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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1893-03-10 · 10 (10.3.1893) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
10 (1893)
Issue
10 (10.3.1893)
Date
1893-03-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 10 Oejferrrichische Wochenschrift Seite 183 zu bildenden Cultusgemeinde Friedek-Misiek vorgenommen, bei welcher die Herren Herrmann Löw (Colloredow), Leop. Paneth, Wilhelm Fried und Alois Reik (Friedek), Sigmund Wechsberg (Friedlanv) mit der meisten Sti.nmcnanzahl, dann die Herren Dr. I Lamberg (Mistel) und M. Schwarz (Fnedek) durch das Loos als gewählt erschienen. Nach Schluß der Wahl brachte die ganze zahlreich besuchte Versammlung ein stürmisches dreifaches Hoch ans Seine Majestät den Kaiser aus. In der unmittelbar darauf folgenden constitnirenden Sitzung des Ausschusses. wurde stimmeneinhellig Herr Herrmann Löw zum Cultusgemeinde Vorsteher, Herr L. Paneth als dessen Stellvertreter, Herr W. Fried als Beigeordneter gewählt. Bielitz, 28. Feber 1893. (Erfahrungen in Bezug auf die Schächtmethode.) In dem Schlachthause der'Stadt Bielitz wurden am 24. d. M., wie täglich, mehrere Stück Vieh von Fleischern geschlagen und auch einige von mir, als Schächter der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde geschlachtet. Ein Fleischer, namens Karl Linnert, hatte auch drei Ochsen zum Schlagen, von welchen zwei mit schwerer Mühe fielen. Der dritte Ochs, von mehreren Gehilfen mit circa 30 Schlägen beschüttet, fiel noch nicht, auch nicht als sämmtliche circa 24 beschäftigte Personen mit der Schneide der Hacke am Schädel des Thieres herumschlugen, so daß ganze Splitter vom Kopfe flogen und ein Theil der Gehirnschale einfiel; das Thier, trotz des großen Schmerzes, da doch Theile vom Kopse fielen und das Blut in Strömen floß, erlag noch immer nicht. Sämmtliche anwesenden Personen, denen doch eine starke Natur ihrem Berufe halber zu Grunde liegen muß, packte ein Granen, da sie den colossalen Schmerz nicht ansehen konnten und wollten das Schlachthaus verlassen, als mir ein Herr Althammer, der hier Schlachthausverwalter und zugleich diplomirter Thierarzt ist, sagte, daß er den Schmerz nicht ansehen könne und mich bat, das unglückliche Thier zu schlachten, Nach großen Schwierigkeiten, da das Thier wüthend wurde, band man es und ich schlachtete es auf „trefe". Euer Wohlgeboren können sich unmöglich ein Bild dessen vorstellen, wie ein Vieh leidet, welches geschlagen wird und incht fällt. Dieses wüthende Gebrüll, dieses Ausschlagen, diese Splittertheile vom Kopse fliegen, dieses Blntansströmen, das alles ist nur eine Plage für das Thier, welchem sehr leicht abzuhelfen wäre. Der verständige und praktische Thierarzt selbst sagte es mir unter Zeugen, daß es über das „Schlachten" nichts gibt, da das Thier im Moment besinnungslos zusammenstürzt. David B o ch n e r, Schächter der israelit. Cultusgemeinde zu Bielitz, öst. Schlesien. Meran. (Arische Moral, und Sittlichkeit im frommen Tirol). Das in Innsbruck erscheinende „Tiroler Tagblatt" vom 2. d. M. bringt folgendes Schwurgerichtsrepertoire. „Bei der Montag, den 6. d. M. beginnenden ersten diesjährigen Schwnrgerichtsperiode kommen unter dem Vorsitze des LGR. v. Stcfenelli folgende Straffälle zur Verhandlung: Am 6. d. M. 9 Uhr vorm.: Josef Steiner aus Kitzbühel wegen Tod sch lag und Diebstahl; 4 Uhr nachm.: Josef Eppler aus Novereto wegen Diebstahl; am 7. d. M. 9 Uhr vorm.: Stefan Kohlhofer ans Aurach wegen Nothzncht, Schändung, und Vorschubleistung; 4 Uhr nachm.: Lorenz Klieber aus Telss wegen Nothzncht; 5 Uhr nachm.: Martin Kienprintner aus Scbwendt wegen Nothzncht; am 8. d. M. 9 Uhr vorm.: Joh. Pircher aus Lana wegen Nothzucht, Schändung, Blutschande nnd Verführung, zur Unzucht". Die frommen Tiroler sind nicht verjudet und sie lesen auch keine liberalen „Judenblätter". Um so bemerkenswerther sind die Erscheinungen im Tiroler Gerichtssaale. Berlin, 6. März. (Der Antisemitismus vor einer Versammlung unabhängiger S oc i a l ist e n.) Eine bisweilen etwas stürmische Debatte über den Antisemitismus fand in einer am Sonntag Vormittag in Hosfmann's Salon zu Nixdorf abgehaltenen, von Seiten der unabhängigen Socialisten einberufeuen Volksversammlung statt. Ein großer Theil der Versammelten bestand ans sractionellen Socialdemokraten nnd Antisemiten. Der von dem Einbernfer der Versammlung brieflich eingeladene Dr. Paul Förster hatte angezeigt, daß er am Erscheinen verhindert sei. Der Referent, Metallarbeiter Litsin, führte des Längeren u. a. aus, es sei unwahr, wenn man behaupte, die Juden wollten nicht arbeiten. In London und Nordamerika gebe es sehr viele jüdische Arbeiter. (Beifall nnd Widerspruch.) Die große Mehrheit der dortigen Schneider bestehe aus Juden. Wenn die Juden in Deutschland