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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-03-24 · 12 (24.3.1893) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
12 (24.3.1893)
Date
1893-03-24
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 12 Oestrrreichft'che Wochenschrift Seite 227 Literatur. Midrasch Trhillim oder haggadifchr Erklärung der Psalmen. Nach der. Textausgabe von Salomon Bnber, zum ersten Male ins Deutsche übersetzt und mit Noten 'und Quellenangaben versehen von Prof. Dr. theol. u. Phil. Aug. Wünsche 1., 2. Band., Trier, Sigmund Mayer, 1892-93. Besprochen von Dr. I. Babad. Greifswald. Es ist höchst interessant zu beobachten, wie gering im Vergleich zum 17. und noch 18. Jahrhundert heutzutage die Kenntniß der-nachbiblischen, rabbinischen Literatur ist bei nichtjüdischen Theologen und Orientalisten. Wenn im vorigen und noch mehr im vorvorigen Jahrhundert einfache Pastoren, besonders aber Orientalisten von Fach, im Talmud und Midrasch sehr wohl Bescheid wußten und sie für ihre, allerdings meist polemischen Zwecke auszunützen verstanden, ist heute die Zahl der christlichen Theologen und Semitisten, die die genannte Literatur im Urtext zu lesen verstünden, eine sehr geringe. Es soll freilich nicht geleugnet werden, daß das Studium des Talmud und Midrasch unendlich viele Schwierigkeiten bereitet. Diese kurze knappe Ausdrucksweise, die mehr den Leser errathen läßt, ihm andentet, als ihm klar und ' verständlich sagt, diese sprunghafte von dem Einen in Tausendste und Abertausendste schweifende Phantasie, dieser gänzliche Mangel jedes Systems und jeder Form, sind lauter Eigenschaften, die nicht gerade sehr geeignet sind, daß man mit Leichtigkeit in die Halacha und Haggada eindringt und sie so zu beherrschen versteht, wie z. B. der gelehrte Philologe die Literatur des klassischen Alterthüms. Es ist daher nur anerkennenswerth und dankbar zu begrüßen, daß rin christlicher Theologe wie Prof. Wunsche, einer der wenigen ist unter seinen Fachgenossen, der es der Mühe werth hielt, sich in die rabbinische Literatur so einzuarbeiten, daß er es wagen konnte, den größten Theil der Midraschim'und die haggadischen Bestandtheile des Talmud ins Deutsche zu übersetzen und sie so dem Laienpublikum wie dem Theologen von Fach zugänglich zu machen. Daß Wünsche immer weiter fortgeschritten ist, in der Kenntnis der genannten Literatur, zeigt gerade die llebersetzung des Midrasch Tehillim nach der trefflichen Textausgabe des ebenso gelehrten wie fleißigen Herrn Salomon Buber in Lemberg. Wenn die ersten Uebersetzungen Wünsches, des Midrasch Rabba, noch mannigfache Mängel und Mißverständniße zeigten, die in Folge der noch ungenügenden Kenntniß der Sprach- und Redeweise des Originals hervorgegangen waren, so ist die llebersetzung des Midrasch der Psalmen im Großen nnd Ganzen nur zu loben und der aus die keineswegs leichte Arbeit, die der nur zu ermessen versteht, der jene Literatur von Grund aus kennt, verwendete Fleiß durchaus anzuerkennen. Wer da weiß, wie schwer es selbst modernen jüdischen Theologen wird, in das rabbinische Schriftthum einzudringen, wenn sie nicht, was in Deutschland wenigstens selten der Fall ist, schon in frühester Kindheit in jenes eingeweiht