Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-03-24 · 12 (24.3.1893) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
12 (24.3.1893)
Date
1893-03-24
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3020954-3020966--02253-3026333
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 220 Oesterreirtztsche Woitzensrtzrist «V. 12 Der Hutstoffhandel (Hasen- und Kaninhaar) wird von Frankfurter, belgischen und englischen großen Häusern betrieben, welche durchwegs Christen sind. Alle diese Thatsachen weiß ja jeder Hutmacher sehr gut, aber Dr. Psenner fühlt das Bedürfnis, zum Gebrauche feiner bekanntlich uctheilslosen Leser, Ammenmärchen zu erdichten. H. Werts. Wien. Wie so herrlich weit wir es gebracht haben in unserem an Fortschritten so reichen „Zeitalter der Humanität", dafür wollen wir unseren Lesern ein kleines Beispiel anführen. Die „Anhalt-Köthensche Staaszeitung" vom 26 Juni 1811 enthielt folgende Bekanntmachung: „Wir August Christian Friedrich, von Gottes Gnaden fouverainer Herzog zu Anhalt?c. in Erwägung, daß .... kublieLnänw. Da es die gute Ordnung erfordert, daß die Juden, welche durch die neue Constitution völlig gleiche Rechte mit den Christen erhalten haben, auch gleich den Lrtzteren Familien-Namen führen, so haben auf die von Seiten des Ministeriums geschehene Aufforderung die in hiesiger Residenz wohnhaften Juden solche auch sofort angenommen, und zwar (folgen 21 Namen, und werden diese angenommenen Familiennamen hierdurch nicht nur bestätigt, sondern wird auch allen Behörden anbefohlen, bei öffentlichen Ausfertigungen darauf Rücksicht zu nehmen. Zugleich wird verboten, sich bei Ausfertigungen oder Verhandlungen des Zusatzes: Jude oder jüdisch, z. B. jüdischer Kaufmann, zu bedienen, indem es dem Geiste des Zeitalters durchaus widerspricht, Jemand von Seiten der Religion ch aracterisire n zu wollen. Köthen, den 20. Juni 1811. Ministerium des Herzogthums Anhalt-Köthen. Dabelow". Und heute! Da scheinen es gerade die „Prediger de? christlichen Liebe" für dem „Geiste des Zeitalters" entsprechend zu Hallen, Jemanden von Seiten der Religion zu characterisiren. Wie«. Herr Georg Sch ö ne rer schreibt in dem „U. D. W." Nummer 6, 11. Jahrgang vom 16. März 1893: T. I. „Das ist eben der Fluch der Zeitungspresse, die übelste Folge der Erfindung der Buchdruckerkunst! Berjudetes Christenthum, Schießpulver und Buchdruckerkunst haben das deusche Volk zu dem gemacht, was es heute ist. Das erste nahm ihm den alten Heldenglauben, das zweite die alte Heldenkraft, das dritte den alten Helden- und Mannessinn! Hart scheint dies Urthcil, aber nicht unbegründbar. Wohl hat Christenthum, Schießpulver und Buchdruckerkunst unser Volk „cultivirt", zugleich aber auch entdeutscht! Jnsbesonders Schießpulver und Buchdruckerkunst. Letztere heißt nicht ohne Grund „die schwarze Kunst". Wohl dient sie zur Verbreitung guter, aller auch schlechter Lehren; die letzteren überwiegen die ersteren. Und erst die Zeitungen? Sie machen die öffentlichen Meinungen und zerstören im Volke den freien deutschen Sinn — und bringen das Volk in geistige Knechtschaft! Am gefährlichsten ist die politische Presse. Die Politik macht unvolklich und politische Parteien können nur in den seltensten Fällen erziehlich wirken. Der Politiker darf ja feine innersten Gedanken keinem Menschen offenbaren, er verhärtet dadurch und stumpft sein Herz ab: und doch können wir Deutsche auf Herz und Gemüth (auf die Dauer wenigstens) nicht verzichten! Kein Volk lebt so in sich und aus sich, wie das deutsche und die deutsche Gemüthstiefe ist volkliche Wesenheit; ihr steht die wälsche Leichtlebigkeit und semitische Oberflächlichkeit straff gegenüber. U. d. gr. Sch. Wie«. Der arme Psenner, der eä nun bei Gericht erfahren wird, daß man nicht „ungestraft reizen" darf, macht sich in seinem Blättchen über zwei Kammerräthe lustig, weil sie sich nicht duellirten. Herr Dr. Psenner wird sich wohl noch an die ausgiebige Watschen erinnern, welche ihm ein Parteigenosse vor aller Oeffentlichkeit in der Bolksholle des Rathhauses applicirte. Herr Dr. Psenner hat sich damals auch nicht duellirt, sondern die Gabe dankbar angenommen, wie er von den jüdischen Banken und Geldinstituten Alles dankbar annimmt, über welches Capital einmal ausführlicher wird behandelt werden müssen. Wien. Wir lesen in der „Montags-Revue": Die Direction der Poliklinik hatte die Absicht, die Stelle eines zweiten Vorstandes der Abtheilung für Ohrenheilkunde zu besetzen und erstattete diesbezügliche Vorschläge. Im Gesammtcollegium