Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 13 (31.3.1893)
- Date
- 1893-03-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 13 Oeflrrreichische Wochrnschrifl Seite 235 und Commentar dieses Gebotes. Mit dieser Lehre ausgerüstet, von ihr erfüllt, trat der Jünger aus Nazareth auf, und predigte und lehrte sie unter den niedrigen Volksmassen. In dieser Lehre fand das Volk das Wort der Erlösung und in dem, der es ihm predigte sah es den Erlöser. Seine weitere Geschichte wie er als rex Judäorum durch die Römer das Leben eingebüßt, sowie die weitere Entwicklung seines Anhangs ist bekannt Man verkündete seine Auferstehung, aber zu den alten Zerklüftungen kamen nur noch neue hinzu. Und als die Religion des Erlösers aus Nazareth ausgebildet war, blieb der heimische Schmerz und der Weltschmerz, wie ne waren, und deshalb wurden ihre Anhänger Pessimisten. Die anderen Juden harrten itrtb hofften auf die Zukunft und blieben Optimisten. Wäre ich ein Künstler, würde ich Pessimismus und Optimismus in folgender Weise darstellen. Pessimismus: Drei galliläische Frauen, Maria Magdalena, Johanna und Maria, die Mutter des Jacobus, mit einem Leichnam beschäftigt, im Hintergründe römische Schergen auf dem Golgatha bei dem Kreuze des rex Judaeomm; am Fuße des Berges ein römisches Kastrum, wo ein großes Kreuz gezimmert wird mit der Inschrift Metropolis Judaeoruin. Diese düstere Gestalt bietet die Geburtsstätte der jüdischen Tochterreligion, was Wunder, daß sie pessimistisch ist! Optimismus: Bithja, eine egyptische Prinzessin, Jochebed, ein muthiges Weib mit klugen Augen und ihr Töchterchen, die hübsche Mirjam, ein hurtiges, aufgewecktes Kind, am Ufer des Nil mit der Rettung eines kräftigen und hübschen Kindes beschäftigt. Im Hintergründe Israel am Fuße des flammenden Sinai. Schon der Anblick eines holden Kindes mit lebhaften Augen stimmt optimistisch. Hätte das Judenthum einen Personeneultus, so müßten diese drei Frauen als Heilige erklärt und dargestellt werden. Die mitleidsvolle Prinzessin mit dem kleinen Moses in den Armen; die Mirjam, wie sie als Prophetin Mirjam am Gestade des Rothen Meeres einen Frauenchor unter Pauken und Reigentanz aufführt und die kluge Heldenmutter Jochebed, wie sie berechnend ihr Kind in einem Kästchen am Ufer des Nil in der Nähe der Badestätte der Prinzessin aussetzt. Sie war aber auch würdig, die Mutter eines Helden zu werden. Wir müssen sie bewundern, wie sie vor der Königstochter steht. Nimm hin dieses Kind und säuge mir's, und ich werde Dir Deinen Lohn geben", sagt ihr die Prinzessin. Diese Frau verräth aber durch keinen Zug und keine Mene, daß sie die Mutter dieses Kindes ist. Die Schrift zeichnet dies knapp und treffend. „Und die Frau nahm das Kind und säugte es". Der Leser ist hier in Verlegenheit, was er mehr bewundern soll, ob die hier so plastisch dargestellten drei weiblichen Gestalten oder die Ironie der Geschichte. Die Tochter des Tyrannen wird zur Retterin und Erzieherin des künftigen Erlösers, der den Nachfolger ihres Vaters beugen und zum Bekenntnis zwingen soll, daß er und sein Volk sich an Israel versündigt haben. Noch mehr! Sie befiehlt der eigenen Mutter des Kindes, daß diese es säugen soll. Welche Ironie; ja, der Psalmist hat Recht: „Der im Himmel thront lacht!" Man soll die Knaben tödten, befahl Pharao, diese können ihm gefährlich werden, die Töchter soll man leben lassen. Wie schlecht kannte er Israels Töchter! Diese waren Löwinnen. Die Geschichte Israels entrollt uns eine Bildergallerie von Frauen, zu welcher jede Nation mit Stolz emporblicken könnte. Die Agadisten sagen: Die Erlösung aus Egypten hat Israel der Frauen-Tugend zu verdanken. Thatsächlich hat aus der ganzen Leidensgeschichte Israels in Egypten sich kein Name erhalten, als die Namen zweier Frauen: „Schiphrah—-Schönheit" und „Puah—Jammer", die der Bosheit des Königs Widerstand geleistet haben. Mit diesen Namen ist der Typus der Frauen Israels gezeichnet. Trotz aller Leiden sind sie schön, nur ist der Ausdruck des Jammers ihrem Gesichtszug eingeprägt. Sie gleichen alle der schönen Mutter Rachel, wie sie