zu werden Gelegenheit hatten, der muß ein so weit gehendes Verständnis rabbinischer Literatur, wie es Wünsche zeigt, nur bewundernd und rühmend anerkennen. Es soll aber nicht geleugnet werden, daß man bisweilen aus seiner llebersetzung merkt, daß er kein Jude sei und daher Dinge nicht kenne, die dem auch nur wenigermaßen theologisch gebildeten Juden ganz geläufig sind. So übersetzt er (S. 42, 4. Zeile von unten und S. 46, 18. und 19. Zeile von oben) in Worten: betb-babeneaetb mit „Versammlungshaus", während sie bekanntlich die „Synagoge" bezeichnen oder (a. a. O. Z. 12 v. o.) mikwab mit „Tauchanstalt", das aber nichts weiter ist, als das allen Juden wohl bekannte rituelle Bad. Wenns im 1. Psalm des Midrasch (Absatz 13) heißt, daß Abraham die halachoth ernbe thabschulin und ernbe ehezeroth gekannt habe und Wünsche übersetzt (S. 11): „Die Halachoth betreffs des Erub, der gekochten Speise und des Erub die Höfe", so zeigt das Comma hinter dem ersten „Erub", daß ihm der Begriff des ereb-tbabaebniin, der jedem orthodoxen Juden schon aus häuslicher Praxis bekannt ist, fremd war. Ich will auch nicht in Abrede stellen, daß er bisweilen etwas flüchtig ist in seiner llebersetzung. S. 31 Z. 3 (von oben) heißt es die „Bewohner der Stadt", während im Original Llediuab steht, d. h. Provinz S. 49 Z. 19 von oben übersetzt er: „Warum wollen wir Geld geben nnd essen" statt, wie es im Text Heißt:' „Warum wollen wir^rricht Geld geben" re. Die bekannte Formel im Morgengebet der Juden: ham:achsir neschamotb lipegarim methim kann man doch nicht als Imperativ aufsassen und „sichre die Seelen" übersetzen, wie es Wünsche thut. (S. 68 Pag.,7 o. 10); S. 20 Z. 12 von oben ist kenibatb jereb fälschlich mit „Schüssel mit Gemüse" übersetzt, während es, wie aus Levy's Wörterbuch s. v. zu ersehen ist, „abgepflücktes Gemüse" bedeutet; Ps. 9 V. 13 zu Anfang heißt lifra paranoth ha-zadifeim nicht um die Gerechten zu bestrafen", sondern „um zu rächen die Leiden (Mißhandlungen) der Gerechten". Endlich ist in demselben Psalm am Ende v. V. 6 und Anfang v. B. 7 S. 87 je eine Zeile des Textes ganz unübersetzt geblieben. Bisweilen muß ich sagen, hat man auch den Eindruck, als ob die llebersetzung ohne Zuhilfenahme des Originals unverständlich sei, weil sie sich ganz an dem Wortlaut des letzteren auschließt: „Sie (bie Worte meines Mundes) sollen für die Geschlechter gemacht und für die Geschlechter eingegraben werden." (S. 7 Ps. 1 B. 8) für das hebräische jaaan ledoroth n. fl. ist deutsch unverständlich, ohne den Zusatz k o m ni ende Geschlechter. Im Deutschen klingt „Fleisch und Blut, ist wenu es zornig ist, nicht wohlwollend" (am Endedes 2. Ps. S. 31) etwas sonderbar, wenn man nicht weiß, daß in der rabbinischen Sprache baaar wedam die gewöhnliche Umschreibung für „Mensch" ist. Man muß wissen, daß in dem Satze (S. 76 Z. 7 v. u.) „Als endlich der Heilige, gelobt sei er! seine Schechina auf der Wohnung ruhen lassen wollte" :c. unter „Wohnung" das miachfean des Originals gemeint sei, also eine gan; bestimmte Wohnung. Schön klingt die ganz richtige, aber gar zn wörtliche llebersetzung (S- 104 Z. 3) gerade nicht: „Die- Seele.gleicht einer Art beflügelter Heuschrecke und an ihren Fuß ist eine Kette gebunden, und