Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 12 (24.3.1893)
- Date
- 1893-03-24
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Orflerreichifche Wochenschrift Seite 225 freut sich voller Rüstigkeit. Seit einer langen Reihe von Jahren liegen freiwillige Krankenpflege und Lechenbestattung in der Kremsierer Judengemeinde fast ausschließlich in den Händen von Aron und Minna Grünfeld. Dabei erfreut sich das glückliche Paar in Folge seiner Bi derkeit und Bescheidenheit allgemeiner Liebe. Aron Grünfeld ist auch in Brünner Geschäftskreisen unter der Firma A. Grünfeld jun. vortheilhaft bekannt, ist er doch seit 60 Jahren auf dem Brünner Platze Kunde. Das Jubelpaar hat einen Lohn — es ist dies der Brünner israelitische Religionslehrer Dr. Max G r ü n f e l d — und vier Töchter, ferner fünfundzwanzig Enkel- und zwölf Urenkelkinder. Dem greisen Paare sind an seinem Jubeltage zahlreiche Ehren zugedacht. Budweis. Der findigen Polizei in Smichow ist es gelungen, zwei Theilnehmer am Tempelraub in Budweis auszuforschen und festzunehmcn. Im Besitze derselben fand man die aus der Altardecke geschnittene Krone. Karolinenthal. Die isr. Cultusgemeinde in Karolinenthal hielt gestern unter dem Vorsitze des Vorstehers Herrn Dr. M. Sachs die Generalversammlung ab, an welcher sich zahlreiche Gemeindemitglieder betheiligten. Zum Rabbiner und Prediger der Gemeinde wurde Herr Dr. Isidor Hirsch, dermal Rabbiner in Boskowitz, einstimmig gewählt. Die ehemaligen langjährigen Vorsteher dieser Cultusgemeinde. Herren S. Engelmann, Ignatz Kallberg, wurden in Anerkennung der großen Verdienste, die sich dieselben um die Gemeinde erwürben haben, zu Ehrenmitgliedern ernannt. Chemnitz. Es ist merkwürdig, daß die meisten Antisemiten auf Geschäfte mit Juden geradezu erpicht sind. Während ihr Princip lautet „Kauft nicht bei Juden" wollen sie selber vorzüglich bei Juden Geld verdienen. Es kommt ihnen da zu Hilfe, daß die fremde jüdische Kundschaft nicht weiß, welch Politisches Metier der Herr Fabrikant in den Museslunden betreibt. Es dürfte deswegen ihre geschätzten Leser interefsiren, daß nachstehende Firmen in antisemitischen Händen sich befinden: Eduard Ulrich, Strumpffabrik in Chemnitz, Ernst Böhondek, Strumpf- und Maschinenfabrik in Chemnitz, Wex & Söhne, Strumpffabrik in Chemnitz, Bruno Richard Rodig, Procurist der Firma Wey & Söhne in Chemnitz, ^Paul Fischer, Wachstuchfabrikant in Altendorf bei Chemnitz, S. Jmenkamp, Verbandstofffabrikant in Chemnitz, Klinger & Henn, Fußbodenlederfabrikant in Siegmar bei Chemnitz. Czernowitz. (Die Rabbinatswahl) in Czernowitz wurde nunmehr auf den 4. April ausgeschrieben. Der Cultusvorstand hält den bekannten Ternovorschlag: Herr Dr. M. L. Wolf, derzeit Rabbiner in Klattau, Herr Dr. I. Rosenfeld, derzeit Rabbiner in Oroshaza, und Herr Dr. Mathias Eisler, derzeit Oberrabbiner in Klausenburg, aufrecht. Stanislau, 19. März 1893. Wie berichtet wurde, hat sich vor Kurzem ein Verein constituirt, zur Erbauung und Erhaltung eines Tempels .mit modernem Gottesdienste. Der Vereinsvorstand ist selbstverständlich vor Allein bemüht, die materiellen Bedingungen zum Beginne des Baues zu schaffen und ist, nachdem die Gründer einen, recht ansehnlichen Fonds gezeichnet und eingezahlt haben, bei mehreren hiesigen Instituten um Spenden und bei der Commune um schenkungsweise Uebcrlaffung eines entsprechenden Platzes eingeschritten. Schon hiebei — besonders anläßlich eines jüngst zur Bertheilung gelangten, für gemeinuützige Zwecke bestimmten und 5—6000 fl. österr. Währ, betragenden Jubiläumsfonds der hiesigen städtischen Sparkasse, um den sich der hiesige Svkolverein bestrebte — mach'e sich ' eine Agitation gegen die Betheilung des Tempelvereines geltend. Die maßgebenden christlichen Elemente ließen sich jedoch von der kleinen Schaar antisemitischer Hetzer nicht bethören und so wurde beschlossen, von jenem Fonde dem Sokol- und dem Tempelvereine je 2500 fl. zu überlassen, welcher Beschluß nun der — hoffentlich genehmigenden — Erledigung seitens der Lemberger Statthalterei harrt. Ebenso wurde auch im Sinne eines Compromiffes für den Sokol bereits vom Magistrat und Gemeinderath und für den Tempelverein bereits vom Magistrate die Spendung bestlmmter vereinbarter Plätze beschlossen und ist die Genehmigung des Gemeinderathes gesichert. Sonst erwartet der Vereinsvorstand die' Hauptstärkung seiner Geldmittel von einer Losemission, um deren ministerielle Bewilligung demnächst eingeschritten werden soll. Parallel mit diesen größeren Actionen ist der Vereinsvorstand bemüht, auch durch Veranstaltung