Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 10 (1893)
- Issue
- 10 (10.3.1893)
- Date
- 1893-03-10
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 182 Vrstrrreichifchr MochrnfnrrlsL Nr. 10 dem Canal in der Linken Bahngasse zugeführt erhält. Daß dieser Canal eigentlich eine — Gasse ohne Schutzgitter ist, deren Spülicht die Nasen aller anständigemLente beleidigt, dürfte Ihren Lesern wohl zur Genüge bekannt sein. Hochachtungsvoll I. P. Wien. 5. März (Bon der Baron Hirsch-Stiftung). Die Lehrer sämmtlicher Schulen der Baron Hirsch-Stiftung in Galizien haben im vorigen Monate eine Conferenz zu Stanislau abgehalten und beschlossen, die Resultate dieser Conferenz durch Absendung einer Deputation nach Wien dem Curatorium zur geneigten Kenntnißnahme zu unterbreiten. Diese Deputation, bestehend aus den Leitern der Schule von Kolomea und Boryslav und des theoretischen Unterrichtes der Gewerbeschule von Krakau, erschienen vorige Woche in Wien und wurden von dem Präsidium des Curatoriums eingeladen in zwei hiezu einberufenen Sitzungen über ihre bisher gemachten Erfahrungen und Wahrnehmungen Bericht zu erstatten. Die Deputation erklärte sich von dem Resultate ihrer Mission außerordentlich befriedigt und reiste in gehobenster Stimmung in ihre Heimat. Wien. Heinrich Heine und Pileczek. Aus Prag wird uns berichtet: Das czechisch-radikale Montagsblatt „Neodvislost" meldet: Die von den Wiener deutschnationalen Studenten an den Gemeinderath von Düsseldorf wegen Nichtbewilligung des Platzes für das Heine-Denkmal gerichtete Dankadresse wurde auch von vielen czechischen Studenten in Wien unterschrieben, darunter vom Obmann der Wiener »^eaäemipk^ Spolek" Namens Pileczek. Bei der Mehrheit der Mitglieder dieses Vereins rief dies große Erbitterung hervor, so daß Obmann Pileczek und drei Ausschußmittzlieder sich veranlaßt sahen, ihre Demission zu geben. Wie«. Aus der deutschen Reichshauptstadt wird uns geschrieben: Der Ex-Rector Ahlwardt, welcher jetzt den Titel „Rentier" führt, hat Plötzensee bereits verlassen und in Begleitung feines Genossen Pickenbach Samstag, den 25. Februar seinen Einzug in den deutschen Reichstag gehalten, wo man ihn ledoch keiner besonderen Beachtung würdigte. In der „Staatsbürger-Zeitung" läßt Ahlwardt seine Entlassung aus der Haft durch den Vorschlag feiern, daß man ihm einen Betrag in der Höhe von 50.000 Mark als „Nationalgeschenk" spende, und alle die bemittelten Antisemiten, welche zu der bei Gericht erlegten Caution in der eben angegebenen Höhe beigesteuert hatten, werden höflichst eingeladen, auf ihren Cautionsantheil zu Gunsten Ahlwardt's zu verzichten. Das muß man Ahlwardt lassen: er ist ein Meister im „Schnorren", von dem die Herausgeber unserer christlichen Journale noch lernen könnten; hat er doch nach seinem eigenem Geständnisse auch schon „edle Juden" gehörig ongepumpt. Die Criminalstatistik des kaistrlichen Statistischen Amtes, welche jahrgungsweise die wegen a) Verbrechen und b) Vergehen gegen Reichsgesetze Verurtheilten nach persönlichen, örtlichen, und confessionellen Gesichtspunkten zusammenstellt, ist für 1890 soeben erschienen. Der Religion nach waren 1890: a b Evangelisch. 221.446 1038 8 Katholisch. 150.853 1238*1 Ueberhaupt Christen. 372.644 1108*9 Juden. 3.546 867*4 Die Juden sind also an den criminalistischen Verstößen nur mit 867*4 von 100.000 Köpfen am wenigsten betheiligt, um 171*4 weniger als evangelische, und um 370*7 weniger als katholische Christen. Die Legende von dem verbrecherischen Hang der Juden zerfällt damit, wie so manche andere, in Nichts. Bezüglich der örtlichen Vertheilung der Verbrechen wollen wir einen Berufsstand, den ärztlichen, auch nach den confessionellen Gesichtspunkten, herausgreifen. Die Criminalstatistik für 1890 zählt der Religion, bezw. Confession nach: Evangelisch. 42 Katholisch. 30 Jüdisch 9 Ohne Angabe der Religion und Confession .... 