zu jeder Zeit mit Rath und Thal hilfsbereit zur Seite stand. „Du Vater der Arbeiter" apostrophirte er den edlen Verklärten „verdientest, daß man Dir hier ein Denkmal aus Erz und Stein setze, allein Du bedarfst dessen nicht, denn in unserem Herzen bist Du eingegraben, hast Du ein Monument Dir errrichtet, dauernder denn Marmor, wir werden Dich n icht vergessen. Wir danken Dir für Alles. Lebe wohl! Lebe wohl!" — Daraus geleitete die tausendköpfige Menge den Sarg zum Eisenbahnwaggon, der denselben aufnahm und nach Wien führte, womit die Leichenfeier in Klagenfurt, um deren würdige, imposante Gestaltung sich die wackere Vorstellung der dortigen israelitischen Cultusgemeinde ein bleibendes Verdienst erworben hat, ihr Ende nahm. Der Sarg wurde auf . der Fahrt nach Wien von den Vertretern der israel. Cultusgemeinde in Klagenfurt, Herrn Adolf Freund, I. Kövesdy und Max Stößt begleitet. In Wien nahmen die Herren Baurath S t i a ß y und Dr. Alfred Stern den Sarg namens der jüdischen Cultusgemeinde in Empfang. -Der Leichenwagen, der Fischhof's sterbliche Reste enthielt, kam, gefolgt von mehieren Equipagen, in denen die Deputation der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Repräsentanten des Vorstands der democratischen Partei und einige Angehörige Fischhos's sich befanden, um Uhr Morgens vor dem israelitischen Tempel in der Tempelgasse an. Hier wurde der Sarg abgegeben und nebst den darauf befindlichen Kranzspenden in das linke Seitengebäude des Tempels übertragen und dort in einem Saale ausbewahrt.'Der Saal wurde im Laufe des Vormittags mit schwarzem Tuche ausgeschlagen nnd blieb ans diesem Grunde für das' große Publicum noch unzugänglich. Um 9 Uhr Morgens erschien an Fischhos's Bahre ein schwarz gekleideter Herr, welcher ein verdorrtes Sträußchen und ein Endchen schwarz-roth-goldenen Bandes zu Füßen des Sarges niederlcgte. Das Band und der Strauß stammten uns den sturmbewegten Zeiten des Jahres 1848 . . . Sie bilden den letzten Gruß eines alten Legionärs, der diese ihm theurcn Andenken, selbst an das Krankenbett gefesselt, durch seinen Sohn dem todten Führer zu Füßen legen ließ. * Geheimrath Dr. Josef U n g e r telegraphirte an die Angehörigen Fischhos's: „Tief ergriffen durch die Nachricht vom Hinschciden m e i n e s t h e u r e n Freundes und Kampfgenossen ans dem Jahre 1848 drücke ich meine schmerzliche Theilnahme aus. Das Vaterland hat einen seiner edelsten und theuerstcn Söhne verloren, e i n'e it Mann von seltener Reinheit der Gesinnung und des Characters, von idealem Schwung und von glühender Begeisterung für Recht und Freiheit." Baron Scharschmid: Tiefbetrübt' bitte ich, von mir und den Meinen den Ausdruck innigster Theilnahme und aufrichtiger Trauer entgegenzunehmen. Dr. Bloch: Empfangen Sie den Ausdruck aufrichtigster. Theilnahme. Das Judenthum betrauert den Verlust seines großen Sohnes. Präsident Chlumecky: Innigstes Beileid anläßlich des Hinscheidens des edlen Mannes, der für Freiheit und Recht gekänipft und in idealster Weise der Sache des Völkerfriedens sein ganzes Leben geweiht. Professor Zucker in Prag: Empfangen Sie namens der Familie den Ausdruck innigster Theilnahme anläßlich des Hinscheidens des edlen, unvergeßlichen Adolf Fischhof. Die Stunden, die ich bei ihm verbrachte und seinen Worten lauschte, werden stets zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens zählen. Es telegraphirten ferner'in herzlichen Worten Baron Alfred Off er man in Brünn, Hofrath Exner nnd Abgeordneter Schwab n. s. w. u. s. w,

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