aus dem Grabe steigt und um ihre Kinder weint. Ja, den Frauen hatte Israel seine Erlösung zu verdanken Die Männer ach! sie hörten nicht auf Moses vor Kleinmuth und vor schwerer Arbeit. Daß zu Hause die Kinder in's Wasser geworfen werden, haben sie nicht mitangesehen, und das Wimmern der Kleinen nicht gehört. Auf ihren Arbeitsplätzen wurden sie stumpfsinnig gegen alles; es betäubte sie der Ruf des Treibers und der Prügelstock des Drängers. Anders jedoch die Frauen, die Mütter dieser unglücklichen Kinder, diese sahen in dem geretteten Kinde der Jochebed . den Rächer ihrer Kinder, sie folgten ihm und halfen sein Werk fördern. Es ist bezeichnend, daß in der ganzen Geschichte Moses, niemals einer Betheilignng der Frauen erwähnt wird an all der Widerspenstigkeit, die Moses wegen Nahrungs- oder Wassermangels, oder anderer Ursachen vom Volke zu erdulden hatte, und daß sie niemals als diejenigen genannt werden, die immer und immer wieder nach Egypten zurückkehren wollten. Sonst lesen wir bei Jesajah, Ezechiel und Jeremiah häufige Klagen über die Frauen, und die scharfen Reden der Propheten sind ebenfalls gegen sie gerichtet. Hingegen wird in der Geschichte Moses der Frauen häufig und rühmlich erwähnt, so z. B. ihre Betheiligung bei dem Baue der Stiftshütte. Mit einem Worte, in der ganzen Thora finden wir kein Wort des Tadels für die Frauen, hingegen sehr häufig für die Männer. Als Moses nach dem Ereignisse vom goldenen Kalbe sich genöthigt gesehen hatte, sein Zelt aus der Mitte des Lagers zu entfernen und es in ein Tabernakel zu verwandeln (Exodr. 33, 7.), schaarten sich die Frauen zu einem Heere um dieses Tabernakel, um ihren Erlöser zu schützen, daß ihm durch das aufgebrachte Volk nichts Uebles begegne. (Das. 38, 8.) Von diesen heroischen Frauen wird erzählt, daß sie ihre ehernen Spiegel zum Baue der Stiftshütte gespendet haben. Mit vielem Tacte verwendeten die Baukünstler diese Spiegel zu priesterlichen Toilettezwecken, sie formten das Waschbecken aus demselben. (Das.) Diese Anhänglichkeit der Frauen an Moses hat, wie die rabbinische Tradition erzählt, die Eifersucht von Seite der Männer hervorgerufen. (Vgl. Siphre, edit. Friedmann 6 F. b, Note 4.) Diese Tugend der Frauen in Egypten wurde auch belohnt. Die Vorschriften für das Passahfest widmen den Kindern eine besondere Aufmerksamkeit. Womit kann man einer Mutter mehr schmeicheln als mit einer Aufmerksamkeit für ihr Kind. Bei keiner Vorschrift der Thora wird auf die Kinder so besondere Rücksicht genommen als bei denen dieses Festes. Der Tenor dieser Vorschriften ist geradezu pädagogischer Natur, wie schon das Festbuch hervorhebt. Die Bräuche dieses Festes beschränken sich zumeist auf die häusliche Thätigkeit der Frau, um die die Kinder sind; die Hausfrau spielt hiebei die Hauptrolle. Es wird vorgeschrieben, alles Gegohrene vom Getreide Bereitete aus dem ganzen Gebiete des Hauses hinwegzuschaffen daß sich kein Krümchen vorfinde. Die Frau hat nun in dieser religiösen Obliegenheit Beschäftigung in Hülle und Fülle: Scheuern und Putzen der Koch- und Tischgeräthe, und dieses, was Noth thut, neu einzurichten. Am Rüsttage ist das Opferlamm vorschriftlich zu braten und die sonst vorgeschriebenen Genußmittel herzurichten. Man begreift die mannigfaltigen Vorschriften und ihre Wiederholungen bezüglich dieses Festes nur, wenn man im Auge hat, daß die Thora hier mehr zu den Frauen, als zu den Männern spricht. „Zu den Frauen sollst du sprechen, den Männern sollst du sagen" bemerken die Rabbinen zu Exodus 19, V. 13. Man muß heute noch ein echt jüdisches Haus in der Pessach-Woche betrachten, und man sieht, daß die Frau die religiöse Priesterin des Hauses ist. Es wird gescheuert und geräumt und eingerichtet — und die Kindlein, sie sehen dies so gerne. Mit den Geräthen für den Gebrauch des ganzen lieben Jahres wird ein Exodus vorgenommen, wie mit den für das Fest ausschließlich aufbewahrten ein Einzug gehalten wird, — und die Kleinen sie sehen dies so gerne. Der krausköpfige Kleine mit den klugen Augen wird nicht müde, bei jedem Stücke zu fragen. „Ist dies auch für Pefsach?" Der