2 Also auch hier bleiben die jüdischen Aerzte weit hinter ihren christlichen Collegen zurück, obwohl man sonst so viel über die Verjüdelung des Aerztestandes schreit und allerdings das Zahlenverhältniß der jüdischen und christlichen Aerzte zu einander ein percentual höheres ist, als nach den Strafziffern erwartet werden sollte. Herr Stöcker nahm bei der Besprechung der Sonntagsruhe in der Reichstagsfitzung Gelegenheit, wieder einmal die Judenfrage anzuschneiden. „Eine andere Schwierigkeit entsteht daraus, daß die Juden einen anderen Sabbath haben; ich habe schon öfters darauf aufmerksam gemacht. Es ist für uns doppelt nöthig, dafür zu sorgen, daß der christlichen Diener¬ und Gehilfenschaft, die bei Juden im Dienste stehen, der Sonntag nicht vorenthalten wird. Es ist häufig vorgekommen, daß jüdische Principale die drei jüdischen Festtage hindurch ihre christlichen Gehilfen nicht haben arbeiten lassen, dafür aber an den nächsten drei Sonntagen Sonntagsarbeit gefordert haben." Hierauf erwiderte der freisinnige Abgeordnete Wöllmer: „In einigen seiner Desiderien scheint mir der Vorredner zu weit zu geben, z. B. hinsichtlich der bei jüdischen Unternehmern angestellten Personen; wenn diesen durch die einmal vorhandenen Verhältnisse drei Tage für die Arbeit verloren gegangen sind, warum soll es da als besondere Wohlthat oktroyirt werden, auch noch einen vierten Ruhetag zu haben. Ich gebe zu, daß der Sonntag eine besondere Bedeutung hat; aber ich meine, es kommt doch noch eine Summe anderer Momente hinzu, die dagegen sprechen, daß dieser Categorie von Personen unter allen Umständen noch ein anderer Ruhetag gegeben wird. Soweit ich die Lebensgewohnheiten der Israeliten kenne, giebt es viele Fälle, wo den Personen, die durch die israelitischen Feiertage gezwungen werden, die Arbeit ruhen zu lassen, trotzdem der Lohn nicht vorenthalten wird." Die letzte. Bemerkung des Herrn Wöllmer trifft zu. Die jüdischen Arbeitgeber, welche ihr christliches Personal an jüdischen Festtagen feiern lassen, thun dies aus religiösen Motiven und bringen hiefür bereitwillig manches Opfer. Gerade dieselben Personen sind es, welche — eben diesem religiösen Sinne folgend — auch darauf achten, daß der Andersgläubige seinen Feiertag heilig halte. Die gegentheilige Behauptung des Abgeordneten Stöcker wird dieser wohl schwerlich durch Nennung von Namen belegen können. Troppau. (Berichtigung.) Gegenüber der Correspondenz in Nr. 7 der „Oest. Wochenschrift", welche eine Liste der Hoteliers mit „Damenbedienung" enthielt, ersucht uns der Besitzer des Hotels „zum römischen Kaiser" in Troppau zu constatiren, daß sein Hotel von den besten Gesellschaftskreisen frequentirt, keinerlei Damen zur Bedienung hält, sondern eine achtbare Witwe als Stubenfrau. Das Hotel genieße einen guten Ruf, welchen es wohl verdient. Graz. 6. März. Im Hinblicke auf den im Gemeinderathe von antisemitischer Seite Angebrachten Antrag, das rituelle Schächten im Stadtgebiete zu* verbieten, hat sich nunmehr der Stadtrath im Wege der Statthalterei an das Ministerium des Innern mit der Anfrage gewendet, ob die Regierung der Ansicht sei, daß ein derartiges Verbot gegen das Staatsgrundgesetz verstoßen würde und ob die Gemeinde zu einem derartigen Verbot competent sei. Friedek. Von der neuen Cultusgemeinde F r i e d e k - M i st e k. Am 26. Februar, 2 Uhr Nachmittags, fand im städt. Rathhaussaale zu Friedek die letzte General-Versammlung des Friedek-Mistek-Colloredower Cultusvereines statt, bei welcher vor Erledigung der Tagesordnung vom Vorsitzenden Herrn Herrmann Löw dem jüngst dahingeschiedenen hierorts so hochgeehrten Herrn Kreis-Rabbiner Simon Friedmann ein warmer Nachruf gewidmet wurde, worin die besonderen Verdienste des Verewigten, seine Humanität und Leutseligkeit als wahrer Priester der Religion in begeisterten, die Herzen der Zuhörer tief ergreifenden Worten geschildert und der einmüthigen Zustimmung zu dieser Trauerkimdgebung durch Erheben von den Sitzen und Aufnahme in das Protokoll Ausdruck gegeben wurde. Nach der allgemeinen Berichterstattung über die Thätigkeit des Vereines in der letzten Berwaltungsperiode und gleichzeitigen Rückblick auf das gesammte Wirken des Vereines seit seiner mehr als 30jährigen Gründung wurde der Cassabericht und der Antrag der Revisoren auf Ertheilung des Absolutoriums genehmigt. — Hierauf sprach das Vorstandsmitglied Herr M. Schwarz, sowohl dem Vorsitzenden für seine vieljährige aufopferungsvolle Thätigkeit, als auch der gesummten Bereinsleitung in einer von öfterem Beifall unterbrochenen inhaltsvollen Rede den gebührenden Dank aus und gedachte auch in pietätvoller Erinnerung aller jener edlen Menschen, die an dem Aufblühen des Cultusvereines seit dessen Bestände in aufopfernder Weise mitgewirkt. — Schließlich wurde dem Reichsraths- Abgeordneten für die Stadt Mistek Herrn Prof. Dr. Habermann der einstimmige Dank für seine Bemühungen um Erlangung der selbstständigen Cultusgemeinde Friedek-Mistek votirt — Nach einer halbstündigen Pause wurde die Wahl von 7 Mitgliedern für den provisorischen Cultusgemeinde-Ausschuß der neu