Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 12 (24.3.1893)
- Date
- 1893-03-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Oesterreichifche Wochenschrift Seite 217 Jngleichen ist uns von den Tausenden, in welchen in dem Stadium der ersten Kindheit der Keim zum Guten gepflegt und die der Verwahrlosung entrückt worden, um zu gereiften Männern und Frauen zu erwachsen, irgend eine Dankesthat nicht zugute gekommen; es ist das allerdings — Weltlauf." Uüd heute erscheint diese Klage noch mehr begründet, da sich die Zunahme der Bevölkerung nur in der größeren Inanspruchnahme der Anstalt fühlbar macht, die Einnahmen hingegen, selbst bie Jahresbeiträge, sich immer verringern. Darum rufe ich Ihnen, geehrte Anwesende, die Mahnung unserer alten Weisen zu: - „Habet Acht auf die Kinder der Armen!" Mehr als je haben wir dafür zu sorgen, daß nicht giftiger Mehlthau die frischen Blüthen verzehre, daß das werdende Geschlecht sich früh schon seiner überkommenen Aufgabe bewußt werde. Lassen Sie uns daher, wenn auch keine trennenden Mauern aufführen, doch Jenen, auf denen die Zukunft beruht, die rechten Waffen zu Schutz und Trutz in die Hand geben, der Worte des Psalmisten eingedenk: „Du hast Dir aus der zarten Kinder Lallen Gerüstet eine Macht und eine Stärke,x Auf das; verstummend Deine Feinde fallen Und untergehen ihrer Rache Werke." Oeffentlichr Sitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, Wien. In der am 19. März d. I. abgehaltenen öffentlichen Sitzung führte Herr Vicepräses Simon den Vorsitz. Vor Uebergang zur Tagesordnung machte derselbe zunächst die traurige Mittheilung von dem Ableben des Herrn kaiserl. Rathes Wilhelm Frankl, welcher durch eine Reihe von Jahren ein thätiges Mitglied sowohl des Vorstandes der Cultusgemeinde, als auch der Chewra-Kadischa gewesen ist. Die Versammlung ehrt das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Herr Vicepräses Simon hält hierauf einen Rückblick über das abgelaufene Verwaltungsjahr und hebt als ersten Gegenstand hervor, welch' großen Verlust die Gemeinde durch die Demission ihres früheren Präsidenten, Herrn Wilhelm Ritter von Gutmann erfahren hat, wobei jedoch mit Vergnügen constatirt lvird, daß derselbe im Verbände des Vorstandes geblieben ist und seine hervorragende Mitwirkung dieser Körperschaft weiterhin widmet. Als eminentes Ereignis wird die im abgelaufenen Jahre vollzogene Vereinigung der ehemaligen Vororte-Cultusgemeinden mit der Cultusgemeinde Wien erwähnt, wodurch das Gebiet derselben wohl wesentlich erweitert, aber auch die Lasten eine große Steigerung erfahren haben. Die in den früheren Vororten amtirenden, als bewährte Funktionäre bekannten Herren Rabbiner Dr. Adolf Schmidl und Dr. Moritz Deutsch sind nunmehr von der Wiener Cultusgemeinde als Gemeinderabbiner übernommen worden. In der Person des Herrn Dr. Jonathan Wolf, welcher zum Gemeinderabbiner ernannt wurde, hat der Vorstand eine tüchtige Kraft gefunden. Zur Vermeidung der großen Hitze, welche an den hohen Feiertagen im Leopoldstädter Tempel herrscht, sowie zur Erzielung eines größeren Lichteffektes wird dortselbst die electrische Beleuchtung eingeführt. Um das Zustandekommen dieses Projectes hat sich Herr Baurath Ritter von Goldschmidt besondere Verdienste erworben. Die erste Section wird von dem bewährten Vorstandsmitgliede und Vertreter Herrn Hieldburghäuser in ersprießlichster Weise geleitet. Der Vorsitzende zollt sodann der musterhaften Thätigkeit des Herrn Obmannes der Schul-Section Dr. Gustav Kohn wohlverdiente Anerkennung, erwähnt der großen Opfer, welche die Gemeinde für den Religionsunterricht bringe und theilt mit, daß an Stelle des verstorbenen Religionsschulinspectors, Herrn Dr. G. Wolf, drei neue Inspektoren ernannt wurden. Auch die Thätigkeit der 3. (Wohlthätigkeits-) Section des Gemeindevorstandes war im abgelaufenen Jahre eine segensreiche. Es wurde die Einrichtung getroffen, daß die Kranken des Rothschild-Spitales auch am Abend Fleischkost erhalten. Anläßlich des unlängstabgelaufenen 