Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 12 (24.3.1893)
- Date
- 1893-03-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 12 Oefirrieichifitzr Wochenfitzrist ^veite 221 eine Einleitung dieser Discussion die Versammlung, welche noch unter dem erhebenden Eindrücke der Reise durch Sicilien stand, zu dem nüchternen Erwägungen einer pädagogischen Frage zurückzusühren. Herr Dr. Gutmann' entledigte sich dieser Aufgabe in inhaltsreicher und formvollendeter Rede und es gelang ihm, die Versammlung für seinen Gegenstand zu interessiren, ein Interesse welches in einer lebhaften Discussion, an welcher sich zahlreiche Anwesende, insbesondere Schulmänner betheiligten, ihren Ausdruck fand. Die Versammlung endigte kurz vor Mitternacht. Tirnau. (Vandalismus.) Aus Tirnau wird uns geschrieben: In den ersten Tagen dieses Monats wurde im hiesigen israelitischen Friedhofe eine abscheuliche Gräberschändung verübt, 22 Stück Grabmonumente wurden theils niedergeworfen, theils zertrümmert und mehrere schwere Grabdeckel aus ihrer Lage verschoben aufgefunden. Seit fünf Jahren ist dies bereits der dritte Fall in Tirnau, daß solche Bubenstücke ausgeführt werden, ohne daß es bisher der Polizei gelungen wäre, den Thätern auf die Spur zu kommen. Es wäre dies umso leichter möglich, da sich dieser Friedhof in der nächsten Nähe der Stadt an einer sehr frequentirten Landstraße, in der Nähe des Militär- Invaliden- und evangelischen Friedhofes befindet. Es wurde eine Belohnung von 15 fl. für denjenigen ausgesetzt, der es ermöglicht, den Thätern auf die Spur zu kommen. Brünn, 21. März. (Mährisch-jüdischer Landesmassafond.) In Folge Verhinderung des telegraphisch entschuldigten Obmannes, Herrenhausmitgliedes Julius Ritter v. Gomperz, sowie des Obmannstellvertreters Wolmuth, eröffnet kais. Rath Mandl die von 41 Delegirten besuchte diesjährige Hauptversammlung, die denselben zum Vorsitzenden wählte und auf dessen Anregung R. v. Gomperz mittels Depesche zu seiner Berufung ins Herrenhaus beglückwünschte. Der Rechenschaftsbericht des Curatoriums ffür 1892 weist einen Gebahrungs- Ueberschuß von 5085 ft. 97 kr. aus, bei einem Mehraufwande von 1117 fl. 86 kr. gegen das Vorjahr, erwähnt des Rückganges des Fondserträgnisses infolge des sinkenden Zinsfußes und der immer zunehmenden Ansprüche der Gemeinden, da nicht allein die alten, sondern auch die neuen Gemeinden ihre Anforderungen geltend machen. Für den Religionsunterricht wurden 13.800 fl. für die Gemeinden 12.500 fl., an Personal- Unterstützungen 12.140 fl., für Bildungs- und Humanitäts-Anstalten 3115 fl., für Stipendien 600 fl. vorausgabt. Der von Max Kohn verlesene Revisionsbericht beantragt das Absolutorium für 1892 und es wird dieser, ebenso wie der Rechenschaftsbericht, einstimmig genehmigt. Ueber Aufforderung der Regierung wird für die in Wien zu errichtende jüdisch-theologische Lehranstalt eine Subvention von jährlich 1000 fl. zunächst für zehn Jahre bewilligt. Der Voranschlag für 1893 beziffert die Einnahmen, einschließlich des Ueberschusses vom Jahre 1892, auf 51.027 fl. 47 kr., die Ausgaben auf 50.408 fl., aus dem Reste soll der für das laufende Jahr entfallende Antheil der vorgenannten Subvention bestritten werden. Zur Post Gemeinde- Subventionen nimmt Delegirter Herz aus Neutitschein das Wort, um die Berücksichtigung der eben in Bildung begriffenen Gemeinden dem Curatorium an's Herz zu legen, und wird hierin von Dr. Winter aus Ung.-Hradisch, der die fast unerschwingliche Belastung der neuen Gemeinden schildert, unterstützt. Der Voranschlag wird einstimmig genehmigt und es werden die vorjährigen Revisoren: Ignaz Hönig,- Max Kohn und Leopold Löw-Beer, auch für das laufende Jahr gewählt. Schließlich kommt ein Antrag des Curatoriums zur Verhandlung, betreffend die Einführung einer Oberaufsicht über den Religions-- und Bibelunterricht in den Gemeinde-Schulen durch eigens hiezu bestellte, fachmännisch gebildete Vertrauensmänner, um einerseits auf die Förderung und Hebung dieses Unterrichtes hinzuwirken und andererseits um der Verwaltung des Fondes eine Controle über die widmungsmäßige Verwendung der sogenannten Schulsubventionen und neben der blos äußerlichen statistischen, eine sachlichere Basis für die Zuerkennung derselben zu verschaffen. , Zu diesem Zwecke sollen im Einvernehmen mit dem Landes- Rabbinate mehrere pädagogisch erprobte Rabbiner oder Schulmänner mit der Aufgabe als Ehrenamt betraut werden, die einzelnen Schulen zeitweise zu besuchen und über die Ergebnisse ihrer Jnspectionen jährlich Bericht zu erstatten. Die Reisekosten hätte der Fond zu tragen. Hierüber entspinni sich eine lebhafte Debatte. Delegirter Reiß aus Straßnitz befürchtet Reibungen und Mißhelligkeiten durch eine