wurde mit einer geringen Majorität beschlossen, weder diese noch überhaupt eine zweite Vorstandsstelle vorläufig zu besetzen. In unterrichteten Kreisen bringt man diese Thatsache mit dem' Umstande in Verbindung, daß im Lehrkörper der Poliklinik jene Elemente zur Mehrheit gelangt seien, deren Sympathien zu Herrn Dr. Lueger und seiner Partei hinneigen, ja man will von einer geräuschlosen, aber sehr intensiven Agitation wissen, welche darauf abzielt, bei der nächsten Directionswahl den bisherigen Director fallen zu lassen und den Directors-Stellvertreter an seine Stelle zu setzen. Man wird uns sicher keine besonderen Sympathien für Herrn Dr. Schnitzler zumuthen, aber solchen Undank verdiente der Mann nicht, ohne welchen die Poliklinik überhaupt nicht existirte. Um die Dinge beim wahren Namen zu nennen — in der Poliklinik grassirt der Antisemitismus und seine Fahnenträger sind gerade diejenigen, welche sich zu einer gewissen Zeit als die bittersten Gegner des damaligen Reclamen Regimes gerirttn. Nun, dieses System hat doch Manches erreicht, insbesondere den Bau eines eigenen Spitales, das Geld dazu gaben vornehmlich die Juden, den allergrößten Theil ein einziger Jude her, hält man jetzt die Zeit gekommen, an diese Vergangenheit vergessen und in das Lager des Antisemitismus übergehen zu dürfen? Dann sage man es offen heraus und es wird sich zeigen, ob die weiteren Zwecke der Poliklinik von den Gaben des Mechanikers Schneider bestritten werden können. Aber bei den Juden das Geld holen und die jüdischen Professoren und Docenten beiseite schieben, das wäre denn doch zu viel. Wien. (Israelitischer W ä h l e r v e r e i n.) Am .18. März fand in Khnner's Restaurationssaale eine Plenarversammlung dieses rührigen Vereines statt, welche einen sehr zahlreichen Besuch aufzuweisen hatte. Der Vereinspräsident Herr Arnold Marek war in der erfreulichen Lage berichten?zu können, daß im Sinne der in der vorhergegangenen Plenarversammlung einstimmig gefaßten Resolution, betreffend die Creirung eines allgemeinen Wiener Tempelbau- Bereines eine erfolgreiche Thätigkeit entfaltet worden sei. Es habe sich der Vorstand des israelitischen Wählervereines in mehreren Sitzungen eingehendst mit dieser Frage beschäftigt, es wurde eine Vertrauensmänner-Versammlung einberufen, welche die Idee des Vereines einen großen und würdigen Tempel im ersten Wiener Gemeindebezirke, sowie kleinere Gotteshäuser in mehreren anderen Bezirken von Wien zu erbauen einhellig durchzuführen beschlossen hat; es wurde ein größeres Actions-Comite mit den Vorarbeiten zur Bildung des Allgemeinen Tempelbau-Vereines betraut und der Beschluß gefaßt an den Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde, an den Verein „österr. israelit. Union" und einige andere Vereinigungen von Glaubensgenossen das höfliche Ersuchen zu richten in das vorbereitende Comite ihre Delegirten entsenden zu wollen. Präsident Marek gibt der Erwartung Ausdruck, daß sowohl der Vorstand der israelittschen Cultusgemeinde als auch der Verein Union diesem Ansuchen entsprechen werde, und hofft, daß durch die Vereinigung aller maßgebenden Factoren, dem gottgefälligen Werke der Erfolg gesichert werden dürfte. Was die materielle Seite der Frage anbetrifft, lägen bereits zahlreiche Zusagen unserer begüterten und angesehenen Glaubensgenossen vor, welche freudigen Herzens und mit ganzer Kraft unser Werk fördern zu wollen erklärten. Behufs Ausarbeitung der Statuten des Allgemeinen Wiener Tempelbauvereines wurde ein dreigliedriges Comite bestehend aus. Präsident Marek, Advocat Dr. Skrem und Architekt Fränkel gewählt, welches seine Aufgabe bereits gelöst habe und die Statuten in den allernächsten Tagen zur Genehmigung vorlegen werde. , Die Versammlung nahm die Mittheilungen, des Vorsitzenden beifälligst entgegen. Hierauf hielt unter dem Titel: „Abseits von der Heerstraße", Herr Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Sigismund Feßler einen wahrhaft fesselnden Vortrag, in welchem er seine Erlebnisse in Sicilien mit der ihm eigenen Verve und einen so zündenden Humor zum Besten gab, daß es die Zuhörer lebhaft bedauerten, als der Erzähler seine Reifebeschreibung beendigte, und den berechtigten Wunsch hegten, geführt von Dr. Feßler nych andere Länder kennen zu lernen. Den dritten Punkt der Tagesordnung bildete e'ne Diskussion über den Religionsunterricht, und Herrn Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Theodor Gutmann jun. war es Vorbehalten durch

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.