20jährigen Gründungs - tages des neuen Spitales waren die Herren kais. Rath Dr. Wölfler und Sanitätsrath Professor Dr. Leopold Oser Gegenstand einer herzlichen Aufmerksamkeit seitens der jetzigen und ehemaligen Secundarärzte dieses Spitales. Beiden Herren wurde unter Abhaltung herzlicher Ansprachen ihre wohlgetroffenen Oelporträts überreicht. Ueber den schriftlich vorliegenden Antrag des Herrn kais. Rath Dr. Wölfler wird einstimmig beschlossen, das Bildnis des Herrn Professor Oser im Spitalssaale an einer geeigneten Stelle anbringen zu lassen. Der Vorsitzende bespricht sodann ein zweites humanitäres Institut der Cultusgemeinde, das „Altersversorgungshaus". Je segensreicher dieses Institut wirke, umso bedauernswerther sei der Umstand, daß zum vollendeten Ausbaue desselben leider noch immer die nöthigen Mittel mangeln, so daß das Gesuch manches Würdigen wegen Raummangels nicht berücksichtigt werden kann. Zur Fertigstellung des Hauses sind noch fl. 30.000 bis fl. 40.000 nöthig. Hier wäre einem Wohlthäter Gelegenheit gegeben, seinen Namen mit einem herrlichen Institute aus immer zu verknüpfen. Die Leitung der Finanzen der Gemeinde ruht in den bewährten Händen des Herrn Vertreters Moritz Karpeles. Ihm ist in erster Linie die Herstellung eines wohlgeordneten Haushaltes in der Gemeinde zu danken. Unter den vielen Verdiensten desselben, sei noch besonders die Neuregelung der Beamten-Gehalte erwähnt. Außer den Sektionen, die im Gemeindevorstande bestehen, entwickeln einzelne Comite's große Thätigkeit; fo insbesondere das Friedhofcomite unter Leitung des Herrn Baurath Stiaßny und das Administrativ-Comite, (Rechtssection) an dessen Spitze Herr Obmann Dr. Stern steht. Letzterem Comite obliegt nunmehr die schwierige Aufgabe der Fertigstellung eines neuen Statuten-Entwurfes, in welchem den gerechten Ansprüchen verschiedener Parterschattirungen Rechnung getragen werden soll. Die Ausführungen des Herrn Vorsitzenden werden mit lebhaftem Beifalle von der Versammlung entgegengenommen. Zur Verlesung gelangen Zuschriften der jüdischen Gemeinde in Berlin und Budapest, in welchen der neuen Einführung des feierlichen Freitagabend-Gottesdienstes lebhafte Anerkennung gezollt wird. Der Obmann der Finanz-Section, Herr Moritz Karpeles verliest den Rechenschafts-Bericht und knüpft hieran folgende Bemerkungen: Meine Herren! Wenn der Ihnen soeben verlesene Rechnungs-Abschluß für das abgelanfene Jahr einen Gebahrungs- Ueberschnß von fl. 23.600, beziehungsweise Capitals-Zuwachs per fl. 25.600 ausweist, so darf hiebei nicht übersehen werden, daß unser Effectenbesitz einen Curs-Zuschlag von nahezu fl. 4000 erfahren hat, und daß einige ex 1892 budgetirte Posten, wie die Subvention für das Seminar und unsere Beitragsleistung für den Bau der polnischen Synagoge, derzeit noch nicht in Anspruch genommen worden sind. Dennoch meine Herren dürfen wir von dem Ergebnisse der letztjährigen Gebahrung befriedigt sein, denn nicht nur haben wir an unseren Friedhofs-Anlagen fl. 12.500 amortisirt, wir haben auch die Zuschüsse von fl. 15.800 an die ehemaligen Vororte-Gemeinden und ebenso die außerordentlichen Auslagen an Adaptirung unserer Kanzlei-Localitäten und Neuanschaffungen von Mobilien vollständig in Abschreibung gebracht. .Meine Herren, anläßlich der Bilanz-Vorlage im vorigen Jahre konnte ich mit einiger Sicherheit voraussehen, daß es Ihrer Umsicht gelingen wird, ohne Deficit in das neue Jahr einzutreten; leider hege ich die Besorgniß, daß meine Ihnen gewordene Mittheilung, im laufenden Jahre einem Deficite nicht zu entgehen, sich bewahrheiten wird, weshalb wir uns vorläufig damit trösten müssen, daß unsere Rechtssection das neue Statut bald unter Dach bringen wird, damit wir nach dessen Genehmigung seitens der hohen Regierung in die Lage kommen, die wohlhabenderen Mitglieder unserer Gemeinde zur erhöhten Steuerleistung heranzuziehen. Ich beehre mich noch mitzutheilen, daß der Rechenschafts- Bericht zur Einsichtnahme durch 14 Tage im Sekretariate auf- - liegen wird.