von Vorstellungen u. dgl. die pecuniären Mittel des Vereines zu vermehren und das Interesse am Unternehmen rege zu erhalten. So hat nun gestern im hiesigen ständigen polnischen Theater eine Vorstellung zu Gunsten des Tempelbaues stattgesunden. Das Haus war vor dem Tage der Vorstellung ausverkaust und bemerkten wir im Publicum u. A. den hiesigen Bezirkshauptmann sammt Familie, Landesgerichtsräthe, Aerzte, Ädvocaten u. s. w. andererseits aber auch jüdische Kaufleute u. dgl., die sonst nicht zu den Theaterhabitues zu gehören pflegen. Hervorgehoben möge hier auch Werden, daß der hiesige Bischof die betreffenden Mitglieder des Damen- Comites mit gern, besonderer Liebenswürdigkeit empfing und seine Karte mehrfach überzahlte, offenbar einer anderen Auffassung von Christenthum huldigend, als die zum Theil den geistlichen Ständen angehörenden Redactionsmitglieder des hiesigen antisemitischen Hetzorgans der „gazeta stanistawowska“. Andrichau, den 15. März 1893. Bei der Neuwahl unserer Gemeinde-Repräsentanz wurden, nachdem der bisherige Vorsteher. Herr Julius Israeli die einstimmig auf ihn erfolgte Wahl als erster Vorsteher definitiv abgelehnt hat, in den engeren Vorstand gewählt: Herr Heinrich Unger als erster Vorsteher, Herr Julius Felix als Borsteher-Stellvertreter. Fürth, (Bayern). 19. März 1893. (EineErbschaft von sechshundert Millionen Rubel). Unter dieser Spitzmarke bringt auch Ihr werthes Journal (S. 203) eine Notiz aus Petersburg, die seit Monaten viele Zeitungen durchläuft. Auf Grund einer Erklärung der Bank von England, wo die Erbschaft liegen soll, muß ich leider erklären, daß das Geld nur in der Phantasie eines sensationslüsternen Correspondenten existirt. D r. N e u b ü r g e r, Rabbiner. Berlin. Ans Berlin wird uns als Characterschilderung der Antisemiten folgende Notiz zur Verfügung gestellt: Ein gewisser Herr Schmid — Procurist bei der Dresdener Bank daselbst — welcher als einer der enragirtesten Anhänger Ahlwardts in Berlin stadtbekannt ist, hat vor einiger Zeit sein 13 Monate altes Kind — welches an Diphteritis erkrankt war — ins jüdische Krankenhaus gebracht, wo es glücklich operirt wurde. Das jüdische Krankenhaus in Berlin nimmt vermöge seiner Statuten (auch in der Abtheilung für Unbemittelte), soweit sein Raum reicht, Kranke aller Confessionen — ohne jeglichen Unterschied — auf. Das Charakteristische des Herrn Schmid besteht aber darin, daß er auf seinem Bureau (mit circa 20 jungen Leuten niemals einen Juden duldet. In Padua ist Baron Guiseppe Treves de Bonfili im Alter von 74 Jahren gestorben. Derselbe war ein aufrichtiger Jude, ein großer Philantrop und auch ein großer Patriot. Als 1865 Victor Emanuel nach seiner Besitzergreifung von Venetien seinen Einzug in Padua hielt, nahm er bei Baron Treves sein Absteigquartier und das Erste was er that, war, daß er der Frau des Hauses seine Aufwartung machte. Baron Treves half auch das Rabbiner-Seminar in Padua grüuden. Badgad. Durch eigene Initiative des Sultans ist hier eine Dampffchifffahrts Gesellschaft zum Zweck der Unterhaltung eines regelmäßigen Verkehrs auf dem Tigris zwischen Mossul und Baßorah gegründet worden. Herr Ezekiel Sassoon. früher Notar der hiesigen jüdischen Gemeinde wurde zum Betriebs- Director ernannt. Derselbe studirte früher einige Jahre in Wien an der orientalischen Academie. Das neue Verkehrsmittel wird als eine große Wohlthat für die jüdische Geschäftswelt in Bag - dad angesehen. _ Feuilleton. Das Juden schloß. (Fortsetzung.) Der graue Morgen fand mich noch immer erregt wachend, über diesen nächtlichen Besuch nachdenkend. Dann aber forderte die Natur gebieterisch ihre Rechte und ich schlief einen todesähnlichen Schlaf bis in den nächsten Mittag hinein. Ich fühlte mich darnach kerngesund und schämte mich ordentlich, als Josef lächelnd ins Zimmer trat, um mich zu Tische abzuholen, weil nian heute wegen des Sederabends etwas früher Mittag speise. Punkt zwölf Uhr saßen wir bei Tische. Es war nur ein einfaches Mahl. Die Mutter war wieder nicht da. Ich drang in meinen Freund, mich endlich zu ihr zu führen, aber mit einem heftigen „Späterst' zog er mich hinaus in den Hof, wo cr mir mit fieberhafter Geschäftigkeit alles auf einmal zeigen wollte: die Ställe, die Thiere, die landwirthschaftlichen Maschinen, die Speicher; dann führte er mich in den Garten, ins Wäldchen und auf. den Feldern herum. Ueberall war's menschenleer, denn er ließ wegen der kommenden Feiertage die Arbeit schon einstellen. Dann führte er mich in's Schloß zurück, in sein Bibliothekzimmer. Trotzdem er auf diese Weise beinahe vier Stunden