sie hängt an den Marksaden des Rückgrades." Hier hälte die Paratage des Originals in die dem deutschen Sprachgebrauch geniäßere Hypotage umgewandelt werden müssen. Der Satz zS. 26 Abs. 9 V. 7) „Es wird erzählt im Gesetze der,Thora, im Gesetze der Propheten und im Gesetze der Hagiographen", wird selbst durch das Folgende ohne den Zusatz, von wem erzählt wird, vom Messias, wie Buber ganz richtig bemerkt, nicht klar. In Ps. 7 Abs. 13 S, 70heißt es bei Wünsche „Warum nennt David den Saul Cusch'? Weil er stündlich sich gegen mich ändert und mich verfolgt." Das ist zweifellos ganz richtig übersetzt und trotzdem, wie man mir zugeben wird, unverständlich. Hier mußte in einer Anmerkung hinzugefügt werden, daß ^12 ohne i (wuw) gelesen wurde, also 2*3 und dieses als Notarikou, wie so häufig im Midrasch für rfys« hj „stündlich" gefaßt wurde. Sonst glaube ich, gibt obiger Satz keinen rechten Sinn. Aber trotz aller gerügten Mängel muß man sagen, daß die llebersetzung des Psalmen-Midrasch von Wünsche im Großen und Ganzen wohl gelungen ist und zum besseren Verständnis jenes wesentlich beiträgt und das Interesse für denselben zu erwecken nur geeignet ist. Ob aber „christliche Theologen aus ihm schöpfen" werden, wie jener in der Einleitung 8 VIII glaubt, bezweifle ich, und zwar aus dem sehr einfachen Gründe, weil die meisten christlicheic Theologen, von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen, von der nachbiblischen, rabbinischen Literatur nichts wissen wollen und nicht das geringste Berstäudniß für sie haben, was sie aber bekanntlich nicht ahhält die abfälligsten Ilrtheile über den Talmud zu äußern. Wenigstens weiß ich aus jahrelanger Erfahrung an der hiesigen Universitäts-Bibliothek, die fast ausschließlich von evangelischen Theologen benützt wird, daß das bekannte Buch von Wünsche „Beiträge zur Erklärung der Evangelien ans dem Talmud und Midrasch", fast nie gedrauchr wird. Natürlich „Indaica anut, non legnntnr," heißt es. Um so mehr ist zu hoffen, daß unsere jüdischen Theologen, und alle, die für jüdische Literatur Interesse haben, von Wünsches llebersetzung Nutzen ziehen werden. Wochenkalender. Nissan 5653. — März 1893. Freitag 7) ul E. d. N. 6>> 54'8>"! Samstag 8!! 25 |l Sabb. hagadol Sonntag!'!! ' - 26 j! Montag 10 27; Dienstag j n: j 28 i ' j Mittwoch 121 29; i Donnerstag 13 30 j j Freitag u! i! 31 Borabd. d. Passah fest.! Briefkasten. Max, Galah. Die in Petersburg veranstaltete deutsche Uebersetzung aus dem Religionscodex von Maimonides ist allerdings jetzt selten geworden und wird im Buchhandel kaum mehr zu haben sein. Werth des completten Werkes ans dem Büchermarktr 20—25 fl, I. Sch. in T. Die Herkunft des Ausdruckes „dawenen''4 ist bis heute nicht eruirt. K. in Holleschau. Daß der Kaplan H i k l von H. bei den Juden von Oesterreich und Ungarn für seinen Gesellenverein^ jahraus jahrein einen ausgiebiegen Bettel unterhält, während die Juden in Holleschau von dem abergläubischen Pöbel mißhandelt werden, darf Sie nicht wundern. Die frommen Arier waren nie anders, entweder sie bettelten die Juden an oder, wenn es gieng, sie schlugen sie todt. Jg. Tschaffny, Svetla. Wir müssen erst Erkundiginigen einziehen. _ -

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