solche Oberaussicht, beantragt zunächst die Vertagung, sodann die Bestellung des einzigen Berufs-Jnspectors für das ganze Land. L i e b m a n n (Kremsier) meint, dies sei das Amt des Landes- Rabbiners, worauf ihm entgegnet wird, daß dieser von seinen Berufsgeschäften hier nicht abkommen könne. Dr. Winter wünscht, daß die Aufsichtsorgane nicht nur dem Rabbiner-, sondern auch dem Laienstande entnommen werden mögen. Endlich wird auf dessen Antrag, nach warmer Befürwortung durch die Curatoren Dr. Hilf und S t r o ß, beschlossen: 1. Die Delegirten-Versammlung billigt die Einführung einer allgemeinen Oberaufsicht über den Religionsunterricht in sämmtlichen Gemeinden; 2. die Bestellung der hiemit zu betrauenden Fachmänner erfolgt vom nächsten Jahre ab durch die Delegirten- Versammlung auf je drei Jahre; 3. bis dahin betraut das Curatorium die ihm bekannten, geeigneten Persönlichkeiten mit diesem Amte. Nach Annahme dieses Antrages wird die Versammlung geschlossen. Bozen, 16. März. (Ein israelitischer Häftling.) Die „Bozener Ztg." meldet: Am 14. d. M. wurde von Meran der wegen Verbrechens des Diebstahles angeklagte Shalome Misrahee von Jerusalem, welcher sich heute vor dem Schwurgerichte wegen des zum Schaden seines Dienstgebers Judah verübten Juwelendiebstahles zu verantworten hat, in die hiesige Frohnfeste eingeliefert. Derselbe ist nur der chaldäischen-hebräischen Sprache kundig, weshalb ein Dolmetsch in der Person des Secretärs der Königswarter-Stistung in Meran, Dr. Marc. Vogel, beigezogen werden mußte. Andererseits aber ist auch zur Vernehmung des Beschädigten, Judah, der ^nur englisch spricht, ein Dolmetsch nothwendig gewesen, als welcher der Magistratssecretär in Meran. Herr Falke fungirte. Misrahee weigerte sich bisher in der Untersuchungshaft in Meran, andere als rituell zubereitete, also sogenannte koschere Speisen zu sich zu nehmen, welchem Umstande seine Glaubensgenossen in Meran dadurch Rechnung trugen, daß sie ihm aus einem dortigen israelitischen Kosthause die Kost zusandten. Der Angeklagte wurde auf Grund des einstimmigen die Schuld verneinenden Wahrspruchcs der Geschworenen von der Anklage wegen Verbrechens des Diebstahles freigesprochen. Die Folge davon war seine sofortige Versetzung auf freien Fuß, und jubelnd wnrde Misrahee von seinen Glaubensgenossen in Empfang genommen. Der interessanten Verhandlung wohnte ein zahlreiches Publicum bis zum Schluffe bei, das den Verlauf des Processes mit großer Aufmerksamkeit verfolgte und bei Verkündigung des Urtheiles einzelne Bravos verlauten ließ, was vom Herrn Vorsitzenden sofort gerügt wurde. Damil man sich einen Begriff von der Strenggläubigkeit der zur Verhandlung erschienenen Zeugen, des Senator Liebschitz aus Riga und seiner Gattin, welche die weite Reise von Mentone hieher nichr gescheut hatten, um ihren Glaubensgenossen durch ihre Aussagen zu entlasten, machen könne, sei mitgetheilr, daß dieselben den ganzen Tag ohne Speise aushielten und sich nur mit einem Syphon begnügten, weil man hier keine rituell zubereiteten -speisen bekam. Ebenso verschmähte der Dolmetsch Dr. Marcus Vogel jede Nahrung, und kehrte nüchtern nach Meran zurück. Misrahee hatte sich während seines Verweilens in der hiesigen Frohnfeste mit Caffee, Butter und Honig ernährt, und oblag fast den ganzen Tag, angethan mit dem Gebetriemen und dem Gebetmantel religiösen Hebungen. Lemberg. Dank der Muuificenz des Baron Hirsch besteht in Lemberg und Krakau je ein Wohlrhätigkeits Comite, von denen das erstere über eine Summe von 7000 fl., das letztere über 5000 fl. monatlich verfügt, die nach der Absicht des Stifters dazu verwendet werden sollen, um armen Kaufleuten und Gewerbetreibenden, die sich in Noth befinden, beizustehen. Die Gesammisumme von 144.000 fl. jährlich, wird demnach in Beträgen von 50 bis 200 fl. solchen Personen zu Theil, welche in ihrem Handel oder Gewerbe infolge mißlicher Umstände in Schwierigkeiten gerathen sind. Die empfangenen Beträge finden also productive Verwendung. Ein düsteres Licht auf die Lage unseres Kaufmann- und Gewerbestandes wirft nun die Thatsache, daß sich, wie wir genau erfahren, die Anzahl der Bittstellerjährlich bis auf 20.000 beläuft. Darunter befinden sich allerdings beginnende Handwerker, die nur um Unterstützung zur Errichtung von Werkstätten nachsuchen; außerdem mögen viele Bittsteller nicht gerade von drückender Roth gedrängt, die Hilfe des Wohlthätigkeits-Comites beanspruchen — aber auch dann bleibt die Zahl von 20.000 Bittstellern angesichts der 120.000 jüdischen Familienväter, die in Galizien Handel und Gewerbe treiben, eine erschreckend hohe Ziffer, welche für den raschen Niedergang des Wohlstandes der jüdischen Bevölkerung Galiziens zeugt, ein Nieder-