zumeist dem Handelsstande angehören, so seien daran die Gesetze schuld, die den Juden Jahrhunderte lang jeden anderen Erwerbszweig als den Handel und Schacher verboten hatten. Der Antisemitismus habe zweifellos das Verdienst, daß er dazu beigetragen habe, die Classengeg ensätze zu verschärfen. Deshalb haben die Socialisten auch keine Ursache, den Antisemitismus direct zu bekämpfen. Mögen die Antisemiten immerhin gegen den jüdischen Geldschrank Vorgehen, die Socialisteu werden alsdann um so leichter in der Lage sein, dem christlichen Geldschrank zu Leibe zu gehen. Allerdings sei es Aufgabe der Socialisten, die Arbeiter über die wahren Ursachen des Elends aufzuklären und diese davor zu warnen, den Antisemiten Heeresfolge zu leisten, denn es sei für jeden Klarsehenden kein Zweifel, daß der Antisemitismus nur ein reactiouärer Vorspann sei, der einmal gegen den Liberalismus und das ander Mal gegen das revolutionäre Proletariat ausgespielt werde. Die Regierung bediene sich selbstverständlich nur des Antisemitismus so lange, als es ihr für ihre Zwecke gut scheine. Die Arbeiter werden sich niemals von den Antisemiten ködern lassen. Die Arbeiter bekämpfen aber jede Ausbeutung, gleichviel, ob sie von jüdischer oder christlicher Seite betrieben werde. (Stürmischer Beifall.) Der Redner polemisirte im Weiteren gegen das Vorgehen der sractionellen Socialdemokratie. — Schriftsteller Zenk e r , Antisemit, vertritt unter heftigem Lärm die Anschauungen seiner Partei, und sagt dabei: Wenn wir erst die Juden aus unserem Vaterlands los sind, dann können wir uns unterhalten, wie die Lage der Arbeiter besser werden könne. (Gelächter.) — Schlosser Schwabethal: Durch Rassenhaß werden wir niemals die sociale Frage lösen. Was kann den Arbeiter das schöne Deutschland nützen, wenn er in demselben keine Existenz hat? Wir Arbeiter sagen: „Wo es mir gut geht, da ist mein Vaterland."Wir kennen keinen Rassenunterschied, der Chinese und der Jude ist in unseren Augen ein ebenso girier Mensch, wie der Deutsche. (Beifall.) — Lackirer B ö t t ch e r: Ich bin der Meinung, die Arbeiter haben wohl ein Interesse, den Antisemitismus zu bekämpfen, denn durcl den Antisemitismus wird einestheils bezweckt, die Arbeiter von ihrem Claffeukampfe abzulenken und andererseits will eine Anzahl christliche Ausbeuter ihre jüdischen C o ncurrenten los werden, damit sie alsdann die Arbeiter noch brutaler ausbeuten können. (Lebhafter Beifall und Widerspruch.) Wenn die Antisemiten glauben, die Arbeiter würden sich jemals von ihnen bethören lassen, dann haben sie sich gründlich geirrt. Im Übrigen muß ich Herrn Zenker bemerken, daß ich lieber ein Franzose bin, der etwas zu essen hat, als ein Deutscher, der hungern muß. (Beifall.) — Schlosser Rom: Ich frage Herrn Zenker: weshalb hat die christliche Religion, die schon fast 2000 Jahre die Weltherrschaft hat, das Elend und die Not noch nicht aus der Welt geschafft? Plötzlich sollen an Allem die Juden schuld sein, obwohl der Begründer der jüdischen Religion doch selbst ein Jude war. Die conservativen Großgrunobesitzer brauchen den Antisemitismus, um ihre Arbeiter vor der Socialdemocratie zu schützen. Der Jude wird den ländlichen Arbeitern als Köder hingeworfen, und wenn die Socialdemocraten aufs Land kommen, um wahre Nächstenliebe zu predigen und ihre Brüder über ihre Klassenlage aufzuklären, dann werden sie aus dem Dorfe hinausgeknüppelt. Das ist die Freiheit der Antisemiten. (Beifall und Widerspruch.) — Schlosser Siegerist: Auch ich kann dem Referenten nicht beistimmeu, daß wir kein Interesse haben, den Antisemitismus zu bekämpfen. Wir müssen den Antisemitismus schon deshalb bekämpfen, weil derselbe gegen den ersten socialdemokratischen Grundsatz: „Gleichheit alles dessen, was Menschenantlitz trägt", verstößt. Außerdem wollen wir weder christliche noch jüdische Geldschränke stürmen. Daß der Antisemitismus schon etwas geleistet hat, bestreite ich. Geleistet hat er nur etwas in der Aufreizung zum Klassenhaß. Daß die Regierung dagegen nicht eingeschritten ist, ja daß sie selbst gegen den Mann nicht vorgegangen ist, der Vormittags von der Kanzel herab die Nächstenliebe predigte und Nachmittags in Volksversammlungen die schlimmsten Aufreizungen gegen Andersgläubige trieb, giebt mir den Beweis, daß der Antisemitismus nur ein Werkzeug der Reaction ist. Deshalb muß der Antisemitismus von der Socialdemocratie aufs Entschiedenste bekämpft werden. Handeln denn die christlichen Großcapitalisten immer in christlichem Geiste? Ich arbeite augenblicklich bei einem jüdischen Arbeitgeber, ich muß aber bekennen, daß ich noch niemals so nobel wie jetzt von einem christlichen Arbeitgeber behandelt worden bin. Selbstverständlich trete ich der jüdischen Ausbeutung ebenso entgegen

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