Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 10 (10.3.1893)
- Date
- 1893-03-10
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3020954-3020964--02215-3026293- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
r/. r.. Kr Seite 184 Oesterreichische Wochenschrift Nr. 10 wie der christlichen. Der Redner wies im Weiteren die Angriffe Litfin's gegen die officielle Socialdemocrätie zurück. Der zu weit vorgerückten Zeit wegen wurde schließlich die Debatte bis zu einer demnächst wieder einzuberufenden Versammlung vertagt. Hamburg, 18. Februar. Medicinal-Jnspector Dr. Reincke theilt in einem Schlußaufsatz der „D. M. Wchsch." über die Cholera in Hamburg eine Reihe hochinteressanter Beobachtungen mit. so zunächst über den geringeren Antheil der Juden an den Opfern der Seuche. Der Friedhofs-Verwalter hatte ihn darauf bingewieser'., daß im August und September auf dem allgemeinen Friedhofe 6,4 mal so viel Leichen beerdigt seien, als im Durchschnitt der letzten 3 Jahre, auf dem jüdischen Friedhofe dagegen nur 3,5 mal so viel. Dieses sehr viel günstigere BerhLltniß bei den Juden glaubte er mit rituellen Speisegesetzen und Waschungen erklären zu sollen, um so mehr, als es im Uebrigen in Bezug auf die Reinlichkeit bei den Juden eher schlechter stehe, als bei den Christen. Der Medicinal-Jnspector hat dann mit seinem College« Dr. B. Levy über die Frage gesprochen, und dieser ist jener Meinung sehr bestimmt entgegengetreten. Nur ein kleiner Theil seiner Raffegenoffen halte streng an den rituellen Vorschriften, während doch alle auf den jüdischen Friedhof kämen. Nach seiner Meinung sei die Thatsache dadurch zu erklären, daß die Juden in Bezug auf ihr körperliches Befinden sehr vorsichtig und ängstlich wären, jedes Anzeichen gleich beobachteten, sofort zum Arzt schickten und diesem in der Regel gehorsamer folgten als die Christen. Dr. Reincke stimmt nach seinen Erfahrungen dieser Meinung bei. Düffeldorf, 18. Februar. Kurz nach dem Buschhof-Proceß kamen am 17. und 18. Juli v. I. im Kreise Grevenbroich an mehreren Orten wüste Juden-Krawalle vor, bei denen namentlich in Gindorf mehrere von Juden bewohnte Häuser demolirt worden waren. Die Anstifter dieses Unfugs hatten am 10. September vor dem Schöffengericht in Grevenbroich ihre Strafe erhalten. In jener Schöffengerichts-Sitzung nun sollen die in Gindorf wohnende 60jährige Witwe Samuel Beer und deren Sohn Isaak in Bezug auf diese Excesse wissentlich Thatsachen falsch bekundet und beschworen haben, weshalb sie heute unter der Anklage des Meineids vor dem hiesigen Schwurgericht standen. Ueber Hundert Zeugen aus Gindors und Umgegend waren geladen, bei deren Vernehmung die antisemitische Bewegung in jener Gegend öfter zur Sprache kam. Die Verhandlung endete mit der Freisprechung beider Angeklagten. Bern, 28. Februar. Die Mehrheit der Commission des Nationalrathes, bestehend aus 5 Mitgliedern/' beantragt ^das Volksbegehren betreffend das Schächtverbot in folgender Fällung zur Abstimmung zu bringen.'- Der Bund wird über das Verfahren beim Schlachten der Thiere sowie überhaupt im Interesse des Thierschutzes gesetzgeberisch Vorgehen. Die Minderheit, bestehend aus 4 Mitgliedern, will zu Händen des Volkes die Verwerfung des Schächtinitiativbegehrens beantragen. New-Aork, im Februar. Ein niedliches Stückchen Judenhetze leistet sich die Berliner „Post", indem sie folgenden Brief ihres Londoner Correspondenten abdruckt: „Mr. Phelps, der letzte Woche mit der „Etruria" von New-Iork hier ankam, machte gelegentlich einer Konversation an Bord des Schiffes über den Mc' Kinlcy-Tarif einige Bemerkungen, welche zur Zeit von weiterem Interesse sein dürften. Er sagte: Wenn man sich erinnert, daß zum Beispiel noch vor 20, ja 10 Jahren auf dem Broadway in New-Iork die Läden sämmtlich noch alte, gute amerikanische Firmen trugen, und man heute den Broadway entlang wandelt und neben Heymann einen Stein, neben einenr Juden einen anderen Juden findet, so fragt man nach dem Grunde dieser Erscheinung. Die Sache ist einfach diese: Die jüdischen Geschäftsleute haben die Mängel des alten Zollverfahrens schmählich ausgebeutet, dadurch, daß sie die importirten Waaren weit unter deren Werth deklarirten und so immense Zolldefraudationen begingen, bei denen sie so viel profitirten, daß es ihnen leicht gelang, alle Konkurrenz zu überwältigen und sich an die Stelle der reellen Geschäftsleute zu setzen. Mag man nun auch