Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 10 (10.3.1893)
- Date
- 1893-03-10
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 10 Oesterreichische Wochenfchrist Seite 185 Wien. (Lese- und Redehalle jüdischer Studenten.) Samstag den 11. d. M., um 10 Uhr Vormittags findet in Robitschek's Restaurant, 1. Bezirk, Wipplingerstraße, die konstituirendeVersammlung der „Lese- und Redehalle jüdischer Studenten" statt. Der neu zu gründende Verein soll ein geistiger Sammelpunkt der jüdischen Studentenschaft ohne Unterschied ihrer Parteistellung werden, anderseits aber bei Wahlen und sonstigen Anlässen, welche die Jnterefien der Studentenschaft im Allgemeinen oder der jüdischen Studentenschaft insbesondere berühren, die Wahrung diesbezüglicher Rechte und geeintes Vorgehen ermöglichen. Wien. (2. Verzeichnis von Bücherspenden für die Bibliothek des Rabbiner-Seminars in Wien.) Von Herrn Salomon Adler Amschelberg Schulchan- Aruch Beer-Hetiw 5 Bände. Bon Herrn Jacob Kraus in Strakonitz: Sefer Hamezwoth von Maimonides mit jüdisch-deutscher Uebersetzung 1713. Kusari mit Commentar Rezach-Jsrael, Mischnajott 4 Bände. Aruch-Haschalom von Kohut 1 Band. Kosnath-Or Amsterdam, Schulchan Aruch Magen Awraham. Von Herrn S. Josefsthal Fabrikanten Wieliczka: Talmud Babli Wien 1864, Alfassi 6 Bände. Rambam 4 Bände, Urim Wotumim 2 Bände, Schulchan Aruch Joredea — sämmtliche Exemplare Prachtausgaben. Schulchan Aruch Choschen Mischpot. Pne Jhoschua 3 Bände, Turim 3 Bände. Midrasch Rabba und weitere 5 diverse Bände talmudischen Inhaltes. Von Herrn M. Freiwillig in Wien 9 Stück diverse: - Chowath Halbaboth, Chaje Adam rc. Wien. Ueber Wunsch der kaiserlich ottomanischen Botschaft am Wiener Hofe, fand am 6. d. M. anläßlich des Geburtsfestes Sr. Majestät des Sultans Abdul-Hamid im Tempel der türkisch sephard. Gemeinde ein solenner Festgottesdienst statt, welchem sämmtliche Dignitäre der Botschaft beiwohnten. Es waren erschienen der Botschafter Sr. Excellenz Zia Bey, die beiden Botschaftsräte, sowie der hiesige türkische Militär-Attache, der gesammte Vorstand der türkischen Gemeinde mit dem Präses M. Russo an der Spitze, der Vorsteher der israelitischen Cultus- Gemeinde Salo Kohn, Reichsraths-Abgeordneter Dr. Bloch, Gemeinderath Seiler, kaiserl. Rath Wilhelm und andere hervorragende Persönlichkeiten. Die Feierlichkeit wurde durch ein stimmungsvolles Präludium (von Orgel und Harfe) eingeleitet und schloß sich hieran ein „Ma-Towu" der vom gemischten Männer- und Knabenchor wirkungsvoll vorgetragen wurde. Nach der Rede des Chacham Papo kam Psalm 21, eine an musikalischen Schönheiten überreiche Hymne von Heinrich Elias zur Aufführung. Das Tenor-Solo und das hierauffolgende Gebet für den Sultan, wurde vom Obercantor I. Bauer in äußerst erhebender Weise zum Vortrage gebracht. Zum Schlüße wurde die Sultan-Hymne gesungen, deren exacte Aufführung dem Chor-Dirigenten I. Löwit zu danken ist. Beim Verlassen des Gotteshauses sprach sich der Botschafter in sehr anerkennender Weise über den gelungenen Festgottesdienst aus. Wien. (Todesfall). Am 2. d. M. verschied, nach ganz kurzer Krankheit Herr Ludwig Löw, Reisender der Firma C. Budischofsky & Söhne im 29. Lebensjahre inmitten seiner . rastlosen Thätigkeit zum Schmerze seiner jungen Gattin und beider einjährigen Zwillingsknaben und seiner betagten Eltern. An diesem Schmerze theilen sich auch die Lederbranche, der Verein Reisender Kaufleute, die Humanitären Vereine Zwanglos und Obessä sebel Lmes" und seine zahlreichen Freunde und Verwandten. . Ludwig Löw war ein Mann der bei seinen Bekannten allseitige Sympathien genoß, und werden ihm Selbe sicher ein ehrendes Angedenken bewahren. In diesem Sinne sprachen an seiner Bahre Sr. Ehrwürden Herr Dr. Wolf, Herr Ehrlich vom Vorstände Reisender Kaufleute, Herr Goldner vom Zwangslos welche Vereine deputativ mit „Obeseä sebe! Emes“ erschienen, ebenso zahlreiche Freunde und Bekannte. Die Erde sei ihm leicht. Baden, am 2. März 1893, halb 4 Uhr Nachmittags, fand auf dem israelitischen Friedhofe das Leichenbegängniß des in Wien verstorbenen kaiserl. Rathes u. Inhaber der Kaltwasser- Heilanstalt in Gainfarn Herrn Dr. Siegmund Friedmann unter großer Betheiligung aus Wien und der weitesten Kreise der hiesigen Bevölkerung statt. Die sterblichen Ueberreste des Verblichenen waren im Sinne desselben aus Wien hieher überführt wörden. Dem Begräbnisse wohnten bei: Die Gemeinde- Vertretung