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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-03-17 · 11 (17.3.1893) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
11 (17.3.1893)
Date
1893-03-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 11 Oesterreichifche Wochenschrift Seite 1S7 archive in neuerer Zeit oft wichtigere Beiträge zur Culturgeschichte liefern, als die Staatsarchive, wie Zeitungen ungefärbtere Dar« stellungen der Gegenwart und Vergangenheit liefern, als Hofhistoriographen und Gedenkbücher der Höfe. Am besten ^beleuchten wieder Beispiele die Art dieser Urkunden. Der sogenannte Sargonstein des Berliner Museums beginnt folgendermaßen: „Im zweiten Jahre des Salmanassar, Königs von Assyrien, da Jliada Statthalter von Dur-ilu war, hatte Nabuli, Sohn des Nursin zu Jna-ischi itir, Sohn des Arakutu folgendermaßen gesprochen: „„Dies Stück Boden empfange ich aus der Hand des Jddinwi-Nabri für 55 Schekel Gold; nun den Boden zwar, den gibt er; aber sein angrenzendes Stück ist in Deiner Verfi'lgung; gib es mir und ein Grundstück für das Grundstück am -neuen Canal will ich Dir geben. Aber über den Boden, den ich aus der Hand des Jddina-Nabu werde empfangen haben, siegle seine Tafel und gib ihn mir und 6 Schekel gemäß der Abmachung will ich Dir geben. Jnnifchiitir hörte den Nubuli und das Grundstück, welches an seinem angrenzenden gelegen war, gab er — — — — — —* — — — — — Er hat das Geld in Empfang genommen und Besitz ergriffen; Zurückforderungsklage wird nicht sein, nicht werden sie den Vertrag umkehren, widereinander werden sie keine Klage erheben. Utes Jahr Sargon, Königs von Aschur, ist die Tafel gesiegelt. Wer mit solchen (oben angeführten) Klagen Ungiltigkeit beantragt, den sollen Aru, Bit und Ea, die Götter, mit unlösbarem Fluche und Elend verfluchen; Sin-Nannar von Himmel und Erde ihn in (Lumpen) kleiden und ein böser (Urükku) (Geist?) ihn beim Erreichen seiner Stadt schlagen. Mit den Siegeln, jener Tafel geschehen vor Schabaia, Sohn des Nur-Sin, Anu-Nazir. Sohn des Nur-Sin, Jabnia, dem Chezonubeamten re. rc. als Zeugen. Eine große Anzahl solcher und ähnlicher Urkunden gibt genauen Aufschluß über die Rechtsgebräuche jener aUen Völker und in neuester Zeit haben Juristen unterstützt von Philologen, die nach Hunderten zahlenden Rechtsurkunden studiert und wichtige Resultate zur vergleichenden Rechtsgeschichte erzielt. Characteristisch ist auch die Briesli teratur und insbesondere diejenigen Briefe sind merkwürdig, welche zwischen den königlichen Hofbeamten und dem Könige, zwischen Befehlshabern und obersten Kriegsherren gewechselt wurden. Sie müssen zur geschichtlichen Literatur gerechnet werden, weil sie von kulturhistorischer Bedeutung sind und aus ihnen mancher Schluß auf das staatliche und sociale Leben gezogen werden kann. Azla, ein Beamter schreibt: „An die Mutter des Königs, meine Herrin, Dein Knecht Azla: Bel und Nebo mögen die Mutter des Königs segnen! Ich flehe jetzt' täglich zu Nebo für das Leben und die Länge der Tage des Königs der Länder meines Herrn, und der Mutter des Königs, meiner Herrin. Mutter des Königs, meine Herrin! sei getrost! Ein Gnadenbote Bel's und Nebo's zieht mit dem König, meinem Herrn". — Der Sohn der Königinmutter, der regierende König, ist auf einer gefahrvollen Unternehmung begriffen; die Mutter sorgt sich um ihn. Azla aber ermuthigt sie durch den Hinweis, daß der König unter dem Beistand der Götter stehe, die ihm Schutzengel ausgesendet hätten. Kudurru schreibt an den König: „An den König der Länder, meinen Herrn, Dein Knecht Kudurru! Erech und Nona mögen den König der Länder, meinen Herrn, segnen! Täglich flehe ich zur Göttin Jstar von Erech und Nona für das Leben meines Königs." Ein. anderes Schreiben lautet: „An den König meinen Herrn: Die Astrologen, Weissager, Beschwörer, die Palastwürdenträger hiesiger Stadt sollen am 16. Nisen verpflichtet werden. Man stelle nun ehestens die Eidesformel fest". — In der poetischen Literatur der Babylonier ragt zuvorderst das Epos hervor, das echte Volks- und Nationalepos in ganzer ursprünglicher Kraft. Das Hervorragendste ist das Nimrodepos. Nimrod, ein Löwentödter, wie der biblische Held gleichen Namens, ist als Herkules