über den neuen Tarif denken wie man will, er hat wenigstens das eine Gute, daß er den Zolldefraudationen ein Ende gemacht hat. Der Mc' Kiuley-Tarif habe die Zolleinnahmen der Bereinigten Staaten um 50 Millionen Dollars pro Jahr erhöht. Dazu bemerkt der ftomme „Reichsbote" ttiumphirend: „Also dem Schwindel der amerikanischen Juden haben wir die Mc'Kinley-Bill wenn nicht allein, so doch mit zu verdanken!" Es ist nicht leicht möglich, in so wenigen Zellen mehr Unsinn und Unwahrheiten zusammen zu drängen, als dies in der obigen Korrespondenz geschieht. Unter dem „Mr. Phelps" kann doch nur der gegenwärtige amerikanische Gesandte in Berlin oder der ftühere amerikanische Gesandte in London gemeint sein. Nun befindet sich aber Ersterer seit Wocken im Süden und Letzterer wird erst dieser Tage mit dem Dampfer „La Normandie" aus New-Aork nach Paris reisen, um an den Berathungen der Behringsmeer-Konferenz Theil zu nehmen. Außerdem würde keiner von Beiden sich in der angegebenen Weise aussprechen. Der Gewährsmann der „Post" verwechselt ferner die Zoll-Berwaltungs-Bill des Herrn Mc' Kinley mit dem Zoll- Tarif desselben: erstere sollte bekanntlich den Zoll-Defraudationen, welche, beiläufig bemerkt, sehr vielen christlichen Firmen nachgewiesen worden sind, ein Ende machen, während letzterer angeblich zum Schutze der amerikanischen Industrie bestimmt ist. Die Einnahmen ans den Zöllen sind denn auch nicht um 50 Millionen gestiegen, sondern fast ebenso viel gesunken. Ob die „Post" wohl ihren Lesern den wahren Sachverhalt mit- Wien. (Trauung.) Sonntag am 19. März 1 Uhr Nachmittags findet im Israel. Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Herrn Dr. Albert H am merschlag mit Fil. Leontine B a r d a ch , einer Tochter des Herrn Dr. Max Bar dach, statt. Wien. (Oesterreichisch-israelitische Union). Samstag, den 11. März 1893 findet um 7 Uhr Abends im Restaurant Khuner i. Schottenring 19 eine Vereinsversammlung statt. Tages-Ordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn A. S. Fischer, Director der Kinderbewahranstalt über: „Geschichtliches über Klein-Kindererziehung. Zur Erinnerung an Josef Ritter v. Werthheimer. 3. Vortrag des Herrn Dr. D. Feuchtwang, Rabbiner in Nikolsburg über: „Babylonische und Hebräische Literatur, eine lirerargeschichtliche Studie. 4. Anttäge und Interpellationen. Damen willkommen. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe.) Dieser Verein hält statutengemäß am Montag, den 20. d. M. in Khuner's Restaurant seine dritte Generalversammlung ab. Tagesordnung: 1. Vorstands-Bericht. 2. Caffa-Bericht. 3. Wahl des Präsidenten. 4. Wahl der 12 Vorstandsmitglieder. 5. Wahl von 2 Cassa-Revisoren. 6. Wahl des ständigen fünfgliedrigen Schiedsgerichtes. Wien. Donnerstag, am 16. März, Abends halb 8 Uhr, veranstaltet die Opernsängerin Frl. Grethe Modlinger, unter Mitwirkung mehrerer Künstlerinnen ein Concert im Saale Ehrbar, IV., 'Mühlgasse 6. Das Programm zeigt erlesene und interessante Piecen. Die Concertgeberin ist eine Tochter des bekannten hebräischen Schriftstellers Herrn Modlinger, der leider schwer darniederliegt, zu dessen Gunsten auch das Concert veranstaltet wird. An alle Freunde und Gesinnungsgenossen richten wir die Bitte, sich an diesem Concert betheiligen zu wollen. Sitze: Cercle ä fl. 2.50, Parterre ä fl. 1.50 und fl. 1—» Enttees a. fl. —.50. Karten-Ausgabe in der Musikalienhandlung des Herrn Alex. Ross, I.. Kärntnerring 11 und am Concert- Abende an der Caffa. Herr Modlinger wohnt 2. Bez., Wittelsbachgaffe 4. Wien. Handelsgerichts-Beisitzer..Das Justiz- Ministerium hat im Einvernehmen mit den Handelsministerium den Productenhändler Wilhelm Na schauer, den Großhändler Victor Ritter v. Boschan, den Leinwandhändler Heinrich Klinger und den Tuchfabrikanten Gustav Schweinburg nach Ablauf ihrer dreijährigen Amtsdauer infolge ihrer Wiederwahl neuerlich zu Beisitzern bei dem Wiener Handelsgerichte ernannt. Wien. Wie die „Extrapost" meldet, hat Meister Stampiglius sich nach Prag begeben, um Herrn Rohling zu bewegen eine Candidatur in den Reichsrath anzunehmen, was ihm schließlich auch gelang. Rohling wird sich um das nächsterledigte Reichsrathsmandat Wiens bewerben, und sollte sich ein solches nicht in der nächsten Zukunft finden, so dürfte für Prof. Rohling durch Resignation eines weniger hervorragenden Mitgliedes der Antisemitenpartei (Prof. Schlesinger) Zutritt in den Reichsrath geschaffen werden.