Bösläu, Gainfarn, deren Ehrenbürger der Verblichene war, der Gesammtvorstand der isr. Cultusgemeinde Baden mit dem Präses derselben, Herrn Moriz Lettner, der Pfarrer von Gainfarn, zahlreiche Berufscollegen aus Wien und Baden. Herr Rabbiner W. Reich von Baden hielt eine ergreifende Trauerrede, in welcher er die Verdienste des Hingeschiedenen meisterhaft darstellte, hinweisend auf den Spruch: „Nicht die Stellung ehrt den Mann, sondern der Mann seine Stellung". Unter den zahlreichen Blumengewinden, welche die Bahre schmückten, fiel besonders jenes Gustav Freytags, sowie des Hofrathes Prof. Nothnagel, des Prof. Neumann, der Faniilie Gisera's, des Prof. Neuster auf. Den Hinterbliebenen sind Beileidsbezeugungen zugekommen vom Cardinal Galimberti, Corpscommandanten FZM. Grafen Bylandt-Rheidt, dem Vicepräsidenten des Abge- Ardnetenhauses Baron Chlumecky, dem Abgeordneten Neuwirth und Grafen Bonda, den Professoren Hofrath Billroth, Gustav Braun, Dräsche, Chroback, Graf Costeü u. s. w. Nachdem die beiden Söhne des Verblichenen das Kadischgebet gesprochen, schloß das Leichenbegängnis, welches in pietätvoller Weise unter imposanter Theilnahme stattgefunden hatte. Jungbunzlau. Von der Schrift: Ueber den Einfluß der Psalmen auf die Entwicklung der christlichen Liturgie und Hymnologie mit steter Rücksichtsnahme auf die talmudisch-midraschische Literatur von Dr. M. Grünwald, Bezirksrabbiner und Redacteur des jüdischen Centralblattes in Jungbunzlau ist soeben das fünfte, d. h. das Schlußheft erschienen. Das gesammte Werk ist durch die Buchhandlung I. Kauffmann in Frankfurt a. M. zu beziehen. Lemberg. Sonntag, den 19 v. M. wurde hier eine edle Frau unter großer Betheiligung zu Grabe getragen, Frau FannyJmmerdauer, Gattin des Herrn Leiser Jmmerdauer, wklche durch einen Herzschlag im Alter von 58 Jahren plötzlich aus dem Leben geschieden, aus einem Leben, welches als leuchtendes Beispiel tugendhafter Frömmigkeit und der wahren, stillen Wohlthätigkeit volle Würdigung verdient. Sie hinterläßt einen gramgebeugten Gatten, mit welchem sie während 40 Jahre in glücklichster Ehe lebte und eine zahlreiche Nachkommenschaft. Aber auch allen Hilfsbedürftigen war sie eine Schützerin und Trösterin und so wurde hier durch ihren frühzeitigen Tod allgemeine Trauer und Theilnahme erweckt, was auch >nn den Trauerreden anläßlich der Leichenfeier zum Ausdrucke kam. Unvergessen wird die Erinnerung an diese hochherzige Frau fortleben bei Allen, die sie kannten. Ung-.Brod. Im Nachlasse des verstorbenen Rabbiners M. D. Hoffmann fanden sich zwei Manuskripte vor, betitelt: „Sefer Rabaus Machschuwaus" und „Sefer Miduh Nechaunuh". Bei Lebzeiten war es dem Verfasser nicht gegönnt, das Werk in Druck erscheinen zu lassen, wiewohl sein sehnlichster Wunsch dahin ging, diese schriftstellerischen Arbeiten seinen früheren Publikationen anzureihen. Welcher Autor empfindet nicht die stille Sehnsucht, die im Manuscripte gebundenen Gedanken der Fesseln zu entledigen und der großen Lesewelt zugänglich zu machen. Als Professor Kaufmann vom Budapester Seminar die hinterlassenen Schriften seines Schwiegervaters Lion Gomperz drucken ließ, spendete Rabbiner Hoffmann diesem pietätvollen und ede.'müthigen Schritte volles Lob und rückhaltlose Anerkennung. Es ist für ein Werk eine besondere Gnade Gottes, ehrenvoll für den Verfasser, rühmlich für den Herausgeber. Wie die Menschen, so haben auch Bücher ihre Schicksale. Das gleiche glückliche Schicksal erfährt eben das umfangreiche Werk „Sefer Rabaus Machschuwaus", welches 3 Theile umfassen wird. Dank der selbstlosen Opferwilligkeit der engeren Familie Rabbiner Hoffmann's erscheint jetzt, mehr als 3 Jahre nach seinem Tode, der erste Theil des Werkes im Druck. Gleich seinem ersten Werke „Schibolim" ist auch dieses pilosophischexegetischen Inhaltes. Auf dem Gebiete der Exegese war Rabb. Hoffmann als Meister anerkannt. Prag. (Der isr. Krankenpflege-Verein) „vereoü äesebara und Llaskil ei dol“ hielt am 2. März um 5 lj.> Uhr Nachmittags im Sitzungssaale des isr. Rathhauses seine ordentliche Generalversammlung ab. Dem vom Präses, Herrn Herrmann Jnwald, vorgetragenen Geschäftsbericht ist ersichtlich, daß der Verein am 31. December 1892 292 Ehren-Mitglieder und 88 wirkliche Mitglieder, zusammen 380 Mitglieder zählt. In Krankheitsfällen wurden 10 Mitglieder während einer Gesammtdauer von 249 Tagen mit einem Kostenaufwande von 570 fl. verpflegt, so haß