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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-03-24 · 12 (24.3.1893) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
12 (24.3.1893)
Date
1893-03-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 12 OrLrrreirhifrtze Wochrnschrip ^-eite 319 bunden ist, als an die wenigen einfachen Voraussetzungen, die nothwendig sind, um die religiöse Idee und den Glauben an Israel als deren Hüter mit Wärme zu ergreifen, eine Behauptung, die auch das Studium unseres Rituals zu erhärten geeignet ist. Denn was an mystischem Beigeschmack durch die Kabbala unseren Ceremonieen bisweilen angedichtet wird, erweist nur die Ceremonieen, nicht aber den Beigeschmack als jüdisch. Und was das Gebetbuch anbelangt, so denke man nur an die vielen Wandlungen des religiösen Denkens, die es in den Jahrhunderten seines Bestandes überwunden hat, an die hochgetbürmten Wogen der Forschung über die höchsten und heiligsten Probleme, die es durchkämpfen mußte, um des Wunders tire zu werden, das immerhin noch seine Reinheit und Unversehrtheit darbietet. Ob alles dessen dürfen wir Uns glücklich preisen. In einer Zeit, welche die Vereinfachung der Religion als das einzige Mittel ihrer Rettung anstrebt, ist diese Freiheit von Dogmen ein unschätzbares Eigenthum, das uns der Nothwendigkeit überhebt, dem herrjchenden Geschmacke zu huldige» und die Fesseln der Dogmatik abzustreifen, da diese niemals für uns bestanden haben. Weil unser Glaube den modernen Gedanken um Jahrhunderte vorausgeeilt, ist ihm der Schrecken davor erspart geblieben; weil dieser Aufschwung der Geister immer das Sehnen unserer Hoffnung war, erfüllt sein Erscheinen uns mit Jubel und deshalb wird unsere Lehre nicht zu Schanden werden jetzt, da der Tag angebrochen und die Schatten weichen, sie, die der Menschheit einzuleuchten offenbar erst berufen ist, wenn die. Nacht des Aberglaubens der Morgenröthe einer bessern Aufklärung den Platz geräumt haben wird. War doch vor zweitausend Jahren das Christenthum nur dadurch im Stande, die Welt des Heidenthums an sich zu reißen, daß es sein jüdisches Element mit der Mystik der heidnischen Vorstellungen durchtränkte und die Lehren seines Stifters auf das Niveau der volkstümlichen Gemeinverständlichkeit herabsetzte, wie denn die Anlockung des großen Haufens überhaupt ohne Uebertreibungen, aus Kosten der Einfachheit und Wahrheit undenkbar ist, eine Thatsache, die bereits viele unserer christlichen Mitbürger zugestehen und die zu dem Bestreben geführt hat, das Christenthum mit den modernen Ideen in Einklang zu bringen, um es als die Kirche der Zukunft möglich zu machen. Zu welchen Formen naturgemäß diese Bestrebungen führen müffen? Zur Abstoßung jener Doctrinen, die das Heidenthum zur Annahme des Christenthums, das Judenrhum aber zur Trennung vom Christenthum vermocht haben. Dann wird die Sühne des Kreuzes ein neues Sühnopfer zur Seite, die Rettung der Religion die Selbstaufopferung des Christenthums im Gefolge haben. Was aber für Wandlungen immer das Judenthum durchzumachen haben wirv, so viel ist gewiß, sie werden nicht mit seinem Untergange gleichbedeutend sein, da alle Zeitläufte, wie Ihr sehet, Nichts an seinem Kern, an den wenigen, aber klarheitsvollen Glaubenssätzen zu ändern im Stande war. Das Judenthum gibt glücklicherweise weit mehr Veranlassung über Humanität und Sittlichkeit, als über theologische Grübeleien nachzudenken, über Humanität und Sittlichkeit, die nach einer Bemerkung Matthew Arnold's drei Viertheile des Lebens ausmachen, das die religiöse Speculation, ob sie. nun mit den Ideen der Zeit in Conflict oder Uebereinstimmung steht, weder im Geringsten glücklicher, noch merklich edler zu machen im Stande ist. Zu wissen, daß Gott ist, und daß wir Ihm und unserm Nebenmenschen in Liebe und Wahrheit zu dienen haben, ist uns genug, ja es ist uns Alles, und alle Theologie und alle Theosophie, die ja die Welt zu verwirren und zu zerklüften erfunden wurden, können diesen Standpunkt nicht ändern, vielmehr nur die Kräfte, die der Selbstveredelung und Segenspendung, der einzigen Lebensmission geweiht werden könnten, in gewinnlosen Richtungen auszehren. „Das Verborgene ist des Ewigen unseres Gottes, aber das Offenbare unser und unserer Kinder auf ewig, um zu thun alle Worte dieser Weisung" (Deut. 29, 28). Das ist der Geist des Judenthums in wenigen Worten, die der Psalmist zu variiren