bei den Griechen wieder zu finden; wie Nimrod vollführt Herkules 12 Arbeiten entsprechend den Jahresmonaten. Eine der interessantesten Epiioden ist die Erzählung von der großen Fluth. Nachdem Jzduber auf den Befehl der Götter ein großes Schiff zur Aufnahme der Lebewesen gebaut hat und alles unter Dach und Fach ist, bricht die Fluth herein: _ „Als die Morgenröthe anbrach, stieg auf am Horizont des Himmels schwarzes Gewölk. Ramun donnerte drin, während Nebn und Morduk hervortraten und als Führer schritten über Berg und Thal. Das Schiff riß los, Uragel der'Gott; er schritt dahin Ninie, überschwemmen die Ufer, die Anunaki, die Fackel erhoben, erzittern machten das Erdenrund. Zum Himmel stieg der Wogenschwall empor, und alles Licht in Finsterniß sich verlor. Wie ein Schlachtsturm fuhr auf die Menschen das Ungewitter los, nicht sah der Bruder seinen Bruder mehr, nicht erkannten die Menschensöhne des Himmels Heer. _ Selbst Götter sich fürchteten vor dem Fluthensturm, Hinaufstiegen sie zum Himmel, flohen und kauerten nieder. Jschter schrie wie eine Gebärende, er rief die freundlich Redende: Dieses Volk ist wieder geworden zu Lehm; wie ich von den Göttern es vorhergesagt, das Böse, zur Vernichtung meiner Menschen habe ich den Sturm vorhergesagt; was ich geboren habe, wo ist es hin? wie Fischbrut füllen sie das Meer! Es weinten die Götter, und beugten sich vor Thränen.- Ich öffnete die Luke — Licht fiel auf mein Antlitz, ich sank geblendet zurück, setzte mich hin und weinte. Aufschaute ich — die Welt ein weites Meer: Zwölf Ellen hoch stieg Land auf. - Als der siebente Tag herannahte, ließ ich eine Taube fliegen. Die Taube flog hin, flog her; ohne Ruheplatz zu finden kehrte sie wieder. Dann ließ ich eine Schwalbe fliegen; die Schwalbe flog hin, flog hin, flog her; doch da kein Ruheplatz, kehrte sie wieder. Einen Raben ließ ich fliegen; der Rabe flog, sah des Wassers Abuehmen, fraß, ließ sich nieder — kam nicht wieder. Da ließ ich nach allen Winden alles hinaus, goß ein Opfer aus, bereitete Opferspende ans des Berges Gipfel." Ein zweites Epos ist „Die Höllenfahrt der Jstar." Um diese Göttin ist überhaupt ein großer Mythenkreis geschlungen. In einer Inschrift wird sie als Göttin gepriesen, die Gebete erhört, annimmt das Seufzen, entgegennimmt das Flehen, als das vollkommene Licht, das riesige, das Himmel und Erde erleuchtet, deren Namen in allen Landen genannt wird, die Leben verleiht, die gnadenreiche Göttin, zu der es gut ist zu beten." Ein Hymnus besingt sie folgendermaßen: (Der Priester.) Licht des Himmels, das wie Feuer aus Erde» flammt, bist Du, Jschtar, wenn Du auf Erden erscheinst, Die Du gleich der Erde kostbar bist. Dann grüßen Dich segnend die Pfade der Gerechtigkeit. Wenn Du eintrittst in das Haus der Menschen, Gleichst Du dem Tiger, der zum Raub eines Zickleins bereit steht, Dem Löwen, der aus den Gefilden einherschreitet: O Licht, o Magd, Zierde des Himmels, Magd Jschtar, Zierde ves Himmels, Die Du in eine glänzende Wohnung gesetzt bist, Zierde des Himmels Schwester des Sonnengottes, Zierde des Himmels. Die sonst noch vorhandenen Poesien stehen im Dienste der Religion und des Glaubens; ihr Character ist der allgemein semitische, der gleiche, wie ihn die hebräische und arabische, zum Theile auch die persische Poesie aufweist; Parallelismus der Strophen, starke Extreme, Häufung von Synonimi's, Unterwürfigkeit, Gefühlstiefe. Ein an den Sonnengott gerichteter Hymnus z. B. lautet: „£ Herr, Erleuchter der Finsterniß, Du, der das Gesicht des Schmerzes öffnest, Barmherziger Gott, der Tu Gefallene erhebest, Der Du Schwache stützest, In Dein Licht blicken die großen Götter: Die Geister der Erde, alle, beugen sich vor Deinem Angesicht, Die Sprache des Lobes wie ein Wort lenkest Du, Die Menge ihrer Häupter beugen sich vor dem Licht der Mittagssonne : Gleich einem Weibe unterwirfst Du Dich, heiter und freundlich: Wahrhaftig, Du bist ihre Leuchte im Gewölbe des weitentlegenen Himmels, Der weiten Erde Banner bist Dü, Bor Dir beugen sich Menschen Weit und fern und frohlocken!" Hier weht der Geist echt orientalischer Poesie und man denkt unwillkürlich an die Davidischen Psalmen; kein Zweifel

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