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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-03-17 · 11 (17.3.1893) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
11 (17.3.1893)
Date
1893-03-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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lUv. 11 OLslerreichifrtze Wvchrnschrifi Teile 199 diern, Arabern und Juden sprechen, sondern muß b eg innen mit den Babyloniern. Abgesehen von ihrer literarischen Bedeutung sind aber die Berichte der alten Babylonier für das Studium der Sprache, Geschichte und der Religion unschätzbar. Vieles, was im Mythos unerklärlich war, wird jetzt hell beleuchtet; das a l t e Testament, Grundlage und Ausgangspunkt des neue n, erhält seine natürliche Ergänzung aus den Schriftwerken der Assyrer-Babylonier, geschrieben in einer Schwestersprache des alttestamentarischen. Die Cultur der Babylonier vererbte sich auf die Perser und Meder und durchaus nicht unbeeinflußt blieben die kleiuasiatischen Griechen, welche ihrerseits wieder die westliche Cultur nach dem Mutterlande trugen, von wo aus ihr Einfluß immer größere Kreise gewann. Mit der Kenntniß der babylonischen Literatur haben wir den Urquell der westasiatifchen Civilisatiou erreicht und somit die Heimat aller Cultur kennen gelernt. Was Göthe zu seinem Divan als Schild geschrieben hat, das könnte vor eine Geschichte der Weltliteratur mit Fug und Recht als Motto gestellt werden: „Wer sich felbfr ltitD io!u:t, Wird auch hier erkennen: Orient und Occident Sind nicht mehr zn trennen." „Sinnig zwischen beiden Welten Sich zu wiegen lass' ich gelten Also zwischen Ost und Westen Sich bewegen, sei's znm Besten Lesefrüchtr. Ich bin in der Judenfrage der Ansicht, daß die Calamität des Antisemitismus ein organischer Schaden unserer Nation ist, der nicht eigentlich geheilt, sondern nur verwachsen gemacht werden kann durch die steigende Humanisirung der Deutschen. Wenn unser Osten auf der gleichen Höhe der Cultur stehen wird, wie unser Westen, io wird der Antisemitismus nicht schlechthin beseitigt, aber so weit zurückgedrückt sein, wie dieß bei organischen Ländern möglich ist. Bis dahin ist es wohl zweckmäßig, den groben Fälschungen und Verdrehungen der Antisemiten im Einzelnen zu antworten und aus den groben Klotz einen groben Keil zu setzen.- Theodo r Mo mmsen. Die Religion der Juden gehört unzweifelhaft zu den erhabensten und reinsten Religionen der Welt und ihre Rasse ist nach meiner Ansicht die intelligenteste und thatkrästigste unter allen Nassen der Welt. Sie wird die Herrin dieser Welt werden und wird es auch verdienen. — Tie inferiore Entwicklung der Rassen, mit denen die Juden in Berührung stehen, und die Acte der Ungerechtigkeit, deren Opfer sie gewesen, haben bei ihnen diejenigen Fehler hervorgerufen, deren man sie in dem Maße anklagt, als jene Vorwürfe begründet sind. __ Em ile de La veley e, l. e. &. 54. Der Antisemitismus ist Undank, ist Neid, ist der rohe Ausbruch einer irregeleiteten communistischen Gesinnung, die sich mit Stnmmeshaß, mit Glaubenseifer, mit Vaterlandsliebe bemäntelt. Seine Wuthansbrüche haben ihn geächtet und gerichtet. — Der Jude lebe unter uns nicht bloß mit der Freiheit, die ihm das Gesetz verleiht, sondern in der Liebe der Gesellschaft, als stachelndes Vorbild. Wenn wir seine Vorzüge anerkennen und zu verwerthen trachten, wird er die nnsrigen sich aneignen und dankbar schätzen. Wir werden einander lieben und segnen. Wir werden werkthätig erfüllen, was die zwei größten Juden, welche vielleicht auch die größten Menschen waren, die je gelebt, was Jesus und Spinoza gepredigt haben. % . Jac. Moleschot. Das älteste cosmopolitische Volk der Erde ist das hebräische. Seine räthselhafte Thai, lange vor Socrates, Seneca und Epicur vor Alexander, Paulus und Marc Aurel, war die Entdeckung die Einheit des physischen und moralischen Cosmos, mit einem Worte der Monotheismus. Die mosaische Genesis hat den höchsten metaphysischen Begriff vom Menschen ausgestellt, nämlich, daß er das Ebenbild Gottes oder der Sohn Gottes sei. Alle Menschen haben demnach, der jüdischen Schöpfungsgeschichte gemäß, an dieser Ebenbildlichkeit Theil und daraus fließt die Anerkennung der Menschenwürde überhaupt, wie die Gleichheit und