scheint, indem er es ausschlägt „in großen Dingen zu wandeln, die ihm zu hoch sind" (Ps. 131, 1). Der ideale Jude vermeidet es, mit so unlösbaren Problemen den Geist zu ermüden; in stummer Andacht sieht er die Räthsel der Gottheit, unbekümmert wie das Kind an der Mutterbrust, von dem einzigen Gedanken, der einzigen Sehnsucht beherrscht, dem Gehorsam und der Kampf um diese Selbstüberwindung nimmt all seine K^ast in Anspruch. Sie allein ist sein Ziel, seine Hoffnung und sein Leben. Ko jetein, am 7. März 1893. Ignaz Kaufmann. Wien. (Die angebliche „V e r j u d u n g d e r Hutbranche.") Der Herausgeber des „Oesterr. Bolksfreund", der geohrfeigte Dr. L. Psenner, stößt den „Schmerzensschrei" ans. wegen Berjuduug der Hutbranche und nur um zu zeigen, mit welch' blöden Lügen die armen, gehetzten Leser noch eine Weile vom klerical-antisemitischen Preßtroß genasführt werden, würdigen wir dieser neuesten Leistung der antisemitischen Lügenzuchtanstalt einige berichtigende Zeilen. In diesem Artikel wird behauptet, daß die gesammte Hutfabrikation verjudet sei und das einst blühende Gewerbe der Hutmacher darniederliegt. Beide Behauptungen sind unwahr und die Firmenträger der Wiener Hutfabriken, welche die Hutfabrikation in den letzten zwanzig Jahren zu ungeahnter Höhe und solcher Anerkennung gebracht haben, daß der Wiener Hut im Auslande ein begehrter Artikel ist, werden sich wohl gewundert haben, durch Dr. Psenner in den Bund Abrahams ausgenommen worden zu sein. Denn sämmtliche Wiener Hutgeschäfte, mit Ausnahme eines einzigen, haben gut christliche" Inhaber, da das Hutmachergewerbe eben nur deshalb blüht und gedeiht, weil :n dieser Genossenschaft der Antisemitismus noch nicht zum Siege gelangen konnte; denn eine Genossenschaft, welcher Namen wie H a big, Pleß, Messmer, Pichler u. A. angehören, hat kein Verlangen, die beglückenden Theorien der „Bolksrerter" 511 propagiren. Die erzählte Geschichte der Firma „Brüder Böhm" ist buchstäblich wahr, denn sie erzählt uns, wie es zwei unansehnliche Haseubalghändler zu Reichthum und Ansehen gebracht haben u. z. auf die denkbar ehrenvollste Weise, denn sonst hätte es sich dieser Gewähr»- und Ehrenmann gewiß nicht entgehen lassen, irgend einen schwarzen Punkt aus der Geschichte dieser wirklichen Ehrenfirma zu entdecken, aber der Schild dieser Firma ist rein und fleckenlos und die Inhaber dieser ,nrma genießen mit Recht einen Weltruf. Nach dem Artikel des „Oesterr. Bolksfreund" müßte man glauben, daß Brüder Böhm die Hutfabricativn moiiopolisirt und verjudet haben, daher diene zur Aufklärung der Leser die Mittheilung, daß außer Brüder Böhm die bedeutendsten Hut- und Stumpenfabrikanten gute und höchst ehrenhafte Christen sind, welche mit Brüder Böhm, die Hutfabrikation zu solchem Renommee brachten, es sind dies die bekannie Weltfirma I. H ü ck e l's Söhne in N e u t i t s ch e i n, siehe Rede des Dr. Fuchs, G. B 0 s s i s' N a ch f 0 l g er (Inhaber M i l l e r v 0 n A i ch h 0 l z in N n t e r - S t. B e i t und Friedrich Keller in O b e r l e u t e n » b 0 r f. Fast j alle nenuenswerthrn Hutfabrikanten in Wien und in der Provinz sind gute Christen und, gottlob, freisinnige Männer, daher der grimme Zorn des Dr. L. Psenner; hier nenne ich nur die jedem Wiener geläufigen Namen: H a b i g, Pleß, Meßner , K l e u r, Maurer, S k r i v a u, I t a und viele andere. Wahr ist es, daß es früher einige christliche Firmen gab, welche heute wohlhabend sein könnten, wenn sie sich, wie jeder Hutmacher weiß, nicht verlumpt und versoffen hätten. Die Hut-Detailleure sind sämmtliche Christen, deren Geschäfte insgesammt floriren. Die im Artikel angeführten „Three Schilling hats“ existiren längst nicht mehr und die „Trois Franeais'1 jetzt „z u den drei F r a n z 0 s. e n" sind mehrere Filialen von G. Boss i's Nachfolger (Miller von Aichholz). Mehr Lügen, in einem Athem, sind von einem Antisemitenwisch nicht gut zu verlangen. Auch der Handel mit Hutfourniiuren ist nicht in jüdischen Händen, da es nur eine solche jüdische Firma (Max Schlesinger) gibt, die weitaus größere dieser Branche ist die christliche Firma Keßler & Walter. Hutfilzfabriken sind: S. & I. Fränkel, eine alle renommirte Firma, deren Chef im Genoffenschaftsausschuffe sitzt, sonst noch Siegfried Lewy, welche trotz des jüdischen Namens, seit 1879 in rein christlichen Händen ist und I. H. I t a.

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