Brüderlichkeit aller Nachkommen Adams. — Die Mission des Judenthums war es, den Schatz der reinen theistischen Vorstellungen zu sammeln und in seiner Bundeslade zu hinen, um ihn dann der Menschheit zn überliefern. Ferdinand Gregorovins in: Briefe berühmter christlicher Zeitgenossen über die Jndensrage, herausg. von I. Singer, Wien 1885. Wenn der Athener der Künstler, der Rörner der Politiker der Phönicier der Handelsmann, der Assyrer der Astronom der Aegypter der Astrolog und der Perser der Tvldat ist, so ist der Jude durch seinen Tempel und durch seinen Gott der Priester ves Alterthums. Die Hauptideen unserer Theologie, die Idee des absoluten und ewigen Seins ist seine Idee; das Moralgesetz, das uns noch jetzt mit seinen unzerstörbaren Geboten beherrscht, ist geschrieben worden in der Gluth des Dornbusches am Horeb und beim Dunkeln der Blitze des Sinai. Nur die Zähigkeit eines solchen Volkes konnte die Idee der Einheit Gottes unverletzt erhalten, als die Sphynxe auf ihren Piedestalen von Granit sich bewegten und die Nymphen und Sirenen, ebenso in den Wogen der Lüste, wie in dem Laus der Bäche sangen, uni die Welt heidnisch zu machen. E m i l i o C a st e l a r. Wien. Das Resultat der Reichsrathswaht in Troppan gestaltete sich gerade so, rvie die Landtagswahl im Bezirke Körnen bürg zu einer vollständigen Niederlage der antiliberalen Parteien. Sie haben bas Troppauer Mandat bei den allgemeinen Neuwahlen des Jahres 1885 erobert, im Jahre 1891 noch mit erheblicher Majorität behauptet und müssen es jetzt schon, kaum zwei Jahre nach den Neuwahlen, einem gegnerischen Candidaten ausliesern. Wir stehen da vor einem raschen und unaufhaltsamen Niedergange, vor einem eclatanten Umschwünge in der Gesinnung der Wählerschaft. Man hat Jahre hindurch Gelegenheit gehabt, die strammen und verschämten, die schwarz-weißen und schwarz-gelben Antisemiten an der politischen Arbeit zu sehen, nran hat sie in der Vertretung des Reiches, des Landes und der Genieinde hinreichend beobachten können und man hat zwar noch nicht überall, aber doch schon an manchen Orten herausgesundeu, daß eine ernste, gewissenhafte und ersprießliche Wirksamkeit im Interesse der Allgemeinheit von ihnen nicht zn erwarten ist. Diese Ueberzeugung hat für die Antisemitenpartei vor zwei Wochen den Verlust des Korneuburger Bezirkes, am gestrigen Tage den Verlust des Troppauer Mandats zur Folge gehabt uud sie wird voraussichtlich in nicht allzuserner Feit auch an anderen Hochburgen des Antisemitismus erfolgreich ihre Kraft erproben. Wien. ^Ein Ungar in Amerika zum Tode verurtheilt.) Der aus Debreczin in New-Dork eingewanderle Adolf Reich kam am 14. April 1887 nach verrichteter Tagesarbeit nach Hanse. Er fand seine Stube voll mit Polizisten, und auf seine Erkundigungen, was geschehen sei, theilte man ihm kurz mit, daß seine Frau ermordet worden sei. Ein bei ihm wohnhafter Miethsherr namens Groß lenkte den Verdacht der Thäterschaft aus ihn und Reich wurde als Mörder verhaftet. Da Reich völlig mittellos war und nicht die Mittel für die Beistellung eines Vertheidigers hatte, zog sich der Proceß durch Jahre hin. Ein Landsmann Reich'», der Rabbiner Edward B. M. Browne, nahm sich der Sache an, ließ denselben jedoch bald wieder in Stich. Endlich fand sich für Reich ein Privatanwalt, der die Sache genau untersuchte und fand, daß Reich die Frau nicht ermordet haben konnte. Nachdem das Alibi constatirt wurde und man allgemein annehmen mußte, daß Reich nun freigesprochen werde, erklärte der von dem Gerichtshöfe beigestellte Advocat sonderbarerweise, er wolle den Geschworenen beweisen, daß sein Client, der sich überhaupt als ganz unschuldig erklärte, die Frau wirklich ermordet Haie, daß er es aber bei Bertheidigung seines Lebens gethan habe. Reich, wie auch sein Privatanwalt protestirten gegen die Ausführungen des Vertheidigers und verlangten dessen Absetzung. Der Vertheidiger, welcher vom Gerichte beigestellt war, beharrte auf seinem Amt und Reich wurde nach jahrelanger Untersuchung zum Tode durch den Strang verurtheilt. Der Privatanwalt Reich's setzte es jedoch durch, diesem von dem Galgen zu retten und vorläufig die Aenderung.seiner Strafe in lebenslängliche Haft zu erwirken.

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